Nadelspitze im MA?

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

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Nadelspitze im MA?

Beitragvon Stickfee » 24.08.2011, 21:45

Mal eine allgemeine Frage in die große Forumsrunde:
Gab es eigentlich Nadelspitze schon im Mittelalter?
Doppeldurchbruch, Filetstickerei und so sind ja belegt, aber zur Nadelspitze habe ich so wirklich jetzt nichts gefunden, obwohl es eine so schöne Stickkunst ist....
wer kann mir denn da mal weiterhelfen? :gruebel:
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Beitragvon Trinchen » 25.08.2011, 06:39

Genau kann ich dir die Frage nicht beantworten, da ich aber viel von Berufswegen her sticke, müsste es die Nadelspitze logischer weise gegeben haben, ich denke da vor allem an die Perlenstickereien auf Kleider und ko. All diese Stoffe waren meines wissens nach sehr fein gewebt (Samt, Seide...), und nicht so grob, dass es eine Nadel ohne Spitze durch den Stoff geschafft hätte.
Nadeln ohne Spitze sind ja dazu da, den Stoff nicht zu verletzten und zwischen den Fäden hindurch zu gleiten. Auf Grund der Beschaffenheit von Seide und co. wird das wohl kaum gegangen sein. Mit einer stumpfen Nadel hätte man eher riesen Löcher hinterlassen im Stoff.

Wer aber eine korrekte Antwort weiß: Ich lasse mich gern eines besseren belehren.
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Beitragvon Stickfee » 25.08.2011, 06:48

@Trinchen:
Ups, da hast du mich mißverstanden, ich meinte die Technik Nadelspitze.
Wird auch Reticella etc. genannt.
Eine echte Nadelspitze wird aus Leinenzwirn und einer Nadel ohne Zuhilfenahme eines Stoffes hergestellt.
Dadurch entstehen wunderschöne Spitzen, Nadelspitze wird auch in der Schwälmer Stickerei verwandt, aber das war ja nicht mehr MA.
Deswegen frage ich,ob es diese Technik schon gegeben hat... :gruebel: [/quote]
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Beitragvon Trinchen » 25.08.2011, 08:07

OHA! Na da hab ich wirklich was falsch verstanden...

Die ersten Nadelspitzen (Reticella) wurden im 15. Jahrhundert in Norditalien gefertigt und erlangten im Verlauf des 16. Jahrhundert weite Verbreitung. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich daraus die Nadelspitzen-Technik, die zunächst in Venedig und Mailand gepflegt wurde. Spitzen wurden an Ärmelmanschetten angesetzt und dienten als Kragen für Männer und Frauen. Der aufwendigen Herstellung wegen waren Nadelspitzen so extrem teuer, dass nur die reichsten sie sich leisten konnten. Ihre Beliebtheit beim französischen Adel sorgte für einen beträchtlichen Kapitaltransfer nach Italien, dem Ludwig XIV. dadurch gegensteuerte, dass er die Spitzenherstellung in Frankreich förderte.

Das hab ich bei Wiki gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/Spitze_(Stoff)
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Beitragvon blanche_fleur » 25.08.2011, 08:18

Wie frühes Mittelalter meinst Du denn? ich kenn mich mit den Textilfunden des 14.Jh jetzt nicht soooo aus; aber bei früheren Funden habe ich bis jetzt nicht annähern etwas gesehen, dass Spitze auch nur im entferntesten ähnelt; und auch auf Bildern und Skulpturen die mir bekannt sind; erscheinen Verzierung auf Stoffen immer eher flächig. Ich glaube, dass das durchbrechen des Stoffes oder das Herstellen eines durchbrochenen Gewebes irgendwie einfach nicht in Betracht gezogen wurde.... (man könnte jetzt natürlich darüber diskutieren, ob gesprangte Textilien nicht auch eine Art Spitze sind. Allerdings kenne ich keinen Fund, wo Sprang als Verzierung Verwendung fand)

Wenn ich mir das so überlege, könnte man eigentlich die Hypothese aufstellen; dass die Idee der Spitze mit der Gothik entstand? Die durchbrochene Fläche steht ja exemplarisch für diese Ästhetik, während in früheren Epochen Zierelemente eher aus einem massiven Grund hervortraten (wie Stickerei dies ja auch tut....)
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Beitragvon Stickfee » 25.08.2011, 10:32

@Trinchen:
Ist nicht deine Schuld, ich hatte mich wohl vielleicht ein bißchen blöd ausgedrückt :wacky:
...vielen lieben Dank für deine Rechereche!

@blanche-fleur:
Ja also mein grübeln beginnt tatsächlich so 13./14. Jahrhundert...
ich habe Bilder mit Altardecken entdeckt und wollte so etwas evtl. mal nachsticken.
Sehr kunstvoll mit viel Filetstickerei und Doppeldurchbrüchen eben, aber Nadelspitze...?...nicht wirklich so entdeckt.
Uns so kam ich ja ins grübeln, wenn doch Durchbrüche und Filet bereits bekannt waren, ob dann nicht auch Nadelspitze?
Noch mehr verwirrt war ich dann, als ich in dem Buch von der Gussi von Reden "Nadel-Spitzen" gelesen habe, dass in Deutschland die Nadelspitze erst ab dem 19. Jahrhundert eingeführt wurde... :dizzy:
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Beitragvon blanche_fleur » 25.08.2011, 11:00

stimmt, die Filetstickerei hab ich jetzt ganz vergessen, da gibt es ja dieses tolle Haarnetz, das sog. Häubchen der hl. Elisabeth... Und von der Filetstickerei zur Nadelspitze ist's nun ja wirklich nicht weit....

übrigens, kennst Du diese Seite schon?
http://medieval.webcon.net.au/period_12th_c.html
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Nadelspitze

Beitragvon Nadeln » 25.08.2011, 12:50

Es ist wie Trinchen erwähnt hat. Vorläufer der Nadelspitze gab es bereits früher im Orient. Allerdings meines Wissens nur als einfache Randverzierungen an Ärmeln u.ä. Die Schlingstiche wurden zu Zacken und Bögen aufgebaut. Interessant ist Marie Schuettes Buch "Alte Spitzen". Das kann als pdf-Datei heruntergeladen werden. sm_lace habe ich mir notiert. Vielleicht hilft es Dir weiter.
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Beitragvon Stickfee » 25.08.2011, 16:01

@blanche-fleur:
wow...nö die Seite kannte ich noch nicht, vielen lieben Dank für den link!
Also ich denke auch, ein bißchen Nadelspitze kann nicht schaden... ;-)

@Nadeln:
Das Buch habe ich mir heruntergeladen, das war mir auch unbekannt, obwohl ich schon wirklich sehr sehr viel Stickliteratur besitze :blush:
Vielen vielen Dank!!!
Stickfee
 

Beitragvon Bettelmönch » 26.08.2011, 17:46

Ich habe auch mal nach dem Buch gegoogelt (marie schuette alte spitzen)und habe dann viele alte Handarbeitsbücher als PDF gefunden. Die Bücher handeln vom Weben, Sticken.
Bettelmönch
 

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