römische Sticktechniken

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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römische Sticktechniken

Beitragvon N.R.U. » 14.09.2005, 13:01

Primus hat geschrieben:Hallo aus Düsseldorf!

Ich habe von meinem Reenactment-Verein, der das erste nachchristliche Jahrhundert behandelt, den Auftrag bekommen, mich darum zu kümmern, wie man ein gesticktes Vexillum, also eine römische Feldstandarte, herstellen könnte. Das Problem ist in diesem Fall die flächige Darstellung des Motives.
Der älteste mir bekannte Stich dafür ist der Klosterstich, aber der ist ja nun wie es scheint mittelalterlichen Ursprungs. aber vielleicht hat ja noch jemand eine ältere Technik auf Lager.....?
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Beitragvon Flinkhand » 14.09.2005, 20:16

Hallo Erster

Du könntest es mit versetzem Plattstich versuchen. Damit kannst du auch Flächen decken. Der Stich ist sicher einer der Ältesten, schon weil es sich um einen normalen Geradstich handelt. Aber meine Stickkenntnisse reichen leider nicht bis in die Römerzeit...

Stell dich doch mal in der Sektion "Neue Mitglieder" vor, wenn du Lust hast

Viele liebe Grüße,
Zuletzt geändert von Flinkhand am 03.06.2006, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
Claudia,
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Beitragvon Rigana » 15.09.2005, 07:46

Interessantes Thema Leider weiß ich übers römische Sticken - wenn es das gab - auch noch nichts

Ich hab jetzt mal ein wenig gegoogelt und eine weitere Frage: waren die Vexilla überhaupt bestickt?
Auf der Zugangsseite des Limesmuseums Aalen ist ein Vexillum aus Ägypten abgebildet, das mir bemalt scheint.
OK... das gute Stück ist etwas jünger als deine angepeilte Zeit, aber evtl. ein Hinweis.

Fürs Sticken würde ich auch zu dem von Flinkhand vorgeschlagenen Plattstich tendieren.
Und scheinbar ist die bevorzugte Stoffgrund-Farbe rot...

Liebe Grüße,
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Beitragvon Xia » 07.01.2006, 11:19

Hallo,

die Römer führten phrygische Arbeit aus, die im westlichen Europa aber nicht mehr von Belang waren. Phrygische Arbeit wird spätestens seit den Römern nicht mehr ausgeführt.

Phrygische Arbeit

Liebe Grüsse, Xia
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Stickereien

Beitragvon Slania » 29.03.2011, 16:17

In Herculaneum hat man einen Stickrahmen gefunden. Grundsätzlich wurde aber relativ wenig gestickt, obwohl etwa 4 Stickarten nachgewiesen werden konnten.

Die meisten Arbeiten sind aus Schlitzwirkerei sowie der fliegenden Nadel. Die meisten Vorlagen sind aus der Spätantike (Palmyra, Agypten) auf Tuniken, auch zu sehen auf diversen Mosaiken. Beim sticken muss man bedenken, dass die verschiedenen pflanzengefärbten Fäden sehr stark ausbluteten sowie ausbleichen und daher kann man sich fragen, ob eine Standarte wirklich gestickt war.

Es gibt einige Bücher sowie Webseite (MAK Sammlungen), jedoch man erkennt, dass relativ wenig gestickt wurde.
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Beitragvon Regilla » 29.03.2011, 16:36

Liebe Slania,
Leider ist Dein Beitrag etwas zu hoch für mich. Was bedeutet Schlitzwirkerei und was ist eine fliegende Nadel? MAK ist für mich die Maximale Arbeitsplatz-Konzentration einer mehr oder weniger giftigen Substanz.
Erklär das doch bitte mal, weil sticken zur Römerzeit interessiert mich.
Warum gehst Du davon aus, dass pflanzengefärbte Garne ausbluten? Tun sie nicht, ausbleichen stimmt für manche Farben, aber nicht für alle.
Die Holländer haben eine orangefarbene Flagge, wenn sie früher in ihre Kolonien mit Schiffen gefahren sind, kamen sie mit einer Flagge zurück, bei der der Gelbanteil ausgeblichen war, während das Rot vom Krapp noch da war.
Grüßle,
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Beitragvon marled » 29.03.2011, 18:22

Laut Wikipedia ist Sticken eine textile Technik, bei der ein Trägermaterial (Stoff, Leder, Papier) mittels Durchziehen oder Aufnähen von Fäden verziert wird.
Die Technik des fliegenden Fadens und der Schlitzwirkerei gehört zu den WEBtechniken.
Anstatt über die ganze Breite zu weben, werden bei der Schlitzwirkerei einelne Muster- oder Farbflächen seperat gewirkt. Beim Fliegenden Faden wird zusätzlich zum Grundschuss noch ein musterbildender Schussfaden mitgeführt. Diese Technik sieht aus wie gestickt und ist im Nachhinein nur schwer von Stickerei zu unterscheiden, wurde aber tatsächlich während des Webvorgangs ausgeführt.
Beide Techniken sind sehr verbreitet bei den koptischen Textilien, die man zum Beispiel in den MAK-Sammlungen bewundern kann:
http://sammlungen.mak.at/sdb/do/sammlung.state?id=4
Ich hoffe, das klärt die Sachlage ein wenig.
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Beitragvon Magali » 30.03.2011, 10:05

Bei dem Rahmen aus Herculaneum handelte (ist anscheinend verschollen... ) es sich um einen - laut italienischem Grabungsbericht - kleinen Webrahmen, nicht um einen Stickrahmen...
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Beitragvon Draca » 17.05.2011, 17:29

Um das Thema noch einmal aufzuwärmen:
Weis irgendwer konkrete Informationen, was für Stiche in der Spätantike überhaupt verwendet wurden??

Ich kenne auch nur die MAK-Sammlung und das "Global Egyptian Museum" und die allermeisten Textilverzierungen sind gewirkt bzw. mit der fliegenden Nadel hergestellt. Wenn überhaupt ein extra Faden aufgestickt wurde, schaut das auf den mir bekannten Abbildungen immer nach relativ groben Linien in recht ungelenk wirkendem Stielstich aus.

Hat irgendwer vielleicht auch noch einen Link zu einem guten Bild von einer römischen Opus phrygium-Arbeit?

LG Draca
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