Welche Spindeln/Wirtel sind "A"

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

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Beitragvon imma » 11.07.2006, 22:07

Hallo zusammen!

Ich habe mir vor einiger Zeit eine Spindel mit einem Wirtel aus Geweih ausgestattet ist. Zudem ist der Wirtel auch noch sehr schön verziert.

Nun haben wir am Donnerstag eine Veranstaltung mit einer vierten Klasse und ich frage mich gerade, ob der Wirtel "a" oder eher nicht ist.

Dachs schrieb in einem ihrer Beiträge von verschiedensten Formen und Materialien, die gefunden wurden.
Vielleicht könnt Ihr mir ja helfen, da mir leider gerade die Zeit fehlt, bis übermorgen "mal fix" etwas raus zu bekommen.

Lieben Gruß,
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Beitragvon imma » 11.07.2006, 22:10

Hallo nochmal!

Entschuldigt den ersten Satz, er soll lauten:
Ich habe mir vor einiger Zeit eine Spindel zugelegt, die mit einem Wirtel aus Geweih ausgestattet ist.

Lieben Gruß,
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Beitragvon Klara » 29.10.2008, 18:01

Der Thread ist zwar schon uralt, aber eigentlich ist die Eingangsfrage - welche Spindeln sind A - immer noch nicht beantwortet. Und ich habe da auch noch eine Detailfrage:

Ich glaube, Greifenritter hat mal geschrieben, Haken am oberen Schaftende wären nicht authentisch. Warum? Draht gab's doch im Mittelalter, Werkzeug um ihn zu biegen, auch, und bestimmt auch eine Möglichkeit, Löcher in Holz zu bohren... (dass der Haken kein verchromter Schraubhaken aus dem Baumarkt war ist mir auch klar. Aber ein benachbarter Spindelbauer biegt sich seine Häkchen auch selbst - und die halten rein durch Haftreibung. Das hat mich überhaupt erst zu dieser Überlegung gebracht).

Ausserdem sehe ich hier gerade eine Hochwirtelspindel aus dem 13. Jh http://ark.bnf.fr/ConsulterElementNum?O ... =1&Param=C

Das ist zwar eine Abbildung aus dem arabischen Raum (http://larsdatter.com/spinning.htm - das dritte Bild in der Liste) aber wer kann sagen, dass keine dieser Spindeln nach Europa kam?

Ich überleg' nämlich schon, mit welchen Spindeln ich eventuell doch mal auf Mittelalterfesten auftreten kann...

Ciao, Klara
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Beitragvon Dachs » 29.10.2008, 18:18

Klara, im Prinzip kannst Du Auftreten mit was auch immer Du möchtest. Die Recherche konkret auf Zeit und Region bezogener Werkzeuge zur Textilverarbeitung ist eine Fragestellung, die von Auftritten auf Mittelalterfesten meilenweit entfernt ist.

Wenn Du vertreten willst, daß es Dinge gegeben haben könnte - dann mach das einfach.

Textilforschung wird dort niemand erwarten oder verlangen.
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Beitragvon marled » 29.10.2008, 19:03

Wenn ich gelegentlich mit einer befreundeten Wiki-Gruppe zu einem (ambientigen) Lager oder Fest fahre, benutze ich fast ausschließlich Hochwirtelspindeln, auch welche mit moderner Gestaltung, weil ich das Spinnen damit lieber mag.
Wenn ich mit unserer Darstellungsgruppe eine Ortsbelebung oder einen Museumauftritt habe, nehme ich die Spindel, die zu meiner Darstellung in Zeit und Material passt. Das kann dann auch schon mal (bei der Spätlatenedarstellung) eine durchlöcherte Scherbe sein, ist doof zu spinnen, aber halt so im Fundgut und deshalb kein Wenn und Aber.

Es macht Spaß gerade bei den Spinnwirteln ein wenig Forschung für die eigene Zeit zu betreiben, weil die aus Ton, Stein oder sonstigem haltbaren Material wirklich häufig zu jeder Epoche gefunden wurden, wie Dachs schon schrieb.

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Weiß jemand etwas über Handspindeln aus Birka?

Beitragvon Liekendeelerdeern » 29.10.2008, 21:34

:gruebel:
Dann möchte ich auch einmal eine Frage in Raum stellen....

Hat jemand Informationen bzw. einen Quellenverweis für Handspindeln
aus Birka im 9.Jahrhundert?

Ich würde mir gerne für die Zeit wegen einer Händler- und Handwerkerdarstellung
eine passende Handspindel nachbauen ...

Wäre schön, wenn einer mir einen Lesetipp geben könnte...
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Beitragvon marled » 29.10.2008, 22:02

E. Andersson: Tools for textile production from Birka and Hedeby; Birka Studies 8, 2003
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Beitragvon Liekendeelerdeern » 29.10.2008, 22:27

marled hat geschrieben:E. Andersson: Tools for textile production from Birka and Hedeby; Birka Studies 8, 2003
Marled


:-) Vielen Dank, werd mal schauen wie ich an das Buch rankomme ;-)
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Beitragvon Klara » 30.10.2008, 13:07

Klar Dachs, können könnte ich alles... Aber so halbwegs authentisch sollte es dann schon sein - Flügelspinnrad wäre fürs 13. Jh. eindeutig deplatziert, das weiss sogar ich. Und eine Golding-Spindel wohl eher auch. Aber eine schlichte Greensleeves oder Stickland?

Andererseits sollte ich mir in dem Zusammenhang vielleicht mehr Gedanken um meine Klamotten - ähh, Verzeihung, Gewandung - machen - die sind auf weitere Entfernung sichtbar.

Gestern auf Arte habe ich übrigens gesehen, dass sie in Tibet heute noch Teppichwolle mit der Hochwirtelspindel spinnen. Und in der Sendung über Perserteppiche waren bei Nomaden im Iran Kreuzspindeln zu sehen. Wie findet man jetzt raus, wie lange die Werkzeuge schon in Gebrauch sind?

Ciao, Klara
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Beitragvon Kattugla » 30.10.2008, 13:13

Klara hat geschrieben:Wie findet man jetzt raus, wie lange die Werkzeuge schon in Gebrauch sind?


Ins Museum gehen. ;-)

Im Archäologischen Museum in Frankfurt waren nicht nur etliche Wirteln, sondern auch ein oder zwei Spindeln ausgestellt.
Blöderweise habe ich die nicht in den beiden Themenkatalogen drinnen, die ich gekauft habe, einen Gesamtkatalog hats da leider nicht.
Ich glaube mich aber zu erinnern, dass die Spindeln in der Römerzeit-Abteilung (da trieben wir uns hauptsächlich herum) Fallspindeln mit 2-4cm breiten und grob verzierten Tonwirteln waren - und mit einem Rundumeinschnitt am Spindelstab - keine Kerbe. Der Spindelstab war ganz leicht konisch - eben wie ein zurechtgeschnittener Zweig, das jüngere Ende oben. Ich seh mal, dass ich davon noch eine Skizze machen kann.

Da ich mittlerweile Pfaffenhütchenholz (Euonymus europaea, syn. Spindelstrauch, der Spindellieferant schlechthin) dahabe und ebenfalls Spindeln möglichst A nachbauen möchte, habe ich da etwas genauer hingeguckt.

Zum HoMi kann ich da leider keine Auskunft geben.
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