Brot

Hier geht es um die feste Kost - Rezepte, was gab es schon?

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Beitragvon Cleophanes » 12.09.2006, 20:01

A proposito späte Römerzeit / Frühmittelalter:
Anthimus schreibt in "De observatio ciborum" (6. Jhdt.) was über Brot:
Inprimis panem nitidum bene fermentatum, non azimum, sed bene coctum comedendum, et ubi focus fuerit, cotidie calentem, quia talis panis melius digerentur; nam si non bene leuatum fuerit, satis grauat stomachum. tamen fortior est hordeo: melius nutrit, sed non sic egeritur neque ipse neque sucus eius. panis uero masclaris melius nutrit quidem et melius egeritur.
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Beitragvon Flinkhand » 12.09.2006, 20:38

Also schreibt er, daß gesäuertes Brot frisch verzehrt werden muß, weil es sonst dem Magen schadet, wenn ich das richtig verstanden habe. Prima, dann gab es das ja im 6. Jhd. wohl doch. (Beim zweiten Teil des Textes verließen mich meine lat. Kenntnisse :wacky: )

Der Unterschied zwischen Römerzeit und FrüMi? Na ja, die gesamte Kultur, die religiöse Weltanschauung, der "technische Fortschritt", Straßenbau, die Eroberung des gesamten Mittelmeerraumes und noch weiter mit dem Ziel der Luxuserhaltung Roms auf Kosten ganzer "nicht römischer" Völker - die Völkerwanderung, die ja im FrüMi soweit abgeschlossen war ... da hat sich schon einiges verändert, würde ich sagen....

Zurück zum Brot: Ich hab auch mal ein bißchen in meinen Büchern gewühlt, aber nicht sehr viel gefunden. Arno Borst schreibt in "Lebensformen im Mittelalter":

Blicken wir auf die vitalen Bedürfnisse und ihre Befriedigung, so zeichnet sich ein gewisser Fortschritt ab. Im 13. Jahrhundert ist Brot kein Leckerbissen mehr wie im 10. Jahrhundert, wo selbst vornehme Mönche nicht jeden Tag Brot bekommen; auch der Arme hat Anspruch auf Brot. (...) Brot und Wein sind so verbreitet, weil Rodung und Landesausbau die Vermehrung der Ackerflachen und Weinberge ermöglicht haben; technische Verbesserungen an Mühlen und Keltern tragen dazu ebenso bei wie Transporterleichterungen durch Straßenbau und Marktverflechtung. Trotzdem bestehen noch im Hochmittelalter und in wohlhabenden Häusern die Grundnahrungsmittel aus Brei und Mus.


Er bezieht sich auf unterschiedliche schriftliche Originalquellen: Auf die Chronik des Klosters St. Gallen, aus der er eine ganze Geschichte zitiert und auf eine mittelhocheutsche Predigt des Franziskaners Berthold von Regensburg.

Hat noch jemand was?
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Beitragvon Cleophanes » 12.09.2006, 22:51

Anthimus sagt gesäuert (fermentatum) und gut aufgegangen (bene levatum), gut durchgebacken (bene coctum) und am besten noch warm (bene calentem), weil es dann bekömmlicher ist. Gerstenbrot sei nahrhafter, aber nicht so bekömmlich, Mischbrot (masclaris) sei bekömmlicher und auch nahrhafter.

Was die späte Römerzeit und das Frühmittelalter angeht: Fortschritt, Straßenbau ... Wer ist damit gemeint? Die Römer? Welche "technischen Verbesserungen an Mühlen und Keltern"? Die römische Technik war bereits sehr hoch entwickelt. Es hat auf jeden Fall lange Zeit große Überschneidungen gegeben zwischen der "alten" römischen Welt und der neuen Epoche gegeben - und das frühe Mittelalter hat lange Zeit von den römischen Erungenschaften profitiert.

Was das Brot angeht, so wird das wohl sehr unterschiedlich gewesen sein. Woraus man Brei macht, wenn kein Getreide für Brot da ist, ist allerdings nicht ganz klar. Ich glaube jedenfalls, daß Brot im ganzen Mittelalter durchaus regelmäßig gegessen wurde, auch wenn es in der Regel kein Weißbrot war.
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Beitragvon Flinkhand » 15.09.2006, 17:30

Hi Cleo,

mit technischem Fortschritt ist vielleicht eher Rückschritt gemeint, denn nach dem Verfall des römischen Reiches gerieten ja auch viele fortschrittliche Errungenschaften wieder in Vergessenheit. Die Römerstraßen wurden im FrüMi noch nicht wieder gepflegt und gewartet - die gammelten ja erstmal ein paar Jahrhunderte vor sich hin :wacky:

Mit dem Fortschritt im Homi in Bezug auf Mühlen ist gemeint, daß Mühlen überhaupt dort entstanden sind, wo große Gebiete gerodet worden waren. Wozu vor der Rodung eine Mühle in Betrieb nehmen? Lohnt ja nicht, wenn nicht genug Felder für den Getreideanbau da sind.

Der Brei muß übrigens nicht aus Getreide bestanden haben. In Klostergärten wurden auch Bohnen gezüchtet, aus denen man dann dicken Brei kochte.

Ist schon ein schwieriges Thema, schon weil es anscheinend wirklich nicht viele Quellen gibt :-|

Liebe Grüße,
Claudia,
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Beitragvon Cleophanes » 16.09.2006, 16:54

Das mit dem Brei aus Bohnen - oder allgemein Hülsenfrüchten (Erbsen, Linsen, Kichererbsen), Eßkastanien oder Lauch oder Früchten - stimmt natürlich. Ich sehe aber nicht recht, daß der Grund Getreide- oder Brotmangel war, sondern daß er eher woanders zu suchen ist, denn wenn Mangel herrschte, herrschte er sicher in jeder Beziehung.
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