Schuhe armer Leute im 11. Jhd.

Was man sonst noch so alles braucht ...

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Beitragvon Halvor » 14.03.2006, 20:11

Also ich persönlich halte es mit meiner Darstellung so, dass ich mich auf Funde oder historische Abbildungen stütze, sofern das möglich ist, aber auch den gesunden Menschenverstand gebrauche. Jedem sollte bewusst sein, dass die wenigen Fundstücke, über die wir heute verfügen, keinen objektiven Querschnitt der damaligen Kleidung, des Werkzeugs usw. zeigen können. Mich irritiert allerdings, dass ich keinen Autor kenne, der annimmt, dass auch wirklich einfache Leute über Schuhe verfügt hätten, deswegen sage ich mal, an der Theorie dürfte wohl was dran sein.

Ich behelfe mir bei meiner Darstellung bisher mit den schon beschriebenen Lederresten und Stoffstreifen, die ich um die Füße schlage, denn dieses Material wäre selbst für einen Sklaven damals leicht verfügbar gewesen. Zwar könnte man theoretisch aus den Lederstücken einen Schuh herstellen, das erfordert allerdings ein enormes Maß an Flickarbeit. Der Schuh wäre dann kein Schutz vor Feuchtigkeit und somit wäre die Flickschusterei ein unnötiger Aufwand, mal ganz davon abgesehen, dass ja ein wendegenähter Schuh auch keine große Lebenserwartung hat.

Ich kann mir allerdings vorstellen, dass selbst ein einfacher Sklave, sofern er draußen arbeiten musste, für den Winter ein Paar einfacher - wahrscheinlich von seinem Herrn ausgemustertes - paar Schuhe gehabt haben könnte. Was nützt nämlich eine Arbeitskraft, der die Zehen abgefroren sind? Selbst wenn es keine Belege gibt, so schreibt dies aus meiner Sicht die Logik vor. Diese Schuhe würde der Knecht aber sicher nur im Notfall getragen haben, um eben diesen wertvollen Besitz zu schonen.
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Beitragvon Xia » 14.03.2006, 20:21

[ot]Sklave im 11. Jh? Sind das nicht Leibeigene oder liege ich da falsch? Und besteht nicht ein Unterschied zwischen Sklave und Leibeigener, klärt mich bitte auf :gruebel: [/ot]
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Beitragvon Claudia » 14.03.2006, 20:43

Halvor, entsprechend abgehärtete Leute können tatsächlich auch im Winter barfuß gehen. Es gibt Berichte aus dem 19. und frühen 20. Jh, daß arme Leibeigene oder Kätner Sommer wie Winter barfuß gingen. Und auch die Leute, denen es etwas besser ging, zogen Schuhe nur im Winter und sonntags in die Kirche an.
Und auch heute gibt es noch Leute, die auch hierzulande ständig barfuß gehen. In Bayern gibt es so ein Unikum, der geht das ganze Jahr über barfuß. Und ich hatte beim Studium einen Kommilitonen, der lief ganzjährig mit kurzen Hosen, T-Shirt und Jesuslatschen rum, der schien auch keine Kälte zu kennen (ok, im Winter hat er manchmal noch nen Pullover drübergezogen, das wars aber auch). Wenn man mal im Winter nach England fährt, sieht man haufenweise solche Leute. Wir standen im Februar bei ca. 4 Grad plus im Wintermantel an der Bushaltestelle und haben im pfeifenden Wind gebibbert und vor uns standen etliche Leute in kurzen Hosen, Hemd und Sandalen! Und das nicht nur einmal, sondern das waren ziemlich viele Leute!

Wenn Du als Sklave also keine Schuhe tragen willst, hieße das meiner Meinung nach: Am besten nur im Sommer darstellen und dann barfuß gehen :-)
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Beitragvon Halvor » 16.03.2006, 19:47

@ Xia:
Zwischen Sklaven und Leibeigenen besteht in der Tat ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied. Ein Leibeigener ist Herr seines eigenen Körpers, aber darf nicht frei darüber bestimmen, was dieser Körper tut. Einem Sklaven gehört nicht einmal sein Körper selbst, was dem Herren noch mehr "Rechte" einräumt, weshalb er seinen Sklaven z. B. verkaufen darf.
Bei den Wikingern war die Sklaverei lange Zeit gängig, häufig waren dies Kriegsgefangene, die man in anderen Ländern erbeutet hatte. In anderen Teilen Europas gab es auch schon Formen der Leibeigenschaft. Allerdings sind je nach Region und Kulturraum die Definitionen von Freiheit und den verschiedenen Graden der Unfreiheit unterschiedlich und fließend.

@ Claudia:
Das ist ein interessanter Hinweis. Danke! Man ist ja als Mensch der Gegenwart viele Härten nicht mehr gewöhnt. Zum Glück! Trotzdem sehe ich ab bestimmten Temperaturen vor allem in nördlichen Regionen, Grenzen. Bei - 20 °C und Wind kann die gefühlte Temperatur schnell auf - 30, - 40°C und weniger absinken. Dann wird es gefährlich. Zum Glück sind ja die Märkte in der warmen Jahreszeit, so dass ich mir keine unnötigen Sorgen um meine Füße machen muss.
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