Spinnen mit der Astgabel

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Spinnen mit der Astgabel

Beitragvon Miriam » 26.09.2005, 11:14

Hallo,
gestern auf einem kleinen Markt in Berchtesgarden hat mir eine hilfreiche Dame das Spinnen mit der Astgabel gezeigt, und ich war begeistert, da es für mich um sooo viel einfacher als mit der Handspindel war. Auch war nach einer Viertelstunde Spinnen der Faden schon viel dünner und gleichmäßiger als nach einer Stunde Handspindel.
Kennt jemand von euch diese Technik oder weiß, woher sie kommt? Könnte mir vorstellen, dass es vielleicht schon vor dem Mittelalter so praktiziert worden ist...
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Beitragvon spinntantchen » 30.09.2005, 02:01

Hallo Miriam,

Bette Hochberg schreibt in ihrem Buch "Handspindles" über "The Hooked Stick" folgendes (S. 23; ):
"The spinning stick is almost certainly the oldest spinning tool in most cultures ...It is a natural outgrowth of hand twisting and tight spinning. ... Like the rock, its time and place of origin cannot be established."

Als wahrscheinlich ältestest Methode wird dort das Spinnen mit einem Stein (sozusagen spinnen nur mit dem Wirtel ohne Schaft ... also genau das Umgekehrte zum Asthaken=Schaft ohne Wirtel) genannt.

Auch heute noch gibt es Kulturen in denen der Asthaken ein gebräuchliches Spinnwerkzeug ist. Wenn manchmal auch nur um spezielle Fasern zu verarbeiten. Schließlich gibt es auch noch Orte auf der Welt, wo manche Garne auch noch durch das Rollen/Spinnen auf dem Oberschenkel (ganz ohne weiteres Spinnwerkzeug) hergestellt werden.

Mit dem Asthaken ist die leichteste Methode spinnen zu lernen und wir auch heute noch in vielen Spinnkursen am Anfang praktiziert.

Ich könnte mir vorstellen, dass dies so durch die ganzen Jahrhunderte (-tausende) so praktiziert worden sein könnte. Als die Handspindel noch das einzigste Werkzeug zur Garnherstellung war, lernten man ja schon in sehr jungen Jahren als Kind das Spinnen. Und da ein Kind viel früher mit einem Asthaken anfangen konnte, Spinnen zu lernen, bevor es fähig ist, den Gebrauch einer Handspindel zu begreifen, wird man bestimmt auch damals schon diesen Weg bestritten haben, denke ich.

Aber ansonsten ist halt eine Handspindel (für die meisten Fasern) doch das effektivere Produktionsgerät ...
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Beitragvon Miriam » 30.09.2005, 17:57

Vielen Dank!
Spinnen mit nur einem Stein klingt allerdings schon sehr "vereinfacht", stell ich mir ganz schön schwer vor
Es war zur Zeit, da Bäume treiben,
Büsche sprießen, Wiesen grünen
und die Vögel ihr Latein
in der Frühe lieblich singen, ...

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Beitragvon Kattugla » 24.09.2008, 14:42

Weil ich gerade über das Thema Winterbeschäftigung nachdenke, dabei gestern über diesen Thread gestolpert bin und mich ausserdem auch das Handspinnfieber gepackt hat, bin ich beim Herumgooglen heute hierüber gefallen.

Kann mir wer sagen, ob das so eine Spinn-Astgabel ist?

Welche anderen Varianten gibt es, ein rundes Brettchen mit einem Stab zu versehen und damit einen Faden zu spinnen?

Habt Ihr noch Belege, Ideen?
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Beitragvon Maedhbh » 24.09.2008, 16:43

Bei deinem Link ist, denke ich, das Linke eine Spindel. Die Astgabel ist, der Beschreibung nach, dann zum Kordeln/Flechten (auf jeden Fall Herstellen von Seilen) verwendet worden.
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Beitragvon Kattugla » 24.09.2008, 17:49

Jo, hab ich Schussel vorhin beim genaueren Lesen auch irgendwie erraten. :blush:

Nichtsdestotrotz interessiert mich das mit der Astgabel nun aber doch. Vorstellen kann ich es mir optisch noch immer nicht.
Wie geht das?


[edit]Ah ja. Tante Google half zumindest ein wenig weiter. Auf Englisch sollte es einen Artikel (keine Ahnung wo) mit dem Titel "Spinning on a hooked stick" geben, allerdings bleibt Tante Google jetzt mit den eingegebenen Suchbegriffen zur Hälfte beim Forellenfischen hängen. Aber das Dunkel lichtet sich allmählich.

Weiß jemand, ob es Quellen bei den Anthroposophen gibt, womer sowas erklärt bekommt? Denn angeblich isses bei den Steiner-Jüngern noch mit im Lernstoff...[/edit]
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Beitragvon Sissi » 02.11.2008, 01:33

Bin durch Zufall über die Zeitschrift "Lavendelschaf" gestoßen und bei booklooker fand ich günstige alte Magazine. Eines davon behandelt das "Astgabel-Spinnen". Soblad die Hefte da sind, wirds getestet und dann poste ich hier das Ergebnis.
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Beitragvon Klara » 04.11.2008, 20:02

Kattugla,

was willst du denn genau wissen? Wie man mit einem Ästchen spinnt? Gebraucht wird keine Astgabel, sondern irgendwas langes dünnes mit 'nem Haken dran - naturnah ein Ästchen mitt einem Zweig-Rest, modern in Rundholz mit Schraubhaken (Spindelschaft ohne Wirtel) oder ein Stück Drahtkleiderbügel, ein Ende zum Haken gebogen (oder was dir sonst so einfällt - bei der Häkelnadel stört der platte Teil für den Daumen in der Mitte)

Und natürlich Wolle - kardiert ist am einfachsten. Notfalls tut's angeblich auch ein Wattebausch... Oder eine Handvoll Hunde-Unterwolle.

Als Rechtshänder nimmst du die Wolle in die linke Hand, dein Spinnstöckchen in die rechte, hakst den Haken in die Wolle (am Ende) und drehst das Stöckchen, damit es sich festhakt (und nicht einfach die Wolle durchkämmt). Dann ziehst du das Stöckchen vorsichtig nach rechts, vom Faservorrat weg. Und drehst es - bevor die Fasern auseinanderrutschen und sich alles in Wohlgefallen auflöst. Das Kunststück ist jetzt, ziehen und drehen so aufeinanderabzustimmen, dass ein Faden dabei rauskommt. Nicht so viel ziehen, dass er abreisst, nicht so viel drehen, dass du nicht weiter ausziehen kannst. Drall ist der "Kleber", der lose Fasern in ein stabiles Garn verwandelt.

Und das ist auch schon das ganze Geheimnis des Spinnens - alles andere sind nur Verfeinerungen bzw. Beschleunigung.

Viel Spass! Klara
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Beitragvon Kattugla » 04.11.2008, 22:54

Danke. Klingt - nunja - archaisch. :wideeyed:
Erinnert mich an die Spinnerei, wo die Spindel am Oberschenkel abgerollt wird, um sie anzutreiben.

Dann durchkrame ich mal meinen Astvorrat nach einem "Hooked Stick" und probiere das aus...

@Sissi: bin gespannt auf Deine Ergebnisse. ;-)
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Beitragvon Klara » 05.11.2008, 13:42

Klar ist das archaisch - aber die Spindel hat ja erst mal ein Genie erfinden müssen...

Für heute ist es immer noch praktisch zum Lernen - ganz am Anfang (deshalb hab' ich's in meiner Spinnanleitung und meine Anfängerspindel wird mit separatem Wirtel geliefert). Mit "Astgabel" kann man nämlich bequem und in Zeitlupe in Augenhöhe arbeiten und beobachten, wie sich der Drall im Faden entwickelt. Ohne, dass einem irgendwas aus der Hand gezogen wird oder eine Spindel dauernd auf den Boden fällt.

Du hast übrigens recht - es ist genau wie mit der am Oberschenkel abgerollten Spindel (so es eine ohne Wirtel ist) - das Häkchen kannst du auch am Oberschenkel rollen - dann muss nur die linke Hand den Faservorrat wegziehen.

Ach ja, was ich gestern vergessen hatte zu schreiben: Wenn die Arme zu kurz werden, wickelt man den Faden um den Schaft - da, wo er beim Drehen nicht stört.

Ciao, Klara
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