Saufen!?

Gänsewein, Met oder Bierbrauen? Alles rund um den flüssigen Gaumenschmaus!

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Saufen!?

Beitragvon blue » 28.12.2005, 21:40

Beroharti Erstellt am 17.05.2004 - 20:34

Was gabs jetzt alles so im Mittelalter zum Gluckern?

Met? - klar
Wein? - auch klar, hatten schon die Römer und Griechen.

Bier? ????
Schnaps? ???
Liköre? ???

Wenn wir schon dabei sind, wurde im MA schon irgendwas geraucht? Tabak sicher nicht, der kam erst später nach Europa, aber wie schauts mit dem sehr nüztlichen (weil vielseitig verwendbarem) Hanfkraute aus?


Landogar Erstellt am 17.05.2004 - 22:08

Hallo!

Bier gabs auf jeden Fall, nur nunja ohne Kohlensäure. Belegbar durch einen Alamannischen Fund: In einem gebötchertem "Krug" wurden Reste von Starkbier mit Honig (zum Süßen) gefunden.

Schnäpse: erst gegen Ende des MA, die Technik des Destilierens war noch nicht bekannt...
Liköre: auch nicht dazu braucht man Zucker, und Hochprozentiges (siehe Schnäpse).

Es gibt Funde von römischen Pfeifen. Mit ihnen wurden Basilikum Salbei und andere "Kräuter" geraucht (auch getrocknete Apfelschalen etc.), des weiteren THC-haltige Pflanzen (Hanf) und Opium.

MfG Landogar



Sabine Erstellt am 19.05.2004 - 16:45

Hallo Ihr beiden,

ich geb' s ja zu. Ich trinke gerne einen oder zwei, habe ansonsten aber kaum Ahnung von der Herstellung. Wie sieht es mit Cirde aus? Oder anderen vergorenen Früchten? In irgendeinem anderen MA-Forum habe ich mal was über Pflaumenwein gelesen....???

Bald beginnt ja wieder die Beerenlese und Obsternte ....

Sabine




Flinkhand Erstellt am 19.05.2004 - 16:54

Hallo zusammen,

Cidre ist ja nichts anderes als Apfelwein, und der ist bestimmt schon sehr lange bekannt. Fruchtwein aller Art gab es doch bestimmt im MA?

Viele liebe Grüße,




Rigana Erstellt am 19.05.2004 - 17:26

Bier gabs auf jeden Fall schon. Wenn man mal bedenkt, wie alt das Reinheitsgebot bereits ist (1518, oder? ) und da das ja zur Einschränkung von evtl. unseriösen Braurezepten diente...,
z.B. gab es die Beigabe von Kräutern (Bilsenkraut ist mir bekannt), oder aber auch Bier aus etwas anderem als Hopfen, aber auch Unaussprechlichem *würg*

Ansonsten ist Bier auch schon für die keltische Zeit belegt (Cervisia). Im Buch "Experiment Hochdorf" wird auch ein Einblick ins Brauen gegeben.

Den Wein brachten die Römer schon in unsere Breiten. Das Vergären von anderen Früchten wäre demnach also auch denkbar.

Das mit dem Met ist ja geklärt...

Anti-Alkoholisches wirds bestimmt auch gegeben haben. Wasser, Milch, Tee (auch als Genussgetränk?). Gab es denn auch sowas wie Säfte, die pur getrunken wurden?

Liebe Grüße,
Rigana




<Beroharti>
unregistriert Erstellt am 19.05.2004 - 21:03

mille grazie!

Also mit Bier-, Met- und Weintrinken kann also nicht fehlliegen! Passt




Landogar Erstellt am 20.05.2004 - 14:37

Hallo

Ja unvergorenenes hat es auch gegeben!
Süßmost (aber nicht sehr lange, etwas nach der Ernte hald nur noch Sauren Most) aus Äpfeln und/oder Birnen.

Der unvergorene Saft der Birken...

... najo lässt sich alles vergären kann aber auch unvergoren getrunken werden.

Auch unvergoren, aber nicht sehr haltbar Honig wie Sirup in Wasser gelöst höllisch gut das Zeug, hab ich aber glaube ich an anderer Stelle schon geschrieben!


Mfg Lando


sabine Erstellt am 20.05.2004 - 15:23

Was auch gerne getrunken wurde, ist ein Spritzer Essig mit Wasser. Essig gab es genug, vor allem als Nebenprodukt bei der Weinkellerei. Hat sich ja bis heute überliefert: Im Restaurant wird ja noch häufig das Sprudelwasser mit einer Zitronenscheibe kredenzt.

Liebe Grüße
Sabine


Rigana Erstellt am 24.05.2004 - 22:07

Habe ich gerade am Wochenende erfahren:
Was auch noch viel getrunken wurde, war Molke, die beim Buttern und Käsen abfiel. Allerdings war diese wohl anders beschaffen als die Molke, die wir heute im Supermarkt kaufen können. Das heutige Getränk ist wohl mehr oder weniger Auszugsware, d.h. explizit als Molke hergestelltes Getränk und weniger ein Nebenprodukt der Milchwirtschaft.

Liebe Grüße,
Rigana
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Glühwein

Beitragvon Silvia » 17.01.2006, 16:57

Irgendwo hab ich mal gelesen das auch gewürzter heißer Wein gern getrunken wurde und wohl sowas wie ein Nationalgetränk war(Ich hoffe ich irre mich jetzt nicht in der Zeit).
Lab wurde auch gerne an die Kinder "verfüttert",ein Nebenprodukt aus der Käseherstellung.Wasser fand man auch gesund sofernes farblos war und nicht stank,so ähnlich stand es im Text.(lecker) :drunk:
Ansonsten heiß es wurde auch schon zum Frühstück Bier getrunken,und in einem Buch hab ich eine Abbildung von einem Bauern gesehen der Bier in einem Ledergefäß mit aufs Feld nahm.Den Geschmack mag ich mir gar nicht vorstellen.

Gelesen hab ich das im interaktiven Museum Abteilung Mittelalter,wenn ich jetzt bloß noch die Adresse wüßte.

Na denn PROST! Silvia
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Beitragvon Gisa » 17.01.2006, 18:39

Soviel mir bekannt ist, gehörte Bier mit zu den Grundnahrungsmitteln und wurde in der tat auch schon zum Frühstück verzehrt

Es wurde ja ohne hin nur 2 mal am Tag gegessen, morgens nach dem Aufstehen und am Abend vorm Niederlegen!

Es galt dann wohl die Devise, was am Abend gut das auch am Morgen gut

:question: :nixweiss:
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Beitragvon Baerbel » 17.01.2006, 18:58

Wein auf jeden Fall! - mit Wasser gestreckt.
Und das ... soweit vorhanden und finanzierbar ... reichlich!

Bei der Belagerung von Burg Thurant an der Untermosel 1246/47 - 48 sollen die ca. 1.500 Belagerer angeblich 3000 Fuder (1 Fuder = ca. 1000 Liter!!!) Wein getrunken haben. Das wären - wenn nicht jemand mit den Nullen durcheinander gekommen ist - durchschnittlich fast 3 Liter pro Nase und Tag.
Allerdings heißt es in den Urkunden auch "zwey trunkvolle Jahre", so dass das sogar stimmen kann. :dizzy:
Na denn :drunk:

Trinkt Moselwein - ist sicher "A" (wenn auch nicht jede Rebsorte)

Mein mittelalterverrückter Bruder, der tief in der MA-Literatur (und Urkunden zur Landesgeschichte) drinsteckt (meine Zeit sind ja mehr die Kelten), meinte mal, dass die riesigen Alkoholmengen, die manchmal belegt sind, daher zu Stande gekommen sein könnten, dass man das - nicht immer ganz gesunde Wasser - durch Zugabe von Alkohol (z. B. Wein) quasi "dezinfizierte". Die Leute hätten sich also keinesfalls dem dauerhaften "Vollrausch" hingegeben, sondern vor allem Wasser trinkbar (weniger gesundheitsgefährdend) gemacht.

Vielleicht noch ein Wort zu den Rebsorten. Vielleicht kennt sich ja jemand damit aus.:
Viele heute angebaute Sorten sind ja recht neue Züchtungen (z. B. der Müller-Thurgau). Den Riesling soll es wohl schon etwas länger geben. Weiß da jemand was Genaues?

