Tätowierungen im MA

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Tätowierungen im MA

Beitragvon wurm » 15.09.2006, 14:58

Mal ne ganz doofe Frage: Wenn schon Ötzi sich tätowiert hat und ferne Kulturen das sicher auch seit Jahrhunderten betreiben, hat es dann sowas auch im MA gegeben? Ich habe davon noch nie gehört, aber man muss sich ja mal die Frage stellen. Ich denke mir, die einzigen Gründe für eine Tätowierung könnten modische und magische bzw. medizinische Gründe sein. Beide Begründungen müssten in einer christlich geprägten Welt eigentlich gar nicht vorkommen.
Vielleicht sind einige (modern) Tätowierte unter Euch, die sich deshalb schonmal mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Ich werde heute abend noch mal das Lexikon des MA konsultieren, das weiß ja manchmal sowas.
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Beitragvon steffi241 » 15.09.2006, 16:55

Hallo Wurm,

um hierauf eine Antwort zu erhalten mit der du was anfangen kannst, solltest du den Kulturkreis eingrenzen. Es gab Tätowierungen, aber die Frage ist immer wo und wer!!!
Liebe Grüße, Steffi

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Beitragvon Steve » 15.09.2006, 17:09

Ibn Fadlan beschreibt die Rus "...bis auf die Fingernägel tätöwiert". Das wäre also Früh-MA.

Die Tatoos des Similaunmannes waren wohl "medizinischer " Natur (shamanistisch, Akupunktur, whatever)

Bronzezeitlich gibt´s mehrere Hinweise zum Teil sehr aufwändiger figuraler Tätowierungen (Cherchen-Mann, vermutl. Europäer 1200 v.u.Z. im Tarim-Becken), früheisenzeitlich dann die Skythen, Latènezeitlich verschwindet´s allmälich....

MA ist´s mir mitteleuropäisch nicht geläufig!
Steve
 

Beitragvon Claudia » 15.09.2006, 17:25

Diese Frage, speziell fürs Frühmittelalter, ist im Vikingnet schon mal ausführlich diskutiert worden. Quintessenz ist: Nein.

Auch die Erwähnung von Ibn Fadlan, die gern mal rangezogen wird, war wohl eher eine Bemalung denn eine Tätowierung. Guck mal im Vikingnet, da gibts nen Riesenthread dazu.
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Beitragvon wurm » 15.09.2006, 20:32

vielen Dank für die reichlichen Hinweise! Ich muss mich da gleich mal vertiefen. Bei Vikingnet habe ich leider keine Suchfunktion gefunden, daher auch nicht den betreffenden Thread. Aber Google führte mich zu einer ähnlich gelagerten Diskussion in Tempus vivit, die sich allerdings auch ausschließlich um Wikinger drehte. Gut, Wikinger waren demnach nicht tätowiert, und I. Ibn Fadhlan schreibt ja nur über die Rus, also keine Quelle für Mitteleuropa. Ich hatte mich oben bei der Fragestellung nicht regional einschränkend ausgedrückt, meinte aber vor allem die Gegend, in der wir leben.


Der Artikel im LexMA hat mich sehr überrascht. Ich zitiere:
...In MA und Neuzeit ließen sich Christen trotz wiederholter Verbote -bereits im Alten Testament- immer wieder Kultzeichen auf Stirn und Handgelenk tätowieren. Kreuzritter und Priester kehrten aus Jerusalem mit Hautzeichnungen zurück. Der Mystiker Seuse tätowierte sich im 14. Jh. selbst den Namen Christi auf die Brust. Zur wirklichen Ausbreitung -bis in die Hocharistokratie - kam es in Europa aber erst seit dem 18. und 19. Jahrhundert.

ist ja irre:Tätowierte Priester und Ritter im europäischen Hochmittelalter- das hätte ich nicht gedacht.
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Beitragvon Beate » 17.09.2006, 19:51

wurm hat geschrieben: Bei Vikingnet habe ich leider keine Suchfunktion gefunden, daher auch nicht den betreffenden Thread.


Die Suchfunktion findest du dort, wenn du auf "Beiträge seit dem letzten Besuch anzeigen und Volltextsuche" gehst (oben rechts auf der Seite).
Beate
 

Beitragvon Pilz » 07.04.2007, 23:04

Diese Frage, speziell fürs Frühmittelalter, ist im Vikingnet schon mal ausführlich diskutiert worden. Quintessenz ist: Nein.

Auch die Erwähnung von Ibn Fadlan, die gern mal rangezogen wird, war wohl eher eine Bemalung denn eine Tätowierung. Guck mal im Vikingnet, da gibts nen Riesenthread dazu.


Leider habe ich diesen Riesenthread im Vikingnet nicht gefunden, so daß ich den Inhalt nicht kenne. Aber dennoch, Vikingnet ist nicht alles. Es gibt da nämlich Erik Reime (ich wollte schon Erich Däniken schreiben, oh mann :dizzy: ) und Colin Dale. Die beiden haben sich mit dieser Geschichte weiter auseinandergesetzt. Man findet sie auf dem Wikingermarkt im LEJRE Forsøgscenter, wo sie vor Ort tätowieren.

Mehr Infos und vielleicht auch ein Ansatzpunkt um Kontakte zu knüpfen, hier:
http://www.taetowiermagazin.de/index.php?content=310&gesamtansicht=1&layout=home.php
(das Tattoo mit dem Männeke auf dem Unterarm ist schon ziehmlich stylisch)

und hier:
http://www.tattoo.dk/
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Beitragvon Beate » 08.04.2007, 06:39

Zitat au o.a. link:

Anhaltspunkte dafür, dass bereits die Wikinger tätowiert haben, fand der gebürtige Norweger Erik Reime in einer arabischen Niederschrift, worin die Wikinger als grob, dreckig und am ganzen Körper mit Bildern bedeckt beschrieben sind. Kein Beweis, aber zumindest ein Anhaltspunkt.


Tja, und das ist aus Ibn Fadlans Text, siehe Claudias Anmerkung oben.
Beate
 

Beitragvon Pilz » 08.04.2007, 10:11

Zitate aus o.a. link:

Zudem standen die Wikinger in Kontakt mit den Skythen aus dem südlichen Sibirien. Dass dieses Reitervolk die Praxis des Tätowierens kannte, weiß man durch den 1947 im Altai-Gebirge gemachten Fund der Ruhestätte eines Anführers, der vor über 2000 Jahren gestorben war.

Auch fanden dänische Archäologen bei einer anderen Ausgrabung Nadeln, von denen man annimmt, dass sie zum Tätowieren verwendet wurden.


Bitte ganz durchlesen und nicht nur einzelne Passagen aus dem Kontext herausreißen.

Grüße
Stefan
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Beitragvon Steve » 08.04.2007, 13:54

Zudem standen die Wikinger in Kontakt mit den Skythen aus dem südlichen Sibirien. Dass dieses Reitervolk die Praxis des Tätowierens kannte, weiß man durch den 1947 im Altai-Gebirge gemachten Fund der Ruhestätte eines Anführers, der vor über 2000 Jahren gestorben war.


Also zwischen Trägern "skythischer" Kultur und den skandinavischen Völkergruppen liegen über 1200 Jahre! :idea: Soweit mal dazu. Der Autor scheint´s hier mit der Geschichte nicht allzu genau zu nehmen.... :lesen:

Aber das muß auch nichts aussagen. Es gibt bronzezeitliche (!) Funde in Bayern (!), wo man diverse Bronzenadeln als Tätowiergerät anspricht - ein Bezug zu reiternomadischen Kulturen ist hier nicht nachweisbar, zudem zur Klärung der Plausibilität irelevant.

Offenbar einer von den Techniken, welche sich nicht aus der Erfindung einer einzelnen Kulturgruppe linear entwickelt und auf nicht weiter faßbaren Wegen verbreitet hat, sondern vielerorts zu verschiedenen Zeiten gesondert aufkam.

Bitte ganz durchlesen und nicht nur einzelne Passagen aus dem Kontext herausreißen.


Sollte man eh nie machen - aber ich habe da noch einen anderen Tipp:

Nicht gleich alles sklavisch glauben (wollen), nur weil´s der eigenen Idee zuträglich sein könnte! ;-)
Steve
 

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