Spinnen im Märchen

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Spinnen im Märchen

Beitragvon Ingo » 22.09.2004, 08:19

Jetzt mal eine absolute Anfängerfrage für die absoluten Profis:

Das Märchen vom Dornröschen - allen bekannt hier im Forum? - gut (hätte mich auch gewundert, bei der wichtigen Rolle, die eine Spindel dort spielt).

Kann mir mal bitte jemand erklären, wie man/frau (respektive Prinzessin) sich an einer Spindel stechen kann ?

Aus welchem vernünftigen Grund sollte eine (oder beide?) Seiten einer Handspindel nadelspitz sein, oder war das ein Spinnrad? (so ganz sicher bin ich mir jetzt selbst nicht mehr)

Vielleicht gibt es ja eine Methode des Spinnens, bei der die Spindel sich wie ein Kreisel auf dem Boden dreht und der entstehende Faden durch immer höher gehaltener Hand länger wird (also nicht die Spindel sich beim spinnen in Richtung Boden bewegt, sondern der Arm mit dem Faden nach oben) - aber dazu wäre eine "stumpfe" Spitze doch ausreichend - sonst gibt es doch ständig neue Löcher im Fußboden.
Oder waren Handspindel und Dreule im MA ein und dasselbe und wurden mal für den einen Zweck und mal für den anderen Zweck verendet und der Boher blieb immer dran?

Viel Spaß bei dieser Knobelaufgabe - ich bin wie immer gespannt auf die Antworten.
Ingo
 

Beitragvon Big-Bonsai » 22.09.2004, 09:49

Hallo.

Ingo: das find ich toll, dass du auch unter die "Spinner" gegangen bist!

Dornrößchen ist ja ein Märchen, welches schon lange überliefert ist. Gesammelt haben es die Gebrüder Grimm, soweit wissen es alle.
Die Grimms waren allerdings absolute Kinder der Romantik und man muß einräumen, dass die Romantiker mit ihren komischen Idealen unser heutiges klischeehaftes Bild des MA prägten. (=Ritter sind sooo toll und MA bestand eigentlich nur aus Schweinehaxe-und-Bratkartoffel-essen ).

Ich glaube kaum, dass in der ursprüglichen Geschichte die Prinzessin wirklich an einem Spinnrad saß, da dieses (glaub ich) erst Ende des 15. Jahrhunderts aufkam.
Wenn du dir Bilder von Spinnerinnen ansiehst (hab grad keins parat), dann siehst du, dass sie Leinen von einem Flies abspinnen. Das Ding liegt auf einem Stab aufgerollt, den die Spinnerin in die Höhe hält, bzw. am Spinnnrad befestigt ist.
Dieses Ding (ich habe keine Ahnung, wie es heißt), ist jedenfalls oben spitz zulaufend.

Ich habe sowas mal gesehen, und manche sind mit einer kleinen spitzen Metallkappe ausgelegt (hab ich bei dem einen Modell gesehen). Evtl. hätte sie sich daran stechen können. Aber eine "normale" Holzspitze ist auch spitz genug.

Auffalend ist ja, dass das Mädel im Märchen zwar noch nie ein Spinnrad ( oder eine Spindel ) gesehen hat, aber gleich auf Anhieb spinnen kann! Wird man da nicht neidisch?!
Aber das ist damit zu erklären, dass Spinnen auch bei Grimm´s als tugendahft galt. Und eine tugendhafte Prinzessin muss dies natürlich können; sie würde ja sonst schlecht da stehen. Außerdem war spinnen so "normal" für die Leute, die sich dieses Märchen erzählten, dass sie sich kaum vorstellen konnten, das jemand - und vorallem ein Mädeln - es nicht konnte!

Also, ihr seht, Geschicht lebt und verändert sich im Laufe der Zeit. Die selben Belege können in unterschiedlichen Kutluren oder Zeiten ganz anders interpretiert werden. Fragt Barde, der weiß das! (*winkzubarde*)

Grüßle
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Beitragvon Ingo » 22.09.2004, 10:11

Also ich kenne die Geschichte so:

*Märchenstunde an*

Als die 13. Fee ihre Verwünschung zur Geburt der Prinzessin aussprach, dass sie sich am 15. Geburtstag an einer Spindel stechen soll und tot umfallen soll (wurde dann ja Gottseidank von einer anderen Fee, die ihren Wunsch noch nicht ausgesprochen hatte abgeschwächt in einen 100-jährigen Schlaf) - daraufhin hat der König verfügen lassen, das alle Spindeln im Königreich verbrannt werden sollten - ergo konnte niemand der Prinzessin dies beibringen und sie dies auch nicht lernen.

Als sie nun (neugierig auf alte Handarbeitstechniken wie hier im Forum so viele andere auch ) in Abwesenheit ihrer Eltern an besagtem Geburtstag erstmalig in den hohen Turm stieg und dort ein bisher von ihr unbemerkt gebliebenes kleines Zimmer entdeckte und dies auch noch unverschlossen war, trat sie ein und dort saß - nein nicht unsere Claudia die Flinke, sondern ein altes Mütterchen (die 13. Fee?) und spinnte (sponn?), das Mädchen - noch neugieriger geworden! - trat näher und sah erstaunt auf die sich drehende Spindel (hatte soetwas noch nie gesehen - wie so viele junge Mädchen heute auch noch/wieder) und fragte die Alte, was das denn sei und griff danach - Peng, äh nein, Stich und Plumps zu Boden.

