Welche Spindeln/Wirtel sind "A"

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Welche Spindeln/Wirtel sind "A"

Beitragvon spinntantchen » 24.09.2004, 07:11

Huhu,

ich kann mir absolut nicht vorstellen, dass es im MA nur diese "klümpchen-förmigen" Tonwirtel gegeben haben soll.

Ich meine meistens sind ja nur Tonwirtel gefunden worden und das Schaft (Spindelstab) ist weggegammelt gewesen. Vielleicht sind einfach nur Holzwirtel ebenso wie die Holzschäfte auch weggegammelt?????

Ich habe mal ein bißchen herumgelesen und folgendes gefunden:

Bette Hochberg: Handspindles hat geschrieben:Wooden whorls have been used araound the world. Mostly they are simple hardwood discs - plain, painted or carved. The Romans made lathe-turned spindles.


Also wenn die Römer schon Spindeln (Wirtel) drechseln konnten, warum sollten das die MA-Leute wieder vergessen haben? Spinnen ist doch eine Technik die durch die Bank weg laufend praktiziert werden mußte (oder gab es dazwischen Zeiten, wo nur als Nackidei oder in Fellen herumgelaufen wurde?)

In obigem Buch ist auch eine Zeichnung von einer tellerförmigen Spindel wo drunter steht Material Bronze und Herkunft: Poland, Bronze Age (okay, nicht MA ... aber früher).
Ich habe auch schon von anderen Metall-Wirtel aus dem MA gehört. Also insofern will es einfach nicht in meinen Kopf rein, dass kein einzigster MA-Mensch auf den Gedanken gekommen sein soll, Spinnwirtel aus Holz (und tellerförmig) zu machen. Die techn. Möglichkeiten dazu hatten sie doch und Holz ist doch auch besser zu bearbeiten als Metall.

Irgendwie wäre es doch bescheuert, wenn man mit diesen leichten "Tonklumpen-Spindeln" auch das dicke Garn für z.B. nadelgebundene Socken gesponnen hätte. So clever müssen die doch wirklich gewesen sein, um notfalls so lange rumzuprobieren, bis man eine besser geeignetere Spindel dafür zusammengebastelt hätte (ergo eine Tellerspindel schwerer Art).

Solche schwereren Tellerspindeln wird es wahrscheinlich viel seltenen gegeben haben, wie die "Tonklumpen"-Spindeln, die ja eher für feine Garne geeigneter waren.
Wenn man sich überlegt, welchen Bedarf man an eher feineren Garnen zum Weben hatte und welchen an dickem Garn ... insbesondere, wenn man es Längen und nicht gewichtsmäßig betrachtet.
Wenn dann noch die Holztellerwirtel schneller verrotten, dann ist es doch nur logisch, wenn man heute dann hauptsächlich Tonwirtel ausbuddelt.

Okay, ich verstehe von er Materie recht wenig, das sind jetzt einfach nur so meine Gedanken/Ideen, die mir in den Kopf kommen, wenn ich genauer darüber nachgrübele ...
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Beitragvon spinntantchen » 24.09.2004, 07:17

guckt ee-mol, was ich hier auf dieser Seite gefindelt habe:
http://perso.wanadoo.fr/rouelles/pubde.htm

"...
1. CD:

"RINGE, SPINNWIRTEL, PERLEN & SCHEIBEN"

360 Seiten, Fig.0001 bis 2347. Erschienen September 2002.
Dreisprachiges Glossarium: französisch / deutsch / english.
Eine 10-jährige Forschungsarbeit!!

...

Obwohl in französischer Sprache, lohnt es sich ebenfalls für einen nicht französisch sprechenden Sammler, Sondler, Händler, Kustos, Bibliothekar...diese CD-Rom's zu erwerben: sie sind preiswert und die Bildteile sind unübertreffbar (in den 3 ersten CD's: ca 7500 Abbildungen!!!)

...

Diese 3 ersten CD's sind "TAFELTEIL – CD's": sie bestehen ausschliesslich aus Zeichnungen mit Angabe des Materials und des Maasstabs der abgebildeten Gegenstaende.

...

