Pastinaken,wer hat Rezepte?

Hier geht es um die feste Kost - Rezepte, was gab es schon?

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Beitragvon Dachs » 04.01.2006, 10:58

Hallo David,
vor allen steht neben der Beschaffbarkeit der Materialen auch die "Geschmacksfrage" an.
Ein kleines uriges Schwein das überall wühlen darf schmeckt definitv anders und besser. Die Rückzucht Erbsen und Saubohnen schmecken auch anderes als die neuen Sorten, genau wie das Getreide.

Dann kommt eigentlich erst die Frage nach dem wie hat das Leuten damals geschmeckt. Ich mag zB. ziemlich viel Salz an meinem Essen. Aber das ist ein reine Gewohnheitssache .... :dizzy:
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Beitragvon David » 04.01.2006, 11:06

Stimmt.
Da sind wir dann auch beim persönlichen Empfinden /Er- und Nachleben, und bei einem echten Wissensgwinn. Durchaus ein wichtiger Aspekt für viele.
Auch um bei Veranstaltungen Besucher kosten zu lassen ist dieser Punkt wichtig für den "Aha-effekt".
Dabei steht uns häufig unsere 20. Jh. Sozialisation im "Weg" :gruebel:

David

Ps.: Sehen wir uns eigentlich dieses Jahr in Düppel, Dachs?
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Beitragvon Dachs » 05.01.2006, 14:56

Ja, auf jeden Fall ;-)
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Beitragvon Sleipnir » 06.01.2006, 19:16

Um nochmal auf die Pastinaken zurückzukommen - Pastinak eignet sich angeblich hervorragend zur Weinherstellung. HAbe es selbst noch nicht versucht, aber der von mir sehr verehrte John Seymour schwärmt davon in den höchsten Tönen. :drunk:
LG Sleip
"Die Nacht bricht an und meine Wache beginnt. Sie wird erst mit meinem Tod enden. Ich bin das Schwert in der Dunkelheit.Ich weihe mein Leben und meine Ehre der Nachtwache, für diese Nacht und allen Nächte, die kommen werden."
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Beitragvon David » 06.01.2006, 20:50

Uah! Pastinakenwein? Stell ich mir jetzt nicht besonders lecker vor. :undecided:

Aber wer weiß...

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Beitragvon Sleipnir » 07.01.2006, 19:29

Angeblich soll es jedes Jahr im Bekanntenkreis von Herrn Seymour zu Ehestreitigkeiten kommen, da sich die Ehefrauen immer wieder darüber beschweren, daß die Gärten zum allergrößten Teil mit Pastinaken bepflanzt werden, um eben daraus Wein zu keltern, die Ehemänner aber nicht sehr von diesem weiblichen Ansinnen überzeugt sind.
Muß wohl seinen Reiz haben, das Getränk.

John Seymour: Das große Buch vom Leben auf dem Lande.
ISBN 3-332-01060-3
Dort finset sich neben der o.g. Annekdote auch das Rezept für Pastinakwein.

LG Sleip
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Beitragvon Baerbel » 08.01.2006, 04:10

Na ja,
ich bin zwar eigentlich "anglophil" oder so ... aber von Wein haben die auf den Inseln wirklich keine Ahnung :dizzy: - dürfte dann wohl auch die Literaten einschließen - so denn der literarische Mr. Seymour (oder sein Erfinder) aus Großbritannien ist.
(Whisky oder Whiskey geht schon besser :-) - In Schottland oder Irland (Republic und nicht UK ;-) )

Trotzdem, Pastinaken und auch Steckrüben (parsnips und turnips) sind auf den britischen Inseln bis heute weit besser bekannt und werden häufiger angeboten (auch als Beilagen zum "Pub-Meal") als diesseits des Kanals.

Aber Wein daraus machen? Brrrrrr. Da streubt sich die echte rheinische Seele.
;-)
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Beitragvon wurm » 08.05.2006, 18:29

Die Pastinake ist quasi die mittelalterliche Kartoffel, und daß sie seit der Antike sprachlich mit der Möhre verwechselt wird, lehrt uns zweierlei: Einerseits ist die mittelalterliche Möhre weiß, denn die Carotinmöhre wird erst 1830 gezüchtet. Es gab farbige Möhren zwar durchaus, aber deren violette oder Gelbe Farbe ist aus dem farbstoff Anthocyan, also löst sich beim Kochen.
Zweitens lehrt uns die Verwechslung, daß die Pastinake so dick war wie eine Möhre, und heutige Züchtungen sehen schonmal aus wie Runkelrüben.
Zur Möhre ist eine farbige Abbildung um 500 interessant, aus dem Dioskurides in Wien: Sieht aus wie heute, aber nach Udelgard Körber-Grohne ist der Farbstoff eben ein anderer gewesen.
Die angeblich so seltenen Pastinakenfunde finde ich etwas etepetete, denn das ist eine in der Wildflora völlig etablierte Pflanze, die in den Kräuterbüchern, die ja leider erst um 1600 aufkommen, so häufig als alte Bauernspeise genannt wird, daß man sie kaum in Zweifel ziehen kann. Kaum wurde die Kartoffel bekannt (als gemüse erst sehr spät, in Preußen z.B. erst im 18. Jh.) verschwindet die Pastinake wieder. Was ihre Stellung im Speiseplan beweist.
Die Kochzeit der Pastinake ist geringer als bei der Möhre, sie ist von natur aus schon etwas weicher und schwammiger.
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Beitragvon Tjorven » 09.05.2006, 06:57

Ähm, getht´s noch um Rezepte? Ich habe da neulich bei irgendeiner Kochsendung im Fernsehen (ja, ich habe wieder Zugang zu einem Fernseher!) was mit Pastinaken als Gemüsebeilage zu Wildschwein gesehen: einfach in Scheiben schneiden, kurz kochen, bis sie fast gar sind und dann braten - das sah ganz lecker aus. Dazu paßt Liebstöckel ganz gut.

Ansonsten kann man Pastinaken halbweich kochen (al dente), mit Ei und Paniermehl umhüllen und in Butter ausbacken.

Oder man ißt sie geraspelt als Salat.
Derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen. J.R.R. Tolkien
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Beitragvon Silvia » 09.05.2006, 07:06

Also meine tollen Pastinaken von letzten Jahr -es standen immer noch ein paar auf dem Beet-habe ich geraspelt in die Kartoffelsuppe gemogelt,wenn ich das noch mal mache lande ich auf dem Flohmarkttisch!
Beim raspeln habe ich festgestellt das sie in der Mitte holzig waren,des Nachbarn Kaninchen hat das aber nix ausgemacht.Geschmacklich ist das wohl etwas für Leute die Sellerie mögen.
Ich hab eine paar Pastinaken in bunte Reibekuchen gemogelt,das hat Niemand bemerkt.Ein Glück das ich keine mittelalterliche Schauküche hier habe.Hier Kartoffeln duch Patinaken ersetzen geht nich.
Viele Grüße
Silvia
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