Dicke Wollkordel, Regenwürmer und ab und an Garn

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

Moderator: Moderatoren

Dicke Wollkordel, Regenwürmer und ab und an Garn

Beitragvon Katinka » 29.05.2009, 11:56

Hallo ihr.

Nachdem die Flinke ja so wahnsinnig schnell war mit der Lieferung, sind die Kohlen wegen des Webrahmens vom Herrn Barden nicht mehr ganz so heiß (obwohl die Wolle die da drin war sooooo schön ist und ich da uuuunbedingt ganz schnell ein Band draus machen mag), denn ich versuche mich nun im Spinnen.
Heureka ... wo hatte ich da was von "entspannend" und "meditativ" gelesen? :gruebel:
Ich habe jedenfalls gestern geflucht wie ein Rohrspatz und war selten so verspannt beim ins Bett gehen ;-) Ich habe erst die dicksten Wollkordeln (weiß nicht, wie man diesen Strang sonst nennen könnte) hergestellt, die man sich denken kann. Nicht sonderlich filigran.
Heute dann Versuch Nr. 2.
Kann ich ja nicht auf mir sitzen lassen, dass es eine Handarbeit geben soll, die das breite Volk beherrschte und ich schaff das nicht.
Heute wurd's dann tatsächlich dünn. Richtig schick teilweise sogar. Und die Wolle war plötzlich so ergieeeebig :blush: .
Naja, Regenwürmer produzier' ich zwar hin und wieder noch immer, aber immerhin hab ich jetzt ne Vorstellung, wie sich das anfühlen sollte, dass es richtig wird.
Wobei ich noch nicht wirklich _meine_ Technik gefunden habe. Ich bin Linkshänder, aber in handwerklichen Dingen muss ich immer erst rausfinden, was ich mit welcher Hand lieber mache.
Zudem muss ich die Spindel festhalten, wenn ich den Dreh da in die Wolle hoch lasse, sonst komme ich total in Stress und es dreht sich vor und zurück und überhaupt.
Aber es wird, es wird.

Was mir ständig passiert: Das Ende es Kammzugs gerät mir in die Spindel.
Das nervt ja mal!
In den Ärmel stopfen geht nicht, hab keine dran derzeit.
Ausserdem hab ich nach 'ner Zeit so einen "Klumpen" in der Hand, wenn ich das Garn ganz dünn mache. Wenn ich's nämlich dünner vom Strang nehme, fällt es auseinander, also nehm ich halt bissl mehr, aber dann bildet sich irgendwann so ein Klumpen. Hm. Doof zu erklären.
Jedenfalls muss ich noch vieeeeel an der Technik feilen, aber die Faszination hat mich schon voll vereinnahmt.
Einfach toll, wenn sich das da so hochdreht und ein Faden rauskommt :biggrin:
Katinka
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 45
Registriert: 15.05.2009, 09:16
Wohnort: Ostseebad Prerow

Beitragvon anjulele » 29.05.2009, 13:37

Heißt das, wenn die Flinke Dir nicht so schnell das Paket geschickt hätte, hättest du mehr Zeit gehabt, hier in Ruhe nach den betreffenden Beiträgen zu suchen? Das solltest Du noch mal nachholen. Leider bin ich nicht so firm, jetzt die Beiträge mit einem Link herbei zu zaubern.

Dass die Wolle langsam dünner wird, ist doch schon mal ein gutes Zeichen. Linkshänderin bin ich auch. Rechtshändrige Leute haben am Anfang ebenso Probleme. Das muß sich halt erst alles zusammen finden.

Der Übergang vom Anfangsfaden zu dem ersten Gesponnenem ist oft eine rutschige Angelegenheit. Meist dreht sich die Spindel auch erst länger, wenn schon etwas Wolle drauf ist. Solche Exemplare besitze ich zumindest. Dann ist Deine Art zu spinnen gar nicht so falsch.

Um nun heraus zu finden, wo Deine Probleme sind, wäre es gut zu wissen was für eine Spindel Du hast. Wieso gerät das Ende vom Kammzug in die Spindel? Wie hälst Du die Wolle? Und Du mußt die Drehung davon abhalten sich bis in die Wolle in der Hand zu winden, dann hast du keine Klumpen.

Schau doch erst nach den anderen Beiträgen. Es sind auch viele Videos zu finden. Dann siehst Du vielleicht schon, was Du an Deiner Technik ändern mußt.

Viel Spaß beim ausprobieren - und nicht aufgeben!

Perat
Benutzeravatar
anjulele
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 429
Registriert: 24.01.2008, 21:11
Wohnort: Kr PI

Beitragvon Katinka » 29.05.2009, 15:11

Hehe, ich hatte schon zuvor gelesen hier und bei der Flinken und auch in den Lernvideos. Aber generell bin ich für Learning-by-doing, weil für mich beim Handwerkeln immer ne Menge Fingerspitzengefühl dazu gehört.
Naja.

ABER: Ich denke noch lange nicht ans Aufgeben :D Immerhin kommt doch jetzt was Garnähnliches raus :D Klappt ganz gut. Habe vorhin noch nen Stündchen gemacht und kaum noch Regenwürmer drin.

Das die Spindel nun länger dreht, habe ich erfreut festgestellt. Dennoch sehe ich mich noch immer nicht in der Lage einen schicken dünnen Faden hinzubekommen, solange die Spindel dreht. Entsprechend drehe ich erst meine Spindel, bis ich den Dreh oben am Finger merke. Dann halt ich sie fest und beginne mit beiden Händen den Dreh langsam oben rein zu lassen. Hm.
Klappt ganz gut, nur eben nicht ganz so wie vorgesehen.
Aber sieht bestimmt lustig aus. Spindel zwischen den Knien und die Hände irgendwo über dem Kopf :D

Was für eine Spindel ich habe? Öhm ... weiß nicht wie die heißt. Die aus dem Flinkhand-Shop. Allerdings hab ich den Metallhaken rausgemacht, den mochte ich nicht.

Das mit dem Kammzug ist nervig. Ich "halte" den irgendwie gar nicht so recht. Hatte irgendwo gelesen, dass man sich das Zeug um den Arm schlingen soll, aber da flutscht das immer runter oder "zerreißt" durch das Eigengewicht. Hab jetzt eben kürzere Stücke genommen und öfter "angesetzt".

Aaah, das mit der Drehung bis in die Wolle ist ein wertvoller Tipp. Danke!

Ich werde weiter spinnen :D Das ist lustig!
Ausserdem hat's mein Kind eingeschläfert. Wenigstens der findet's meditativ :D
Katinka
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 45
Registriert: 15.05.2009, 09:16
Wohnort: Ostseebad Prerow

Beitragvon Klara » 29.05.2009, 18:15

Auf Englisch hat deine Spinntechnik sogar einen Namen "Park and Draft". Das ist die allgemeine empfohlene Anfangsmethode - später geht dann drehen und ausziehen auch gleichzeitig.

Dass das Kammzugende in die Spindel (bzw. den gerade gesponnen Faden) gerät, ist auch ganz normal. Deshalb hatten die Frauen ja früher die Wolle immer auf einem Rocken. Ich hab' mir aus meiner ersten verwertbaren selbstgesponnenen Wolle ein Armband mit Schlaufe unten dran gestrickt (also fast eine 8 - oben kommt der Arm durch, unten die Wolle rein). Du kannst aber auch was nähen oder häkeln, oder einfach einen Gummi nehmen - oder ganz mittelalterlich einen Holzrocken (geschälter und glattgeschliffener gut verzweigter dünner Ast, oder so) in den Gürtel stecken. Die unversponnene Wolle halt irgendwie bändigen...

Je dünner das Garn, desto länger dreht die Spindel (ausser, sie ist so schwer, dass der Faden gleich reisst). Ist also ganz normal, dass bei dicken Wollkordeln die Spindel sofort in Gegenrichtung zurückdreht.

So wie ich das sehe, machst du das schon richtig - nur einfach weiterüben. Das "breite Volk" früher hat's mit 5 gelernt und mit 10 waren die Kids dann schon richtig gut... (Altersangaben frei erfunden, aber Abby Franquemont schreibt, dass sie Jahre gebraucht hat, bis die peruanischen Weberinnen ihre Wolle als verwendbar akzeptiert haben)

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Katinka » 29.05.2009, 20:45

Hallo Klara,

es gibt tatsächlich eine Technik die so funktioniert, wie das, was ich da mache? *freu* Das ist ja toll!

Das mit dem Rocken klingt sinnvoll. Allerdings denke ich, dass sich ein Gummi da eher weniger eignet. Ebenso Wolle, oder? Bleibt da nicht alles hängen?

Uiui ... gleich "Jahre" bis man was Verwertbares hinbekommt? Ich glaube so hart werde ich nicht mit mir ins Gericht gehen.
Ich finde, ich bin schon ganz gut. :-)

Ich habe eben bei diesen gaaaanz dünnen Fäden immer die Angst, dass es reißt. Wenn ich dann aus Versehen so eine Stelle habe und die hält bin ich total fasziniert :biggrin:
Katinka
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 45
Registriert: 15.05.2009, 09:16
Wohnort: Ostseebad Prerow

Beitragvon Klara » 30.05.2009, 13:53

Katinka hat geschrieben:Allerdings denke ich, dass sich ein Gummi da eher weniger eignet. Ebenso Wolle, oder? Bleibt da nicht alles hängen?



Mir geht's beim Rocken nur darum, dass ich das Ende der unversponnenen Wolle irgendwo unterbringe (im Winter stecke ich es schon mal in den (ebenfalls wollenen) Pulloverärmel - Hauptsache es ist aus dem Weg!) - ich zieh' dann abschnittsweise raus und nehm's in die linke Hand und ziehe mit der rechten aus. "Hängenbleiben" ist also kein Problem (kann schon sein, dass ein paar Flusen in der Manschette bleiben, aber auf die kommt's bei mir auch nicht mehr an :blush: ).

Bei Gummi wäre vielleicht so ein stoffüberzogener Unterhosengummi (oder wie die Dinger heissen) besser als ein "nacktes" Gummiband. Oder mach's wie ich, und strick dir eine Manschette (einer meiner Lehrer hat immer gemeint: "Aber da fehlt ja der Pullover!") aus deinem ersten selbstgesponnenen Wollknäuel. (Ehrlich gesagt, bei mir war's das dritte - die ersten beiden waren keine verwertbaren Längen).

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Liekendeelerdeern » 30.05.2009, 14:23

Klara hat geschrieben: [...]

Bei Gummi wäre vielleicht so ein stoffüberzogener Unterhosengummi (oder wie die Dinger heissen) besser als ein "nacktes" Gummiband. Oder mach's wie ich, und strick dir eine Manschette (einer meiner Lehrer hat immer gemeint: "Aber da fehlt ja der Pullover!") aus deinem ersten selbstgesponnenen Wollknäuel. (Ehrlich gesagt, bei mir war's das dritte - die ersten beiden waren keine verwertbaren Längen).

Ciao, Klara


Moin ihrs,

bei mir wurde aus der ersten Regenwürmercharge eine Kuscheldecke für meinen Hund... und der liebt diese wegen des Schafi-geruchs....

@katinka:

bei mir hat es etwa 3-6 Monate des Übens bedurft bis ich mit der Handspindel einen so gut verwertbaren Faden herausbekam und den Umstieg auf meine Spinnräder gewagt habe .... :blush:
Aber da ist jeder anders "gestrickt" und die Zeitspannen individuell.
Always in Service to the Dream

Kalina von Liubice (Katie)
Benutzeravatar
Liekendeelerdeern
Gräfin / Graf
Gräfin / Graf
 
Beiträge: 707
Registriert: 03.07.2008, 08:20
Wohnort: Ratzeburg / Schleswig-Holstein

Beitragvon w_ciossek » 22.11.2010, 14:23

Bei meinen ersten Spinnversuchen war es bei mir gerade umgekehrt. Mir gelingen immer noch nur die dünnen Fäden sehr gut, da sie sich leicht aus den Kammzug ziehen kann. Bei dickeren Fäden habe ich größere Probleme, da ich dazu neige, sie dünner werden zu lassen. Bei dickeren Fäden brauche ich halt mehr Kraft. Ich mache deswegen schon einen dünneren Kammzugstrang, damit man nicht allzu viel ziehen muß. Schwierig finde ich es, bei sehr langen Fäden die Dicke einzuhalten, da ich oft vergesse, wie dick der Faden ursprünglich war, weil dieser sich nun innerhalb der Spule versteckt ist. Ich behelfe mir immer damit, daß ich ein Fadenstück gewünschter Dicke vor mir liegen habe, damit ich immer wieder hinschauen kann. Trotzdem habe ich bei jeden produzierten Wollknäuel jeweils eine eigene Fadenstärke, die eigentlich gleich sein sollte. Ich bin noch nicht dahinter gekommen, wie man einen gleichmäßigen dicken Faden hinbekommt, wie es bei Filzwolle der Fall ist und eine gewünschte Fadendicke erziehlt. Vielleicht hat hier jemand einen Tip? Ich dachte schon daran aber noch nicht ausprobiert, daß man den Faden beim Spinnen durch eine Lochmaske zieht.

Gruß Wolfgang
w_ciossek
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 75
Registriert: 24.02.2010, 12:41

Beitragvon Iðunn » 22.11.2010, 16:48

Iðunn
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 181
Registriert: 08.02.2010, 15:43
Wohnort: Island


Zurück zu Mit der Handspindel

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast