Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

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Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon copholger » 17.03.2016, 14:47

Hallo,

ich bin im Prinzip noch Neuling. Ich besitze einen Glimakra-Webstuhl mit 160cm Webbreite mit 10 Schäften (gebraucht gekauft). Die ersten Male hat eine Freundin, die weben kann, geholfen, den Webstuhl einzurichten usw. Dann habe ich zunächst zwei Schals mit zwei Schäften in Leinwandbindung gewebt, danach ein paar Flickenteppiche in Leinwandbindung.

Nun möchte ich mich mal an etwas mit 4 Schäften heranwagen. Der Kontakt zur Freundin, die mir helfen könnte, besteht leider nicht mehr. Beim Weben mit zwei Schäften habe ich die beiden Schäfte über eine Drällrolle verbunden. Jetzt habe ich die vier Schäfte über die Welle und mit Rollenzug verbunden, also je zwei Schäfte über eine Rolle und die beiden Rollen über die Welle, so dass alle 4 Schäfte beliebig gehoben / gesenkt werden können. So weit so gut...

Beim Anschnüren der Schäfte habe ich sie zunächst im Schafthalter befestigt und alle Bänder möglichst gleichmäßig und gleichlang über die Rollen und die Welle verbunden. Vor dem Lösen der Schafthalter habe ich noch geprüft, ob die Bänder gleich straff hingen. Dazu habe ich noch ausgemessen, dass die Rollenzüge links und rechts jeweils mit dem selben Abstand zum Seitenteil des Webstuhls hängen. Dennoch passiert es, dass nach 2-3 Trittwechseln die Schäfte schief ziehen, das heißt z.B. dass ein Schaft linksseitig tiefer hängt als rechtsseitig.

Woran kann das liegen? Was mache ich evtl. falsch bzw. worauf muss ich achten?

2. Problem: Die Schäfte bewegen sich so auf und ab, dass Kettfäden nicht ungehindert durch sie hindurchlaufen, sondern durch obere oder untere Schaftleisten eines benachbarten Schaftes nach oben oder unten gedrückt werden. Das könnte man umgehen, wenn man die oberen und unteren Schaftleisten in einem größeren Abstand voneinander befestigen würde, das geht aber nicht, weil der Abstand der Schaftleisten oben <--> unten ja durch die Länge der Litzen vorgegeben ist. Was mache ich da evtl falsch bzw. was muss ich beachten?

Danke für Eure Tipps!

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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon Sandra » 18.03.2016, 11:36

Hallo Copholger,

schön, dass du zu uns gefunden hast.
Grundsätzlich ist eine Ferndiagnose ohne Bilder relativ schwierig. Schiefe Schäfte können daran liegen, dass die Kette nicht symmetrisch in der Mitte liegt, das leere Litzen auf den Schäften hängen oder dass die Trittanschnürung nicht in der Mitte sitzt. Das ist aber nur in Blaue geraten.
Ansonsten wundert es mich, dass du bei 1,60 Webbreite und 10 Schäften mit einem Rollenzug arbeitest. Normalerweise sollte ein Glimakra dann Kontermarsch besitzen.
Dein 2. Problem lässt sich nur durch längere Litzen lösen, wie du schon selbst festgestellt hast. Mein Glimakra hat auch kein riesiges Fach, da das ja durch die Höhe des Blattes auf ca 10cm beschränkt ist. Es macht also keinen Sinn, die Schäfte viel weiter auszulenken.
Liebe Grüße, Sandra

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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon marled » 18.03.2016, 12:15

Das Schiefziehen der Schäfte ist ein weit bekanntes Problem bei den Rollenzugwebstühlen. Das ist ein sehr feines Balancesystem und schon die kleinste Unebenheit (Litzen zu sehr verrutscht, Schaft nicht ganz mittig angebunden, etc.) verursacht das Schiefziehen. Manche Weber befestigen deshalb rechts und links außen an den Schäften Gummibänder , die verhindern sollen. Schau mal hier:
https://hexenwerk.wordpress.com/2014/10/01/webstuhl-schafte-schief-beim-rollenzug-teil-2/
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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon copholger » 19.03.2016, 06:39

Hallo Sandra, hallo Marled,

vielen Dank für die schnellen Antworten!

Ich hätte vielleicht noch ein wenig mehr Erklärung zu meinem Webstuhl schreiben sollen, das hole ich jetzt nach.

Den Webstuhl hatten wir vor drei Jahren gebraucht mit null Ahnung vom Weben gekauft. Wir hatten richtig Glück, dass er komplett war, wie unsere Freundin (die weben kann), die uns beim Zusammenbau half, bestätigte. Dazu gehörten 10 Schäfte, die entsprechenden Querhölzer und Tritte und eine Kontermarscheinrichtung.

Zu Beginn hat die Freundin uns beim Scheeren der Kette geholfen und wir haben zunächst Schals mit zwei Schäften in Leinwandbindung gewebt. Die Schäfte waren über Drällrollen miteinander verbunden, der Kontermarsch stand beiseite. Anschließend zwei Flickenteppiche, für die ich alleine die Kette gescheert habe und zwei Schäfte verschnürt habe.

Dann stand der Webstuhl fast drei Jahre unbenutzt im Zimmer, mit einem angefangenen Flickenteppich. Ich habe dieses Jahr im Januar dann einen 4tägigen Webkurs in der Spinnwebe in Eibau / Sachsen gemacht. Dort lernte ich die Schnelllade kennen, die unser Webstuhl leider nicht hatte, und fand das so toll, dass ich meinen Schwiegervater, der Tischler ist, bat, unsere Weblade entsprechend nachzurüsten, nachdem der angefangene Flickenteppich zu Ende gewebt war.

Und daraus ergab sich vermutlich mein Fehler :blush: : Ich habe die Litzen auf den Schäften gelassen, zwei Schäfte mit ein paar Litzen zugefügt und zur Probe (eigentlich wollte ich nur ausprobieren, ob die Schnelllade funktioniert, sich die Fäden richig heben und senken, der Schützen richtig durch das Fach und über die unteren Kettfäden fährt) vier Kettfäden provisorisch eingespannt. Na ja, nach Euren Beiträgen ist es mir klar, dass die Gewichte in den Schäften ungleichmäßig sind, dann ist es ja kein Wunder, dass sie schief ziehen).

Ich werde also die nächsten Tage alle Litzen, die nicht gebraucht werden, von den Schäften entfernen, die Probelitzen gleichmäßig verteilen und ausrichten und bei der Aufhängung und Verbindung über die Rollen darauf achten, dass alles schön gleichmäßig ist. Sollte das nicht helfen, werde ich mal den Trick mit den Gummibändern ausprobieren.

Den Kontermarsch wollte ich zunächst beiseite stehen lassen.

Ich werde berichten, kann aber ein wenig dauern, ich will die nächsten Tage ein wenig zu Hause renovieren.

Gruß aus Hamburg
Holger
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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon Sandra » 19.03.2016, 18:13

Hallo Holger,

du weißt aber schon, dass Kontermarsch deutlich besser zu justieren und weniger fehleranfällig ist? Kontermarsch auf die Seite zu stellen und sich mit einem Rollenzug rum zu ärgern ist eigentlich nicht sinnvoll.
Das Einrichten von Webstühlen ist z.B. im "Handbuch weben" von Erika Arndt oder im "Am Webstuhl mit 4 Schäften" von Ursula Kircher (behandelt aber nur Muster mit 4 Schäften) sehr gut erklärt.
Liebe Grüße, Sandra

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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon copholger » 20.03.2016, 05:40

Hallo Sandra,

ich habe drei Bücher:

Ursula Kircher: Am Webstuhl mit 4 Schäften
Erika Arndt: Ravensburger Webbuch
Laila Lundell: Das große Webbuch

Alle drei zusammen geben mir eine gute Orientierung.

Zum Kontermarsch:
Ich habe einen Kontermarsch mit einem Satz beweglicher Hölzer, nicht mit zwei Sätzen. Die dazu gehördenen langen Querhölzer fehlen leider. Ich habe mir in einer Tischlerei erst einmal 4 lange Querhölzer anfertigen lassen, aber die Deppen haben die Bohrungen an der falschen Stelle gemacht, die muss ich selbst noch nachholen.

Ich habe auch den Kontermarsch einmal eingesetzt und wie von Laila Lundell hervorragend beschrieben mit oberen und unteren (provisorischen) Querhölzern verschnürt. Dennoch hatte ich das Problem, dass die Schaftleisten Kettfäden gedrückt haben. Da ich mir nicht sicher war, ob ich alles richtig angebracht habe, habe ich den Kontermarsch erst einmal beiseite gestellt und probiere deshalb mit Rollenzug.

Gestern habe ich alle überflüssigen Litzen von den Schäften entfernt und anstelle von Texsolv habe ich die Verbindung Schäfte - Querhölzer mit verstellbaren Knoten hergestellt. Auch die Verbindung obere Schaftleisten - Rollenzug - obere Schaftleisten will ich anstelle von Texsolv mit Schnüren herstelllen, bin aber mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden und habe auch erst eine Seite verschnürt. Heute mache ich weiter und will dann mal sehen, ob das Problem des Schiefziehens noch vorhanden ist. Ich habe vier Schäfte genommen, auf jeden Schaft nur vier Litzen zum Ausprobieren und achte genau auf gleichmäßige Aufhängung.

Schaun mer mal... ;-)


Gruß
Holger
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Re: Schäfte ziehen schief und Schaftleisten behindern

Beitragvon copholger » 26.03.2016, 06:46

Hallo zusammen,

nach viel Tüfteln bin ich jetzt erst einmal beruhigt - es wird schon klappen. ;-)

Ausgangspunkt war, dass ich bisher ja nur mit 2 Schäften gewebt habe und es nun mit 4 Schäften probieren wollte. Die 2 Schäfte waren über die Halterungen mit Drällrollen miteinander verbunden, da konnte ich nicht viel falsch machen. Ich habe die Schnur, die die beiden Schäfte verband, jeweils über die unterste mittige Rolle laufen lassen.

Jetzt hatte ich also je 2 Schäfte über Rollen und jedes Schaftpaar über die Welle (die bei mir leider keine richtige Welle ist, sondern ein Kantholz, dessen Kanten abgerundet sind) laufen lassen. Weil das nicht gut klappte - wie ich anfangs schrieb, zogen die Schäfte ja schief - , habe ich in den letzten Tagen statt der Rollen Holzwippen ausprobiert. Aber auch dann zogen die Schäfte immer schief, so viel ich auch probierte. Tja, bis dann meine Frau mal zu mir an den Webstuhl kam und mich darauf aufmerksam machte, dass die Schäfte schon in den Schafthalten schief hingen. Hätte ich mal dabei mehr Sorgfalt walten lassen! :blush:

Wir haben dann gemeinsam alles noch einmal aufgehängt und dabei genau darauf geachtet, dass zunächst die Schäfte in den Schaftaufhängungen genau gerade hingen (Wasserwaage!). Weiterhin darauf, dass die Wippen über die Welle im exat gleichen Abstand und genau in der Mitte der Mitte gehängt wurden. Und auch, dass die Verschnürungen Wippe - obere Schaftleiste mit verstellbaren Knoten so exakt ausgerichtet wurden, dass die Wippen jeweils waagerecht hingen und die Aufhängungen stramm an den Wippen hingen.

Als wir dann die Schaftaufhängungen abnahmen, ware wir gespannt und - mit dem Ergebnis zufrieden! :-) Ein leichtes Schiefhängen konnten wir noch durch Verstellen der Knoten ausgleichen, und beim Treten, so dass die Schäfte wechselweise sich hoben und senkten, änderte sich auch kaum etwas. Außerdem - und das muss ich vielleicht noch ergänzen - hatte ich ja keine komplette Kette gespannt, sondern nur 4 Probefäden zum Ausprobieren durch Litzen gezogen. Die Logik sagt mir, dass, wenn eine Kette gespannt ist, die nicht nur schmal ist, die Kettfäden ja auch dafür sorgen, dass die Schäfte in ihrer Lage ausgerichtet bleiben.

Jetzt wollen wir ein Tuch in den Maßen 160 x 160 cm weben, das dann diagonal geteilt werden soll, so dass zwei Dreieckstücher daraus entstehen. Wir nutzen also die volle Webbreite von 160 cm aus. Das haben wir noch nie gemacht. Ich bin sehr gespannt. Die Kette ist geschärt und wartet auf das Bäumen.

Viele Grüße aus dem österlich verregneten Hamburg

Holger
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