Klosterstich

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Klosterstich

Beitragvon Racaire » 06.04.2005, 02:16

ein klosterstich ist auch auf der flinkhand seite, wenn ich ihn auch ein bissi anders mach

bei den klosterstichen geht es primär darum, dass das meiste der fäden auf der vorderseite des stoffes ist *G*

1) der bajeux stich:
(ich glaube hier ist eine Graffik auf jeden fall hilfreich: )
www.sca-austria.org/as/basic/as.jpg
also... man zeichnet mal auf einem groben leinen den/die umriss/e des Musters auf

dann beginnt man mal in einer ecke des musters und sticht durch das erste freie loch und auf der "waagrecht" gegenüberliegenden ecke sticht man wieder in den stoff (hilfreich der fadenverlauf vom leinen), so das auf dem stoff der faden sichtbar zu liegen kommt
auf der gezeichneten umrisslinie sticht man mit der nadel gleich neben dem letzten einstichloch ins nächste loch auf der linie (wieder auf die oberfläche zurück) und sticht auf der gegenüberliegenden seite in das erste loch neben dem ersten einstichloch (auf der gezeichneten linie) und kommt gleich beim nächsten loch daneben (auf der gezeichneten linie) wieder zur oberfläche zurück...
das macht man so lange, bis man die fläche mit nebeneinanderliegenden/parallelen Fäden bedeckt ist - auf der Rückseite sollte eigenlich nur eine gepunktete linie im bereich des umrisses zu sehen sein...
als nächstes muss man dann diese (ich nenn sie) "fliegenden" Fäden fixieren:
man rückt unter der stickerei ca 0,5mm (je nach wunsch) entlang dieses neuen fadenverlaufes/umrisses/randes auf der seite (nicht dort wo man vorher gestochen hat sondern 90° um die ecke gebogen ) nach vor und sticht nahe am rand wieder zur oberfläche (nicht den stickfaden durchstehen *G*
es hilft der leinenstoff mit seinen fadenverläufen, um die fäden "gerade" zum fadenverlauf zu verarbeiten ) -
und legt den neuen faden 90°gradig über die vorhandenen fäden und sticht erst am gegenüberliegenden rand wieder in den stoff ein

das sollte man dann alle 0,5mm 90° zu den grundstickfäden machen, bis man damit alle fäden bedeckt hat und diese "Haltefäden" dann im nächsten durchlauf (von hinten nach vorn) mit kurzen Anlegestichen/Couchingstichen vernähen (ist eigentlich nix anderes als das ich 2grundfäden zähle und auf höhe eines haltefadens durch den stoff stoße und den haltefaden mit einem rückstich vernähe... dann wieder 2grundfäden abgezählt und wieder der haltefaden vernäht...)

meine einzige abwandlung: wenn ich einen haltefaden gelegt habe, vernähe ich ihn gleich als nächstes - also ich mache keinen nächsten parallelen haltefaden in 0,5mm, sondern fange gleich mit dem zählen der 2grundfäden an und mit dem vernähen mit rückstich der haltefäden...
mit der sticknadel kann man jederzeit überprüfen, auf welcher "höhe" man auf dem stoff ist, da sich die fäden gerne in diverse richtungen (links u. rechts) ausdehen und man kann gleich vom rand ausgehend die fäden fixieren, was minimal garn spart *G* und einem das arbeiten erleichtert - möglicherweise ist es auch nur ne geschmacksfrage


ich empfehle mal ein großflächigeres muster für den anfang (das bild oben - das war mein erster versuch einer bajeux stickerei - ein ganz einfacher stich, wenn man mal die grundsachen begriffen hat)

weiters empfehle ich nicht zu dicke fäden für die verarbeitung (bissi körper muss aber auch sein *G*)da der rand ansonsten ziemlich unschön wird, da sich die fäden nicht "legen" sondern in schlaufen ausformen...

und dann um Authentisch zu bleiben - das ganze noch einrahmen mit einem anderen stich... zb. stielstich

bezüglich der frage - grundfäden "waagrecht" oder "senkrecht" oder "gerade" oder "gebogen"...
ich hab das buch mit der stickerei zu Hause - grundsätzlich gehe ich nach einigen längeren blicken ins buch davon aus - alles ist erlaubt *G*


Ich hoffe es konnte zumindest irgendwer meinen ausführungen folgen - ergebnis war - siehe bild oben... eine meiner letzten arbeiten


noch einen klosterstich gibt es im pax et gaudium - klosterleben im mittelalter...
Tristan u. Isolde Teppich im Kloster Wienhausen...

