Richelieu-Stickerei

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Richelieu-Stickerei

Beitragvon Tenar » 11.11.2008, 20:55

Hallo!

Meine Mama hat von ihrer Oma eine alte angefangene Tischdecke in Richelieu-Stickerei bekommen und hat diese Arbeit fort geführt. Ich wüsste gerne wie alt diese Technik ist und ob man sie mittelalterlich verwenden kann. Ich hab gelesen, dass die nach dem Kardinal Richelieu bekannt wurde als ersatz für teure Spitze, das war jedoch irgendwie 15-1600 herum...
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Beitragvon Trinchen » 20.11.2008, 08:43

Hallo!

Die Richelieu-Stickerei ist tatsächlich nach dem gleichnamigen Kardinal benannt worden und galt eigentlich als Nachahmung der venezianischen Relieffspitzen.
Diese war im Früh- bzw. Hochbarok sehr beliebt (so um 1600 - 1650 rum) und wurde zur Verzierung an Schuhen, Kleidung aber auch Taschentüchern und mehr genommen. Erst später setzte sich die recht einfache Richelieu-Technik (samt Tischdecke) durch, da man sich diese auch in den "armen" Schichten leisten konnte. Gestickt wurde hauptsächlich auf etwas feinerem Bauernleinen, das selbst gesponnen wurde.

Warum und wieso die Sticktechnik aber nun den Namen des Kardinals trägt, kann ich Dir leider nicht beantworten.

Ich hoffe, das hilft Dir weiter.
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Beitragvon Nadeln » 20.11.2008, 13:26

Hallo,
die Spitze ist nach Richelieu benannt, weil er sie oft getragen hat. Klöppelspitze war beim Adel beliebt, verhältnismäßig teuer und deshalb ein Prestigeobjekt. Der Kardinal bewegte sich in diesen Kreisen und wollte da natürlich mithalten, aber als Mann der Kirche mußte er bescheidener auftreten. Die Richelieuarbeiten waren billiger, sahen aber auch gut aus. Wann genau diese Handarbeit zum ersten Mal auftaucht, weiß ich nicht. Aber es muß um die Zeit gewesen sein, als Scheren entwickelt wurden, die sehr scharf schnitten. Vielleicht weiß jemand darüber mehr. 1542 erschien in Italien das erste Mustertuch, das sich ausschließlich mit - ich hab' es aus einem englischen Buch - cutwork befaßt. Oft verstehen die unter cutwork auch Nadelspitze. Da muß man vorsichtig sein. Zur Zeit Richelieus wurden bereits aufwendige Sachen gemacht, es hat also schon vorher eine Entwicklung gegeben.
Bin genauso neugierig, habe aber nicht mehr herausgebracht.
Viele Grüße
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Beitragvon Nadeln » 20.11.2008, 13:28

Entschuldigung, hab' mich verschrieben. Es muß Musterbuch heißen und nicht Mustertuch.
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Beitragvon Trinchen » 20.11.2008, 14:10

Jetzt habt ihr mich auch Neugiereig gemacht. Ich hoffe, wir bekommen es noch raus ;-)
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Beitragvon Tenar » 20.11.2008, 16:03

Vielen Dank schonmal! Es hilft tatsächlich weiter!

Zumindest weiß ich nun, dass diese Technik definitiv nix für meine 1200-Gewandung ist!
Mir fällt keine passende Signatur ein. Aber ich bin immer für anregungen zu haben, je verrückter desto besser :)
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