Sumpfkalk

Was man sonst noch so alles braucht ...

Moderator: Moderatoren

Sumpfkalk

Beitragvon Klara » 12.04.2010, 11:57

Ist ein bisschen ab von den normalen Themen, aber vielleicht kennt sich hier jemand damit aus: Warum liest man von so wahnsinnig langen (25 Jahre für "Kirchenkalk") Lagerzeiten für Sumpfkalk? Bzw. was ist Sumpfkalk denn genau (ungelöschter Kalk mit Wasser, denke ich - aber Kalk in welcher Form und wieviel von jedem?)?

Bei mir ist das Kalkpulver (aus dem Agrarhandel) mit der ca. zweieinhalbfachen Wassermenge nach 12 bis 24 Stunden so gelöscht, dass der Putz an der Wand klebt und Spritzer im Gesicht nicht mehr brennen. Was will ich mehr? Jemand, der Künstlerbedarf verkauft, hat mir erzählt, dass der Kalk für Frescos auch monatelang abgelöscht wird. Warum?

Danke! Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon perchta » 12.04.2010, 13:22

Ich habe auf Rat eines Malerfreundes unseren Kalk zum Aussenwände streichen ein Jahr lang eingesumpft. Ich finde, es hat ein bisschen gegoren. Ob und wie da ein chemischer Prozess stattfindet, weiß ich nicht.
Laut dem Maler soll die Länge des Sumpfens die Länge der Haltbarkeit positiv beeinflussen.

lg Perchta
Webst du schon, oder ziehst du noch auf?
Benutzeravatar
perchta
Jungfer / Knappe
Jungfer / Knappe
 
Beiträge: 70
Registriert: 12.03.2006, 20:37
Wohnort: Üxheim/Eifel

Beitragvon Elmar » 13.04.2010, 09:17

Hallo Klara,
den "Kalkkreislauf" hier aufzudröseln möchte ich dir und mir ersparen. Aber bei der langen und frostfreien, mit Wasser bedeckten Lagerung wird der Luft- oder Sumpfkalk immer besser. Dass wird gemacht damit auch die letzten Kristalle gelöscht sind. Vorteile sind bessere Vearbeitung da geschmeidiger, bessere Haltbarkeit und größere Leuchtkraft.
In der Denkmalpflege ist 1/2 Jahr einsumpfen Minimum.

Beim ablöschen des Kalks sollte man schon etwas Achtsam sein. Das kann recht gefährlich werden wenn das Löschwasser anfängt zu kochen (Reaktion) und die Lauge sprizt. Das ist bei vielen Maurern ins Auge gegangen. Auf Versuche bis es auf der Haut nichtmehr brennt würde ich verzichten

Elmar
Elmar
Dame / Ritter
Dame / Ritter
 
Beiträge: 153
Registriert: 25.08.2007, 22:09
Wohnort: bei Paderborn

Beitragvon Klara » 13.04.2010, 12:17

Elmar, für wie bescheuert hältst du mich? (Arbeiten mit ungelöschtem Kalk dient der natürlichen Selektion... weshalb sein Verkauf im französischen Baustoffhandel verboten ist. Gibt eh schon zu wenig Maurer.) Wenn ich Kalk lösche, trage ich Overall, Schutzbrille, Staubmaske und Handschuhe. Und ich lösche in Kleinmengen, Schäufelchen für Schäufelchen, in einer stabilen Metallschubkarre. Auch zur weiteren Verarbeitung trage ich schöne stabile Maurer-Gummihandschuhe (das für eventuelle Nachahmer - der Agrarkalk kostet nämlich nur die Hälfte vom Baukalk und bei Abnahme von 2 t wird's noch mal 30 % billiger - hier in F).

Aber wie man Spritzer vermeidet, wenn man so einen kalkbreigetränkten Hanfklumpen an die Wand wirft, habe ich noch nicht rausgefunden. Und wie man bei Schmutzarbeiten sauber bleibt, auch nicht :(

Den Kalkkreislauf kenne ich - ich verstehe nur nicht, warum das Löschen 6 Monate bis 25 Jahre dauern soll. Dass das Aushärten Ewigkeiten dauert, brauche ich nicht zu verstehen - das erlebe ich jeden Tag wieder.

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Regilla » 13.04.2010, 13:17

Liebe Klara,
Wenn mein schlaues Buch stimmt, verändert sich Sumpfkalk chemisch nicht, man könnte ja annehmen, dass Kohlendioxid aus der Luft mit dem Kalk reagiert. Das ist wohl nicht der Fall. Es liegt aber ein Gleichgewicht zwischen gelöstem und ungelöstem Kalk vor, das bedeutet, dass ständig Teilchen zwischen der festen und der flüssigen Phase ausgetauscht werden. Wenn so etwas lange genug Zeit hat und oft genug stattfindet, dürften sich so Vorgänge zwischen einzelnen Ionen auch für uns spürbar und bemerkbar werden. Die Oberflächen der Kalkkörnchen und ihre Größe wird gleichmäßiger werden, das dürfte der Grund für die bessere Qualität sein.
Bau- und Gartenkalk unterscheiden sich vor allem in ihrer Reinheit, ob der Kalk zu 95 oder zu 90% aus Kalk besteht ist schon ein Unterschied.
Das Aushärten dauert so lange, weil das Calciumhydroxid mit Kohlendioxid aus der Luft reagieren muss und das ist mit unter einem Prozent in der Luft enthalten.
Liebe Grüße,
Regilla
Benutzeravatar
Regilla
Gräfin / Graf
Gräfin / Graf
 
Beiträge: 569
Registriert: 06.07.2009, 07:29

Beitragvon Klara » 14.04.2010, 13:18

Hi Regilla,

wie heisst dein schlaues Buch? Hier ist der für mich wichtigste Unterschied gelöscht/ungelöscht - die Zusammensetzung meines Kalks ist 92 % CaO und 1 % MgO - so lange er den Hanf an die Wand klebt, ist mir das egal. Wie's auf längere Zeit aussieht, schreibe ich euch in 10 Jahren.

Nach dem, was du übers Aushärten schreibst, würde es wohl helfen, sich möglichst viel in den Räumen aufzuhalten, wenn der Putz noch feucht ist, oder? Muss ja sowieso sein - Fliesen, Decke vergipsen und streichen, etc...

Nach meinen bisherigen Erlebnissen (ich pantsche seit ein paar Wochen) denke ich, dass Kalk umso länger sumpfen muss, je mehr es ist, je weniger Wasser man nimmt und je weniger umgerührt wird. Und die früher üblichen Kalkgruben waren wohl um einiges grösser als meine Schubkarre.

Und kann's sein, dass sich der Kalk dann im Lauf der Zeit nach unten absetzt? So dass man nur das Wasser obenauf abschöpfen muss und dann hat man einen zähflüssigen Brei für Sandmörtel? Ich hab' heute nämlich mal den Kalk verarbeitet, der sein einer guten Woche in der Mülltonne ruht, und der ist für meine Zwecke glatt zu fest. Allerdings weiss ich nicht mehr, welches Mischverhältnis ich damals hatte - kann sein, dass der von Anfang an "trockener" war.

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38

Beitragvon Regilla » 15.04.2010, 07:17

Liebe Klara,
Wenn Du ein Buch suchst, in dem alles verständlich und übersichtlich erklärt ist, muss ich Dich leider enttäuschen. Ich hab die Infos aus verschiedenen Büchern. Die Prozesse, die beim Kalk ablaufen, sind kurz und knapp, eigentlich nur Reaktionsgleichungen in ,,Industrielle anorganische Chemie", etwas zur Reinheit steht in Römps Chemielexikon und die Info, dass Sumpfkalk sich nicht verändert ist bei www.kremer-pigmente.de online-shop und Suchbegriff Sumpfkalk und unter Details zu finden.
Die Überlegung mit dem Gleichgewicht gelöster/ungelöster Kalk kommt aus der Denkweise, die man während eines Chemiestudiums lernt, man muss viel über Löslichkeiten und den Vorgängen, die damit zusammenhängen, lernen. Das mit dem besser werden vom Supfkalk mit der Lagerdauer ist nur eine theoretische Überlegung, aber Deine Beobachtungen, dass es mit mehr Wasser besser geht, spricht dafür, dass es richtig sein könnte, denn mehr Wasser bedeutet mehr gelöster Kalk und somit mehr Austausch zwischen gelöster und ungelöster Phase. Umrühren tut dem Austausch auch gut, je mehr Kontakt zwischen Flüssigkeit und Feststoff ist, desto besser, vielleicht breite flache Wanne, statt hoher schmaler Tonne. Und natürlich setzt sich ein Feststoff mit der Zeit unten ab, man kann wieder mit Wasser aufgießen, wenn man oben etwas wegnimmt.
Liebe Grüße
Regilla
Benutzeravatar
Regilla
Gräfin / Graf
Gräfin / Graf
 
Beiträge: 569
Registriert: 06.07.2009, 07:29

Beitragvon Klara » 15.04.2010, 12:48

Du hast mich verstanden - am liebsten hätte ich "Kalk für Dummies". Aber die Seite von Kremer Pigmente ist auch schon recht hilfreich. Und da gäb's sogar ein Buch zum Thema Kalkputz - 70 Euro finde ich allerdings etwas übertrieben. Vor allem, weil's bei mir ja auch ohne Buch funktioniert - oder funktionieren würde, wenn gestern nicht der Hanf für die zweite Schicht ausgegangen wäre.

Das Matschen macht übrigens enormen Spass!

Ciao, Klara
Klara
Freifrau / Freiherr
Freifrau / Freiherr
 
Beiträge: 470
Registriert: 29.12.2005, 11:38


Zurück zu Dies & Das

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast