Frühstücken

Hier geht es um die feste Kost - Rezepte, was gab es schon?

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Beitragvon Cleophanes » 12.09.2005, 22:40

Jetzt muß ich doch noch einmal auf das ursprüngliche Thema des Threads zurückkommen: Kann mir mal jemand erklären, warum es unbedingt Buchweizen (angeblich wurde er von den Mongolen eingeführt) sein muß? Klingt der Name besonders mittelalterlich? Es gab doch auch Dinkel, Gerste und Hafer, wenn man schon keinen Weizen verwenden will. Man könnte also z.B. Haferflocken mit Milch und Honig oder Joghurt (oder dicke Milch) mit Honig oder Gersten- oder Dinkelbrot mit Pflaumenmus oder Quittengelee zum Frühstück anbieten ...

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Beitragvon Beate » 13.09.2005, 07:16

Hmmm... wo wurde hier gesagt, dass es unbedingt Buchweizen sein muss? Natürlich kann man auch anderes Getreide verwenden, je nach Geschmack.

Ich denke, Buchweizen wird gerne genommen, weil er wenigsten nach was schmeckt , Hafer ist doch sehr fade.

P.S. Ja , ich weiss, dass Buchweizen kein Getreide ist, also bitte kein Kommentar dazu.
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Beitragvon David » 13.09.2005, 09:20

Hallo,

ich finde Buchweizen sehr lecker. Wir essen ihn aber nicht, weil er fürs 13. Jhd. in Mitteldeutschland nicht zu belegen ist. Es gibt einige archäobotanische Nachweise aus dem Rheinland, die allerdings schlecht zu datieren waren. Irgendwas zwischen dem 9. und 16.Jhd. ...Ansonsten geht der Anbau von Buchweizen sicher im 15. Jhd. im Rheinland los. Der früheste Hinweis auf die Pflanze in Deutschland stammt pollenanalytisch aus Friesland, 12. Jhd. Allerdings ist nicht klar ob es sich um "Unkraut" oder Zwischenfrucht handelt. Erste Schriftliche Erwähnung in Deutschland 1380 im Leinetal. Im Osten Europas ist Buchweizen seit dem 6. Jhd. nachweisbar.
Eine tatsächliche Bedeutung erlangte er erst im 18. und 19. Jhd.

Literatur:
Körber-Grohne, Udelgard. Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute. Stuttgart 1999

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Beitragvon suse » 13.09.2005, 11:47

hallo,
Cleophanes hat geschrieben:Man könnte also z.B. Haferflocken mit Milch und Honig oder Joghurt (oder dicke Milch) mit Honig oder Gersten- oder Dinkelbrot mit Pflaumenmus oder Quittengelee zum Frühstück anbieten ...


bei nem Frühstück, bei em Wert auf Authentizität gelegt wird, würde ich den Joghurt, das Pflaumenmus (außer wenn selbst- und ohne Zucker gekocht) und das Quittengelee (außer wenn selbst- und ohne Zucker gekocht) definitiv weglassen.
Und: Hafer hat durchaus einen sehr kräftigen Eigengeschmack. Haferflocken lass ich auch lieber weg (is mir zu schlarzig) aber im Bio-Markt deines Vertrauens bekommt man ganz prima Hafergrütze, die besteht aus geschrotetem Getreide und nicht aus Flocken, das hat dann auch Biss.
Guten Hunder!
Gruß suse
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Beitragvon Giraut » 13.09.2005, 12:35

Jetzt aber mal eine ganz dumme Frage zum Thema.
Wurde denn "früher im Mittelalter" überhaupt gefrühstückt?
Und wenn ja, wie?
Anders gefragt: gab es überhaupt ein spezielles Frühstück?
Ich denke jetzt an das englische Frühstück als Beispiel. Bratwürste, gebratene Pilze, Eier und Speck, also nicht gerade das, was bei uns heute als Frühstück gilt.
Weiß jemand da was Genaues?
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Beitragvon Hîdril » 13.09.2005, 13:55

Einige hundert Einträge früher hatte ich diesen Einwand auch schon gebracht.

Meinem Kenntnisstand nach (und der ist noch nicht so spezifisch auf eine Zeit gerichtet, sondern umfasst "die alte Zeit" ganz allgemein), gab es irgendwann im ersten Tagesdrittel eine kleinen "Imbiss" und die eigentliche Mahlzeit des Tages war dann am Abend. Zumindest bei sesshaftem Volk, sprich Bauern, Händler, Adel, wobei ich mir beim Adel durchaus ein Frühstück vorstellen könnte.

Und ich weiß (leider habe ich keinen Beleg, kann kein Buch oder Artikel nennen), dass die Mägde und Knechte auf den Höfen erst eine Mahlzeit bekamen, wenn sie ihre Arbeit erledigt hatten. Das war dann sowieso eher ein Mittagessen als ein Frühstück.
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Beitragvon David » 13.09.2005, 15:05

Hallo,

es wurde gefrühstückt. Es ist auch notwendig morgens Nahrung zu sich zu nehmen um Leistungsfähig zu sein. Getreide ist da geradezu ideal.

Zum Thema Mahlzeiten aus dem LexMA (Lexikon des Mittelalters):

LexMA 3, 2166

[3] Mahlzeiten: Eine vollständige Tagesration umfaßte im späteren MA zwei Hauptmahlzeiten: Morgenimbiß (imbs, prandium) und Nachtimbiß (cena), dazu bis zu drei Zwischenmahlzeiten (Morgensuppe, Abendbrot, Schlaftrunk u. ä.). Auch wenn die hohe Wertschätzung des Essens in allen Schichten der ma. Gesellschaft nicht zu bestreiten ist, wird man bei der Anzahl der Mahlzeiten weniger an Gier als an die Länge und vergleichsweise Eintönigkeit des ma. Alltags zu denken haben. Die bis zu fünf (gelegentl. auch noch mehr) Mahlzeiten bestanden üblicherweise aus Brot, Brei oder Mus aus Getreide oder Hülsenfrüchten (gemüese), gekochtem Fleisch, Kraut, Suppe und Wein oder Bier, seltener Met. Trotz dieses regelmäßig wiederkehrenden Grundangebots ist das häufig wiederholte Pauschalurteil falsch, auch die spätma. E. sei noch immer eintönig und gleichförmig gewesen. Ebenso unzutreffend ist die Annahme, soziale Unterschiede hätten sich noch im 14./15. Jh. nur oder überwiegend in Menge und Regelmäßigkeit des Verbrauchs, nicht aber in der Qualität der Nahrung ausgedrückt.

Gruß,
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Beitragvon Giraut » 13.09.2005, 16:58

Gibt es dazu auch Primärquellen?
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Beitragvon David » 13.09.2005, 17:37

Wird´s wohl geben. Der/die Autor/en werden sich es nicht aus den Fingern gesogen haben.
Kennst du das LexMA?

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Beitragvon Cleophanes » 13.09.2005, 18:07

suse hat geschrieben:bei nem Frühstück, bei em Wert auf Authentizität gelegt wird, würde ich den Joghurt, das Pflaumenmus (außer wenn selbst- und ohne Zucker gekocht) und das Quittengelee (außer wenn selbst- und ohne Zucker gekocht) definitiv weglassen.


Also gut, wir nehmen nur dicke Milch (wenn vorhanden) und Pflaumenmus und Quittengelee wird natürlich mit Honig gemacht.
Eine gute Quelle für die frühmittelalterliche Diät ist übrigens Anthimus: "De Observatione Ciborum".

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