*Märchenstunde aus*

War das nun eine Handspindel oder ein (sich drehender?) Spinnrocken oder wußten die ollen Grimms auch nicht wie richtig gesponnen wurde/wird und haben sich da einfach was zusammengegesponnen?

Auf jeden Fall eignet sich dies Märchen als Stoff für ein neues Stück, welches ich mit der Klasse meines Sohnes für einen Theaternachmittag einüben kann (bis dahin muss ich noch spinnen lernen oder jemanden von Euch engagieren - guck zu Claudia )

Noch allen einen schönen Tag
Ingo
 

Beitragvon N.R.U. » 22.09.2004, 12:35

mithfenien hat geschrieben:Huhu Ingo!

Sie 'spann'...

Big-Bonsai hat da ganz recht, die Gebrüder Grimm haben die von ihnen gesammelten Märchen stark bearbeitet. (u.a. 'kindertauglicher' gemacht, indem sie den sich unter dem Hemde spannenden Bauch von Rapunzel weggedichtet haben... ) Wer mal rekonstruierte 'Originalfassungen' lesen möchte, der schaue hier hinein:

www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/35965063 ... 90-6872536

'Die wahren Märchen der Gebrüder Grimm', da sind die eigentlich gesammelten Märchen drin, vor der Bearbeitung durch die Grimm's...

Allerdings ist das so eine Sache mit einer 'Originalversion' bei einer mündlichen Überlieferung... man kennt das ja, ein jeder Erzähler tut was dazu oder lässt was weg, passt die Geschichte an, so dass sie zu seiner Zeit verständlich wird.

Was nu mit Dornröschens Spindel war, da müßte ich zu Hause mal nachschauen. Bei Spinnrädern kenn ich mich nicht so gut aus, wie wird denn da die Spindel eingespannt? Gibt's da u.U. irgendwelche spitzen Metallteile?

Wirklich eine interessante Frage, da müßte man mal hinterher sein...

Liebe Grüße,
Mithfenien
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Beitragvon Ingo » 22.09.2004, 12:45

Waaas, Rapunzel war schwanger ?!
Und in diesem Zustand hat die Frau schwer gehoben (Prinz an den Haaren hochklettern lassen)?
Ingo
 

Beitragvon N.R.U. » 22.09.2004, 13:00

Sabine hat geschrieben:Hallo Ihr's,
Ihr habt Fragen.....*seufz*
Kennt Ihr nicht den Satz von Dornröschen: "Ei, was für ein lustiges Ding ist das, das dort auf und ab hüpft?"

Damit ist eindeutig eine Handspindel gemeint, wie Nicole ja schon geschrieben hat, kam das Spinnrad später. Da ist allerdings an der Spindel oben und unten oft ein Metallstift/Nadel mit denen die Spindel in einer Halterung liegt und um die sie sich schnell drehen kann.

Wie man sich an einer Handspindel stechen kann ist mir auch ein Rätsel, es sei denn der Faden reißt mal wieder und das Ding steckt einem im Fuß ....oder beim Andrehen, an einer gesplitterten Version....

*grins*, ich frage mal Christian. Und danke Ingo, für die Frage! Dann kann ich mir jetzt schon den Kopf drüber zerbrechen, ansonsten hätte sie bestimmt meine Tochter morgen gestellt (habe jetzt schon 5 Spindeln hier rumliegen), denn die liebt Dornröschen, Prinzessinnen u. ä.

Liebe Grüße
Sabine
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Beitragvon N.R.U. » 22.09.2004, 13:11

mithfenien hat geschrieben:Na, überleg mal, Ingo, war sie schwanger, BEVOR der Prinz am Haar hochgeklettert ist, oder DANACH?
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Beitragvon Ingo » 22.09.2004, 13:15

:blush:

P.S. übrigens soll (so hat auch Bine in dem Posting unter Spinnrad schon richtig geschrieben) das Spinnrad schon im 13. Jahrhundert nach Europa gekommen sein ...
Ingo
 

Beitragvon Flinkhand » 22.09.2004, 13:47

Ihr dürft nicht vergessen, daß die Spindel unter einem Fluch stand. Der Fluch war wohl spitzer als die Spindel selbst, denk ich ... wenn die Bösen Hexen das gewollt hätten, dann hätte sich Dornröschen auch an einem Flummy stechen können, da wette ich drauf.

Und das Spinnrad wurde erstmals 1298 in einer Handwerksverordnung der Stadt Speyer erwähnt (allerdings noch ohne Tritt - man mußte es von Hand ankurbeln und konnte also nur mit einer Hand spinnen).

Viele liebe Grüße,
Zuletzt geändert von Flinkhand am 21.05.2006, 08:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Ingo » 22.09.2004, 13:54

Was die Cheffin so alles weiß !!!

Dann entsteht ja wieder mal eine ganz andere Sicht auf den tieferen Sinn solcher Märchen (wie so oft steckt ein eher übertragener Sinn dahinter) - danke für diesen erhellenden Gedanken .

Das erwähnte "Spinnrad" aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, war dies das sogenannte "Spindelrad" (Vorläufer des eigentlichen Spinnrads)?

Noch einen schönen Herbsttag
Ingo
 

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