Nagelbrettweben

Hier findest du Beiträge zum Thema Weben (außer Brettchenweben, dafür gibt es eine eigene Sektion), also Bandwebe, Weben am Gewichtswebstuhl usw.

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Nagelbrettweben

Beitragvon Geli » 24.05.2009, 22:39

Zum Weben von Borten habe ich eine Technik kennen gelernt, zu der es eines einfachen Brettes (ca. 1 - 1,20 m Länge) bedarf, an derem einen Ende erfahrungsgemäß fünf bis neun Nägel in Reihe angebracht sind und sich am anderen Ende vier Nägel in Form einer Raute befinden. Darauf gespannt werden die Fäden, deren Farbauswahl das Muster der Borte ergibt.

Als Beispiel (und ich hoffe, ihr könnt meiner Beschreibung gedanklich folgen): Ich ziehe einen Faden von der "Rautenseite" zu der Nagelreihe, lege den Faden um den äußeren Nagel und führe ihn zur Rautenseite zurück, wickel ihn dort um den hintersten Nagel und ziehe ihn wieder hoch, um eine zweite Schlaufe um den äußersten Nagel zu legen. Das mache ich auf den beiden äußeren Nägeln mit jeweils der gleichen Farbe, um eine einfarbige Linie zu erhalten. So werden alle Nägel auf dem Brett bespannt. Alternativ kann ich diese Schlaufen auch mit verschiedenen Farben bilden, um ein nettes Muster zu erhalten.
Halt finden die Fäden übrigens, indem ich den Anfang und das Ende des gewählten Farbtones am Rautenende miteinander verknote.

Ist das Nagelbrett in dieser Art bespannt, ziehe ich einen Schussfaden zwischen der oberen und der unteren Schlaufenreihe hindurch. Daraufhin nehme ich die obere Schlaufe eines jeden Nagels und lege sie, über die untere Schlaufe hinweg, nach unten, woraufhin die untere Schlaufe automatisch nach oben wechselt. Nach dem Umspannen ziehe ich das Schiffchen mit dem Schußfaden erneut zwischen der oberen und unteren Reihe hindurch. Usw.

Ich hoffe, ihr könnt Euch etwas unter dieser Beschreibung vorstellen. Denn nun komme ich zu meiner Frage.

Ich habe schon des öfteren versucht, Quellenangaben zu dieser Art des Bortenwebens zu finden, die über mündliche Überlieferungen mit dem Hinweis: "Das ist die Art gewesen, wie die einfache Bevölkerung ihre Kleidung verziert hat." hinaus gehen. Leider erfolglos.
Vielleicht finde ich ja hier im Forum Antworten dazu, aus welcher Zeit diese Art des Webens stammt. Ich würde mich freuen, wenn jemand mehr darüber zu berichten weiß.
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Beitragvon Rabea » 25.05.2009, 06:52

Ich glaube ich habe hier das was du beschreibst. Allerdings als Kinderversion für z.B. Lesezeichen….

Das Bild habe ich mal mit angefügt, dass sich jeder eine Vorstellung von machen kann was du beschreibst.

Bei deiner Frage nach Quellennachweisen kann ich dir aber leider nicht weiterhelfen.

Bild
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Beitragvon Geli » 25.05.2009, 07:59

Ja, genau das meine ich. Ich selbst arbeite da teilweise mit einem Brett, welches am oberen Ende 15 Nägel hat (bei feinem Garn ist die Menge unbedingt nötig, um eine gewisse Breite der Borte zu erzielen).
Für die Verzierung von Kleidungsstücken muss ich zwar mehrere Bänder machen und diese zusammen nähen, aber die Borten sind leicht herzustellen und vielseitig einsetzbar (Bänder für Beinlinge, Gürtel, Verzierungen für Tuniken, Kleider etc.)

Für die Kinder bieten wir auf unseren Veranstaltungen etwa 30 - 40 cm lange Brettchen an, mit denen sie sich Lesezeichen oder Freundschaftsbänder weben können.

Der von uns erklärte Hintergrund ist einfach: Die einfache Handwerksfrau hatte nicht unbedingt Zeit und Muße, sich mit dem altbekannten Brettchenweben zu beschäftigen. So ein Nagelbrett dagegen läßt sich leicht aus der Hand legen und die Arbeit an der Borte ebenso leicht wieder aufnehmen, wenn man mal schnell "aufspringen" muss (die Kinder machen Ärger, die Kuh muss gemolken werden, das Feuer geschürt). Und da auch die einfache Frau sich schmücken wollte, die Bänder darüber hinaus auch zweckmässig sind, hat sie sich auf diese Art Borten hergestellt.

Dennoch interessiere ich mich für weitergehende Hintergrundinformationen. Es wäre schön, hier auf Hinweise zu Quellenangaben zu stoßen.
„Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ - Tucholsky
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Beitragvon Rigana » 25.05.2009, 10:06

Ich kenne diese Bandwebmethode auch aus einem Buch und werde mal nachschauen, was das dazu zu sagen hat.

Zwar ist die Methode simpel, aber dennoch ziemlich umständlich, ein Band herzustellen. Ich befürchte, dass dies nicht weniger aufwendig war als Brettchenweberei oder Litzenweberei (Kammweberei). Schließlich ist das Abweben einer langen Kette nicht unmöglich mit dieser Technik. Man muss nur die Schlaufen verstellen.

Über den Arbeitsalltag in früheren Zeiten schweige ich mich besser aus, denn den kann man als modern-westlicher Mensch kaum mehr nachvollziehen - egal wieviel historisches Hobby man betreibt.
Mündliches Hörensagen als historische Quelle kommt wirklich besser gar nicht in die Tüte. Da hast du Recht.

[mod="Rigana"]Und nun mal kurz zum Mod...
Dieser Beitrag ist besser im Bereich Weberei aufgehoben, denn hierbei handelt es sich um etwas technisch absolut anderes als Brettchenweberei. Daher werde ich den Thread verschieben. Also bitte vorher genau die Rubriken anschauen und dann posten. Gibt weniger Arbeit... :-) [/mod]

Liebe Grüße
Rigana
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Beitragvon Sissi » 26.07.2010, 22:29

Ich habe erst vor ungefähr einer Woche diese Technik ausgeübt, als ich an der Ostsee in Urlaub war. Wir besuchten dort ein Museumsdorf in Torgelow und meine Mädels haben sich Armbändchen damit gewebt bzw. Mama und Papa durften fleißig mit werkeln.
Im Gespräch mit der betreuenden Dame des Wollhauses stellte ich auch die Frage, ob sich diese Webart für Borten eignen würde, was sie verneinte. Je länger die Fäden, desto größer wird das Problem des Verhedderns beim Schlaufenwechsel, zudem müsste auch ein Brett für ein 2m-Band über 2m lang sein, was das Ganze extrem unpraktisch machen würde.

Das Brett sah dort so aus:
Bild
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kreuzen

Beitragvon Verry » 07.06.2012, 17:38

Hallo!
ich hab mir dafür auch ein Brett gebastelt. Ich habe aber die Stifte am unteren Ende (ich hab Holzdübel genommen) im Halbkreis angeordnet, sodass alle Fäden gleich lang sind. So kann man die einzelnen Fäden unter der Arbeit verkreuzen und noch mehr Muster weben.
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Beitragvon Lise » 08.06.2012, 21:06

Ich hatte mein Nagelbrettchen auch so, dass ich einer Seite eine Reihe Nägel hatte, alle neben einander. Unten dann drei versetzte. Oben dann je Nagel zwei Schlaufen und Unten liefen alle Fäden außen rum und konnten dann versetzt werden.
Mein längstes Brett war etwa 1,5m aber das war schon etwas fummelig, weil man ja keine Affenarme hat.

Ein Freund von mir hat ganz tolle Bänder mit einfachen Nagelbrettchen hergestellt, auch mit Schrift und so.
Hier mal ein Link zu seiner Homepage (www.weberey-lebensfaden.de). Rechts im Bild stehen seine Brettchen und auch eines seiner Spruchbänder.

Also möglich ist alles ;-)

Eine ordentliche Quellenangabe habe ich noch nicht gefunden, bin aber eh zu Brettchen- und Litzenweberei gewechselt.
An sich ist diese Nagelbrettchentechnik aber mega einfach und sowohl das Spannen als auch Weben bietet deutlich weniger Fehlerpotential als Brettchenwebeb.
Die Bänder sehen aber auch eher wie gestrickt aus, also es stehen immer so kleine dreieckige Spiten übereinander.
Man kann das gut mit Kindern weben, weil es schnell geht, schnell vorbereitet ist ein schönes Ergebnis entsteht.
Aber das hat Sissi ja schon angedeutet.
Man umgebe mich mit Luxus.
Auf das Nötigste kann ich verzichten.
(Oscar Wilde)
;-)

Achtung: neuer Blog!!
http://lise-im-wollwahn.blogspot.com/
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