Perlensticken

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Re: Perlensticken

Beitragvon Mel » 07.06.2007, 09:04

wurm hat geschrieben:Ich habe gelesen, daß selbst die Restauratoren große Schwierigkeiten haben, originale Perlen wieder zu fixieren. Bei den Originalen ist das Loch so dünn, daß selbst die Chirurgie keine Nadeln kennt, die da durchpassen. Da kommt gerade noch ein einzelnes Haar durch. Niemand weiß, wie die das damals gebohrt haben. In einem Grab der Stauferzeit hat man Nadeln gefunden, die durch diese engen Löcher passen. Sowas kann angeblich heute niemand herstellen.


Hm ich bin ja auch ein verfechter der Theorie das wir vieles nicht mehr in gleicher Art und Güte herstellen können wie unsere Vorfahren. Seit ich die Umschulung zum Zerspanungsmechaniker mache gewinne ich langsam einen kleinen Einblick in die heutige Fertigungstechnik im Metallbereich. Ich denke man muss die Aussage: "Das kann man nicht mehr herstellen" ergänzen: Man kann es heute nicht mit vertretbarem Aufwand herstellen. Denn ich weiß das z.B. in der Fertigung und meßtechnischen Prüfung von Feingewinden mit kleinen Maßen Drähte mit sehr kleinem Querschnitt (unter 0,1mm) eingesetzt werden.

Im übrigen kann ich mir vorstellen, dass man je nach Legierung sehr feine Drähte mittels Drahtziehen herstellen kann. Durch die im Hochmittelalter herrschende starke Spezialisierung gab es sicher das Potenzial in diesem Bereich zu experimentieren. Selbst mit wenig Übung kann man bei Eisendraht erstaunlich zügig gleichmäßige Drähte herstellen. Ich hatte vor einigen Jahren mal das Vergnügen mich bei einem Sarwürker daran zu versuchen. Da das Verhalten von Metallen durch die Herstellungsart (schon bei der Roheisengewinnung zb., aber auch beim Schmieden etc.) sehr stark beeinflusst wird, braucht es zu sehr feinen materialstärken warscheinlich mehr Erfahrungswerte als ein einzelner Mensch heute gewinnen kann.

Hm ich weiss nicht wie damals die Löcher in die Perlen gekommen sind, aber wäre es denkbar das man sie um feine Drähte herum gezüchtet hat? :gruebel: *Mutmaß* Hm ich weiss nicht mal ob man Perlen überhaupt gezüchtet hat... aber falls ja..

Spannende Fragestellung, wie so vieles im Bereich der historischen Textilverarbeitung das mir schon längere Zeit Rätsel aufgibt...

ähm tja :blush: ist ein "bischen" mehr OT geworden als ich dachte, aber evtl. für den ein oder anderen eine Anregung.
Gruß

Mel
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Beitragvon Xia » 07.06.2007, 10:19

Hallo,

würde man Perlen um einen Draht züchten, würden sie am Draht fest wachsen. Und sie wären nicht so rund, wie man sie gefunden hat. Zudem eine Perle nichts anderes ist wie Schmutz, der sich in der Muschel sammelt und die Muschel dann sammelt, verklebt, sammelt, wieder verklebt, sie ist eigentlich ein Abfallprodukt der Muschel. Und da eine Muschel nun mal ein Lebewesen ist, würde eh alles anders laufen wie geplant ...

Ich kann mir einfach vorstellen, das man einfach eine Menge Geduld aufgebracht hat beim bohren und das man den Draht oder Metallstück, mit dem man gebohrt hat, gleich drin gelassen hat, wenns Metallarbeiten waren (Eine Perle ist nicht besonders hart) und bei Stickarbeiten den Faden mit einem Kleber versteift und den so eingefädelt.

Liebe Grüsse, Sanni
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Beitragvon Lilja Egilsdottir » 24.11.2007, 11:10

Mal ne andere Frage... in welcher Zeit/ an welchen Orten war die Perlenstickerei denn üblich`?
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Beitragvon Xia » 25.11.2007, 14:22

Hallo Roskilde,

Perlen galten schon seit vor Christus als ein Edelstein, sie sind bis heute in der Liste der "echten" Edelsteine wie der Diamant, Rubin, Saphir, Berylle usw., wobei ich denke, das sie in der Antike hauptsächlich für Schmuck und Salbenherstellung verwendet wurden. Erste Perlenstickereien kenne ich schon fürs Frühmittelalter und haben sich bis heute gehalten.

Liebe Grüsse, Xia
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