Gepanzerte Reiterei - Tortur für das Tier?

Was man sonst noch so alles braucht ...

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Beitragvon Tjorven » 27.02.2007, 14:08

marled hat geschrieben:Norweger sind übrigens nicht so "a" wie man das glauben möchte, da sie als Rasse erst vor ein paar dutzend Jahrzehnten so gezüchtet wurden.


Neee. Fjordpferde gelten sogar als Vorfahren der Islandpferde, die von den Wikingern mit auf die Insel gebracht wurden. Es gibt allerdings erst seit 1907 in Deutschland eine vorgeschriebene Reinzucht ohne Einkreuzung anderer Rassen, eine planmäßige Zucht mit Zuchtbuch in Norwegen [/b]um 1820.

Die heutigen Fjorpferde stammen hauptsächlich von den Pferden ab, die in der Wikingerzeit und früher in der Gegend von Westnorwegen (vestland) heimisch waren und gelten als eine der ältesten Pferderassen Europas. Die ersten bildlichen Darstellungen von Fjordpferden reichen in das 7. Jhd. zurück.
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Beitragvon Beate » 27.02.2007, 15:34

Silvia hat geschrieben:Was ich mich schon immer gefragt hab ist,Pferde sind doch so schreckhaft,wie konnte das in einer Schlacht überhaupt gehen?


Kriegspferde waren schon allein deswegen so wertvoll, weil sie eine besondere Ausbildung bekamen.

Bei der Veranstaltung in Werla (2005) wurde vorgeführt, wie man einem Pferd z.B. beibringt einem Schildwall zu durchbrechen statt davor zu scheuen. Das waren u.a. diese Darsteller mit ihren Pferden: http://www.timetrotter.de/
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Beitragvon marled » 27.02.2007, 16:40

Tjorven hat geschrieben: Es gibt allerdings erst seit 1907 in Deutschland eine vorgeschriebene Reinzucht ohne Einkreuzung anderer Rassen, eine planmäßige Zucht mit Zuchtbuch in Norwegen [/b]um 1820.


Ja, Tjorven, das meinte ich natürlich. Norweger als Rasse mit definiertem Rassestandart und ohne Fremdeinkreuzung anderer Rassen oder gar Ver(schlimm)besserung durch Araber, Vollblüter oder schwere Zugrassen gibt es halt noch nicht so lange.
Im übrigen ist durch neueste genetische Untersuchungen erwiesen, dass die Verwandschaft der Isländer mit dem modernen Fjordpferd sehr viel geringer ist als immer angenommen. Dagegen ist eine enge genetische Beziehung zum Shetland-Pony und zum Lyng-Hesten erwiesen, einer noch in Restpopulationen erhaltenen norwegischen Pferderasse.

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Beitragvon Dvergr » 27.02.2007, 16:55

Hab mal ne Doku über Kriegspferde gesehn. Speziell in der Neuzeit, bis hin zum 1. Weltkrieg... das würde ich keinem Pferd antun wollen :-|

Die armen Tiere wurden so lange mit lautem Krach durch brennende Strohballen hin und her manövriert, bis sie völlig desensibilisiert waren, und ihr Wille praktisch gebrochen...

Also da hört bei mir das Authentizitätsbewusstsein auf...

Aber wie gesagt, als FrüMi hat mans leichter... da waren ja Pferde eher ein seltenes Transportmittel... jedenfalls vor Hastings.
(Aber die Mongolen würde ich da mal raushalten. Die ham die Tiere nämlich auch nicht aus dem Kampfgeschehen rausgehalten...)
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Beitragvon Lis » 27.02.2007, 17:52

Hm, zum Thema "was kann ein Pferd ohne Schäden tragen": Ein entfernter Bekannter von mir bringt locker 150 - 180 kg (so genau weiß das keiner...) auf die Waage, und bis vor gar nicht so langer Zeit meinte er, er müsse unbedingt reiten. Sein Pferd war ein eher urtümlicher, großer und kräftiger Oldenburger, und schien damit keine großen Probleme zu haben. Lange Strecken im Gelände sind aber natürlich etwas anderes als eine Reitstunde in der Halle...

Und ja, Pferde sind von Natur aus sehr schreckhaft. Aaaaber - man muss nicht unbedingt "ihren Willen brechen" oder ähnliches, damit sie angesichts von Feuer und Lärm nicht ausrasten. Es geht auch anders, nämlich mit Vertrauen, einer entsprechenden "Pferdesprache" anstelle von Druck und Strafen, und viel, viel Training.
Wie die Jungs das im Mittelalter gemacht haben, weiß man glaub ich nicht so ganz genau. Aber ein Pferd, welches geradezu vergewaltigt wurde, damit es in einer Schlacht nicht gleich kehrt macht, taugt als Schlachtross auch nicht ganz viel. Ein Pferd, dass -trotz Panik- auf Krach gar nicht mehr reagiert, reagiert unter Umständen auch nicht mehr auf seinen Reiter...
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Beitragvon Dvergr » 27.02.2007, 18:16

Hm... da könntest du wohl recht haben.

Aber ich denke, angenehm ist es trotz alledem sicherlich für kein Pferd. Also ich würds meinem (hypothese... hab zZ keines^^) Pferd nicht antun. Vor allem da's für meine Darstellung nicht notwendig ist :wideeyed:

Ich freu mich schonmal, dass es ein Pferd aushält, wenns mich mit Kettenrüstung transportieren kann :-)
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Beitragvon Lirana » 27.02.2007, 21:33

Ich bin vor Jahren in der aktiven Reiterei mal in einem Karnevalszug mit geritten. Wir haben wochenlang in der Reithalle die Pferde "vorbereitet" mit allem was der Reitstall hergab. Von trommeln auf Zinkbadewannen bis Luftballons, Schreckschusspistolen, Fahnen, schreienden Kindern alles durchprobiert. Regelmäßig drehten dir Pferde in der Halle durch. Wir sahen schon dunkelstrot für den Umzug. Und siehe da: die Pferde haben das locker weggesteckt ohne Doping, auch Engpässe in der Zugführung mit viel Publikum. Sicher gibt es bei den großen Umzügen den ein oder anderen Reiter, der sein Pferd "zufüttert" Anderseits müssten sämtliche Polizeipferde ständig unter Medikamenten stehen wenn man die Randale an Fußballplätzen oder anderes sieht. Es ist auch eine Frage der Ausbildung und vor allem dem bereits Vorhersondieren.
Zum Gewichtreiten: Manchmal kann ein leichter Reiter von etwa 50 kilo einem Pferd mehr Rückenschaden durch ständiges Plumpsen ins Kreuz zufügen als ein Reiter mit 100 Kilo, der Rücken schonend reitet. Gerade auf langen Distanzstrecken. Zudem ist (meiner Erfahrung nach) ein hochgezüchtetes Vollblut von großer WRH anfälliger für einen kaputten Rücken als ein kleineres quadratisches Pferd.
Zuletzt zurück zu kommen auf den Willen des Pferde. Wenn ich mir die Abbildungen der gefundenen Kandarenstücke aus dem Fockemuseum bzw aus dem Begleitbuch anschaue, blieb den armen Pferden wohl nichts anderes übrig als zu gehorchen. Und das wird auch heute in der Sportreiterei leider noch häufig genug genauso getrieben. Je schärfer die Zäumung um so williger das Pferd. Leider :-(

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Beitragvon Tjorven » 28.02.2007, 08:54

marled hat geschrieben:
Tjorven hat geschrieben: Es gibt allerdings erst seit 1907 in Deutschland eine vorgeschriebene Reinzucht ohne Einkreuzung anderer Rassen, eine planmäßige Zucht mit Zuchtbuch in Norwegen [/b]um 1820.


Ja, Tjorven, das meinte ich natürlich. Norweger als Rasse mit definiertem Rassestandart und ohne Fremdeinkreuzung anderer Rassen oder gar Ver(schlimm)besserung durch Araber, Vollblüter oder schwere Zugrassen gibt es halt noch nicht so lange.Marled


Dann ist aber gar keine Rasse älter als 200 Jahre :biggrin: ...

und das mit den Araber war definitiv ein (sehr kurzes!) neuzeitliches Experiment. Die Kreuzung mit Döle-Hengsten begann im 19. Jhd. und wurde von traditionellen Züchtern abgelehnt und deswegen wieder aufgegeben. Und mit dem Lyngspferd ist das Fjordpferd ebenfalls eng verwandt.

Einigen wir uns darauf, dass die Vorfahren der modernen Isländer, Fjordis, Gotlands und so weiter die Wikingerpferde waren und diese Pferde heute relativ wenig verändert sind. Und deswegen für eine Darstellung brauchbar, weil man ja auf das zurückgreifen muss, was man vorfindet.

Es ging ja um die Eignung von vorhandenen Rassen und auch der Haflinger vom traditionellen Schlag entspricht den "Maßen" der mittelalterlichen Pferde, die Rasse ist allerdings in der Tat noch sehr jung (1874).

Ich will ja jetzt mal hoffen, dass hier niemand auf die Idee kommt, sich völlig planlos auf ein Pferd zu setzten und eine Schlacht nachzustellen :dizzy: , um ein Pferd für sowas wirklich gut auzubilden setze ich mal locker 5 bis 10 Jahre an, das geht nicht mit Nachbars Hafi der sonst ja eh nur rumsteht...

Da der Reiter die Hände frei haben muss (logischerweise), sollte das Pferd allein mit Gewicht und Schenkelhilfen im Galopp zu lenken sein - und zwar sehr präzise. Dieser Ausbildungsstand ist schon schwierig zu erreichen. Dazu kommt das benötigte Vetrauen um in schwierigen Situationen den Fluchtinstinkt zu unterdrücken, das kommt auch nicht von heute auf morgen, ebensowenig wie die Kondition um das Gewicht zu schleppen.

Also, fangt schon mal an... :biggrin:

Ach so, sehr interessant ist dazu vielleicht auch die Arbeit von Dr. Marcus Junkelmann, ist zwar kein Mittelalter, aber die haben eine Menge auf die Beine gestellt und ausprobiert:

Die Reiter Roms. Teil 1, Reise, Jagd, Triumph und Circusrennen, von Zabern, Mainz 1990 (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 45) ISBN 3-8053-1006-4

Die Reiter Roms. Teil 2, Der militärische Einsatz, von Zabern, Mainz 1991 (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 49) ISBN 3-8053-1139-7

Die Reiter Roms. Teil 3, Zubehör, Reitweise, Bewaffnung, von Zabern, Mainz 1992 (Kulturgeschichte der antiken Welt, Bd. 53) ISBN 3-8053-1288-1
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Beitragvon Sturmkuchen » 28.02.2007, 09:06

Hallo Dvergr!

Was das Reitergewicht betrifft habe ich mal einen Tierarzt und einen Ausbilder gefragt. Es gibt ja die Aussage, dass Kaltblüter eher zum Ziehen genutzt werden sollten, kleine kompakte (z. B. Shetlandponys) eher Gewicht tragen dürfen.
Tatsache ist, dass es zum einen - wie Lirana schreibt - auf einen schonenden Sitz ankommt, zum anderen auf den Muskelaufbau im Rücken durch entsprechende Gymnastizierung.
Pferdekörpertechnisch heißt das: Der Rücken wird durch Bänder gehalten; je nach der Kopfhaltung des Pferdes heben die Bänder den Rücken oder senken ihn.
Gehobener Kopf bedeutet, der Rücken wird nach unten durchgedrückt, die Wirbel stoßen aneinander und der Rücken ist ziemlich schnell kaputt, wenn da noch ein Reiter drauf sitzt. (Erschreckte Pferde heben auch den Kopf möglichst hoch, um besser sehen zu können - ohne Reiter halb so wild).
Damit das Pferd den Rücken aufwölbt (= hebt), müssen die Bänder gestreckt werden. Das passiert, wenn der Hals des Pferdes vorwärts abwärts etwas eingerollt wird. Nicht zu verwechseln mit dem fertigen Bild eines versammelten Pferdes, das den Hals dann etwas höher trägt!
Mach mal den Versuch; sobald der Hals einrollt, hebt sich der Pferderücken um einige Zentimeter!!
Ist diese Übung für das Pferd neu, ist es in etwa so, als würden wir anfangen bei Tisch gerade zu sitzen: sieht einfach aus, aber die Muskeln werden schon beansprucht. Also immer mal wieder versuchen und das Pferd nicht sofort so zusammen ziehen (= vorne halten, hinten treiben). Ziel ist es ja, dass das Pferd sich von selbst trägt. Wenn du das nicht sowie so schon weißt .... :blush:
Bei einem quadratisch gebauten Pferd ist das alles natürlich einfacher. Und dann passt auch eine Rüstung.

z. B. sind Highlandponys dazu verwendet worden, das geschossene Wild ins Tal zu tragen. Ein ausgewachsener mittelgroßer Highlander wiegt 450 bis 500 kg, drei Stück Wild in etwa 350 kg.

Mongolen: Die mögen vielleicht gut reiten = sitzen können, aber die letzten aktuellen Aufnahmen, die ich gesehen habe zeigen, dass sie ihre Pferde weder gut ausbilden noch korrekt reiten (hochgerissene Köpfe, offene Mäuler etc.).
Und ein Großteil der bekannten Rittertruppen dürfte auf meinem Turnier sowieso nicht reiten.

Solltest du jetzt mehr Fragen haben als vorher: immer her damit! :devil:

Liebe Grüße
Sturmkuchen
Normalerweise fragen die höflich, bevor sie uns ignorieren und tun, was ihnen in den Kram passt. (Jack O'Neill)

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Beitragvon Dvergr » 28.02.2007, 09:53

Hallo Sturmkuchen!

Danke für die Antwort! Die Idee, dass es sehr von der "Gymnastizierung" abhängt, hatte ich auch schon, aber ich hatte das noch nicht in Verbindung mit der Stellung des Halses/Kopfes gebracht. Eigentlich ganz logisch, wenn man sichs mal so vor Augen führt :wideeyed:

"Wenn du das nicht sowie so schon weißt .... :blush: "
Nein, keine Sorge. Hab zwar einige Jahre lang ziemlich häufig, und (meiner Meinung nach) recht gut geritten, aber bin sicherlich kein Fachmann auf dem Gebiet :-]
(Obwohl ich die Hoffnung nicht aufgeb, dass ich irgendwann mal mehr Zeit (und Geld^^) haben werde, um mich dem Hobby wieder mehr zu widmen, und vll mal ein eigenes Pferd haben werde)

Und zum schonenden Sitz: An den hatte ich jetzt eigendlich noch gar nicht explizit gedacht. Aber wenn man das nicht halbwegs kann, kann man dem Tier auch ohne Rüstung, schon allein durch das eigene Körpergewicht genug Schaden zufügen, deshalb nahm ich das nun mal als Grundvoraussetzung fürs Reiten an sich^^


Jedenfalls Danke an Alle, für die vielen und guten Antworten :wideeyed:
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