Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Hier findest du Beiträge zum Thema Weben (außer Brettchenweben, dafür gibt es eine eigene Sektion), also Bandwebe, Weben am Gewichtswebstuhl usw.

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Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon copholger » 21.09.2017, 09:23

Hallo zusammen,

obwohl schon einige Zeit am Webstuhl sitzend, würde ich mich immer noch als Anfänger - vielleicht als fortgeschrittener Anfänger ;-) - bezeichnen. Ich habe bisher zwei Schals in Leinwandbindung mit 2 Schäften, ein paar Flickenteppiche in Leinwandbindung und 2 große Wolldecken (2,0 x 1,6 m) in Köperbindung mit 4 Schäften gewebt.

Bei den Wolldecken hatte ich das jetzt von mir zu beschreibende Problem nicht, jedenfalls kann ich mich nicht erinnern:

Ich nehme die ersten und letzten beiden Kettfäden links und rechts jeweils doppelt, damit die Kette an den Kanten stärker ist. Der Köper ist ein ganz einfacher 45° Köper mit 4 Schäften. Als Kett- und Schussfäden verwende ich Baumwolle. Nun musste ich feststellen, dass mir die Schussfäden an den Kanten links und rechts "hochlaufen". Das liegt m.E. an der Verschlingung der Knoten an der Kante. Ich muss nach jedem Schuss und dem Anschlagen mit dem Webkamm noch zusätzlich mit einem Handkamm an den Kanten die Schussfäden herunterdrücken, was dazu führt, dass der Webvorgang sehr lange dauert.

Habt Ihr eine Idee, was ich evtl. falsch mache oder was man anders machen könnte?

Ich habe schon probiert, den Einwurf des Schützen in die andere Seite zu verlegen. Eigentlich webe ich Tritt 1 / Schützen von links, Tritt 2 / Schützen von rechts, Tritt 3... Probiert habe ich dann Tritt 1 / Schützen von rechts, Tritt 2 / Schützen von links... Das führt aber dazu, dass die Schussfäden sich nicht an den letzten, sondern an den vorletzten Kettfäden verknoten; das geht also nicht.

Wer weiß Rat?

Gruß
Holger
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon WickedWeaver » 22.09.2017, 18:58

Hast du vielleicht ein Foto, damit man sich das etwas genauer ansehen kann?

Viele Grüße,

Marion
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon copholger » 24.09.2017, 06:14

Hallo Marion,

ich bekomme das mit dem Foto nicht hin. Wie funktioniert das?

Mittlerweile hat sich das Problem leicht verbessert, dafür ist ein anderes hinzu gekommen, an dem ich wohl selbst schuld bin. :blush: Mir springt der gewebte Stoff stark zur Mitte ein. :-( Ich habe nicht darauf geachtet, "locker" zu bleiben, sondern immer mit dem Webblatt kräftig angeschlagen. Ich habe mir jetzt erst einmal einen Breithalter bestellt. Ich kann momentan nicht mit dem Webblatt anschlagen, sondern schiebe mühselig die Schussfäden mit einem kleinen Kamm an die Position, wo sie hin sollen. DAbei versuche ich, von Schuss zu Schuss wieder auf die richtige Breite zu kommen. Na ja, learning by doing... Jedenfalls kann ich durch das Schieben mit dem Kamm an der Kante die Schussfäden kräftiger an das Gewebte drücken als in der Mitte, so dass ich mich allmählich wieder einer geraden Linie annähere.
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon marled » 26.09.2017, 18:54

Hallo Holger, wenn dein Rand an den Seiten hochwandert, liegt das am einweben. Wenn du den Kamm mal genau an das Gewebe hältst, wirst du sehen, dass der Rand sicherlich um 1 oder mehr cm eingezogen hat. Dadurch gibt es dort eine veränderte Kettfadenspannung, was dazu führt, dass der Schuss nach oben krabbelt.
Abhilfe: Schussfaden im Bocgen einlegen, vorsichtig nach und nach jeweils eine kleine Schlaufe um den Rand stehen lassen.
Wenn du anschlägst, wirst du sehen dass die Schlaufe von dem eingezogenen Gewebe ganz gefressen wird. Aber nur so kommst du langsam wieder auf die normale Breite. Erst wenn die Schlaufe nach dem Anschlagen sichtbar stehen bleibt, bist du wieder bei der originalen Breite angekommen.
Die Randfäden sind durch die übermäßige Dehnung wahrscheinlich ausgeleiert. Sie kannst du mit einem extra Gewicht und einem Haken hinten beschweren, so dass die unterschiedliche Spannung ausgeglichen wird.
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon WickedWeaver » 28.09.2017, 21:01

Ich hatte gedacht, dass du beim Anschlagen vielleicht auch in der Mitte zu fest anschlägst, es also mittig mehr runterdrückst. Je nachdem, wie du anschlägst und womit, könnte es dann natürlich zu einem nicht ausgewogenen Gewebe führen. Das mit dem Bogen ist auch sehr hilfreich, hab ich selber schon feststellen können. Man denkt gar nicht, dass das einen großen Unterschied macht, aber es sind ziemlich wirkungsvolle "Kleinigkeiten"! :-)

Bilder kannst du (soweit ich weiß) entweder direkt hier hochladen, oder über Image (Img) in der oberen Leiste verlinken.

Viel Erfolg und Spaß weiterhin!

Marion
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon Ela2004 » 29.09.2017, 11:53

Bilder kann man, soweit ich weiß, erst ab einer bestimmten Anzahl von Beiträgen hochladen, jedenfalls war das so, als ich hier anfing.

lg Ela
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon copholger » 05.10.2017, 10:35

Hallo zusammen,

entschuldigt bitte, dass ich erst jetzt wieder schreibe. Ich bin auch eben erst wieder dazu gekommen, Eure Antworten zu lesen. :blush:

Ich danke Euch für Eure Tipps!

Was habe ich bisher gemacht, um das Problem zu bewältigen? Zunächst hatte ich gemerkt, dass mein Stoff stark zur Mitte einsprang. Das führte dann auch dazu, dass mir häufig Kettfäden am linken und rechten Rand rissen. Ich habe dann mühselig dadurch, dass ich den fertig gewebten Stoff mit einer Hand in Richtung Rand zog, während ich den Schussfaden anschlug, und dadurch, dass ich den Schussfaden jeweils mit einem Kamm an den gewebten Stoff herandrückte ("anschlug"), dafür gesorgt, dass ganz langsam die ursprüngliche Breite wieder entstand. Natürlich wird das fertige Webstück nicht gut, das ist mir klar, aber man lernt aus seinen Fehlern ;-) . Ich hatte eine Kette so lang berechnet und eingespannt, dass insgesamt 4 Sitzkissen daraus entstehen sollten. Nun wird es eben eines weniger oder eines wird eben kleiner. Mal sehen.

Jedenfalls habe ich mir einen Breithalter gekauft, mit dessen Hilfe ich auch dafür sorgte, dass das Webstück nach und nach wieder in die richtige Breite gebracht wurde.

Ich habe bei dieser Kette auch noch das Problem, dass mir - wie bereits oben beschrieben - häufig Kettfäden reißen. Ich musste leider feststellen, dass die Qualität des Kettfadens schlecht ist, obwohl er aus derselben Marge ist wie der Schussfaden, nur in einer anderen Farbe. Den Schussfaden kann ich mit der Hand nicht durchreißen, den Kettfaden ja (das hatte ich beim Scheeren aber nicht bemerkt). Beim Anknoten eines Fadens nach dem Reißen hatte ich zunächst die überstehenden Enden immer kurz abgeschnitten. Das führte dazu, dass die Fäden schlecht durchs Blatt glitten und oftmals erneut rissen. Jetzt habe ich bemerkt, dass die Fäden trotz des Knotens besser durch Blatt rutschen, wenn ich die überstehenden Fadenenden lang lasse und erst kurz vor dem Verweben abschneide.

Ich bin jetzt dabei, den Webstoff mittels des Breithalters in die Richtige Breite zu bringen und dadurch, dass ich nach Möglichkeit vermeide, Knoten durchs Webblatt laufen zu lassen, indem ich, wenn es "gefährlich" wird, den Handkamm und nicht das Webblatt zum Anschlagen benutze, dafür zu sorgen, dass ich den nächsten Abschnitt sozusagen wieder bei Null anfangen kann - Stoff in der richtigen Breite, extremen Einsprung vermeiden, keine Knoten in den Kettfäden.

Ich hoffe, ich konnte verständlich erklären, woran ich bin...

Gruß
Holger
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon WickedWeaver » 05.10.2017, 17:23

Ui, das werden aber hart erarbeitete Sitzkissen! ;-) Das mit den Kettfäden ist echt blöd, was hast du denn dafür genommen? Aber selbst, wenn es gutes Garn ist/wäre, kann das reißen, wenn die Kämme und das Öffnen des Fachs zu viel Reibung schaffen. Am Besten macht man da aber keinen Knoten rein, da das, wie du bemerkt hast, mit dem Webblatt oder Reedekamm schwierig werden kann. Kennst du diese Art der "Kettfadenrettung"? Ich kenne es mit einer Sicherheitsnadel statt T-Pin, aber Hauptsache, der Faden ist fixiert.
Auf der Flinkhand-Seite gibts auch eine kurze Erklärung (zum Brettchenweben, aber das Prinzip ist ja das gleiche :devil: )
Ein Kettfaden ist gerissen

Wenn ein Kettfaden reißt, knotet man einen neuen Faden an einer Sicherheitsnadel fest und sticht diese dann durch das bereits gewebte Bandstück. Der neue Faden muß natürlich genau wie der alte durch das entsprechende Brettchen gezogen werden. Dann verknotet man ihn am Ende mit den anderen Kettfäden, so daß er die gleiche Spannung hat, wie die anderen Fäden der Kette. Nachdem die Webarbeit beendet ist, kann man den Faden von der Sicherheitsnadel nehmen und vernähen.


Hoffe, das hilft dir weiter! Web noch schön, gemütlichen Abend!

Viele Grüße,

Marion
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Re: Köpermuster - Schussfäden an den Kanten höher - wieso?

Beitragvon copholger » 07.10.2017, 15:01

Hallo Marion,

ich benutze zurzeit Wolle, die wir bei Karstadt günstig (Sonderangebot) gekauft haben (50g zu 0,99 €), sowohl für die Kette als auch für den Schuss. Sie heißt Cotton Happy und besteht zu 15% aus Polyester und 85% aus Baumwolle.

Ich hatte vorher aus einem ähnlichen Sonderangebot von Karstadt eine große Krabbeldecke (2,00 x 1,60 m) für meine Enkelin gewebt und hatte überhaupt keine Probleme mit reißenden Fäden. Die Decke wurde allerdings auch in Leinwandbindung gewebt.

Der T-Pin ist eine gute Idee. Ich habe folgende Technik einem Web-Buch entnommen: Den Faden im Zickzack um eine Stecknadel, diese so im bereits gewebten Stoff fixieren, dass der Faden die gleiche Spannung hat wie die anderen Kettfäden und dann mit einweben. Am Ende die Nadel herausziehen und den Faden einstopfen. (Ich gestehe, das mache ich nicht, sondern ich schneide ihn kurz am gewebten Stoff ab). Aber auch bei dieser Technik muss der Faden ja am alten Faden an der Riss-Stelle angeknotet werden.

Die Alternative wäre, einen ausreichend langen neuen Kettfaden, am besten aufgespult, mittels der "Nadel-Technik" am bereits Gewebten befestigen, durch Webblatt und Litze ziehen und nach hinten über den Kettbaum legen. Dann dieses Fadenende bzw. die auf dem Boden liegende Spule beschweren, damit der Faden straff gespannt bleibt.

Ich bin mittlerweile bei meiner Arbeit so weit, dass ich zurzeit "knotenfrei" bin, d.h. ich habe alle Knoten verwebt. Der Stoff ist in der richtigen Breite und ich achte mittels Breithalter und dadurch, dass ich an den Kanten genau darauf achte, dass möglichst keine nach innen ziehende Spannung entsteht, dass der Stoff auch in der Breite bleibt.

So, genug geschrieben - jetzt geht´s wieder an den Webstuhl! ;-)

Grüße aus Hamburg
Holger
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