Ab wann wurde eigentlich destilliert?

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Ab wann wurde eigentlich destilliert?

Beitragvon Isa » 13.07.2010, 13:34

Hallo,

ich bin mir nicht ganz sicher ob ähnliches im Forum besprochen wurde aber da ich über die Suchfunktion nichts gefunden habe, hier meine Frage. Weiß einer von euch ab wann eigentlich destilliert wurde? Wo hat die Destillation ihren Ursprung? Und wie sahen die verwendeten Gerätschaften aus? Kann man sie mit heutzutage verfügbaren vergleichen?
Dabei wäre es für mich interessant nicht nur etwas über die Destillation von Alkohol zuerfahen sondern auch über die Wasserdampfdestillation von Ähterischen Ölen.

Danke vorab für das Teilen eures Wissens
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Beitragvon Susanna » 13.07.2010, 19:21

Meines Wissens haben es die Muselmanen erfunden, ich hab aber noch mal etwas recherchiert:

http://www.zauser.at/schnaps/geschichte/index.shtm (zuerst über die Trinkwasser-Destillation, anschließend auch Alk)

http://www.projekt-paris.uni-kiel.de/pa ... thema2.htm

*prost*
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Beitragvon Regilla » 14.07.2010, 16:15

Es heißt immer, dass schon im Altertum destilliert wurde. Das ist zwar richtig, aber nicht mit dem heutigen Destillieren vergleichbar. Oft behaupten Leute auf Veranstaltungen, dass bereits im Altertum Duftöle destilliert wurden. Wenn man mit Destillieren herstellen meint und eigentlich Mazeration sagen will, ist es nicht völlig falsch.
Mit Destillation im Altertum ist das mit dem Wolllappen gemeint, was in dem einen Link beschrieben ist. So kann man aus Pinienharz Terpentinöl gewinnen.
Das mit der Trinkwassergewinnung aus Salzwasser, na ja. Mit den damaligen Methoden konnte man zwar destillieren, aber nur kleine Mengen. Im Apothekermuseum in Heidelberg kann man jede Menge Destillationsblasen aus dem Mittelalter besichtigen. Das sind im Prinzip länglich rundliche Flaschen aus Glas, die einen langen Hals haben, der gebogen ist und aus dem das Destillat luftgekühlt rauslaufen kann.
In diese Blasen gehen vielleicht zwei Liter Gemisch.
Damit konnte schon destilliert werden, aber große Mengen sind auch nicht möglich. Diese Blasen passen eher in allchimistische Laboratorien.
Die Alkoholdestillation hat in Europa im 15. Jahrhundert in Italien angefangen, also eher spätes Mittelalter bis Neuzeit.
Mit Wasserdampfdestillation, das ist komplizierter und ich würde schätzen, dass das erst später aufkam, aber sicher wissen tu ich es nicht.
Liebe Grüße,
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Beitragvon Susanna » 15.07.2010, 06:44

Ehrlich gesagt, habe ich mich mit dem Thema nur so halbherzig beschäftigt, weil ich ein wenig Ahnung vom neuzeitlichen Destillieren habe - das ergibt sich zwangsläufig, wenn man eine Weile auf einem Schwarzwaldhof mit regelmäßig genutztem Brennrecht lebt.
Und weil ich mich eben selbst schon gefragt habe, ob hochprozentige Getränke (> 30 Umdrehungen) "a" sind, aufs HoMi bezogen.
Mein Ergebnis war: nein, sind sie nicht.
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Beitragvon blanche_fleur » 15.07.2010, 07:42

Kennt eigentlich irgend jemand eine Quelle zur Aussage, dass im arabischen Raum bereits im Hochmittelalter destilliert wurde?
Es gibt da eine Rezeptsammlung aus Andalusien aus dem 13. Jahrhundert, die Kitab al-Tabikh fi al-Maghrib wal-Andalus in der sind auch viele Siruprezepte und Rezepte für wässrige Pflanzenauszüge drin, aber gar nichts zu alkoholischen Auszügen oder gar Destillaten. Ich denke, für die Getränkeherstellung wurde im arabischen Raum in der Zeit nicht destilliert. Abgesehen davon sollten die sich ja auch nicht mit alkoholischen Getränken berauschen :wacky:
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Beitragvon Draca » 15.07.2010, 08:45

Laut Geschichtsbüchern soll Avicenna (= Ibn Sina) um 1000 u.Z. in Persien die erste Wasserdampfdestillation durchgeführt haben. Und zwar von echtem Rosenöl aus einem wässrigen Auszug von Rosenblüten.
Also nix al-khol. :biggrin:

