Pastinaken,wer hat Rezepte?

Hier geht es um die feste Kost - Rezepte, was gab es schon?

Moderator: Moderatoren

Pastinaken,wer hat Rezepte?

Beitragvon Silvia » 03.01.2006, 14:01

Hallo,
ich hab dieses Jahr im Garten Pastinaken gezüchtet,und dachte na ja so´n
bischen Suppengrün...
Nun fällt die Ernte ganz gut aus,mit so viel hatte ich nicht gerechnet.Die Dinger sind bedingt winterhart und ich würde die gerne bald verwerten,finde aber nirgendwo Rezpte,und da dachte ich weil die ja eigendlich so eine alte Gemüsesorte sein sollen...
Wer hat Rezepte für mich?
Viele Grüße Silvia
Silvia
 

Beitragvon Baerbel » 03.01.2006, 14:41

Hi,
guck mal hier:
Pastinaken-Rezepte

Ansonsten kannst Du sie wohl ähnlich wie Möhren verwenden oder als Kartoffelersatz, wenn's im Lager "a" sein soll - die netten Wurzeln dürften ziemlich "a" sein.

Habe bei meinem ersten Lager im Herbst einen Gemüseeintopf u. a. mit Rüben und Pastinaken gekocht und keiner der "Herrn" hat sich über fehlende Kartoffeln ( ;-) ) beschwert. :-)

Grüße
Bärbel
Benutzeravatar
Baerbel
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 213
Registriert: 24.12.2005, 01:57
Wohnort: Ffm

Beitragvon Beate » 03.01.2006, 14:59

Pastinaken? Wow. toll, ich hätte gerne ein paar Kilo für die nächste Saison... :biggrin:

Geschmack liegt so zwischen Möhren und Petersilienwurzel. Die Blätter kann man auch zum Würzen gebrauchen.
Die Wurzeln sind winterhart, du kannst also den ganzen Winter Pastinaken ernten.

Info

Hier gibt es eine Suchfunktion für Rezepte, einfach die Zutat eingeben (natürlich auch Zutaten ankreuzen) und schon bekommst du eine Menge Rezepte.

Oder "Pastinaken" bei Google eingeben... ;-)
Beate
 

Pastinaken

Beitragvon suse » 03.01.2006, 17:05

Hallöle,
hoffentlich profiliere ich mich damit nicht als Spaßbremse, aber ich wäre vorsichtig mit Pastinaken, wenn es unbedingt ganz und gar authentisch sein soll. :wacky:
Als erstes: auch ich verwende Pastinaken oft und gern auf Veranstaltungen, Aber:
Pastinaken sind mit sehr wenigen Fruchtfunden in jungsteinlichen Siedlungsschichten in Südwestdeutschland und im schweizerischen Alpenvorland nachgewiesen, allerdings ist dabei ziemlich sicher, daß es sich um die Wildfrüchte handelt, wogegen man sich nicht sicher ist, ob die Wurzel überhaupt vom Menschen genutzt wurde. Danach tauchen Fruchtfunde in Xaten, Butzbach und Welzheim auf und zwar in Schichten der Römerzeit (Kastelle). Auch hier ist nicht klar, ob es sich um kultivierte Formen oder aus dem Mittelmeergebiet eingeschleppte Wildpflanzen handelt. Für das Mittelalter begegnen uns nur drei Fundstellen mit jeweils einem oder sehr wenigen Fruchtfunden.
Dazu kommt, daß bis zum 17. Jahrhundert die Bezeichnungen für Möhren, Pastinaken und Zuckerwurzeln nicht eindeutig sind, die Namen wurden oft über Kreuz benutzt und waren nicht eindeutig zugeordnet. Deswegen kann man auch nur vermuten, daß im Capitulare Karls d. Großen Pastinaken gemeint sind, wo pastinacas genannt werden, weil hier auch carvitas auftauchen, die man dann als Karotten einordnen würde. Wogegen die im Klosterplan von St. Gallen (820) auftauchende pastinachus meist als Möhre gedeutet wird. Hildegard von Bingen erwähnt morkrut, die man für Möhre halten kann, weswegen mit pastinaca hier auch wieder durchaus die Pastinake gemeint sein könnte. (Das hier nur zu Illustration der Begriffsunsicherheiten)
Erst 1393 und 1473 finden sich in Frankreich Kulturanweisungen für echte Pastinaken. In Deutschland tauchen in Kräuterbüchern im 16.Jh. Holzschnitte mit Abbildungen von Möhre und Pastinake auf, die hier dann auch eindeutig unterschieden werden.
Diese "Unsicherheit" stellt sich im Übrigen auch in Bezug auf die Möhre dar, bei der trotz vieler Fruchtfunde nicht sicher nachzuweisen ist, daß es sich um eine Kulturform handelt. Auf die Schwierigkeiten mit den Bezeichnungen aus Pflanzenlisten aus dem 9. und 12. Jahrhundert bin ich weiter oben schon eingegangen, erst der Mönch Albertus Magnus beschreibt im 13. Jahrhundert sicher identifizierbar die Möhrenpflanze. Allerdings bleibt offen, ob diese zur Ernährung oder medizinisch genutzt wird.
Die orangenen "Carotinmöhren" sind erst sehr spät gezüchtet worden, vorher waren rote (ohne Carotin - die Farbe kommt vom Blütenfarbstoff Anthocyan), weiße und gelbe Möhren (mit wenig Carotin) verbreitet.

Worauf ich hinauswill: obwohl vieles darauf hinweist, daß sowohl Pastinaken (mit der Einschränkung, daß es sehr wenige Funde gibt), als auch Mohrrüben (hier mit deutlich mehr Hinweisen aber mit der Einschränkung des Nichtvorhandenseins heute üblicher Sorten) verspeist worden sind, sollte man sich bewusst sein, daß es eben nur Hinweise und keine sicheren Nachweise sind.

Wie gesagt: ich verwende beides trotzdem und freu mich aber immer wie Bolle ( :arrow: alt-berliner Bezeichnung für Zwiebel), wenn ich im Bio-Laden meines Vertrauens mal gelbe Möhren erwische - sieht einfach besser aus. :biggrin:

Gruß suse

:lesen: Udelgard Körber-Grohne, Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute, Hamburg 1995
Benutzeravatar
suse
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 105
Registriert: 26.12.2005, 12:39
Wohnort: Berlin

Pe Es

Beitragvon suse » 03.01.2006, 18:16

ps.:
Albertus Magnus war natürlich bei Weitem nicht nur Mönch sondern Universalgelehrter und Genie - er hat u.a. das Schwarzpulver erfunden.
(nur damit mir nachher nicht Blasphemie ob des "Mönch" vorgeworfen wird) :blush:
Benutzeravatar
suse
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 105
Registriert: 26.12.2005, 12:39
Wohnort: Berlin

Beitragvon Baerbel » 03.01.2006, 19:36

Hallo Suse,

Danke für die "Hinweise" für Pastinaken. :wideeyed:

Von den jungsteinzeitlichen Funden hatte ich auch schon gelesen. Ansonsten kann ich noch Apicius beisteuern, der zwischen "caroeta" (Karotte?) und "pastinaca" (Pastinake?) unterscheidet.
Wobei mir klar ist, wie problematisch gerade die Zutaten bei Apicius für die nachantiken Verhältnisse sind.
Die meisten Zutaten würde ich für's MA auch nicht verwenden, aber beim "08/15"-Gemüse, das problemlos in unseren Breiten angebaut werden kann, könnte es doch noch eine gewisse Tradition gegeben haben - zumindest in den bis 476 n. Chr. "römischen" Regionen.
Entgegen früherer Vorstellungen ist nämlich in diesen Regionen ein nicht unerheblicher Teil der romanisierten Bevölkerung ansäßig geblieben. Noch bis ins 9./10. Jh. sind z. B. in der Mittelrhein-/Moselregion Reibschalen nachweisbar, die gelegentlich als Hinweise des Nachklingens romanisierter Eßsitten gedeutet werden. Da könnten sich auch manche Gemüsearten erhalten haben.
(Ist meine persönliche Einschätzung, kein wissenschaftlich belegbarer "Beweis") (Womit ich im Linksrheinisch (wo meine Darstellungen angesiedelt sind) einigermaßen "fein raus" wäre :grinsundwech: ).

Ansonsten denke ich, dass auch aufgrund der Hinweise, die Du genannt hast, Pastinaken eine gewisse Wahrscheinlichkeit haben, ohne dass man jetzt in der Öffentlichkeit direkt mit dem großen "A" und "So war das!" hausieren gehen muss. (Ich hatte oben ja auch "ziemlich" "a" - nicht: 100%-"A" geschrieben.)
Als mögliche Annäherung (oder Hypothese) und eine leckere sowieso :biggrin: halte ich Pastinaken für vertretbar.

Was das Nichtvorhandensein heute üblicher Sorten angeht, betrifft das ja auch nicht nur Pastinaken und Möhren, sondern so ziemlich alle Nahrungsmittel, die mir jetzt spontan einfallen (incl. Schweine-, Schaf- oder Rinderrassen - da sind die Rückzüchtungen ja auch nicht groß "A" sondern oft nur "lookalike" oder "annähernd" klein "a").

Ich stimme Dir da uneingeschränkt zu, dass man sich immer dieser Einschränkungen (und auch der Grundlagen von "Hypothesen") bewußt sein muss.

Wenn man heute 100%-"A" kochen wollte, müßte man wohl hungern :undecided: .

So, ich gehe mich mal um die Küche kümmern :biggrin: - irgendwie interessieren mich Kochthemen immer dann besonders, wenn ich Hunger bekomme. :gruebel:

Viel Spaß beim Kochen :-)

Liebe Grüße
Bärbel
Benutzeravatar
Baerbel
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 213
Registriert: 24.12.2005, 01:57
Wohnort: Ffm

Beitragvon Beate » 03.01.2006, 20:19

Baerbel hat geschrieben:
Wenn man heute 100%-"A" kochen wollte, müßte man wohl hungern :undecided: .



Och nöö, die sind doch damals auch nicht verhungert. ;-) :-)

Sagen wir mal: die Lagerküche (vor Publikum) ist immer ein Spagat zwischen dem Anspruch möglichst "a" zu kochen und dem modernem Geschmack deiner Leute. Also so immer knapp vorm Protestgeheul... :biggrin:
Beate
 

Beitragvon Caterina » 03.01.2006, 22:32

Beate hat geschrieben:
Baerbel hat geschrieben:Wenn man heute 100%-"A" kochen wollte, müßte man wohl hungern :undecided:


Och nöö, die sind doch damals auch nicht verhungert.


Nee, damals nicht, weil sie damals ja alles hatten, was es damals gab. Im Gegensatz zu heute.

So habe ich zumindest die oberen Posts verstanden.
Viele Grüße,
Caterina
Benutzeravatar
Caterina
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 254
Registriert: 24.12.2005, 10:19
Wohnort: Oldenburg (Oldb)

Beitragvon Baerbel » 04.01.2006, 01:50

Hiii,

Nee, damals nicht, weil sie damals ja alles hatten, was es damals gab. Im Gegensatz zu heute.

So habe ich zumindest die oberen Posts verstanden.


So hatte ich es auch gemeint. ;-) .

Grüße
Bärbel
Benutzeravatar
Baerbel
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 213
Registriert: 24.12.2005, 01:57
Wohnort: Ffm

Beitragvon David » 04.01.2006, 10:39

Hallo Baerbel,

war eigentlich auch so angekommen... :cool:

Du hast recht, beim Kochen ist es eigentlich unmöglich "authentisch" zu sein. Authentisch im eigentlichen Sinne würde bedeuten, daß nur mit damals verwendeten Sorten gearbeitet wird. Das ist schlicht unmöglich.
Was nicht bedeutet, daß es legitim ist, offensichtlich unmittelalterliche Arten zu verwenden (Kartoffeln, Pute)
Vielleicht ist "authentisch" in vielen Bereichen auch einfach ein inkorrekter Terminus.
Wenn ich aber bspw. ein paar Schuhe mit lohgegerbtem Leder und historisch korrekten Verfahren und Nähmaterialien 1:1 nach einem Bodenfund nacharbeite, kann ich schon das Wort "authentisch" verwenden. Ebenso bei korrekt replizierter Keramik.
Kurz gesagt, es ist überall dort möglich, wo uns die "echten" Materialien zur Verfügung stehen, und wir gesicherte Kenntnis haben. In der Küche ist das nur sehr bedingt möglich.

Gruß,
David
Benutzeravatar
David
Herzogin / Herzog
Herzogin / Herzog
 
Beiträge: 1232
Registriert: 25.12.2005, 00:22
Wohnort: Quedlinburg/ Harz

Nächste

Zurück zu Essen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast