Spinnen im Märchen

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

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Beitragvon Ziuwari » 13.06.2007, 16:48

Ich glaube, dass der Flachs schuld war bei der goldmarie hatten wir auch weiter vorne schon postuliert :biggrin:

und die von drosselbart "ach ich arme jungfer zart, hätt ich genommen den König Drosselbart" sticht sich ja auch an allem ^^
Weiden, Flachs....
Saelic, saelic sî diu wunne,
saelic sî des wunnebernden meien zît,
saelic sî der vogel singen,
saelic sî diu ouwe, saelic sî der walt!
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Beitragvon Klara » 29.10.2007, 15:22

Big-Bonsai hat geschrieben:
Nochmal zu Dornrösi. Zitat: "Ei, was für ein lustiges Ding ist das, das dort auf und ab hüpft?"
Ich weiß ja nicht, wie ihr per Handspindel spinnt, aber bei mir hüpft da nix auf und ab.


Bei mir auch nicht - aber das liegt nur daran, dass wir es nicht richtig können. Neulich war eine Doku über die Anden im TV, und bei den indianischen Spinnerinnen sah das aus, als spielten sie mit einem Jojo (war aber eindeutig eine ganz schlichte Tiefwirtelspindel). Mir ist der Mund offengeblieben. Leider habe ich die Sendung nicht aufgenommen, kann's mir also nicht in Zeitlupe noch mal anschauen. Ich hoffe aber, dass mir Abby Franquemont im Knitter's Review Forum eine genauere Beschreibung liefert...

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Beitragvon Lise » 30.01.2010, 11:23

Hallo!

Ich weiß, das hier ist ne sehr alte Dikussion, aber ich wollte mal einfügen, dass es ei sehr spannendes Buch über die Problematik "wer sticht sich wann und was passiert danach" gibt.
Helga Volkmann, Purpurfäden und Zauberschiffchen - Spinnen und Weben in Mythen und Märchen (erschienen bei Vandenhoeck & Ruprecht)
Also das kann ich nur empfelen. Sehr spannend und informativ. Sie versucht nämlich nebenbei auch nch auszudröseln wo die Märchen und die einzelnen Figuren (bspw. die alte Frau in dem Turm bei Dornröschen) ihren Ursprung haben. Sehr spannend...
Ich hoffe keiner stört sich an meiner verspäteten Antwort :blush:

Liebe Grüße, Lise
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Beitragvon Klara » 30.01.2010, 12:32

Vielen Dank für den Hinweis! Ich finde das Buch nur ein bisschen teuer - vor allem, da textiltechnisch doch etliche Fehler drin sind (laut Amazon-Kritik und lesbarem Auszug).

Da ist mir Women's Work - The First 20,000 Years von E.W.Barber lieber. Da handelt zwar nur ein Kapitel von Mythen, aber dafür ist Barber Textilfachfrau (im Buch geht's um Textilherstellung von den Anfängen bis zur Antike).

Ciao, Klara

PS: Wie die Spinnerinnen in Peru die Spindel zum Hüpfen bringen, weiss ich immer noch nicht - die Sendung wird einfach nicht wiederholt :wein:
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Beitragvon Hîdril » 30.01.2010, 14:15

Spinnen die wirklich oder zwirnen die? Ich meine, beim "Andenzwirnen" (ich glaube, so heißt das) wird der Faden doch in Schlaufen gelegt und mit sich selber verzwirnt. Dadurch könnte die Spindel schon wie ein Jo-Jo hüpfen. :gruebel:
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Beitragvon Lise » 30.01.2010, 18:48

Hmmm, da kenn ich mich nicht so aus. Weiß gred spontan auch gar nicht, was du meist, Hîdril. Kannst du mir das kruz erklären?

@Klara: ich habe mir das Buch mal in den Semsterferien gekauft, weil ich nichts besseres zu tun hatte. Wo sind denn da die Fehler? Ich wollte das nämlich eventuell mit für meine BA-Arbeit verwenden...
Und wie ist Barber so? hast du sie gelesen? Hast mich ja neugierig gemacht...
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Beitragvon samaha » 31.01.2010, 00:38

Hîdril hat geschrieben:Spinnen die wirklich oder zwirnen die? Ich meine, beim "Andenzwirnen" (ich glaube, so heißt das) wird der Faden doch in Schlaufen gelegt und mit sich selber verzwirnt. Dadurch könnte die Spindel schon wie ein Jo-Jo hüpfen. :gruebel:


Hallo,

sie spinnen und das in einer Geschwindigkeit, da können wir blass werden

http://www.youtube.com/watch?v=Mp78jcvJizA

schau ein paar Minuten rein, dann wird's richtig interessant
Sabine
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Beitragvon Hîdril » 31.01.2010, 14:11

Lise hat geschrieben:Hmmm, da kenn ich mich nicht so aus. Weiß gred spontan auch gar nicht, was du meist, Hîdril. Kannst du mir das kruz erklären?


Ich meinte das hier: Navajospinning

Ich hatte das mit dem Navajospinnen verwechselt. Da wird es zwar am Spinnrad gezeigt, aber ich habe mir sagen lassen, es ginge auch mit der Handspindel.
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Beitragvon Klara » 01.02.2010, 13:12

Volkmann beschreibt das Flachsspinnen z. B. folgendermassen "durch Drehen und Drillen wird ein Faden aus dem ungeordneten Grundmaterial gezogen (dem Rocken, auch Wocken) und über einen hölzernen Stab (die eigentliche spindel) in die gewünschte bzw. mögliche Fadendichte und -feinheit gezogen. "

Jetzt mal abgezogen vom Stil, den ich für eine Germanistin peinlich finde, ist inhaltlich doch fast alles falsch: der Flachs auf dem Rocken ist sorgfältig geordnet (und aufgewickelt und festgebunden), die gewünschte Anzahl von Fasern wird gerade (d. h. Fasern noch parallel) rausgezogen, mit Hilfe der Spindel zum Faden verdreht und schliesslich auf diesselbe aufgewickelt.

Weitere Fehler werden in der Buchbesprechung aufgelistet - alles spinntechnische Einzelheiten. Sprich, jemand der vom praktischen Spinnen und seiner historischen Entwicklung gut Ahnung hat, wird die Fehler im Text problemlos finden (also nicht unbedingt ein Problem für die BA-Arbeit - ausser dein Prof besteht auf Quellenbelegen für jedes Mal, wo du der Autorin widersprichst), aber ich hab's einfach satt, Geld für Bücher auszugeben, wo ich dann Fehler über Fehler finde. Und inwieweit die mangelnden Spinnkenntnisse zu falschen Interpretationen der Märchen finden, wage ich nicht zu sagen...

Von Barber habe ich die beiden Bücher gelesen, die günstig zu kriegen waren (Prehistoric Textiles kostet ein Vermögen und sooo genau will ich's wahrscheinlich gar nicht lesen - Korrektur, bei Amazon.com für 40 Dollar zu kriegen, muss ich doch glatt drüber nachdenken...): "Women's Work, the first 20,000 years" und "The Mummies of Ürümchi". Barber schreibt flüssig, interessant und allgemeinverständlich (amerikanisch halt, und diese beiden Bücher sind eindeutig für ein breites Publikum, nicht nur Textilspezialisten) - gute Englischkenntnisse vorausgesetzt. Women's Work ist Text mit Zeichnungen, bei den Mumien sind auch ein paar Farbfotos mit drin (da geht's insgesamt um die Frage "Wo kamen die Leute her?" - nicht nur um die Textilien).

Als ich Women's Work gelesen habe, war ich von Textilarchäologie noch völlig unbeleckt, es war also alles neu und spannend und falls Fehler drin wären, hätte ich die nicht gefunden. Aber grundsätzlich klingt alles sehr sinnvoll für mich (warum Textilien traditionell Frauenarbeit waren, und warum es in Subsitenzwirtschaftssystemen so aufwändig hergestellte Textilien gibt, etc.). Und Barber ist selbst Weberin (in der Einleitung schreibt sie, wie sie einen Hallstatt-Fund nachwebt und dabei merkt, dass sie Kette und Schuss vertauscht hat), geht also mit anderen Augen an die Funde als Leute, die nur Archäologie studiert haben.

Weil das Thema des Threads Märchen sind, hier ein kleiner Auszug aus dem Kapitel "Behind the Myths": In der griechischen Mythologie werden mindestens zwei Mal Leute mit Kleidung vergiftet, die in Drachenblut getaucht wurde. Hintergrund, laut Barber, sind Stoffe, die mit zerriebenem Realgar rot gefärbt wurden. Realgar ist Arsensulfit - und Arsen auf der Haut ist auf Dauer ungesund.

Also ich kann Barbers Bücher Leuten, die Englisch problemlos lesen, nur empfehlen.

Ciao, Klara
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Beitragvon Lise » 01.02.2010, 16:58

@Klara:
Danke für ie ganzen Hinweise. Ich muss ehrlicher Weise zugeben, dass ich Volkmann gelesen habe, als ich noch spinnen konnte. Und mich persönlich haben die Hintergründe und Herkunftsgeschichten mehr fasziniert, sodass ich das auch besser im Kopf behalten habe... Aber vllt sollte ich nochmal reinschauen :lesen:
Nach Womens work werde ich mich mal umschauen. Das klingt vielversprechend.
Danke nochmal!

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