Ab wann wurde eigentlich destilliert?

Gänsewein, Met oder Bierbrauen? Alles rund um den flüssigen Gaumenschmaus!

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Beitragvon Isa » 15.07.2010, 10:29

Ähm, ich glaub Aristoteles war mal wieder schuld... der hat nämlich was von Weingeist philosophiert, wenn ich mich richtig erinnere hat er auch Experimente gemacht, die haben aber keine Einkehr in die Bevölkerung gefunden, weil sich Philosophen wohl nicht mit Handwerkern und ähnlichem Pöbel (gearbeitet haben ja meist nur Sklaven oder Arme) ausgetauscht haben... ts ts, wo doch jeder weiß dass man bei guter Kommunikation ne Menge lernen kann. Aber das hatte in dem Fall wohl auch was Gutes, sonst wär der Molotovcocktail vermutlich schon durch Kaiser Nero bekannt geworden... :devil:
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Beitragvon Isa » 15.07.2010, 10:44

Noch ein Nachtrag @ blanche_fleur:

Die Zucker zu alkohol vergärenden Hefebakterien werden ja dummerweise von ihrem eigenen Stoffwechselprodukt abgetötet, wenn es eine Konzentration von 18% im Medium erreicht. ABER: Es ist trotzdem möcglich allein mit Hefegärung mehr %e zu erhalten, wenn man immer wieder neue Hefen zusetzt und die abgestorbenen abpumpt. Die sterben dann zwar relativ schnell, produzieren aber bis zu ihrem Ende Alkohol, so lässt sich der Alkoholgehalt bei immer weiteren Zugaben von Hefen langsam steigern, die Methode ist aber sehr Kosten- und Zeitintensiv und man muss verflucht steril abreiten um nicht andere böse Dinge in den guten Stoff zu bringen...
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Beitragvon blanche_fleur » 15.07.2010, 11:23

Isa hat geschrieben:Noch ein Nachtrag @ blanche_fleur:
, die Methode ist aber sehr Kosten- und Zeitintensiv und man muss verflucht steril abreiten um nicht andere böse Dinge in den guten Stoff zu bringen...


dürfte im MA wohl kaum eine Option gewesen sein :wacky:
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Beitragvon Draca » 15.07.2010, 11:56

*hüstel* Dann bringen wir die Frage nach hochprozentigen Getränken mal in die nächste Runde: seit wann werden eigentlich Hefen, und noch dazu ausgesuchte, planmäßig gezüchtete, kontrolliert der Maische zugesetzt?

Wie bei so vielem anderen dürfen wir nicht vergessen, daß diese modernen "Hochleistungs"-Reinzuchthefen erst eine sehr junge Entwicklung sind.
Selbst heute wird teilweise noch mit Spontangärung durch Wildhefen gearbeitet, insbesondere beim Wein, aber teilweise auch -bewußt gewollt- bei einigen exotischen Bierbrauereien.

Selbst wenn Weihenstephan für sich in Anspruch nimmt, als erste planmäßig gezielt Hefen zu ihrer Biermaische zugesetzt zu haben, werden diese Hefen wohl reine Zufallsprodukte gewesen sein.
Gibt es irgendwelche glaubwürdigen Quellen, wie hoch der Alkoholgehalt früherer Getränke war?

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Beitragvon Carola » 15.07.2010, 12:27

Und den Weingeist der Antike bitte nicht mit Spiritus/Ethanol verwechseln. Was Aristoteles wusste war, dass man starken Wein kurz entzünden kann, wenn man ihn vorher erhitzt. Er hat das so interpretiert, dass der aufsteigende Stoff so etwas wie die "Seele" des Weins sei, also das, was sein Wesen" ausmache. Mit Destillation hat das erstmal noch nichts zu tun.

Zudem war Aristoteles Philosoph. Kein Naturwissenschaftler im heutigen Sinne, obwohl er naturwissenschaftliche Texte verfasst hat, die z.T. von sehr genauem Wissen zeugen. Aber gerade die Irrtümer zeigen, dass Aristoteles dieses Wissen oft unkritisch von anderen übernommen hat. Z.B. wenn er behauptet, Männer hätten mehr Zähne, als Frauen oder dass sich Zugvögel im Winter in den Sümpfen vergrüben.
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Beitragvon Kattugla » 15.07.2010, 19:38

Wilde Hefen zur Vergärung sind schon im Einsatz solange es Bier (also alkoholvergorene Getreidemaische) gibt. Und das gibts schon seeeehr lange. Bereits bei den Babyloniern, wenn ich meinen Erinnerungen an das Rätsch-Buch vom Bier glauben darf.
"Echter" Sauerteig entsteht auch heute noch bei Spontansäuerung von Roggen oder Weizen aus wilden Hefen.
Bild"Verlasse dich nie auf das Bier eines gottesfürchtigen Volkes!" (Quark)
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Beitragvon Draca » 16.07.2010, 08:59

Ja, klar wilde Hefen, ohne die würde ja garnix gehen, egal ob beim Met, Bier oder Wein. Aber wilde Hefen sind empfindlicher auf ihre Stoffwechselprodukte, sprich: den Alkohol, als einige der modernen Hochleistungshefen.
Ich hatte dazu mal was gelesen, daß u.a. der höhere Alkoholgehalt, den man heute erzielen kann, eben nur mit diesen speziellen Hefen erreichen kann, aber eben nicht mit den wilden "Feld, Wald&Wiesen-Hefen".

Deswegen war ja der Ansatz von Weihenstephan so revolutionär, der Biermaische gezielt Hefen zuzusetzen, um eine verbeserte Gärung zu bekommen. Bloß wo die ihre Hefen her hatten? :gruebel:

Nachdem die Rede von Reinzuchthefen, Schwebstoffen, stabiler Säure und sterilem Arbeiten war, wollte ich halt mal nachfragen, ob irgendwas Historisches über eine gezielte Selektion von Hefen mit speziellen Eigenschaften bekannt ist?

Das Thema geht ja auch beim Brot weiter. Es gibt röm. Rezepte, bei denen dem Teig Süßmost zugesetzt wurde, vermutlich als Starter für eine Hefevergärung.
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Beitragvon Sheela » 08.07.2013, 15:04

Susanna hat geschrieben:Meines Wissens haben es die Muselmanen erfunden, ich hab aber noch mal etwas recherchiert:

http://www.zauser.at/schnaps/geschichte/index.shtm (zuerst über die Trinkwasser-Destillation, anschließend auch Alk)

http://www.projekt-paris.uni-kiel.de/pa ... thema2.htm

*prost*



Das ist ja wirklich interessant!
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