Gatterkamm mit 2 Fäden belegen oder 2 Kämme hintereinander?

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Gatterkamm mit 2 Fäden belegen oder 2 Kämme hintereinander?

Beitragvon sibicat » 18.07.2014, 15:12

Ein herzliches Hallo in die Runde:)

Vorhin habe ich mit Claudia telefoniert (vielen Dank) und sie hat mich an die Profis unter euch verwiesen und meinte, ich würde bei euch bestimmt Antworten auf meine Fragen finden.

Ich kopiere der Einfachheit halber meinen post von Petzis Spinnforum teils hierher, dort konnte mir nicht geholfen werden...

Jahrelang habe ich mich vom Weben ferngehalten, aber ich befürchte, ich kann auf Dauer doch nicht widerstehen.
Auf Empfehlung überlege ich nun, mir eine Kromski Harfe "forte" zuzulegen.

Nun sehe ich den Wald vor lauter Bäumen nicht und habe ein paar Fragen, bevor ich völlig falsche Teile bestelle:

Ich möchte gern alles Mögliche fürs Haus weben: Sets, Geschirrtücher, Tischläufer, Auflagen und mehr.
Schals auch, aber nicht primär.

Bei der neuen Harfe ist ein 30/10 Gatterkamm dabei.

Soweit ich das richtig verstanden habe, sollten z.B. Geschirrtücher mit 12/2 Cottolin ca 9-10 Fäden auf 1cm haben.

Bei einem 50/10 Gatterkamm müsste ich also je 2 Fäden einziehen um auf die annähernde Fadenzahl zu kommen und würde somit eine Panamabindung (heißt das so?) erzielen? Müsste auch der Schussfaden doppelt sein, so dass es schön aussieht?

Wie ich gesehen habe, gibt es für die Harfe den Zusatzkammhalter zu kaufen.
Wenn ich zwei 50/10 Gatterkämme hintereinander benutze, wie muss ich dann die Kämme "einfädeln" um kein Chaos zu bekommen?
Kann ich mit den 2 Webkämmen überhaupt eine einfache Leinwandbindung erzielen und wenn ja, wie geht das?
Werden die beiden dann Kämme gemeinsam bewegt?
Verbindet man sie miteinander, damit es nicht zu wackelig wird und wenn ja wie?
Das wäre mein "Ziel", Muster brauche und möchte ich vorerst nicht weben.

Die Anleitung bei Ashfor* zeigt die Belegung für Doppelgewebe, das möchte ich nicht.

Ich hoffe, dass ich mich nicht allzu unverständlich ausgedrückt habe und nicht sämtliche Begriffe verwechselt habe :blush:
Danke für eure Hilfe:)
sibicat
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Beitragvon WickedWeaver » 18.07.2014, 17:32

Ich plane das mit den zwei Kämmen auch schon länger (hab einen Ashford Rigid Heddle Loom), hab mir daher mal ein paar Gedanken gemacht, die ich aber noch nicht praktisch umgesetzt hab... aber soweit ich das sehe, müsste das so gehen:

Du ziehst beim vorderen Kamm durch jedes Loch einen (1. Faden) und jeden Schlitz drei Fäden (2.-4. Faden). Im hinteren Kamm geht dann der 1. durch den Schlitz, der zweite ebenfalls, der 3. geht durch das Loch, der 4. wieder durch den Schlitz. Somit kannst du beim gleichzeitigen Hoch- und Runterstellen der Kämme eine einfache Leinenbindung erzielen. Beim abwechselnden Hoch- und Runterstellen kannst du (glaube ich... :gruebel: ) sogar eine Art Köper weben. Zumindest eine andere Struktur als Leinwandbindung.

Wie gesagt, das ist in meinem Kopf und auf Papier entstanden, und falls da was falsch dran ist, hoffe ich, dass jemand mich korrigiert :devil:

Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Spaß beim Weben und Ausprobieren!

Viele Grüße,

Marion

PS: Zwei Fäden pro Einzug ist Panamabindung, aber ich würde den Schussfaden nicht auch doppelt legen. Zum einen könnte der sich leicht verdrehen, da er nicht wie die Kettfäden unter Spannung steht, und zum anderen ist Panama ohnehin schon gröber, damit würdest du sicher nicht so schöne Ergebnisse für Handtücher etc erhalten...
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Beitragvon sibicat » 18.07.2014, 18:44

Ciao Marion,

danke für Deine Antwort.
Ich bin froh, dass ich mit diesem "Problem" nicht alleine bin.

Immerhin ist es eine deutliche Mehrausgabe und ein Wagnis, wenn man zwei 50/10 Kämme plus die Halterung mitbestellt, ohne zu wissen, ob die gewünschte Leinwandbindung dann auch wirklich klappt.

Leider habe ich im Netz keine Infos gefunden oder ich habe falsch gesucht.

Vielleicht haben wir Beide Glück und uns kann von einem Profi geholfen werden, ich würde mich auf jeden Fall über weitere Antworten sehr freuen.

Ich freue mich schon auf mein neues Hobby und kann es kaum erwarten damit zu beginnen.
Den Gedanken, meine selbstgesponne Wolle zu verweben finde ich auch sehr reizvoll:)

Herzliche Grüße

Sonja

P.S.
Passt die Stärke 12/2 BW/Leinen für mein Vorhaben mit diesen Kämmen überhaupt zusammen?
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Beitragvon wetterleuchten » 19.07.2014, 07:00

Man kann auch mit einfacher Leinwandbindung sehr vielseitig arbeiten, indem man das Gewebe z.B. mit unterschiedlichen Garnen oder Materialien strukturiert. Zumindest bei Zierstücken wie Sofakissen oder Tischläufern hat man da sehr viel Freiheiten.
Panama ist eigentlich doppelter Faden sowohl in der Kette, als auch im Schuss. Ich denke,wenn man den zweiten Schussfaden auf ein extra Schiffchen wickelt und die Fäden immer hintereinander ins Fach einlegt, dürfte sich da nichts verdrehen.
Aber nur ein Schussfaden geht natürlich auch. Wie gesagt, Freiheiten :-) Gibt dann halt ein anderes Gewebebild.
Ich habe mir schon kleine Musterstücke gemacht, notfalls auf einem oben und unten entsprechend der durch den Kamm vorgegebenen Fadenzahl eingeschnittenen Karton. Dakann ich ohne großen Schäraufwand schon im Vorfeld einen Eindruck bekommen, wie eine bestimmte Farbkombination oder Bindung bei welchem Garn welche Wirkung hat.

Ob das 12/2er Cottolin jetzt speziell für dein Vorhaben passt, @Sibicat, kann ich spontan nicht beurteilen, da fehlt mir die Erfahrung. Aber du kannst, wenn du das Garn da hast, den Faden einen Zentimeter breit um ein Lineal wickeln und die Wicklungen zählen. Dann weißt du, wieviele Fäden davon auf einen Zentimeter passen. Um eine Leinwandbindung zu schären, veranschlagst du dann etwas weniger Fäden pro Zentimeter, als der Wickeltest ergeben hat, (weil der Schuss ja auch Platz braucht und Kettfäden "verdrängt"), sonst würde das Gewebe ziemlich fest und steif.

Und ja, mit zwei Kämmen kann man auch einfachen Köper weben, muss man nur etwas anders einziehen, dann entsprechen zwei Kämme drei Schäften. Aber das ist im Moment noch Theorie für mich, ich bin ja auch ständig am Hin- und herüberlegen, ob ich mit zwei Kämmen oder gleich Umbau auf Schäfte, vielleicht mal ganz " einfach" improvisiert zum schauen, ausbauen soll. (ich habe einen 80er Kircherrahmen, da sind zusätzliche Kämme jetzt nicht gerade Schnäppchen).
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Beitragvon wetterleuchten » 19.07.2014, 12:15

Hi sibicat

jetzt nehm ich nochmal Bezug aufs Eingabeposting. Also da ist ein 30er Kamm bei der Harfe dabei und du überlegst, ob du noch ein oder zwei 50er zusätzlich kaufen sollst?
Und außerdem willst du als erstes Projekt Geschirrtücher weben?
Ich will dir nicht reinreden, aber vielleicht wäre zum üben am Anfang etwas, das schneller abgewebt ist als ein feines Geschirrtuch, geeigneter? Von wegen schnelles Erfolgserlebnis.
Mit gröberem Garn bzw. deinem selbstgesponnenen und einem 30er oder 50er Kamm kannst du prima Tischläufer, Teppich oder Kissenbezug weben, oder auch einen groben Stoff für eine Tasche, den du in der Waschmaschine kleiner und dicht filzen kannst.

Ich schreibe das, obwohl auch mein erstes Webstück ein "Geschirrtuch" war, mit Baumwollhäkelgarn auf einem 40er Kamm. Das ging flott, war allerdings recht schwer und dick. Ich hab's meiner Mutter geschenkt und staunte nicht schlecht, als ich es später auf ihrem Küchentisch als Platzdeckchen sah. Dafür war das "Handtuch" aber dann auch perfekt geeignet. :D
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Beitragvon sibicat » 19.07.2014, 15:53

Hi Wetterleuchten,

vielen Dank für deine Antworten und Überlegungen.

Vor einiger Zeit hatte ich eine Freundin zu Besuch, die neben ihrem Tischwebstuhl auch ihren Ashfor* Webrahmen mitbrachte. Darauf habe ich mit ihrer Unterstützung meinen ersten Schal gewebt, aus einer Maulbeerseide /Merino-Mischung, die auf Grund ihrer Beschaffenheit (nicht gezwirnt) ihre Tücken hatte. Der Schal wurde trotzdem superschön und wurde von Tochterherz sofort beschlagnahmt.

Ich möchte natürlich nicht als Erstes Geschirrtücher weben (siehe mein 1. Post), aber wenn ich später Lust darauf habe, möchte ich nicht erst noch sämtliches Zubehör und das passende Garn bestellen müssen.

Daher resultieren meine Überlegungen, was ich zu gegebener Zeit bräuchte.

Mittlerweile konnte ich durch einen Google-Marathon gestern Abend die Antworten auf meine Fagen finden, auch wenn mir die englischen Web-Begriffe anfänglich wie spanische Dörfer vorkamen.

Falls es erlaubt ist und jemand möchte, stelle ich hier gerne die entsprechenden Links ein.

Und ja, es geht: Man kann mit zwei Gatterkämmen eine feine Leinwandbindung weben, ohne dass man sich bereits beim Kette aufziehen die Finger verknotet. So steht es zumindest in den Artikeln, die ich gefunden habe.
Wie es dann praktisch aussieht? Da lasse ich mich überraschen;)
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Beitragvon NeedleMind » 22.07.2014, 21:31

Vom Einfädeln her scheint das zu passen, aber ich sehe Problem, dass die Fäden in den Schlitzen nicht gut aneinander vorbei gehen. Spätestens mit Wolle dürfte das Ganze sehr sehr schwierig werden.

Stichwort Panama: Vielleicht die Schussfäden entgegengesetzt durch das Fach ziehen?
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Beitragvon Krimhilde » 06.08.2014, 13:59

Hallo,
zu diesem Thema kann ich folgendes beitragen.
Wenn man auf dem Webrahmen feinere Gewebe weben möchte, geht es mit 2 gleichen Webkämmen hervorragend. Die Fäden reiben sich nicht in den Schlitzen.
Die Anweisung für Doppelgewebe von Ashford ist genau richtig, wenn beide Kämme zugleich bewegt werden. nur zum Anschlagen des Schusses nimmt man nur den vorderen Kamm. Deswegen dürfen die beiden Kämme auch nicht zusammen gebunden sein.
Wenn man Panama weben will ist es gut, wenn der Schussfaden nicht doppelt gewickelt wird, da er sich sonst verdreht. Besser ist es mit einzeln gewickeltem Faden im gleichen Fach hin und her und am Rand um den Kantenfaden herum oder mit 2 Schiffchen, gegenseitig.
Das ist nicht nur auf dem Papier, sondern von mir schon alles ausprobiert. Viel Spaß beim ausprobieren.
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