Seidenmalfarbe für Wolle?

Färben mit Naturprodukten! Wie kommen die Farben aus der Natur in den Stoff?

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Seidenmalfarbe für Wolle?

Beitragvon WickedWeaver » 13.10.2013, 02:25

Ich hab mal eine (blöde?) Frage: Kann man Schafwolle auch mit Seidenmalfarbe färben? Und wenn ja, braucht es dazu eine bestimmte Beize? Da ich gerne selber Stickgarn spinnen (und färben) will, ich deshalb aber nur kleinste Mengen Farbe brauche, wäre das sehr hilfreich zu wissen. Oder gibt es andere Möglichkeiten, kleine Wollmengen zu färben, ohne viel Farbe wegschütten zu müssen? :gruebel:

Viele Grüße,

Marion
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Beitragvon Tjorven » 13.10.2013, 07:32

Färb doch einfach ganz wenig aber dafür viele Züge - bis die Flotte nichts mehr hergibt, dann hast du aus einer Farbe viele Schattierungen.
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Beitragvon Hîdril » 13.10.2013, 11:39

Japp, kann man. Ich habe Wolle schon mit Seidenmalfarbe gefärbt. Die Wolle war ungebeizt. Ich glaube, ich habe damals die dampffixierbare Farbe genommen und sie zusammen mit der Ostereierfarbe fixiert. Auf jeden Fall wusch sich ein Teil der Farbe beim Waschen wieder aus, im Gegensatz zur Ostereierfarbe.

Warum färbst du nicht mit Ostereierfarbe? Die kann man ja auch in kleinen Mengen anrühren und auch mischen.
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Beitragvon anjulele » 13.10.2013, 16:07

Wolle und Seide sind tierischen Ursprungs und werden beim Färben (fast) gleich behandelt. Seide sollte nicht zu heiss gefärbt werden.

Ostereierfarben und Seidenmalfarben gehören zu den Säurefarben. Säurefarben werden mit Essigessenz oder Zitronensäure angesetzt und die Wolle und/oder Seide wird vor dem Färben in Wasser mit Essigessenz oder Zitronensäure eingeweicht.
Dampffixierbare Seidenmalfarbe hält nicht auf den Fasern (s. Hidrils Beitrag).

Gebeizt wird nur bei Pflanzenfärbungen.

Ich lasse Wasser ins Waschbecken ein und gebe einen guten Schuss Zitronensäure (flüssig, aus dem Drogeriemarkt) hinzu. Darin lasse ich die Wolle liegen und bereite die Farben vor. Meine Färbungen mache ich schwimmend im Topf, aber es gibt noch mehr Möglichkeiten, die Farbe auf und in die Wolle zu bekommen. Z. B. die Farben anrühren und so auf die Stränge (Kammzüge, Knäule) aufbringen, wie du sie haben möchtest (wenn es keine einfarbigen Garne werden sollen). Die Wolle wird dann in Frischhaltefolie gewickelt und in der Mikrowelle, im Backofen oder im Dampfgarer fixiert.
Wenn du im Topf schwimmend färbst, kannst du sehen, wann die Färbung fertig ist. Das Wasser wird klar, wenn die Farbe in der Wolle ist. Spülst du die Wolle dann aus, blutet so gut wie nichts aus. Nimmst du zuviel Farbe für die Wolle, wird nicht alles aufgenommen und auch der Überschuss an Farbe in der Wolle spült sich ab.

Bei youtube gibt es für alle Färbevarienten etliche Filmchen, mal mehr, mal weniger gut.
https://www.youtube.com/results?search_ ... wVBSUgdT_M
LG
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Beitragvon Klara » 13.10.2013, 17:12

anjulele hat geschrieben:...Seide sollte nicht zu heiss gefärbt werden.

...


Das lese ich nicht zum ersten Mal, aber verstehen tu ich's immer noch nicht: Professionelle Seidenmalfarben werden mit Dampf fixiert, und der ist ja per Definition heisser als kochendes Wasser... Oder ist damit gemeint: Nicht bei 240 Grad ins Backrohr?

@Marion: Wolle-Säurefarben gibt's ab 5 g, wenn ich mich richtig erinnere, und auch wenn es Bücher gibt, die sagen, dass man alles Pulver in Wasser auflösen soll (weil man die Flotte im Gegensatz zum Pulver nicht mehr einatmen kann, was tunlichst vermieden werden muss), musst du das nicht tun. Niemand hindert dich, nur eine Messerspitze voll Pulver auf einmal zu verwenden. In Pulverform hält sich die Farbe jahrelang.

Angerührte Farbe sollte theoretisch auch ein paar Wochen oder Monate halten, aber ich hatte da schon ziemlich unappetiliches Zeug in der Flasche. Weshalb ich jetzt mit Pulver direkt arbeite.

Last but not least kannst du die Wolle auch in der Flocke in Grundfarben färben und dir die Wunschfarbe erst beim Kardieren mischen.

Ciao, Klara
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Beitragvon anjulele » 13.10.2013, 17:39

Stimmt, da hast du Recht, das lese ich auch immer wieder. Mit ein Grund, weshalb ich es hier geschrieben habe. Ich denke, es geht beim "nicht zu heiss färben" vor allem ums Pflanzenfärben. Wenn die Seide erst eine gute Stunde köchelnd gebeizt und dann noch mal so lange köchelnd gefärbt wird, verliert sie ihren Glanz. Deshalb färbe ich meine Seidenhankies am Liebsten als Solarfärbung im Glas. Kammzüge mit Seidenanteil färbe ich ganz "normal". Mit Pflanzen im Topf köchelnd und mit Säurefarben auch im Topf heiss und so lange, bis das Wasser klar ist.

Das Farbpulver löse ich auch nicht komplett auf, sondern immer nur kleinste Portionen. Ich liebe Chamäleonfärbungen und dafür kommt die Wolle eh immer wieder in das Farbbad.
Das Pulver kann bei unsachgemäßem Gebrauch immer eingeatmet werden, egal, ob ich eine Messerspitze davon verwende, oder 200 g in Wasser auflöse. Beim Kauf von Säurefarben erhält man Anweisungen, wie man damit umgehen soll und dass man mit Atemschutzmasken arbeiten soll.

Einen Dampfkocher und ´ne Mikrowelle habe ich nicht. Im Backofen habe ich meine ersten Versuche mit OE-Farben gestartet, aber das hat mir nicht gefallen. Wie hoch war der eingestellt? Ich glaube, so um die 100° C, kann ich mich nicht mehr erinnern.

Wie lange was wo bei welcher Temperatur gemacht wird, dazu gibt es im Netz so viele Hinweise. Blogs, Foren, und Filme. Wichtig ist vor allem, dass man nicht gleich losrennt und sich irgendwas besorgt, sondern im Vorfeld informiert. Dafür geht schon mal viel Zeit drauf. Dann kann man überlegen, was man hat und was benötigt wird. Und in aller Ruhe mit seinen Versuchen starten.
LG
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Beitragvon WickedWeaver » 13.10.2013, 21:26

Wow, vielen Dank für die vielen tollen Tipps und Ideen! Ich hab bei den Säurefärbungen aus den Internetvideos immer rausgehört, dass man eben alles Pulver nutzen muss (dachte, durch den Kontakt mit Luft verschlechtert sich der spätere Gebrauch -> Oxidation...) Aber wenn man auch kleine Mengen davon anrühren kann, lohnt sich das ja doch. Hm... :gruebel: Finde Pflanzenfarben ja auch eigentlich schöner als Säurefarben, aber wohn in einer kleinen WG, da ist das mit dem lange Auskochen und allem nicht möglich. Aber sobald die nächsten Stränge Wolle versponnen sind, mach ich mich doch einfach mal mit einer Versuchsfarbe ans Werk! :biggrin:

Viele Grüße,

Marion
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Beitragvon Regilla » 14.10.2013, 20:26

Das Pulver von den Säurefarbstoffen lässt sich für kleine Mengen leichter dosieren, wenn man es auflöst. Ich nehme einen 2,5ml-Messlöffel Pulver und löse das in 100ml Brennspiritus auf.

Brennspiritus hat den Vorteil, dass nichts schimmelt. Ich bewahre die Lösung in kleinen Schraubgläsern auf, in denen mal Kapern waren. Man muss die Gläschen allerdings beschriften, ein halbes Jahr später weiß ich nicht mehr, was was ist.
Davon kann man dann z.B. 5ml nehmen und kleine Mengen färben.

Liebe Grüße,
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