Schwälmer Stickerei vs. Hessenstickerei

Hier geht es um die einzelnen Stiche und um Sticktechniken (Blackwork, Weißstickerei, Anlegetechnik etc.)

Moderator: Moderatoren

Beitragvon Bettelmönch » 31.08.2011, 17:30

@Stickfee:
Wunderschönes Motiv auf dem Schlitzer Leinen. Sind die Blättchen unterlegt? ;-)

Ich würde sagen es ist ein Schwälmer Motiv. Ich habe schon die typische Hessenstickerei mit Dülebo (Tulpe), Groasgoate (Federnelke) und Klifte gestickt.
Bettelmönch
 

Beitragvon Stickfee » 31.08.2011, 17:42

@Bettelmönch:
Nö...die Blättchen sind nicht unterlegt, hat zwar lange gedauert, meine "Lehrerin" hat gesagt, ich muss mindestens 100 gestickt haben, um es zu können...und damit hatte sie so recht... :dizzy:
Die Motive, die du aufgezählt hast findet man tatsächlich in der Hessenstickerei, vorzugsweise im Raum Marburg-Biedenkopf, dem Breidenbacher Grund.
Damit wurden gerne Ärmelborten, Kragen etc. verziert.
Sehr schön erklärt das Anneliese Spieß in Ihrem "Leitfaden für Hessenstickerei".
Dieses Buch ist leider vergriffen und jede Stickerin, welche dieses ihr eigen nennt ist ein wenig stolz drauf... :blush:
Stickfee
 

Beitragvon aennlin » 31.08.2011, 18:22

Thekla Gombert beschreibt in ihrem Buch "Die Schwälmer Weißstickerei" ISBN 3-7724-0516-9, dass früher die Motive aus Papier ausgeschnitten, anschließend angeordnet und mit Linien, welche evtl. mit Blättern verziert wurden, verbunden wurden. Allerdings habe ich mal gelernt, dass die Motive, wie Herzen, Vögel, Korb oder Granatapfel, bestimmte Bedeutungen haben (ähnlich wie in der Bauernmalerei). Schöne Beispiele findet man auch bei Renate Fernau "Hessen Stickerei" ISBN 3-8043-0579-2.

Viele Grüße
Aennlin
Es wünsch mir einer was er will, Gott gebe ihm zehnmal so viel.
Benutzeravatar
aennlin
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 165
Registriert: 20.05.2011, 08:10
Wohnort: Marburg

Beitragvon Stickfee » 31.08.2011, 19:05

Thekla Gombert hat sehr schöne Stücke Ihrer gestickten Arbeiten ausgestellt in Ziegenhain im Museum der Schwalm.
Diese Stickerinnen der alten Zeit haben auch Muster freihändig auf Leinen "gezaubert".
Renate Fernau beschreibt in Ihrem Buch das "Ausfüllen" der Motive, wie Z.B. "das verflixte Himmelreich", "Bauerngarten","Dornröschen,etc.
Gerade in diesem Buch kann man sehr schön nachschauen und nachlesen, wie aufwenig es ist ein Motiv auszufüllen.

@aennlin:
Dankeschön für diese beiden sehr schönen Beispiele, gerade Thekla Gombert hat sich für diese schöne Kunst eingesetzt und versucht diese für die Nachwelt zu erhalten.
Stickfee
 

Beitragvon Stickfee » 01.09.2011, 09:07

Ich habe mich nun auch nochmal kundig gemacht, wo die Schwälmer Weißstickerei Ihren Ursprung hat.
Also auf keinen Fall ist sie aus dem Hardanger entstanden, sondern bereits im MA in den Frauenklöstern.Davon zeugen noch erhaltene Kunstwerke aus dieser Epoche, welche in den Museen in Marburg und Braunfels besichtigt werden können.Beim Vergleich der Klosterstickereien mit der Schwälmer Stickerei lassen sich direkte Parallelen im Bereich von Technik und Ausführung erkennen, auch Abwandlungen und Veränderungen.
Man kann sagen, dass die Grundlagen aus den Frauenklöstern als besondere Pflegestätte der Stickkunst stammen.
Diese Quellen stammen von Elisabeth Stübing aus dem Buch "Faszinierende Vielfalt der Schwälmer Weißstickerei" :lesen:
Stickfee
 

Beitragvon Trinchen » 02.09.2011, 07:51

WOW, was für wunderbare Werke! Sei stolz af dich!

Nun aber noch mal zur Schwälmer Stickerei: Da sie ja nun nachweislich nicht auf Hardanger beruht, auf welcher dann? Mit welcher Technik kann man sie denn am ehesten vergleichen und Paralelen ziehen? Oder ist es vielleicht doch eine Technik ganz für sich allein? Das würde mich mal interessieren.

Ich hab mir deine Werke angesehen und so auf den ersten Blick erinnerten sie mich ans Klöppeln, was ja nun garnicht hier ins Thema passt... Aber wunderschön ist es alle mal!
Benutzeravatar
Trinchen
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 365
Registriert: 24.10.2008, 10:16
Wohnort: Bielefeld

Beitragvon Bettelmönch » 02.09.2011, 07:56

@Trinchen:
Die Antwort auf deine Frage findest du in den vorherigen Erklärungen von Stickfee.

Die Schwälmer Stickerei weist direkte parallelen zur Klosterstickerei (Weißstickerei) auf.
Bettelmönch
 

Beitragvon Stickfee » 02.09.2011, 08:10

@Trinchen:
Genau wie Bettelmönch es sagte, die Schwälmer Stickerei hat wohl Ihren Ursprung in den Klöstern des MA und zeigt direkte Parallelen zur Weißstickerei auf.
Sie bedient sich gerne an Doppeldurchbrüchen, Nadelspitzen, etc.

Welches aktuelle Buch auch sehr interessant ist:

Luzine Happel
Frühe Schwälmer Weißstickerei

Dieses Buch ist im Oktober 2010 erschienen und sehr interessant.
Dort werden die aufliegenden Muster sehr schön erläutert und zum Nacharbeiten erklärt.

Also Klöppeln...?Nö, also Klöppeln weiß ich allenfalls wie es geschrieben wird. :wacky:

Die Muster bestehen aus sogenannten "lichten" und "limet" Mustern.
Stickfee
 

Beitragvon Trinchen » 02.09.2011, 08:40

Ich hab mir die HP von Frau Happel grad angesehen. Wow, ich glaub, die Technik lern ich auch noch. Das sind ja wunderschöne Mustertücher, die sie da zeigt!

Und die Muster von der Thekla Gombert kommen mir so bekannt vor. Ich glaube, meine Oma hatte Zierkopfkissen mit solchen Mustern, die wurden nur zu Weihnachten aufs Bett gelegt, das weiss ich noch.

Aber ich hab auch einen interessanten Satz gefunden:
Die „Schwälmer Weiß­stic­kerei“ verdankt ihren Namen der in Mittel­hessen gelegene Landschaft "Schwalm". Hier entwic­kelte sich diese spezielle Variante der Weiß­stic­kerei. Später wurde sie auch "Hessen­stic­kerei" genannt.

Wobei wir wieder beim ersten Beitrag wären, der dieses Thema angestossen hat... :undecided:
Benutzeravatar
Trinchen
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 365
Registriert: 24.10.2008, 10:16
Wohnort: Bielefeld

Beitragvon Stickfee » 02.09.2011, 08:52

Von Luzine Happel besitze ich mittlerweile alle Bücher, sie sind in der Anschaffung wirklich von Nutzen...

Ich kann dich nur dazu ermuntern diese Technik zu erlernen, bei Fragen werde ich jederzeit gerne behilflich sein... :biggrin:

Genau das ist der Satz, von dem die Schwälmer Stickerinnen sich in der Regel distanzieren: Die Schwälmer Stickerei gleichzusetzten mit der Hessenstickerei...

Die Hessenstickerei ist wie gesagt ähnlich, jedoch keinesfalls gleich!
Stickfee
 

VorherigeNächste

Zurück zu Stiche und Techniken

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast