Süßwerk

Hier geht es um die feste Kost - Rezepte, was gab es schon?

Moderator: Moderatoren

Beitragvon Giraut » 18.08.2005, 11:18

Cleophanes hat geschrieben:...Öhhm, was ist eigentlich genau der Unterschied zwischen Wikingern und Normannen?...


Nun, trotz allgemein üblichen Szeneklischees ist "Wikinger" keine Ethnienbezeichnung. Wikinger sind Nordmänner auf Raubfahrt (Wikingfahrt). Der Bauer daheim ist etwa Däne, oder Smalander oder so, erst wenn er (zB aus Not) auf Raubfahrt geht, ist er Wikinger.
Wieder daheim angekommen, ist die Wikingfahrt beendet und folglich ist er dann auch kein Wikinger mehr.
Die Romantisierung und Ethnisierung des Begriffes Wikinger ist wie so vieles was immer noch kursiert, eine moderne Erfindung.
Wer also "einen Wikinger" darstellt, benötigt dazu genau genommen zwingend eine Mannschaft und ein Schiff. Sonst geht das nicht. Sonst kann man gerne einen zB dänischen Bauern um 950 oder so darstellen, aber das ist nicht zwingend gleichbedeutend mit Wikinger.

"Normanne" ist ein doppeldeutiger Begriff. Einerseits bezeichnet er die Begründer der Normandie und deren Abkömmlinge, andererseits bezeichnet dies auch verallgemeinernd sämtliche skandinavischen frühmittelalterlichen Völker mit Ausnahme der finnischen und zirkumpolaren Ethnien.

Tante Edit sagt: dies wird hier aber nun schwer offtopic!
immer die Ruhe bewahren...
Benutzeravatar
Giraut
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 125
Registriert: 28.12.2005, 02:56
Wohnort: Recklinghausen

Beitragvon Beate » 18.08.2005, 11:28

Cleophanes hat geschrieben:Kennst Du das dänische "Libellus de Arte Coquinaria"? (wahrsch. spätes 13. Jhdt.)? Da taucht Zucker auf, auch Reis, glaube ich, und alle mögliche Gewürzpulver. Zitronen nicht, die werden zum ersten Mal im "Liber de Coquina" (um 1300) in einem Kochbuch erwähnt.



Um 1300! Wir machen aber Frühmittelalter. Ich stelle ein Frau aus Birka, ftühes 9.Jhd. dar.

Cleophanes hat geschrieben:Öhhm, was ist eigentlich genau der Unterschied zwischen Wikingern und Normannen? Ich meinte immer, die Normannen seien Wikinger...


Im Prinzip: ja. *g*
Siehe auch hier
Hervorzuheben ist dabei. dass sie eine neue kulturelle Identität entwickelten.

Reenactment-Gruppen, die Normannen darstellen (z.B. http://www.furor-normannicus.de) unterscheiden sich daher deutlich von den Wikingergruppen und fühlen sich auch eher dem Hochmittelalter zugehörig.
Die Wikingerzeit kann man auf 793 (Überfall auf Lindisfarne) bis 1066 (Schlacht von Hastings) begrenzen.

Geschichte der Normannen
Beate
 

Beitragvon Cleophanes » 18.08.2005, 21:54

Hmmm ... Wikinger haben im 9. Jhdt. wahrscheinlich nur Honig und evtl. eingekochte Säfte zum Süßen nehmen können. Weintrauben kannten sie wohl auch nur aus Amerika bzw. aus Erzählungen. Mit was Süßem sieht's also trübe aus ... Also doch nur Spießbraten, Fisch und Getreide.
Allerdings hatte Jessica nicht explizit nach süßen Wikingerrezepten von 850 gefragt

Cleo
Cleophanes
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 39
Registriert: 11.09.2006, 18:08
Wohnort: Freising

Beitragvon Beate » 19.08.2005, 05:43

Meine "Wikinger" bekommen dieses Wochenende Rote Grütze
(=Beerenmatsch mit Honig gesüsst).

@Jessica: Latwerge das ist doch sowas wie Quittenbrot?
Kann man auch mit anderen Früchten machen. Muss mal in meinem Fundus kramen, irgendwo habe ich Rezpete dafüt.
Beate
 

Beitragvon N.R.U. » 19.08.2005, 07:07

jessica hat geschrieben:Ja genau!

Außerdem wollte ich noch mal kurz danke sagen für die vielen Antworten.