kurzbeschreibung:
zuerst einen grundfaden wie beim bajeux stich legen und beim zurückgehen den faden, unter berücksichtigung seiner drehrichtung, den grundfaden schräg vernähen (da kommt einem das leinen zu hilfe - man sollte da so weit es geht auf der "ebene"/"waagrechten" des grundfadens bleiben...
und das oft wiederholen, bis die fläche voll ist...

eine oberfläche in diesem stich schaut sehr homogen und schön aus
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Beitragvon Rigana » 06.04.2005, 09:06

Also irgendwie steig ich da noch nicht so ganz durch...
Der Bayeux-Stich ging noch gut bis zu den Haltefäden und dann? Grundfäden sind doch die ersten langen Linien oder? Warum zählt man dann die Grundfäden ab, wenn man die Haltefäden mit dem Couching-Stich fixiert? Gibts dazu vielleicht eine Grafik?

Sehe ich das richtig beim Klosterstich, dass da die Haltestichgeschichte einfach ausgelassen wird?

Ich werde mal nach Bildern forschen...

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Racaire » 07.04.2005, 09:22

alle 2grundfäden - nun, das ist ne persönliche vorliebe - schaut einfach sehr geordnet aus...
mir war das vernähen/fixieren im abstand 1fadenbreite dann zu nah und 3fadenbreiten wieder zu weit entfernt und ne unterschiedliche breite zwischen den einzelnen vernähstichen - das bring ich nicht übers herz, also zähl ich einfach - wenn man bis 2zählen, zählen nennen kann...
wenn du dir das foto
www.sca-austria.org/as/basic/as.jpg
ansiehst- das weiß hab ich im abstand von 3fäden fixiert - das blau im abstand von 2fäden (soweit ichs noch im kopf hab) und das blau schaut um einiges feiner aus finde ich... 1fadenbreite wär aber glaub ich zu wenig


beim nächsten stich (tristan u. isolde/kloster wienhausen) - nein, der haltestich wird eigentlich nicht ausgelassen - ich würde eher sagen sie vereinen den haltestich mit dem fixierstich...
"nachteil" dieser technik - jeder stich wird beim "zurückgehen" unter berücksichtigung der fadendrehung vernäht -> relativ viel arbeit, wenn mans schön machen möchte
"vorteil" - sehr schöne und feine oberfläche, ohne markante haltefäden...


ich hab beide ausprobiert - vielleicht kann ich am ende der woche mal ein paar detailphotos machen, bis dahin hab ich nur leider zu viel zu tun

und bezüglich abzählen beim couching stich...
ja das kann sehr schöne muster bringen...

foto wird auch hier nachgereicht...



Nachtrag:

hab einige fotos gemacht und in meinem blog geparkt:
http://racaire.blogspot.com/

hoff jetzt wirds ein bissi verständlicher



Nachtrag vom 01.05.2005 - 03:57

wir (der castellan/cronicler unseres SCA-Shires und ich) arbeiten gerade an einem newsletter, wo auch ne kurze beschreibung des wienhausen stiches mit bildern! drinnen sein wird - der newsletter selber wird sicher nicht klein, aber wenn interesse besteht, schreib ich hier gern rein, wenn er fertig ist und wo man ihn dann runterladen kann...



Nachtrag vom 10.05.2005

der große Newsletter unseres Shires ist unter:

www.sca-austria.org/newsletter/2005/05- ... -Fluss.pdf

herunterladbar *G*
(eine schnelle leitung oder genug zeit wird benötigt)
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Beitragvon kitty-kyf » 09.02.2011, 16:11

Hallo.
Ich habe eine Frage zum Stich.
Zuerst sticke ich von oben nach unten. Dann sticke ich oben drüber in 5mm Abständen von rechts nach links.
Und wie mache ich den Dann fest?
Steche ich nochmal von oben nach unten? Zwischen den schön vorhandenen Stichen?
Spalte ich damit nicht auf?
Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
bis es schmerzt, kein Schmerz mehr da ist,
sondern nur noch Liebe.

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Beitragvon Rigana » 09.02.2011, 18:51

Racaire hat (oder hatte?) auf ihrem Blog eine Anleitung zum Klosterstich zum Herunterladen. Auf den Bildern z.B. von dem Wandbehang sieht man auch, wie die Bilder quasi streifenweise entstehen.

Da dies der einzige Stich ist, in dem ich seit Grundschulzeiten Durchhaltevermögen gezeigt habe, kann ich sogar was sagen *yeah*.
Beim Klosterstich wird jeder lange Spannfaden für sich wieder fixiert und das im Allgemeinen direkt.
Zuerst wird fadengerade (!) ein langer Faden an der Oberfläche gestickt - am bequemsten ist von oben nach unten. Entlang dieser Linie wird er dann mit kurzen kleinen Stichen - geführt in Spinn-/Zwirnrichtung des Stickfadens, weil unauffällig - fixiert. Diese Fixierungen sollten möglichst unsichtbar sein und in der Linie des langen Fadens laufen.

Ist man wieder beim Ausgangspunkt angelangt, wird im nächstliegenden Loch der nächste lange Faden gestickt und fixiert. Bei meinem Arbeitsstück war das nächste Loch direkt die nächste Lücke im Stoff, bei dickem Faden kann das auch die übernächste Lücke sein o.ä..

Verwendet man teuren Metallfaden, wird meistens mit einem dünnen Nichtmetallfaden fixiert, um das Material zu sparen und zu schonen.

Bei den ersten Fäden verzweifelt man einfach, weil die Orientierung fehlt, aber später geht der Stich doch ganz flott von der Hand und macht sogar Spaß.

Liebe Grüße
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Beitragvon Racaire » 23.02.2011, 04:19

:gruebel: ...also, die technik bei der man beim "zurückgehen" den Faden mit sich selber vernäht ist der Klosterstich... wenn man einen Faden mit nem anderen vernäht, ist es schon wieder was anderes... ;)

egal... :D

...die links sind schon sehr alt - mein blog & meine webseite inkl. handouts (in englisch) sind seit einiger Zeit hier zu finden:

website: http://racaire.at
handouts: http://www.racaire.at/cms/embroidery-handouts.html

...und mein blog ist jetzt hier: http://blog.racaire.at/

Die Stickwahnsinnige ;)
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Beitragvon kitty-kyf » 23.02.2011, 14:38

Ach keine Ahnung. Ich hab es jetzt so gemacht, wie ich es auf der Flinkhandseite verstanden habe....

http://www.flinkhand.de/forum/album_pic.php?pic_id=2282

EDIT: dein Block und deine Stickereien sind toll!
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Beitragvon Racaire » 24.02.2011, 00:17

:gruebel:
Nun, das sieht eher nach "Bayeux Stich" (Refilsaum,...) aus und nicht nach Klosterstich - ist halt so ne Streitfrage...
Meiner Meinung nach ist der "Bayeux Stich" nicht der Klosterstich - auch wenn auf der Flinkhand Seite beim Klosterstich der Bayeux-Stich gezeigt wird

:lesen:
...zb gibt es eine wirklich geniale Doktorarbeit über den Klosterstich: Per manus sororum...: Niedersächsische Bildstickereien im Klosterstich (1300-1583)

:lesen:
:exclaim: ...auch in der Durchführung der Technik, der gebietsmäßigen Ausbreitung sowie der zeitlichen Verwendung unterscheiden sich beide Stiche doch sehr wesentlich, wenn du dir mal meine beiden Handouts ansiehst: http://racaire.at/cms/embroidery-handouts.html

:biggrin:
:idea: zb. wurde der Klosterstich mit seiner schönen regelmäßigen Oberfläche auch in der Weißstickerei (Opus Teutonicum) verwendet und angeblich auch auf dem Bayeux Teppich (was noch zu beweisen wäre *g*) im Gegensatz zum "Bayeux-Stich"...

:lesen:
Beide Oberflächen sind sehr charakteristisch:
:idea: Klosterstich(inkl. Detailaufnahmen, weil ich meinen Teppich kürzlich erst reparieren mußte)
:idea: "Bayeux-Stich"


Ich fing auch mit der Information auf dieser Seite an, nur haben mich seither sehr viele andere Quellen eines besseren belehrt :dizzy: - leider wurde die Definition hier auf der Seite noch nicht angepaßt... aber für alle, die sich nicht so fanatisch mit dem Thema "Sticken" auseinandersetzen wie ich, wird es wohl egal sein, welcher Begriff nun verwendet wird, auch wenn er an sich nicht richtig ist :wacky:

EDIT: Danke *G* ...hab ca. 2001 mit dem Sticken angefangen - langsam sollt ich ja wissen wie es geht ;)
Ach ja, Vorsicht was Begriffe,... usw. angeht - manchmal wird Information ohne Prüfung kopiert und wiedergegeben, oder etwas missverstanden, oder falsch interpretiert,... zb. hab ich auch ein Buch wo die Ausschnitte eines Wandteppiches seitenverkehrt drinnen sind, bzw. manchmal sind auch die Stiche nicht richtig bzw. mit der falschen Technik beschrieben (...zb. ein Teppich aus dem Bayrischen Nationalmuseum der in mind. einem Buch mit Kettstich beschrieben ist, aber im Stielstich gearbeitet ist, der so gearbeitet ist, das er wie Kettstich aussieht... ja ich war vor Ort zu zwei Workshops... *g*)
Wenn man sich für etwas interessiert und sicher gehen will, sollten man besser mehrere Quellen zu Rate ziehen :)
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