Kleider verzieren für Anfänger

Hier geht es um Fragen der Anwendung von Stickereien auf Gewandungen oder auch auf Accessoires.

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Kleider verzieren für Anfänger

Beitragvon Sabine_W » 26.07.2011, 09:07

Hallo,

ich habe mir bereits einige Kleider selber genäht und möchte diese jetzt mit Stickereien am Kragen und an den Ärmeln verzieren. Leider habe ich vom Sticken keine Ahnung, bis auf die Sachen, die man als Kind irgendwann mal in der Schule gelernt hat.
Nun meine Fragen:
Wie fange ich am besten an, also was ist Anfänger geeignet?
Welches einfache, möglichst authentische Muster nehme ich?
Welchen Stich nehme ich? Ich habe schon im Internet recherchiert, bin mir aber nicht sicher, was für einen Anfänger machbar ist. Ich möchte verhindern, dass ich mir das komplizieteste raussuche um dann festzustelle, dass ich das nicht hinkriege.
Wo kaufe ich Nadeln und Garn? In Handarbeitsläden habe ich bislang immer nur dieses glänzende Baumwollgarn gefunden und das möchte ich nun gar nicht nehmen.
Sticke ich das Muster frei oder male ich es erst auf den Stoff? Wenn ja, wie? Schneiderkreide?
:gruebel: :gruebel:

Das eine Kleid habe ich aus ziemlich dicken Wollstoff genäht und dann mit Textilfarbe aus dem Supermarkt gefärbt. Ist nicht so doll geworden und deshalb ideal zum Üben geeignet.
Das andere Kleid habe ich mir aus einer dunkelgrünen feinen Wolle genäht. Dieses Kleid soll erst dann eine Verzierung bekommen, wenn ich das Sticken einigermaßen beherrsche.
Außerdem habe ich noch zwei Leinenunterkleider, bei denen ich die Ärmelsäume besticken möchte.

Ich bin für alle Tipps dankbar.

LG
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Beitragvon Sandra » 26.07.2011, 09:34

Um welche Zeit geht es denn?
Einzelne bestickte Säume waren im Hoch- und Spätmittelalter out. Wenn dann wurden große Flächen mit meistens Seide und Gold bestickt.
Oder eben entsprechend prächtige Stoffe verwendet.
Zierstickereien für Otto-Normal-Bürger oder Bauer kenne ich da nicht.
Liebe Grüße, Sandra

Geschichte besteht aus einem Haufen Lügen über Ereignisse, die niemals stattfanden, erzählt von Menschen, die nicht dabei waren. (George Santayana)
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Beitragvon Sabine_W » 26.07.2011, 10:32

Hallo Sandra

ich stelle keine spezielle Zeit dar und meine Kleider sind auch nicht für Museeumsdarstellung gemacht, sondern nur markttauglich. Sie sind selber genäht, aber halt z.T mit Maschine. Die Stoffe sind nicht pflanzengefärbt und die Wolle wurde z.T. von Schafen gespendet, die es im Mittelalter in Europa nicht gab.
Ich bin auch eher am Stickenlernen interessiert, als an einer 100% historisch korrekten Darstellung. Das soll erst später kommen. Dazu muß ich aber erst noch meine Nähkünste verbessern und das Färben lernen ...

Ich möchte nur eben keine Polyester oder Baumwollfäden verwenden und auch keine Wikinger-, Barock- oder Fantasiemuster sticken.

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Beitragvon Allyfants » 26.07.2011, 11:26

Ich habe mir vor kurzem das Sticken selbst beigebracht (nach langem Lesen der Flinkhandseite). Und habe festgestellt, dass es am einfachsten ist das Motiv auf ein Stück Papier zu malen und dieses Papier dann auf den Stoff zu heften und einfach drüberzusticken:

Entweder man sticht einen groben Vorstich entlang der Konturen, rupft dann das Papier vorsichtig runter und fängt dann mit dem eigentlichen Sticken an (den Konturenfaden dann nach und nach wieder ablösen).

Oder man zeichnet/druckt das Motiv spiegelverkehrt und befestigt es auf der Rückseite des Stoffs. Dann sind eventuelle Papierrückstände in der Stickerei egal. Aber man muss die Stickerei ständig drehen, damit die Vorderseite schön wird und man auf der Rückseite nach dem Muster schauen kann.

Ich habe mit Initialen auf neumodischen Taschen angefangen mit dem Stielstich.

Und danach einen Plattstich auf einem Miedergürtel gestickt.
Der war dann doch schon komplizierter.

Den Holbeinstich und den Kettenstich habe ich auch ausprobiert, ich kam aber mit dem Stielstich besser klar.
Schnappt dir einfach ein Reststück Stoff und probiere ein bisschen.

Zu Motiven und Stickgarn kann ich dir leider nichts sagen, da ich neumodisches und LARPkram mache.
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Beitragvon Hîdril » 26.07.2011, 13:07

Hallo Sabine,

wie Allyfants schon schrieb: Üb erst mal auf einem Probestück. Wenn du das Ganze so stickst, dass du es hinterher in lange, schmale Streifen schneiden kannst, kannst du es auch noch als Borte auf deine Kleider nähen.

Der Tipp von Allyfants mit dem Papier ist gut, aber paus die Muster doch einfach auf Seiden- oder Schneiderpapier ab, hefte es mit groben Stichen auf deinen Stoff und dann legt mit dem Sticken los. Einfach durch das Papier stechen. Meist fällt das hinter schon fast von alleine vom Stoff, weil es so durchstochen ist. Oder du kaufst dir wasserlösliches Papier. Ich hab jetzt gerade keine Idee, wie die Markenbezeichnung ist. Ich glaube Avalon oder so ähnlich.

Mit einfachen Spannstichen oder mit dem Kreuzstich kann man schon schöne Muster zaubern, da muss man sich noch nicht mal an die komplizierten Muster wagen. Immer frisch drauf los gestichelt. Nur Mut.
Wenn du mit Wolle sticken willst, frag mal im Handarbeitsgeschäft nach Gobelin-Stickgarn. Das sollte eigentlich immer aus Wolle sein, aber heutzutage traue ich dieser Bezeichenung auch nicht mehr wirklich. Oder du guckst mal nach dünnem Strickgarn. Leinengarne bekommt man in Klöppelshops. Frag einfach mal Onkel Google. Oder hast du vielleicht eine Wollgarn-Fabrik bzw. einen Fabrik-Verkauf in deiner Nähe? So was wie das hier: http://hamburgerwollfabrik.de/ . Da kann man sich dann das Garn in der Stärke zusammenstellen lassen.
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Beitragvon Nylette » 26.07.2011, 13:51

guckst Du hier:
http://www.wymarc.com/asoot/asoot.php?s ... anPatterns

und wenns zb ein Motiv sein sollst, das Du asugedruckt hast:
Es gibt zb. von Simplicol aber auch von anderen Firmen einen Bügelstift.
Das ist wie ein Buntstift, damit malt man das Muster auf Papier nach, dreht es um, legt es auf den Stoff und bügelt darüber. Schwupps sind die Linien auf dem Stoff
Dunkel bleibt mir meiner Rede Sinn

Mein neuer Shop ist online. Hier tut sich was!
http://einzelkind.dawanda.com

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Beitragvon Hîdril » 26.07.2011, 15:22

Nylette, bei Wolle funktioniert dieser Bügelstift leider nicht. Wenn Sabine allerdings auf Leinen stickt und das dann als Borte aufnäht, dann gehts wieder.
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Beitragvon kitty-kyf » 26.07.2011, 19:21

Ich nehme immer einen weichen Bleistift. So 4b - 6B.
Versuche es NIE mit Kugelschreiber vor zu malen... Geht nie wieder raus! Ich konnte ein ganzes besticktes Kleid weg werfen.
Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
bis es schmerzt, kein Schmerz mehr da ist,
sondern nur noch Liebe.

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Beitragvon Sabine_W » 26.07.2011, 19:37

Schon mal tausend Dank für die vielen Tipps. Ich sitze gerade einem Stück Reststoff von meinem Wollkleid und übe den Stielstich und den Kreuzstich.
Ist gar nicht so schwierig, sieht aber fürterlich unregelmäßig aus...naja, hilft halt nur üben.
Macht es eigentlich einen Unterschied, ob ich Wolle auf Leinen/Leinen auf Wolle sticke oder sollte ich immer bei dem gleichen Material bleiben? Leinen auf Leinen und Wolle auf Wolle?
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Beitragvon kitty-kyf » 27.07.2011, 07:47

Also ich gehe immer danach was ich da habe... Je nach dem wird da auch Leinen auf Wolle stickt und auch umgekehrt.
Ich habe das Paradox erlebt, dass, wenn ich liebe,
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