Zelte bemalen?

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Zelte bemalen?

Beitragvon wurm » 11.06.2006, 20:41

Ich hatte neulich eine Diskussion darum, ob man Zelte (in diesem Fall 13. Jahrhundert) bemalt hatte. Die Fragestellerin meinte, daß der Unterschied vom grauen Leinenzelt zum perlenbestickten Königszelt doch auch Zwischentöne zugelassen haben muss. Also empfahl ich ihr, mal unseren Thread Zeugdruck
zu lesen. Ok, fertig genähte Zelte sind dann aber doof zu bedrucken, sie meinte man könnte es doch auch bemalen.
Hmm, nach Ploss entwickelte sich der Zeugdruck zwar aus dem primitiven Bemalen von Stoff, aber das geschah in der Antike. Fürs HoMi kenne ich nichts an bemalten Stoffen. Also klar ist das machbar, aber gibt es dafür Belege?
Kann hier irgendjemand weiterhelfen?
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Beitragvon Sleipnir » 12.06.2006, 12:06

Ich würde die Frage gern noch etwas weiter fassen. Wie sieht es denn aus mit dem Besatz durch Borten etc.? Gibt es dafür eventuell Belege? Bei Borten denke ich auch vor allem an bestickte "Bordüren".

LG Sleip
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Beitragvon wurm » 12.06.2006, 15:15

Mein zweiter Gedanke zur möglichen Verzierung ging auch in die Richtung Borten. Dazu sind die Dinger schließlich da, nur bei den erforderliche Meterzahlen wird mir schwindelig. Das Problem mit den Nachweisen- solange man kein Originalzelt findet-, ist halt immer wieder, wie man eine Abbildung interpretiert. Und Zelte mit Streifen, die Borten sein könnten, habe ich schon irgendwo gesehen. Aber das beweist ja nichts, es könnte ja ebenfalls gemalt, gestickt oder eingewebt sein.
Nur wäre ich von meinem historischen Empfinden her bei Borten nicht so übertrieben skeptisch, denn diese Lösung scheint mir eigentlich sehr einleuchtend. Zumal eine Verstärkung des Zeltstoffes an der Unterkante, entlang der Öffnung, kurz überall wo Schnüre daran zerren, ohnehin geboten ist. Statt diese Verstärkung mit Leinen auf Leinen zu machen, böten sich Borten ja regelrecht an.
Da müsste man die einschlägigen Illuminationen mal durchsehen, ob farbige Streifen genau an diesen Stellen abgebildet werden, das wäre dann schon fast als "Beleg" zu werten...
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Beitragvon branwen » 12.06.2006, 17:27

Bei dem Zunftzelt in Basel aus dem 17. Jh sind auf die Nähte blaue Verstärkungen aufgenäht: http://www.greydragon.org/pavilions/basel.html

Wenn ich mir dagegen frühere Abbildungen z.B. die Darstellung einer hussitischen Wagenburg im Mittelalterlichen Hausburg anschaue, gehe ich eher davon aus, dass es aufgemalt ist. Da enden die Linien über den Nähten in so ner Art gotischen Bögen. (find jetzt leider grad kein online-Bild davon)

liebe Grüße

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Beitragvon wurm » 12.06.2006, 17:36

ich habe gesehen, daß die Tempus-vivit-leute dieses Thema auch schon hatten (hier)
und dort auch viele Links auf Bildsammlungen zu Zelten führen:
hier, bzw hier.

Das ist schonmal eine gute Grundlage, und bis ich dieses Material durchgesehen habe, sage ich vorerst nichts mehr.
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Beitragvon wurm » 21.06.2006, 19:11

aha, Zelte HATTEN Bortenauf den Nähten, hier der Nachweis aus Parzival 129,18:

Da was anderhalp der plan
Mit eime gezelt geheret,
Groz richeit dran gekeiret.
Von drier varwe samit
Es was, hoch unde wit.
Uf den naeten lagen borten guot.
Da hienc ein liderin huot,
Den man drüber ziehen solte,
Imme swene es regenen wolte.
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Beitragvon Mel » 06.08.2006, 17:33

Hm ist denn ein Auszug aus einer Erzählung, die sich naja doch ein wenig übertrieben anhört wirklich ein Beleg? Da habe ich Zweifel, wobei die Haltbarkeit von Köperbändern dafür Spräche. Da es vorstellbar ist, dass die damals auch schon drauf gekommen waren das man Köper mit der "Zwei-Pack-Methode" recht flott weben Kann, würde es in Relation zu der Herstellungsdauer des Stoffes auch nicht übermäßig lange dauern da eben noch Bänder dazuzuweben. :gruebel: wieso ich da drüber nachdenke? Ganz einfach, ich hege die Absicht mir ein schönes Verziertes Zelt zu bauen. Und naja *hust* ich bin evtl so närrisch es eben auch mit Borten zu verzieren... oder eben zu Bemalen/ bedrucken.

Es soll zeitlich eher ins frühe 15. Jhd passen, und aus dieser Zeit habe ich in der Ausstellung " Freie Bürger - Ferne Welten" einige Beispiele für bemalten als auch für bedruckten Stoff gesehen..... Nur wird es in der Zeit wieder eng mit den Borten, wobei ich mich an einen Gürtel aus Italien erinnere der , glaube ich, aus dem Fünfzehnten Jhd. stammt, uni Köper mit Metallbeschlägen. Tja öhm ich wollte diese überlegungen hier nur mal so in den Raum stellen, da ich zur zeit leider keine Leutchen habe mit denen ich das in Echt diskutieren Könnte. Die meisten meiner Bekannten sind eher auf Fantasy geeicht, da fehlt es dann an Interesse für solche Details.

Für jede Anregung dankbar...

Mel

ähm die Obigen Links kenne ich, aber zu einer letzten Entscheidung konnten mich die Inhalte nicht führen.
Gruß

Mel
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Beitragvon wurm » 11.08.2006, 17:56

öhm, übertrieben sind die Heldensagen natürlich oft, aber sie sind dennoch als Quelle sehr interessant Und wenn dort von einem Zelt aus dreifarbigem Samit geredet wird, dann ist das nicht übertrieben, sondern zeitgemäßer Prunk eines Menschen, der es sich leisten kann.
Ob die Borten köpergebunden sind, wurde nirgends gesagt. Aber wenn, dann verwechsle das bitte nicht mit dem unglücklich gewählten Begriff "Köper", der sich unter Brettchenwebern leider durchgesetzt hat. Brettchenköpern hat mit Köperbindung gar nichts zu tun.
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Beitragvon Mel » 13.08.2006, 23:24

Ich bin mir bewusst das die Sagen als Quelle sehr interressant sind. Nicht zuletzt deshalb habe ich mich ja ein bischen mit Mhd. beschäftigt.

Das "köper" beim Brettchenweben nur als Notname verwendet wird, weiss ich .
Zumal du es hier in diesem Forum an anderer Stelle auch schon so ein bis Zweimal erwähnt hast ;-) .

Ich kam nur deshalb darauf, weil sich die sogenannten "Köperbänder" in ihrer Festigkeit nur wenig von den heutigen Industriell hergestellten Bändern unterscheiden die bei einigen Fertigzelten als Nahtbänder eingesetzt werden.

Und bei aller Prunksucht unserer Vorfahren, ich denke das sie es dennoch zu Schätzen wussten, wenn sie nun schon inZelten schlafen mussten, dass diese dann auch wetterfest waren. Darum eben die Überlegung meinerseits das die "borten gout" nicht nur Dekorationszwecken gedient haben könnten sonden evtl auch die Stabilität erhöhen sollten. Das würde immer noch nicht heißen, dass es nun brettchen gewebt war, zumal mir eben nicht klar ist wie geläufig das Brettchenweben unseren Vorfahren insgesamt war. Das es heutzutage inflationär oft verwendet wird ist mir schon klar. :gruebel:

Nun ja ich fasele, darum sollte ich nun doch mal ins Bett... zumal der 30 Stunden tag leider noch nicht erfunden wurde. :buhaeh:
Gruß

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Beitragvon Farfús Gunnarson » 09.07.2007, 21:07

Seyed gegrüßt

Ich habe eine Frage zur Zeltbemalung question mit was für Farben kann
ich mein Zelt bemahlen ohne das die Imprägnierung darunter
leidet und welche Farben halten am besten. Für eine Antwort würde ich mich
freuen.

Grüße Farfus Gunnarson
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