Alles Liebe

Jessica
Dieser Beitrag ist ein Zitat eines Users aus dem alten Flinkhand Forum, der sich im neuen Forum noch nicht registriert hat (N.R.U. = nicht registrierter User). Diese alten Beiträge wurden hier übernommen. Eine Zuordnung ist derzeit nicht möglich.
Benutzeravatar
N.R.U.
nicht registrierter User
 
Beiträge: 2092
Registriert: 22.04.2006, 19:30

Beitragvon Rigana » 19.08.2005, 08:57

Unter der Bezeichnung Latwerg (diesem saarländischen) kenne ich nur Pflaumenmus. Meine Oma nannte das auch so

Wie wär's mit süßen Breivarianten als Süßspeise?

Mal eine Zusatzfrage: wie ist das mit kandierten Früchten? Gabs die schon im MA?

Liebe Grüße,
Rigana
Benutzeravatar
Rigana
Moderatorin
Moderatorin
 
Beiträge: 3700
Registriert: 23.12.2005, 20:11
Wohnort: Bad Kreuznach

Beitragvon Xia » 19.08.2005, 11:10

Hallo,

sooo, ich hab mal meine Schwiegermama interviewt und sie erklärte mir das so: Latwek macht man aus Zwetschgen. Diese werden erst so gekocht wie Marmelade, mit Nelken, Kardamon und anderem Gewürz, aber da werd ich meine Oma nochmal zu fragen. Ich glaub selber noch zu wissen, das noch eine prise Muskat, frisch gerieben, rein kommt. Auf kleiner Flamme. Auf 2 Pfund Zwetschgen kommt 1 Pfund Zucker. Und rühren, 5 bis 6 Stunden. Abkühlen lassen. Das ist die herkömmliche Methode.

Eine Freundin meiner Schwiegermutter, die gestern auch da war, meinte, man könne es auch im Ofen machen, ohne zu rühren, aber sie könne sich jetzt nicht mehr dran erinnern. Kein Wunder, die Frau ist weit über 90. Vielleicht weiss meine Oma oder meine Mutter mehr zu

Liebe Grüsse, Xia
Benutzeravatar
Xia
Grossherzogin / Grossherzog
Grossherzogin / Grossherzog
 
Beiträge: 1399
Registriert: 26.12.2005, 16:22
Wohnort: Calw-Lützenhardter Hof

Beitragvon Cleophanes » 19.08.2005, 16:02

Rigana hat geschrieben:Mal eine Zusatzfrage: wie ist das mit kandierten Früchten? Gabs die schon im MA?


Ich glaube, das ist eine orientalische Erfindung - jedenfalls macht man das mit Zucker, u.U. auch mit Honig. Angeblich haben die alten Römer schon kandierte Früchte importiert. Ich habe bisher aber keine europäischen mittelalterlichen Rezepte gefunden, wo man Früchte lange in Zuckersirup oder Honig kocht (außer dem Rezept für gefüllte Datteln bei Apicius, 7, 13, 1, wo die Datteln aber nur kurz gebraten werden sollen). Man müßte mal ein Blick in arabische Kochbücher aus der Zeit werfen ...

Cleo
Cleophanes
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 39
Registriert: 11.09.2006, 18:08
Wohnort: Freising

Beitragvon Macalla » 10.04.2007, 21:41

Ich komme aus dem um Hilfe rufen gar nicht mehr raus ...
Ich frag aber trotzdem *G*

Also: mein Mann hat in drei Wochen Geburtstag und ich koche fuer unsere ganze Mittelaltergruppe (ca. 12 Leute) ein dreigaengiges (moeglichst mittelalterliches) Menue.

Vor- und Hauptspeise hab ich schon. Aber jetzt kommt mein Problem:

Ich brauche einen Nachtisch, der:

- keinen Honig enthaelt (wir haben einen Allergiker)
- keine Nuesse irgendwelcher Art enthaelt (siehe oben)
- nicht in Fett gebacken sein darf (das schmeckt nur ganz frisch wirklich gut und ich habe weder die Zeit noch den Platz um fuer 12 Leute ganz frische Strauben oder sowas zu backen)
- sich gut vorbereiten lassen muss
- kein Brei sein darf (es gibt schon Griesschmarrn als Beilage zum Fleisch)

Und irgendwie bin ich mit meinem Latein langsam am Ende. Ich bin an sich eine gute Koechin und hab kein Problem mit komplizierten Rezepten. Vielleicht hat jemand eine Idee?
Macalla
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 90
Registriert: 22.02.2007, 14:31
Wohnort: Linz/Oesterreich

Beitragvon Beate » 10.04.2007, 22:21

Läuft ja auf was mit Obst hinaus. ;-)
Beate
 

VorherigeNächste

Zurück zu Essen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast