Stielstich - Steppstich

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Stielstich - Steppstich

Beitragvon shai » 02.03.2009, 13:40

Hallo Zusammen

Ich bin neu hier und weiss leider noch nicht genau, wie das funktioniert. Auf jedenfall habe ich mit die Stickstiche mal angesehen und finde es sehr informativ. Zur Zeit befasse ich mich gerade aus schulischen Gründen mit dem Teppich von Bayeux (etwas nach 1066 entstanden). Dieser soll unter anderem mit einem Stielstich, und einem Steppstich bestickt worden sein, wobei der Steppstich eine Abwandlung des Stielstichs sein soll. Ich kann mir das aber nicht vorstellen und hab auch nichts darüber gefunden.
Kann mir jemand erklären wie dieser Steppstiche aussieht und was der untreschied zum Stielstich ist?

Grüsse, shai
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Beitragvon Carola » 02.03.2009, 14:02

Gugstu hier: Stielstich und Steppstich. Rückstich ist nur eine andere Bezeichnung.
Wenn Du Dir die Stiche ansiehst, sind die Unterschiede eigentlich klar.
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
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Beitragvon steffi241 » 02.03.2009, 14:10

Huhu,
hier eine Animation für den Steppstich

Bild

und hier der Stielstich

Bild

Im Prinzip sind es diesselben Stiche, ausser, dass der Stielstich diagonal zur Laufrichtung gearbeitet wird.

Zum Teppich von Bayeux dürfte aber die Seite von Racaire weiterhelfen.
Bayeux Stich

[edit]Huch zu lahm :biggrin: [/edit]
Liebe Grüße, Steffi

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Beitragvon TheaEvanda » 02.03.2009, 22:05

Ich hätte dann noch meine Website anzubringen:

Sticktechniken nach Namen

Soweit mir bekannt ist, ist der Teppich von Bayeux aber hauptsächlich im gotischen Bilderstich gestickt, das ist eine Variante der Aufnäharbeit (auch auf der Website oben zu finden). Ich schau' noch mal nach, was meine Literatur hergibt.

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Beitragvon Nadeln » 03.03.2009, 14:07

Hallo shai,
der Teppich von Bayeux wurde im wesentlichen mit 2 Stichen gestickt. Mit dem Stielstich (blaues Bild weiter oben) wurden die Motive umrandet, dabei wurde der Stich in den Kurven dem Verlauf angepaßt: also immer in der Innenseite der Kurve die Nadel von unten auf die Oberseite bringen. Ausgefüllt wurden die Flächen dann mit dem Bayeuxstich (Klosterstich). Fäden hin- und hersticken mit kleinstem Stich auf der Rückseite bis die Fläche ausgefüllt ist, dann einen langen Spannstich im rechten Winkel zu den Fäden sticken und diesen im dann in regelmäßigen Abständen mit einem kleinen Überfangstich fixieren. Am besten in einem Rahmen sticken. Die Stickerei geht relativ fix. Meines Wissens wurde der Teppich einmal mit Kettenstichen an einigen Stellen ausgebessert.
Viel Spaß beim Sticken
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Beitragvon TheaEvanda » 03.03.2009, 15:33

Ah, Nadeln ist mir zuvorgekommen. Ich schließe mich ihren Ausführungen voll an ;-)

Vielleicht solltest du auch mal auf der Website des Museums nachschlagen, was es da für "offizielle" Dokumente zum Teppich gibt.

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Beitragvon steffi241 » 03.03.2009, 16:31

Zum Bayeux Stich gibt es im Übrigen einen extra Thread :biggrin:

:guckstduhier:
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Hallo Zusammen

Beitragvon shai » 04.03.2009, 08:59

Danke viel mals euch allen. Das sind ja wirkklich umfangreiche und hilfreiche Antworten. Ich denke so kann ich weiterfahren.

In Dankbarkeit ergeben,
shai
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Beitragvon Racaire » 12.10.2009, 00:48

Carola hat geschrieben:Gugstu hier: Stielstich und Steppstich. Rückstich ist nur eine andere Bezeichnung.
Wenn Du Dir die Stiche ansiehst, sind die Unterschiede eigentlich klar.


...man könnte auch sagen, wenn man die Stiche richtig und prezise ausführt, bekommt man den Rückstich, wenn man die Stickerei mit Stielstich einfach umdrecht und auf den Rücken legt (nur das man beim Rückstich meist nicht drauf achtet, wo der nächste Faden liegt, der das "Stiehl"-Muster im Endeffekt erzeugt...)
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Beitragvon Racaire » 12.10.2009, 01:03

Nadeln hat geschrieben:Hallo shai,
der Teppich von Bayeux wurde im wesentlichen mit 2 Stichen gestickt. Mit dem Stielstich (blaues Bild weiter oben) wurden die Motive umrandet, dabei wurde der Stich in den Kurven dem Verlauf angepaßt: also immer in der Innenseite der Kurve die Nadel von unten auf die Oberseite bringen. Ausgefüllt wurden die Flächen dann mit dem Bayeuxstich (Klosterstich). Fäden hin- und hersticken mit kleinstem Stich auf der Rückseite bis die Fläche ausgefüllt ist, dann einen langen Spannstich im rechten Winkel zu den Fäden sticken und diesen im dann in regelmäßigen Abständen mit einem kleinen Überfangstich fixieren. Am besten in einem Rahmen sticken. Die Stickerei geht relativ fix. Meines Wissens wurde der Teppich einmal mit Kettenstichen an einigen Stellen ausgebessert.
Viel Spaß beim Sticken
Nadeln



huch... Nun, ich möchte erstmal anführen, dass der "Klosterstich" zwar auch eine "Couching-Technik" ist (mir fällt grad das deutsche Wort nicht ein), aber in der Durchführung doch etwas ganz anderes als der "Bayeux-Stich" ist - die Bezeichnung Klosterstich wird leider immer noch fälschlicherweise auch für den Stich des Bayeux-Teppiches verwendet.

Der 'Klosterstich' (wie im Tristan-Teppich, Malterer-Teppich und vielen anderen tollen Teppichen gebraucht) wurde zb. auch in einem geringen Teil im Bayeux Teppich verwendet, der größte Teil wurde aber in dem als weithin als "Bayeuxstich" bekannten Stich gearbeitet - dieser Stich findet sich später in Island als Refilsaum (genaue isländische Bezeichnung ist mir leider nicht bekannt) wieder und dürfte vor dem Bayeux Teppich auch im türkischen Raum Verwendung gefunden haben - leider fehlen mir hierzu aber die Unterlagen.

Der Bayeux-Stich wird ansich in 3 verschiedenen Stichen gearbeitet, der Klosterstich in 2 Schritten - weitere große Unterscheidung ist, dass der Klosterstich im gegensatz zum Bayeux-Stich ein "Self-couching" Stich ist (ein sich selbst vernähender Stich) - was sie auf jeden Fall gemeinsam haben ist, das sie zu den Sparstichen zählen, weil man nur wenig des Fadens auf der Rückseite verliert (im Idealfall, wenn die Technik richtig ausgeführt wird)

Weiters schlage ich vor, zuerst die Flächen auszufüllen und dann erst die Umrandung im Stielstich (stem stitch) auszuführen - damit sieht man bei der Flächenfüllung die Ränder besser und kann sauberer arbeiten und mit der Umrandung kann man dann noch kleine Fehler ausbessern.
...
Ich hoffe, das reicht mal für den Anfang
...
hier meine Handouts für beide Stiche, leider nur in Englisch:
http://racaire.at/index/embroidery/hand ... _v1-00.pdf
http://racaire.at/index/embroidery/hand ... um_2-0.pdf

Mit lieben Grüßen
Racaire
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