Hochwirtelspindel historisch?

Alles, was das Spinnen mit der Handspindel betrifft, ist hier richtig!

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Beitragvon Kattugla » 17.10.2009, 18:06

Das ist spannend! Bisher: schonmal doll danke!

Was mir dabei durch den Kopf geht: je nach Region und Hauptfaserart (Leinen/ Wolle) gab es ja auch bei den Spinnrädern unterschiedliche Bauweisen und -formen.

Mal überlegt, dass bei den Ägyptern durchaus Pflanzenfasern (Leinen/ Baumwolle) üblicher waren als Schafwolle: kann die unterschiedliche "Tradition" von Hoch- und Tiefwirtel auch mit den Unterschieden der Faserarten zusammenhängen?
Hat die Hochwirtelspindel vielleicht Vorteile beim Verspinnen von Leinen?
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Beitragvon marled » 17.10.2009, 18:42

Kattugla hat geschrieben:
Hat die Hochwirtelspindel vielleicht Vorteile beim Verspinnen von Leinen?


Bei den Isländern definitiv nicht, Leinen war da eher die Ausnahme! Ich denke, es hat was mit dem verwendeten Spinnwirtelmaterial zu tun. In Island sind zum Beispiel fast alle in Museen ausgestellten Wirtel aus Holz, wogegen hier ja oft Keramik in allen Formen verwendet wurden.
Den Link von arachne kann ich übrigens nicht aufmachen.
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Beitragvon Arachne » 18.10.2009, 17:06

Hallo Marled,

ja, das liegt leider an dem Redirect-System von Flinkhand. Kopieren und oben im Browser wieder einfügen, geht wohl leider nicht anders, sorr

Klar, in Island gibt's keinen Ton. Aber wenn Du in die bisherige Tabelle schaust, hat mein auch in Ägypten die Wirtel z.T. aus Holz gemacht. Und z.B. in Deutschland wurde vor Erfindung des Spinnrads ja auch viel Leinen versponnen, logischerweise, also kann's an dem Unterschied auch nicht liegen. Ich könnte mir neben einfach Tradition 2 Gründe vorstellen:
- mit der Hochwirtelspindel kann man m.E. schneller und damit feiner spinnen, und die Ägypter waren ja für die superfeinen Leinengespinste berühmt, während man in Mitteleuropa schon wegen des Klimas einfach dicker spann, um sich nicht totzufrieren.
- beim auf-dem-Boden-sitzen spinnt es sich m.E. besser mit Hochwirtelspindel. Da man das in Ägypten gut konnte, im naßkalten Mitteleuropa aber nicht, könnte das ev. ein Grund sein?

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Beitragvon marled » 18.10.2009, 18:34

Arachne hat geschrieben:
ja, das liegt leider an dem Redirect-System von Flinkhand. Kopieren und oben im Browser wieder einfügen, geht wohl leider nicht anders, sorr
Sigrid


Leider erscheint unter der angegebenen Adresse nur ein: Seite nicht gefunden
:gruebel:
Marled

Edit: Inzwischen habe ich die Seite nach einigem Suchen doch gefunden.
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Beitragvon Klara » 19.10.2009, 14:42

Nach der Beschreibung in Women's Work haben die Ägypter den Flachs gar nicht im eigentlichen Sinn gesponnen. Sondern Faser für Faser von Hand überlappt, mit Spucke aneinandergeklebt, auf Knäuel gewickelt und dann den schon bestehenden Faden mit der Spindel gedreht. Da nicht mehr ausgezogen werden musste, war die schnellste Spindel gerade recht... Nach den Abbildungen wurde übrigens im Stehen gesponnen - und Sigrid, wie spinnst du mit der Hochwirtelspindel, wenn du auf dem Boden sitzt???? Auf dem Boden sitzend könnte ich höchstens mit einer Standspindel arbeiten (wie Inder oder Indianer) - nicht mit der Fallspindel (wo sollte die denn hin?)

Übrigens spinne ich auch Wolle lieber mit der Hochwirtelspindel, auch dicke Wolle. Und nach dem, was Hentschel schreibt, wäre die Hochwirtelspindel eigentlich die logische Folge nach dem Stöckchen mit Häkchen.

Ich dachte mal, es läge vielleicht an der Kleidung, aber wenn der Rock aus festem Stoff ist, kann man die Hochwirtelspindel auch an einer berockten Hüfte hochrollen. Oder galt vielleicht das an der Hüfte hochrollen im katholischen Raum als unanständig?

Ansonsten fällt mir nur noch die technische Begründung ein: Damit das Arbeiten mit einer Hochwirtelspindel wirklich Spass macht, muss sie hervorragend gearbeitet sein (am Besten in Zusammenarbeit zwischen einem Holzdreher - oder Töpfer, oder anderem Materialexperten - und Spinner). Tiefwirtelspindeln sind toleranter, die kann man sich selber zurechtschnitzen.

Äusserst mysteriös, das Ganze....

Ciao, Klara

PS: Hier in der Gegend waren übrigens Spindeln ganz ohne Wirtel verbreitet, die also dauern von Hand gedreht werden musste, so dass man nur im langen Auszug arbeiten konnte. Warum konnte mir auch noch niemand sagen, und eine wirkliche Könnerin habe ich auch noch nicht so spinnen gesehen (angeblich ist es so schnell wie mit Fallspindel...)
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Beitragvon Arachne » 19.10.2009, 17:42

Hallo Klara,

gezwirnt haben die Ägypter vor allem im Stehen, gesponnen aber auch im Sitzen, es gibt Wandmalereien (und Figürchen) in beiden Stellungen.

Ich müßte das Zitat raussuchen, ich glaube es ist im Buch "High-whorling", daß das runterrollen auf dem Schenkel im Sitzen (d.h. S-Drehung, was die Ägypter ja für Flachs benutzt haben) am besten und schnellsten und sozusagen fast ohne absetzen geht (kurz wieder hochziehen, und weiter geht's). Das ist ähnlich wie die Spinnbox, dieser Kasten mit liegender Spindel drin, die man über die Handfläche antreibt. Dasserlbe Prizip für Leute, die an einem Tisch sitzen.

Das geht, solange der ausgestreckte linke Arm plus Körperbreite reicht. Und davon gibts auch etliche moderne Fotos, z.B. dieses berühmte des Museum of modern Arts, das ich mich aus Copyright-Gründen hier nicht traue reinzustellen. (Allerdings spinnt die Frau darauf nicht, sondern spinnt ein Vorgarn zum zweitenmal, in einer Technik, wo der Faden von einer Spindel über einen Haken über ihr zur 2. Spindel führt, ähnlich der Technik der Ägypter).


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Beitragvon Klara » 20.10.2009, 12:31

Wenn ich das richtig verstehe, wird die Spindel da also nicht als Fallspindel verwendet, sondern bleibt auf dem Oberschenkel liegen (bzw. rollt auf ihm)? Man müsste also auch mit langem Auszug spinnen... Ich hab' grad nachgeschaut, in High Whorling ist tatsächlich eine Zeichnung zum Thema, allerdings "modern", mit Schemel. Muss ich glatt mal ausprobieren...

Ciao, Klara
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Beitragvon marled » 20.10.2009, 12:51

Die isländische Snælda wird definitiv als Fallspindel benutzt
Bild,
allerdings gibt es auch die viel gröbere Form zum Spinnen von Pferde(mähnen- und schweif)haaren, die nur zum Abrollen gedacht ist bzw. die in der Hand gedreht wird.
Leider habe ich davon kein Foto, habe aber den 92jährigen Þordur im Skogarmuseum damit arbeiten sehen.
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Beitragvon Klara » 20.10.2009, 16:03

Die Rosshaargarne sind dann auch viel dicker, oder? Als ich mal extra-dickes Dochtgarn (aus Wolle) wollte, habe ich die Spindel auch von Hand gedreht, weil sie frei hängend sofort zurückgedreht hätte.

Ciao, Klara
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Beitragvon marled » 20.10.2009, 16:16

Klara hat geschrieben:Die Rosshaargarne sind dann auch viel dicker, oder? Als ich mal extra-dickes Dochtgarn (aus Wolle) wollte, habe ich die Spindel auch von Hand gedreht, weil sie frei hängend sofort zurückgedreht hätte.

Ciao, Klara


Das Rosshaar kannst du auch zu einem dünnen Garn spinnen, aber die Haare an und für sich haben eine starken Eigendrall und sind ganz glatt!
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