An der Obermosel wird seit einigen Jahren auch wieder der "Elbling" angebaut. Das soll angeblich eine alte Sorte sein, die schon auf die Römer zurück gehen soll. - Kann natürlich auch ein Werbegag sein, um den Wein zu vermarkten. Weiß jemand was darüber?

Grüße
Bärbel
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Beitragvon Baerbel » 17.01.2006, 19:12

Ach ja, vergessen ... Apfelwein - Cidre heißt in den alten romanisierten Gegenden (z. B. in Rheinland-Pfalz) heute noch "Viez". Das soll von "vicevinum" kommen und wohl auch schon ziemlich alt (evt. röm. Zeit) sein (traditionelle Überlieferung). (Das ist aber kein MA-A-Beleg!)
Der Viez wird heute noch u. a. in den Regionen hergestellt, in denen Wein nicht recht gedeiht (z. B. in den höheren Lagen der Region) - ist aber trotzdem Trierer "Insider-National-Getränk" - neben Wein (und bis vor ein paar Jahren einheimisches Bier - solange es die Löwenbrauerei noch gab).

War keine soooo große Umstellung von Trier nach Frankfurt, obwohl der Äppelwoi etwas lieblicher ist als Viez. :biggrin:
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Beitragvon Rigana » 17.01.2006, 19:48

ooooh so'n Pörzje Viez geen de Dorscht... da kommen mir glatt die Mundartgedichte meiner alten Heimat wieder ins Gedächtnis *seufz*

Elbling soll wirklich eine sehr alte Weinsorte sein und wird nicht erst seit ein paar Jahren wieder an der Obermosel angebaut (angeheiratete Familie von Obermosel/Sauer baut den seit jeher an). Wer Elbling mal probiert hat, wird es eventuell nachvollziehen können. Dieser Wein ist verglichen mit anderen Sorten wesentlich herber. Ein paar Gewürze und/oder Mischung mit Wasser zur Abmilderung ist da durchaus denkbar.
http://www.ps-wein.de/wein_info/rebsort ... lbling.htm hier ein paar Infos

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Xia » 17.01.2006, 20:13

Hallo Rigana,

Rigana hat geschrieben: Pörzje Viez geen de Dorscht...


... Piez gegen den Durst - hochdeitsche Iwersetzung vunneme Halb-Saarlännner awer was häst "Pörzje"? Das Wort gebts in uns'rer Rechion (HOM-NK-WND) net, orrer das is schun so ald, das ich's bei uns Junge noch nie gehehrt han, orrer awer ich sprech's annerschder aus.
:D

Alla dann, Xia ;-)
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Beitragvon Beate » 17.01.2006, 20:29

Gisa hat geschrieben:Soviel mir bekannt ist, gehörte Bier mit zu den Grundnahrungsmitteln und wurde in der tat auch schon zum Frühstück verzehrt



Nur darf man sich da nicht so ein Bier wie heutztage druntervorstellen. Was da so alltaglich getrunken wurde, war Dünnbier. Da das Wasser meist verunreinigt war, wurde eben Bier (oder Wein) getrunken.

Gisa hat geschrieben:Es wurde ja ohne hin nur 2 mal am Tag gegessen, morgens nach dem Aufstehen und am Abend vorm Niederlegen!


Frühstück gleich nach dem Aufstehen bezweifel ich (vor allem nach dem ich weiss wie lange es dauert bis im Tontopf die Morgengrütze fertig ist ;-) ) zumindest fürs einfache Volk. Wenn man Bedienste hat, die früher aufstehen, ist das natürlich was anderes.

Aber das Thema gehört in den Frühstücksthread, also gegebenfalls da weiterdiskutieren.
Beate
 

Beitragvon Gisa » 17.01.2006, 22:02

@ Beate: Danke für die Info zum Dünnbier.

Da war ich mir nämlich nicht ganz sicher. Ich meine das auch so gelesen zu haben. Dort hiess es nämlich auch das Kinder Bier bekamen.
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Beitragvon marled » 17.01.2006, 22:36

Xia hat geschrieben:Ha

awer was häst "Pörzje"? :D

Alla dann, Xia ;-)



Das sind diese weißen Viezbecher, in denen du in Trier den viez seviert bekommst (Halber Liter oder so,haben so eine ganz typisch zylindrische Form und sind ziemlich dickwandig)
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