Gespinst- und Kantillenstickerei

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Gespinst- und Kantillenstickerei

Beitragvon N.R.U. » 21.02.2004, 16:33

Uta hat geschrieben:Hallo zusammen,

ich bin auf der suche nach Gespinst- und Kantillenstickerei.
Ich versuche das mal zu beschreiben, es sieht aus als wenn kleine goldene oder silberne "Röhrchen" benutzt wurden.

Es ist eine sehr alte Stickart, welche Zeit kann ich nicht sagen, leider habe ich bisher noch dazu nichts gefunden, ich würde eine Anleitung für diese Techniken suchen oder eine verständliche Beschreibung, würde mir auch weiter helfen.

Mit freundlichen Grüßen
Uta
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Beitragvon N.R.U. » 21.02.2004, 22:51

Sabine hat geschrieben:Erstellt am 21.02.2004 - 22:51

Ach du meine Güte.....Davon habe ich noch nie was gehört/gelesen! Gespinststickerei? Das hört sich sehr defizil an! Wenn Du da was findest wäre es prima, darüber was zu Lernen!!!
Sabine
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Beitragvon Flinkhand » 21.02.2004, 23:20

Öhhhh, ich hab davon auch noch nie gehört
Zuletzt geändert von Flinkhand am 02.06.2006, 18:09, insgesamt 1-mal geändert.
Claudia,
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Beitragvon Jenny » 24.02.2004, 10:30

Hallo,

habe mal etwas recherchiert. Direkt Literatur über Kantillenstickerei habe ich nichts gefunden. Aber die Kantillenstickerei ist eine Goldstickart bei der durch den Bouillon (Drahtspirale) statt Draht ein Nähfaden geführt wird und dieser festgenäht wird. Wie genau das funktionier weiß ich nicht, habe es noch nicht ausprobiert. Diese Stickerei ist jedenfalls seit dem 7 Jahrhundert nachgewiesen und wurde hauptsächlich für religiöse Reliquien, Altartücher, Messgewänder usw. verwendet.
Ich suche weiter.

Jenny
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Beitragvon N.R.U. » 24.02.2004, 13:51

Hallo,

danke schon mal, ich bräuchte aber eine Beschreibung, wie man da vorgeht, das wäre genau das was ich suchen würde, aber der Tipp mit der Klosterstickerrei ist schon mal gut, werde da mal etwas nachschauen.

Grüße

Uta
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Beitragvon Johanna von Callmunz » 24.02.2004, 19:50

Hallo zusammen,

schaut doch mal unter "Paramentenstickerei" nach, das ist glaube ich genau das was Ihr sucht.

Gruß

Johanna
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Beitragvon TheaEvanda » 31.05.2008, 22:12

Gespinst ist meist Gold- oder Silberatlas, also Seiden- bzw. Polyesterfaden mit Goldfolie, mehrmals gezwirnt. Diese Materialien werden eigentlich immer aufgenäht (Couching, oder Anlegetechnik), da sie zu wertvoll sind, um sie unter dem Stoff zu verschwenden (aktuell kostet ein Kilo 4-fach Goldatlas um die 300-400 Euro).

Ich habe jetzt nur ein Handyfoto als Beispiel:
Detail eines Taufkleides mit Silberatlas (Gespinst), Frisee und Cordonnet:
Bild


Kantille oder Buillon ist wie oben schon geschrieben eine Metallspirale ohne Seele, durch die zum Sticken ein Faden gezogen wird. Runde Kantille wird/wurde gerne für Hochstickereien benutzt, krause Kantille für kleine "Blümchen". Dafür habe ich jetzt aktuell kein Foto da. Ich kann mich nächste Woche mal danach umschauen.

--Thea
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Beitragvon Carola » 31.05.2008, 23:06

Kann es sein, dass Du mit "Atlas" Lahn meinst? Atlas ist mir nämlich nur als Seidengewebe bekannt. Während Lahn ziemlich genau dem entspricht, was Du beschreibst: Einen um eine Seidenseele gewickelte Gold- oder Silberfaden.

Übrigens kenne ich Boillonstickerei nur in der metallfreien Variante. Ich habe es so gelernt, dass der Name daher kommt, dass das Ergebnis einem gewickelten Draht ähnelt.
Der mir bekannte Boillonstich wird ähnlich ausgeführt, wie ein Knötchenstich, nur dass man den Faden bis zu 20mal um die Nadel wickelt.
www.igwolf.de
jetzt auch auf facebook: www.facebook.com/pages/IG-Wolf-eV/181515928555627
Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
(S. Beckett)
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Beitragvon TheaEvanda » 01.06.2008, 09:59

Tja, mir ist schon mal aufgefallen, dass es für alle Goldstick-Materialien mehr Begriffe als Verarbeitungsmöglichkeiten gibt...

Machen wir es mal systematisch:
Frau Meister sagt: Goldgespinst, 4-fädig
Frau Geselle1 sagt: Das 4er Goldatlas-Band
Frau Geselle2 sagt: Den 4er Atlas in Gold
Und Azubine sagt: Äh... das da?

Viele Worte, ein Ding. Leider habe ich noch nirgends eine schlüssige Systematik der Metallfäden gefunden. Nur die Royal School of Needlework hat mal was dazu geschrieben, aber das Buch gibt's nur in Englisch, und die Fotos sind nicht schlüssig. Auch hilft es im Deutschen bei der Systematik nicht weiter.
(Aber da fällt mir ein, ich könnte mal unseren Lieferanten grillen, wie die Spinnereien das Zeug klassifizieren... Mach' ich nächste Woche mal)

Goldlahn ist meines Wissens nach ein plattgehämmerter Golddraht, der absolut widerspenstig bei der Verarbeitung ist, meist beim Sprengen über hohe Pappen zum Einsatz kommt und schnell bricht. Dafür gibt es natürlich absolut tolle Ergebnisse.

Und dann gibt es noch einen Unterschied zwischen Buillon und Buillonstich. Buillon/Kantille ist das Metallmaterial, also die Metallspiralen, die es in rund (runde Kantille) und in viereckig (krause Kantille) gibt.
Diese Spiralen werden einfach in kleinen Stücken über die Nadel geschoben und dann festgenäht. Ohne Seele fallen die Dinger ganz schnell auseinander, und dann hat man einen etwas unregelmäßigen, dünnen Draht.
Der Buillonstich imitiert die "echte" Goldarbeit mit "normalen" Materialien. Mit der Kantille hat das also weniger zu tun.

Sobald wir in der Werkstatt wieder eine Restauration haben, mache ich mal ein paar Fotos.

Bis denne,

Thea
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Beitragvon Nadeln » 01.06.2008, 18:32

Hallo,
zur Goldstickerei gibt es meines Wissens z.Zt. nur englische oder französische Bücher. Das deutsche Buch "Goldstickerei Teil 1" zeigt nur wie man Goldhauben macht. Das beste Buch, das mir bis jetzt untergekommen ist, ist "Beginner's Guide to Goldwork" von Ruth Chamberlín, ISBN 0-85532-954-8. Auch wer nicht gut englisch kann, darf sich drübertrauen, weil es sehr gut bebildert ist.
Zum Boullion: das ist ein in Spiralen gewickelter Draht, den es in unterschiedlichen Durchmessern gibt. Er wird in Stückchen geschnitten und mit Hilfe der Perlnadel oder feinen Nähnadel auf den Stoff genäht. Man kann ihn auch zum Kreis legen und Abschnittsweise mit Seidennähgarn aufnähen. Anfang und Ende sollen möglichst unsichtbar sein.
Lahn ist flach. Echter Goldlahn kann oxidieren.
Am häufigsten wird imitiertes Japangold genommen und mit Seidengarn aufgenäht. Dieses Material besteht aus Goldfolie, die um eine Seidenseele gewickelt wird. Es gibt auch echtes Japangold. Von beidem gibt es verschiedene Durchmesser.
So, jetzt hoff' ich, daß diese mail abgeschickt werden kann und der Computer das macht, was ich will.
Viele Grüße
Nadeln
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