Spinnen im Märchen

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

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Beitragvon Ingo » 23.09.2004, 20:47

Hallo Claudia,

klar war mir das klar mit dem Nesselstoff - ich erwähnte es nur wegen dem mittelbaren Bezug: "märchenhafte Schilderung über Naturfaserverarbeitung mittels mittelalterlicher Handarbeitstechnik zu bäuerlichem Kleidungsstück".

Wenn die Nessel getrocknet bzw. schon aufgefasert ist - kein Brennen mehr, aber die Ernte (ohne Handschuh) - huhhh, das ist dann etwas für die "A"-Päbste

Noch einen schönen Tag
Ingo
 

Beitragvon Big-Bonsai » 23.09.2004, 23:19

Hallo.

Nochmal zu Dornrösi. Zitat: "Ei, was für ein lustiges Ding ist das, das dort auf und ab hüpft?"
Ich weiß ja nicht, wie ihr per Handspindel spinnt, aber bei mir hüpft da nix auf und ab. Bei mir dreht sich da nur was.
Das kenne ich nur von einem Spinnrad: die Verbindung zwischen anzutreibenden Fuß und dem Rad.

Grüßle
"Ich lache - also bin ich!" Donald Duckartes
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Beitragvon spinntantchen » 24.09.2004, 03:16

... der Thread sollte langsam aber sicher in Spinnmärchen oder Spinnradgeschichte umbenannt werden

Zu Spindelspinnrädern:

diese waren schon früh in Indien (versch. Quellen: 9.Jahrh./ab ca. 750 n.Chr.) u. im asiat. Raum bekannt.
Mit den Arabern kamen diese dann im 12./13. Jahrhundert nach Europa.
Wobei sich hier ein anderer Typ verbreitete als dort, nämlich das Große Wollrad (Great Wheel, Walking Wheel) bei dem das Schwungrad direkt mit der Hand angeschupst wurde und man beim Spinnen davor immer hin und her ging.

www.dueppel.de/lexikon/wolle.htm
hier gibts ein Bildchen zum anklicken - mit Holzspindel

www.wyattwheels.com/greatwheel.html
allerdings mit "Minor Head", Aufsatz mit einer Zwischenübersetzung. Patent von 1803 von einem Herrn Minor

Bei Henkys in Wallmow steht auch ein Großes Wollrad (mit Minorshead, Stahlspindel). War Anne Henkys Meisterstück und kann Probegesponnen werden (auf Bestellung kann man auch ein eigenes kriegen - leider kein Bild mehr davon auf der Homepage zu sehen)
www.spinnrad-henkys.de/

In Indien, Asien war eher der Charka-Typ verbreitet.
Meist denkt man bei Charka immer an das Indische Buch-Charka, wie es von Ghandi verbreitet wurde. Siehe:
www.pacificwoolandfiber.com/Charkha.htm

Charka bedeutet aber einfach nur Spindelspinnrad mit Hand(kurbel)antrieb. Bildchen siehe auch hier:
texmin.nic.in/annualrep/pix-17.gif
www.4to40.com/images/activities/artcraf ... harkha.gif

Ich denke, man wird bestimmt schnell darauf gekommen sein, die Spindel dieser Räder aus Metall zu machen, weil sich Holz bestimmt schnell abgenützt hat.
Ich habe selbst ein Indian Book Charka und ein aufrechtes Charka von Ashford und ich muss sagen, die Spindelspitzen von beiden sind wirklich seeeehr spitz und verletzungsträchtig.
Insofern denke ich mir, dass sich Dornröschen an einem solchen Großen Rad mit spitzer Metallspindel verletzt haben mag.

Zu dem "hüpfenden" ...
Wer mal an einem Spindelspinnrad gesponnen oder dies gesehen hat, wird wissen, dass bei jeder Umdrehung der Spindel der Spinnfaden so über die drehende Spindelspitze hinweghüpfen muss (dieser wird ja schräg von der Spindelspitze weg ausgezogen). Schätze mal dieses "Hüpfen" an der Spindelspitze war Dornröschens verhängnis.

zu dem blutenden Spinnfinger:
dabei dürfte es sich wohl um eine Flachsspinnerin (oder Pflanzenfasern mit ähnlichen Eigenschaften) gehandelt haben.
Erstens ist Flachs eine sehr harte, feste, steife Faser und ein dünner Faden kann schnell einschneiden und entsprechenden Abrieb erzeugen.
Zweitens wird Flachs feucht versponnen bzw. der frisch gesponnene Leinenfaden wird angefeuchtet um ihn zu glätten. Dies wurde meist mit angefeuchteten Fingern (deshalb sind an manchen Spinnrädern oder Wockenstäben auch kleine Becherchen zu finden) getan (habe aber auch schon Bilder gesehen wo der Faden durch den Mund gezogen wurde ... vor Selbsttests sei gewarnt). Die so feuchte gequollene Haut am Finger geht dann natürlich noch schneller putt ...

Gruß DAGO

[mod="Flinkhand"]Ich habe diesen Thread so geteilt, daß es hier wirklich ausschließlich um Märchen geht ;-) [/mod]
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Beitragvon Zauberin » 24.09.2004, 05:04

Seid gegrüßt!

Tjaja, die Sache mit Dornröschen... Wie oft hab ich mir die Frage schon gestellt. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass es doch eine Handspindel gewesen sein muss und kann!

Es muss meines Erachtens eine gewesen sein, weil das Märchen wohl doch zu alt ist für Spinnräder und Ähnliches. Der Aufruf von ihr des "Auf- und Abhüpfens" muss evtl. eher in Richtung "Spindel geht langsam immer weiter zu Boden, um dann von geschickten Händen, bevor sie den Boden ganz berührt, aufgewickelt zu werden" u.ä. Das ist aber wahrlich zu lang und außerdem nicht handlungsentscheidend?! (Sorry, letzteres flüsterten mir die Reste meines Deutsch-GKs )

Man kann sich im Übrigen auch an einer Holzspindel ganz gut den Finger stechen. Man nehme an: Die Spindel, die einzige des Königreiches, ist schon über 15 Jahre alt und natürlich tagtäglich in Gebrauch. (Wo sollte sonst so viel Garn für die Klamotten der gesamten Bevölkerung herkommen) Sie ist also schon seeehr gebraucht, splittert schon an der Spitze. Dornröschen, in ihrem jugendlichen Leichtsinn, hat jetzt nichts besseres zu tun, als ihre zarten Fingerchen, direkt unter die sich drehende Handspindel zu halten. Autsch, das tut weh. Meint ihr nicht?! Das sind so Sachen, die mir einfallen, wenn ich am Spinnen bin und grad mal alles wunderbar läuft (und nicht ständig der Faden reißt...)

Sagt mal, was ganz anderes: Rapunzel war von ihrem Prinzen schwanger??? Vor oder nach der Hochzeit? Hab ich ja noch nie gehört. Vielleicht sollte ich wieder mehr Märchen lesen...

Hexliche Grüße
Maike
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Beitragvon N.R.U. » 24.09.2004, 11:06

mithfenien hat geschrieben:Huhu!

@Zauberin: zu Deiner letzten Frage: vor der Hochzeit, sonst hätten die Brüder Grimm es ja nicht editieren müssen... Wenn Du Märchen lesen möchtest, leg ich Dir nochmal meinen Link von weiter oben zu den 'wahren' (also uneditierten) Märchen der Brüder Grimm nahe, denn da klären sich oft auch solche auf Bearbeitung basierenden Fragen wie Handspindel oder Spinnrad... (bin leider noch nicht zum Nachschauen gekommen, *schäm*)

Gruß,
Mith
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Beitragvon N.R.U. » 29.10.2004, 21:37

indimoon hat geschrieben:hallo erstmal!

Etwas zu den erwähnten Märchen.
Erstens Dornröschen:
Es handelt sich um eine Handspindel. ich habe das Märchen gerade noch gelesen und da ist fünf bis sechs mal von einer Spindel die Rede zm Beispiel : "in der Kammer saß eine alte Frau mit einer Spindel und spann" Manche Handspindeln sind am langen Ende sehr spitz, ich glaube das Dornröschen sich am ehesten daran gestochen hat.

zweitens Feldsalat ähh Rapunzel:
Rapunzel hatte keine sehr langen Haare(nur bis zu den Hüften was relativ ist) ihre Haare reichen erst bis zum Boden wenn sie sie um einen Haken am Fenster ihres Turmes schlang (oder eine Spindel im DEFA- Film ) und nachdem die Hexe hinter die Beziehung gekommen ist schmeißt sie den Prinzen vom Turm, der fällt in eine Dornenhecke und ist blind. die Hexe zaubert rapunzel in eine ödnis. Jahre später findet der Prinz Rapunzel, sie weint ihm auf die Augen, er kann wieder sehen und nimmt Rapunzel und IHRE BEIDEN KINDER mit auf sein Schloss.

Noch ein schönes Märchen in dem es ums Spinnen geht ist Die Drei Spinnerinnen.
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Beitragvon Silvia » 09.03.2007, 12:58

Hach habt Ihr ,mal ein Taschentuch?Ist das schön.
Das wollte ich schon lange mal wissen,wie das mit der Spindel und Dornröschen war.
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Beitragvon Ziuwari » 09.03.2007, 16:42

Hihi und ich wollte wissen, wie das mit der Goldmarie war, wie man sich da die finger blutig kriegen kann ^^

aber über den buchtipp denke ich nun nach :biggrin:

wir haben n uraltes grimmbuch das schon soo brutal und ungeschönt ist, dass ich nicht weiß ob ich noch mehr vertrag xD
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Beitragvon Ziuwari » 11.03.2007, 20:22

hab nochmal nachgeschaut... in meiner version der grimmlies hat rapunzel auch am ende zwillinge...
falls das interessiert :biggrin:

und hab nochn anderes schönes märchen gefunden...
es heisst glaub cih "nadel, spindel und webeschiffchen" oder so ähnlich :-)
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Beitragvon Wolfskind » 12.03.2007, 20:33

Darf ich auch noch etwas Off Topic fragen? :blush:

Ich habe es nie verstanden: Warum lassen Dornröschens Eltern sie an ihrem verhängnisvollen Geburtstag allein? In dem mir zugänglichen Märchenbuch steht darüber irgendwie nichts. Immer nur soetwas nichts sagendes wie "waren auf Reisen"... :lesen:
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