In den 2 "TEXTTEIL – CD's" (erscheinen Ende 2004) zu
"RINGE, SPINNWIRTEL, PERLEN & SCHEIBEN"
und
"x-SPEICHIGE RÄDER & RÄDCHEN"
werden Fundstelle, Aufbewahrungsort und Datierung jedes Gegenstandes angegeben.
..."

Vielleicht wäre das ja was für jemanden, der sich damit näher befassen will.

tschau DAGO
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Beitragvon Tjorven » 24.09.2004, 07:49

Hallo Dago,

ich habe zwar wenig Ahnung vom Spinnen, aber Spindeln aus Holz hat es doch bestimmt gegeben, ich habe auf Märkten auch schon oft Kreuzspindeln oder tellerförmige Spindeln gesehen und sie werden auch für´s Mittelalter verkauft. Wer sagt denn, das Spindeln aus Holz nicht "a" sind?! Dann hätte ich gern mal die Begründung gehört.
Übrigens: Vielleicht baut mir mal jemand eine Holzspindel?! Ich tausche auch...

Erstmal allen liebe Grüße, Tjorven
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Beitragvon Flinkhand » 24.09.2004, 14:08

@ Dago: Wie preiswert ist denn preiswert? Ich habe da keine Angabe zu irgendeinem Kostenpunkt entdeckt

Viele liebe Grüße,
Zuletzt geändert von Flinkhand am 24.05.2006, 14:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon spinntantchen » 24.09.2004, 17:08

Zur dieser CD:
keine Ahnung wie teuer ... irgendwie scheint auch der Rest der Homepage mehr in Französisch gehalten zu sein, dessen ich nicht mächtig bin ...
Gruß DAGO
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Beitragvon Dachs » 28.09.2004, 11:06

Im Prinzip geht es mich nichts an, aber wenn es scheinbar eh egal ist was historisch haltbar ist und was nicht - Warum macht man sich hier Gedanken darüber?

Wenn es etwas häufig in Befunden gibt - von schnöden Scherben mal abgesehen - sind das Spinnwirteln.

In allen Farben, Formen, Materialen und Geschmacksrichtungen. Da ist für jede Wollart und gewünschte Stärke etwas dabei.

Zudem kann man, mit etwas Übung, mit (fast) jeder Spindel fast jede Fadenstärke erreichen.
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Beitragvon spinntantchen » 29.09.2004, 21:50

Hallöchen,

Wer mich etwas genauer kennt (z.B. hier vom Forum oder sonstwie), weiß dass ich über das Handspinnen und weniger über die Reenactment-Szene hier zu komme und mich insofern nicht zu den Fachleuten in puncto "A" oder nicht zählen würde.

Deshalb habe ich hier in die Runde gefragt, ob mir jemand fachlich qualifiziert zu dieser Fragestellung Antwort geben kann. In den Büchern über das Handspinnen, die ich hier habe, finde ich nämlich diesbezüglich keine Angaben und es gibt ja hier im Forum viele, die sich mit histor. Funden besser auskennen.
Dass die These/Frage, die ich hier gestellt habe, gar nicht so abwägig ist, merke ich auch daran, dass genau dies auch in einigen meiner Fachbücher über Handspinnen genauso vermutet/formuliert wurde.
Das Problem bei vielen historischen Funden ist nämlich, dass der Archäologe, der diese ausgebuddelt hat, meist Null vom Handspinnnen versteht und bei der Bestimmung von Fundstücken als Spinnwirtel sehr viele Fehler vorliegen sollen. Alles was annähernd rund ist und ein Loch in der Mitte hat, wird allzugerne als Spinnwirtel bezeichnet.
Ich selbst habe auch schon in einigen Museen "Spinnwirtel" ausgestellt gesehen, bei denen ich mich wirklich frage, wie man damit gesponnen haben soll, weil schon auf dem ersten Blick erkennbar ist, dass diese total unwuchtig sind.
Ich denke damals war man noch viel mehr darauf angewiesen möglichst effektiv zu arbeiten und zu produzieren, weil das ganze ja nicht einfach nur "netter Zeitvertreib" oder Hobby war, sondern man auf das gewonnene Material angewiesen war, um Textilien des tägl. Bedarfs daraus zu machen.

Dachs hat geschrieben:aber wenn es scheinbar eh egal ist was historisch haltbar ist und was nicht - ...


Wer sagt denn, dass es egal ist, was "A" ist oder nicht? Ich habe es jedenfalls nicht gesagt, diese Behauptung stammt alleine von Dir, lieber unregistrierter Benutzer.
Wenn mich das ganze nicht interessieren würde, hätte ich ja nicht gefragt.

Dachs hat geschrieben:Zudem kann man, mit etwas Übung, mit (fast) jeder Spindel fast jede Fadenstärke erreichen.


was man kann/was möglich ist und das was sinnvoll und effektiv ist, sind zwei ganz verschiedenes Paar von Schuhe ... und natürlich dann auch die Qualität des Endergebnisses, die dabei rauskommt.
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Beitragvon N.R.U. » 30.09.2004, 15:26

Sabine hat geschrieben:Hallo Ihr alle...

Hhhhmmm, um auf die Anfangsfrage zurück zu kommen. Ich habe die Frage ja auch schon mal irgendwo gestellt *amkopfkratznurwo*.....

Rigana hatte mal eine interassante These aufgestellt, daß handwerkliche Dinge aus Holz, die im Alltag kaputt gegangen sind, wohl gleich verfeuert wurden. Das könnte stimmen und könnte ein weiterer Punkt sein, warum es so selten Spindeln aus Holz zu finden sind.

Soweit ich weiß, gab es aber im MA keine Kreuzspindeln, die man auf Märkten oft sieht. Allerdings kann man mit denen herrlich dünnes Garn spinnen, gelle Gaby?! Und wer einfach "nur" Spaß am Spinnen hat, dem reicht das ja auch.

Andere Materialien von denen ich weiß, sind Speckstein und Glas und die Formen können insgesamt auch variieren. Kugelig, rhombisch, "tropfenförmig".

Irgendwo habe ich auch mal einen Spindelstab gesehen, der sich nach unten verbreiterte...also die Wirtel aus demselben Stück Holz geschnitzt war, wie der Stab. Also...*räusper*, Spindel und Stab aus einem Stück war. Soll angeblich für Seide benutzt worden sein *schulternzuck*. Weiß nicht mehr, in welchem Museum das war.

Ach Tjorven, Du könntest meine Holzspindel haben , mit der kann man herrliche schwangere Regenwürmer spinnen..... Ansonsten habe ich hier noch 'zig Spindelstäbe liegen. Komme nur nicht dazu, die Wirteln zu bastel. Habe ja schon genug!

Liebe Grüße
Sabine
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Beitragvon Dachs » 01.10.2004, 14:06

So, ich hoffe, daß es jetzt mit derlog-in geklappt hat.

Hallo Dago, ich bin weder lieb noch unangemeldet

Ich persönlich habe Spinnen wegen der Beschäftigung mit der Archäologie gelernt. Durch großes Glück hatte ich einige Male die Gelegenheit originale Wirtel zu benutzen und habe dabei die Erfahrung gemacht, daß Stück, die völlig unwuchtig aussehen wirklich gut drehen. Bei einigen Stück hatte ich die Vermutung, daß es sich auch um Gewichte für eine Dreule handeln könnte, auch bei dem Stück in der Ausstellung zu den aktuellen Funden aus Haitabu. Ich hoffe, daß ich eine Gelegenheit bekommen werde dies vielleicht anmerken zu dürfen. (Werde dann hier berichten)
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Beitragvon Flinkhand » 01.10.2004, 16:42

Hallo Dachs,

da du ja schon ein paar originale Wirtel in der Hand hattest, kannst du mir vielleicht sagen, ob die Löcher alle konisch waren oder ob es auch gerade Löcher in Wirteln gibt? Das würde mich mal interessieren. Die mir bekannten Nachbildungen aus Ton, die sie in Düppel herstellen, haben ja alle konische Löcher, weil auch die Wirtel nicht gerade sind. Macht ja auch Sinn, dann fällt der Wirtel nach dem Aufstecken nicht so leicht herunter. Wie ist das bei denen, die du schon begutachtet hast?

Viele liebe Grüße,

PS: Falls das mit dem Login nicht klappt, lösche mal deinen Chache im Browser und klick dann nochmal auf "Member Login".
Zuletzt geändert von Flinkhand am 24.05.2006, 14:46, insgesamt 1-mal geändert.
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