LG Draca,
die für beides zu haben ist ;-)
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Beitragvon blanche_fleur » 15.07.2010, 09:54

blöd aber auch das mit dem al-khol ;-)

mal eine ganz andere Frage; wie hoch kriegt man eigentlich den Alkoholgehalt mit einer Gärung? Ich hab nämlich so wage im Kopf, dass als Folge der Kreuzzüge auch hier im Norden die schweren südlichen Weine Geschmack fanden und dass man diese angeblich sehr süssen und stark alkoholischen Weine teilweise auch benutzte, um das einheimische Gesöff trink- und v.a. haltbarer zu machen. Heutige ungesprittete Süssweine kommen ja auf ca. 18-20% aber ginge es auch höher?
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Beitragvon Isa » 15.07.2010, 10:11

Hallo,

so habe auch noch mal nachgeforscht und folgendes gelesen:

"Im Jahr 1167 gelang Magister Salernus schließlich die erste dokumentierte Weindestillation an der ältesten abendländischen Hochschule in Salerno. Dieser Durchbruch war sowohl ein großer Schritt in der Chemiegeschichte als auch die "Geburtsstunde" der Spirituosen. Salernus schaffte es, reinen Alkohol als entflammbaren Weingeist (aqua ardens) von den nicht brennbaren Bestandteilen des Weines zu trennen.

Rund 100 Jahre später wurde dieses zunächst noch recht unvollkommene Destillationsverfahren bedeutend verbessert. Dem Regensburger Bischof Albertus Magnus (1193–1290) wird die Fortentwicklung zugeschrieben: Er erfand die Brennblase, in der sich nach Erhitzung des Weines die alkoholischen Dämpfe sammeln. Lange Zeit danach galt Branntwein ausschließlich als Heilmittel. Erst im 15. Jahrhundert setzte er sich auch als Genussmittel durch. Wo kein Wein angebaut werden konnte, griffen die Menschen auch auf Früchte, Wurzeln, Knollen oder Getreide als Grundstoff der Destillation zurück."

@ blanche_fleur: Das kommt ganz auf die verwendete Hefe an, nimmt man Reinzuchthefe z.B. Portwein und ähnliche dann kann man mit genügend zuckerhaltigem Ausgangsmaterial und bei einer Vergärung bei eher kühlen Temperaturen sowie stabiler Säure und Schwebstoffen auf maximal 18% Alkoholgehalt kommen. Das ist dann aber auch schon eine kleine Kunst. Meist ist man ja froh wenn man 14-16% erreicht.
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Beitragvon Kattugla » 15.07.2010, 10:14

Langsam finde ich die Frage auch spannend.

Im Wikipedia-Artikel dazu habe ich auch nur ein "vermutlich" gefunden:
wikipedia hat geschrieben:Vermutlich wurde im Gebiet der heutigen Türkei um etwa 1000 n. Chr. die Destillation von Wein zur Herstellung hochprozentiger Branntweine entwickelt[12]. So war es möglich, den Spiritus vini (Geist des Weines) aus Wein herzustellen. In Ostasien wurden schon früh Weine aus Litschi und Pflaumen hergestellt sowie der Sake, ein warm genossener Reiswein, dessen Herstellungsprozess dem des Bieres ähnelt.


Tja, was mich jetzt auch nicht viel schlauer macht. Aber der Begriff "Weingeist" taucht m.E. doch schon früher auf als im SpäMi... wenn ich nur wüsste, wo ich das mal gelesen habe... :gruebel:
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Beitragvon blanche_fleur » 15.07.2010, 10:27

Isa hat geschrieben:Hallo,
.
@ blanche_fleur: Das kommt ganz auf die verwendete Hefe an, nimmt man Reinzuchthefe z.B. Portwein und ähnliche dann kann man mit genügend zuckerhaltigem Ausgangsmaterial und bei einer Vergärung bei eher kühlen Temperaturen sowie stabiler Säure und Schwebstoffen auf maximal 18% Alkoholgehalt kommen. Das ist dann aber auch schon eine kleine Kunst. Meist ist man ja froh wenn man 14-16% erreicht.


Hallo Isa

das sind ja spannende Informationen. Super. Über Magister Salernus muss ich unbedingt mehr herausfinden :biggrin: obwohl das ja wahrscheinlich nur ein Übernahme ist, da er ja in Salerno studiert....
Ich weiss dass Marsala heute mindestens 18% durch natürliche Gärung erreichen muss, um ein Gütesiegel zu erhalten (war diesen Frühling in Sizilien :biggrin: hicks) aber viel mehr geht wohl wahrscheinlich nicht...
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