Spinnen im Märchen

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

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Beitragvon Claudia » 12.03.2007, 20:59

Wenn sie auf Reisen waren, wie hätten sie dan zusammen mit Dornröschen einschlafen können? Da stimmt was nicht.
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Beitragvon Ranya » 12.03.2007, 21:10

hach, die "Dornröschen-Diskussion" kommt mir bekannt vor... genau die hab' ich mit einer Klassenkameradin auch schon mehrmals geführt:

Am Anfang vom Ende stand dabei immer die Aussage "Aber die hat sich doch auch an ihrem Spinnrad gestochen" - wobei die Gute ja mal wirklich keine Ahnung vom (produktiven) Spinnen hat.

Bei ihr baute sich dieses festzementierte Welt- und Spinnradbild auf dem Film von Disney auf - getreu dem Motto "der ist halt authentischer als eure Spinnräder"... (und nein, ich habe dem Drang, sie in den Hals zu beißen nicht nachgegeben... :devil: )

Ich hab ja schon fast alles ausprobiert, mir die Handspindel das eine oder andere Mal recht manierlich auf den kleinen Zeh gedonnert :biggrin: und auch schon die Finger ins Spinnrad geklemmt - aber gestochen hab' ich mich (in Ermangelung spitzer Stellen) noch nie...

Hmmm, mal noch 'ne ganz andere These: Wäre es möglich, dass die Prinzessin nicht spinn-unfähig und Hexen-Spindel-geschädigt war, sondern in der Original-Erzählung eine ganz andere Handarbeit ausgeübt hat?

Könnte es nicht sein, dass ursprünglich nicht Spinnen, sondern Sticken oder so was gemeint war (halt eine Technik mit spitzen Gegenständen, wie z.B. Nadeln?) und das dann aus motivtechnischen Gründen (--> das mit der Tugendhaftigkeit vielleicht?) geändert und angepasst wurde?
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Beitragvon gila » 12.03.2007, 21:58

Ich weiß ja nicht, aber spitze Dinger, an denen sich große Mädchen stechen, wecken im allgemeinen eher weniger tugendhafte Assoziationen... :devil:

Die verbrannten Spindeln können durchaus einen realen Hintergrund gehabt haben: Ein paar Jahre weiter oben im thread schreibt jemand, dass die Spinnräder im späten Mittelalter von weit, weit her (Arabien - Indien) eingeführt wurden. Sie waren wohl den Spindeln gegenüber heftig high-tec, sowohl was das Produktionstempo als auch was den Erwerb angeht. Da kam sich wohl manche arme Spindelspinnerin ziemlich abgebrannt vor :traurig2:

Und wenn Dornröschen vorher nicht spinnen konnte - eine zukünftige Königin muss ja wohl alles lernen, was sich ncht wehrt; es steht nix davon da, wie lang sie gebraucht hat, bis sie ihren ersten Faden zusammen hatte. :stricken:

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Beitragvon Hîdril » 12.03.2007, 22:37

Mal ganz doof gefragt: Wo steht, dass Dornröschen spann? Ich kenne es nur so, dass sie die Alte im Turm beim Spinnen sah, nach der Spindel griff, um es auch zu versuchen und sich dabei in den Finger stach.

Irgendwo wurde die Frage gestellt, ob und wenn ja, warum, eine Spindel spitz ist. Ich habe das so gelernt, dass die Spindel beim Runterfallen im Rasen steckenbleiben sollte, damit das Garn nicht schmutzig wird. Das impliziert allerdings, dass man im Freien spann und nicht in einer Turmstube.

Ein Spinnrad wird bei Dornröschen eigentlich nicht erwähnt, nur in den meisten Märchenbüchern wird bei der Illustration ein Spinnrad gezeigt. Vielleicht, weil der Zeichner keine Handspindel kennt? :gruebel:

Und warum sind Dornröschens Eltern auf Reisen? Na, diese Frage kann jeder gute Rollenspieler beantworten: Die mussten einfach auch dem Weg, damit Dornröschen ungestört im Turm schnüffeln konnte :devil:
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Beitragvon Ziuwari » 13.03.2007, 07:35

also zum thema mit dem "eltern verreist" aber "eltern schlafebn trotzdem mit ein" folgendes...
hab schnell mein großes, dickes Grimmbuch hervorgeholt...
Und da steht:

"Es geschah, daß an dem Tage, wo es gerade fünfzehn Jahre alt ward, der König und die Königin nicht zu Haus waren und das Mädchen ganz allein im Schloß zurückblieb."


vll mussten sie noch dringend ein Geschenk besorgen oder so ^^

Und dann als sie sich gestochen hat und aufs Bett fällt und einschläft:

"Und dieser Schlaf verbreitete sich über das ganze Schloß, der König und die Königin, die eben heimgekommen und in den Saal getreten waren, fingen an einzuschlafen und der ganze Hofstaat mit ihnen."


Was die Frage mit dem Stechen angeht, ist's mir auch ein Rätsel. In meinem Buch ist das alte spinnende Weiblein im Turm abgebildet (mit Handspindel!), allerdings wirklich spitz sieht das auch nicht aus ^^
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Beitragvon Silvia » 13.03.2007, 07:56

Wie ist das denn beim Flachs spinnen?Können da nicht noch harte Faserstücke sein die die Finger verletzen könnten?
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Beitragvon Hîdril » 13.03.2007, 12:17

Und wie sieht es mit diesen (Renn?)-Spindeln aus? Ich meine die, die auf dem Boden rumtanzen? Die müssten doch unten eine Spitze haben, denn sonst würden die sich doch nicht ordentlich drehen :gruebel:

Man, worüber wir uns aber auch den Kopf zerbrechen :devil:
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Beitragvon Ziuwari » 11.06.2007, 18:56

Also wenns vielleicht doch ein Spinnrad war... hab mich vergangene woche an meinem gestochen, an den häckhen :biggrin:

Hatte schon Angst einzuschlafen!
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Flachs-Spinnen

Beitragvon suse » 12.06.2007, 12:34

Moin,
Also ich halte das hier:
Wie ist das denn beim Flachs spinnen?Können da nicht noch harte Faserstücke sein die die Finger verletzen könnten?

für des Rätsels Lösung. Wer schon mal Flachs gesponnen hat kennt das: um so schneller man spinnt, um so stärker läuft man Gefahr, sich an Spelzen die Finger wundzureißen (was die beim Flachsverarbeiten notwendige Feucht-Spinnerei nur teilweise verhindert). Das mit dem "Stechen" sollte man m.E. nicht ganz so wörtlich nehmen, aber blutige Verletzungen kann man sich dabei durchaus holen. Um so ungeübter man ist (das Dornröschen probiert ja erstmal aus), um so größer ist das Risiko.
Das ist für mich auch der Schlüssel zur blutigen Spindel, die die Goldmarie bei Frau Holle beim Abwaschen in den Brunnen fallen lässt.
Versponnene Grüße
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Beitragvon Carola » 12.06.2007, 19:58

Die These würde auch zu König Drosselbart passen, wo der harte Faden der hochnäsigen Prinzessin "in die weichen Finger [schnitt], dass das Blut daran herunterlief."
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