Zelt imprägnieren

Alles rund um das Nähen und den Bau von Zelten findest du hier.

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Beitragvon Beate » 04.04.2005, 18:03

Ich traute mich ja schon gar nicht zu schreiben (schliesslich habe ich noch keine Erfahrung damit), aber...
ich meinte eigentlich auch das die von selber dicht sind (der Stoff quillt doch bei Nässe auf), jedenfalls steht das überall. Von Imprägnieren höre ich zum ersten Mal. Kann mich mal jemand aufklären: wann muss man denn ein Zelt imprägnieren? Hält nur eine Zeltplne aus ganz dickem Leinen dicht?
Beate
 

Beitragvon Robode » 04.04.2005, 21:52

@Beate:
Nun, wenn man das Zelt gerade irgendwo stehen hat, kann man es ja mal einfach so ausprobieren, ob es dicht ist. Aber wenn ich darin nächtige, dann muss es entweder schon erpobt sein, oder vorher imprägniert.

Gruß
Der Robode
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Beitragvon David » 05.04.2005, 10:59

Hallo,

Leinenzelte dichten sich selbst ab. Das funtioniert aufgrund der Quelleigenschaften der Zellulosefasern.
Bei Feuchtigkeit zieht die Leinfaser das Wasser in sich auf und vergrößert dadurch ihren Querschnitt. Die Folge davon ist, daß die Webzwischenräume sich schließen und das Zelt ist dicht. Durch das Aufquellen geht natürlich Länge verloren und die Zelthaut sitzt wie ein Trommelfell. Das verhindert zusätzlich das Eindringen von Wasser weil die Haut nirgens "durchhängt" und sich Pfützen bilden. Im Grunde passiert das mit jedem Stoff aus Pflanzenfasern, egal wie stark er ist. Allerdings bei feinen Geweben und bei Baumwolle nicht in ausreichendem Maße.Ich denke Leinen oder Hanf (Baumwolle oder Synth. schliesse ich einfach aus "gewissen" Gründen hier mal aus) sollte nicht unter 500gr/m² für Zelte verwand werden. Wichtig dabei ist aber auch eine gewisse Neigung der Zeltwände damit das Wasser ablaufen kann. Bei "Marktständen" o.ä. mit Flachdach hilft nur Chemie...
Nach meiner Erfahrung ist so ein Leinenkegelzelt (Hanf geht wohl auch) nicht nur historisch nachweisbar, sondern auch noch ungemein praktisch und... vor allem dicht bei allen Wetterlagen!
Ja, unsere Vorfahren wussten schon was sie wie, warum taten...

Gruß,
David
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Beitragvon perchta » 15.03.2006, 17:22

Hallo,

in den ersten Jahren haben wir für unsere Zelte auch nur Leinengewebe (Köperbindung) benutzt. Das dickste war ca. 400 g/qm, allerdings ist das sehr schwer und bei größeren Zelten kann ich die Plane nicht mehr bis auf den Platz tragen. Eine Imprägnierung gegen Regen war auch bei 330g nicht nötig, wenn die Spannung ausreichend ist.
Seit einem Jahr nehmen wir Baumwolle, die in Leinwandbindung so dicht ist, dass man daraus einen Sack nähen, diesen mit Wasser füllen könnte, und der ist dann dicht.
Essigsaure Tonerde schützt in erster Linie vor dem Verotten und der Bildung von Schimmelpilzen.
Die natürlichste Methode gegen Durchlässigkeit ist das Räuchern von Baumharzen (frische Tannenzweige). Natürlich ist das Zelt dann von innen verfärbt, aber auch dicht.
Wichtig ist es vorallem, die Nähte entweder aus Leinengarn (wie vor beschrieben: quillt) oder speziellem Quellgarn zu fertigen.

Viele Grüße
Perchta
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Beitragvon wurm » 26.05.2006, 09:53

Von dem Trick mit den Teelichtern bin ich ganz beeindruckt! Ich weiß nicht, ob jemand Wollzelte benutzt, ob es sowas überhaupt gab, aber ich habe mal gelesen wie man Wolle imprägniert, da ging es um Segeltuch.
Eine Frau aus Dänemark hatte auf dem Textilsymposium in Lodz sogar ihre Versuche als kleine Ausstellung aufgebaut. Allerdings war die Herangehensweise experimentell, es gibt also keinen Beweis daß man es damals so gemacht hat.
Das grobe gewalkte Wolltuch war fast einen Zentimeter dick und von Natur aus bestimmt schon winddicht. Und als Segel höllisch schwer. Sie hat dann Bienenwachs in Ölen aufgelöst, es wird dann wie Schuhcreme. Damit den Stoff bestrichen, und es dauert Monate, bis es trocknet.
Schriftliches kann ich momentan dazu nicht finden, da muss ich mich mal umhören.
Wenn das Thema wirklich für jemanden so wichtig sein sollte, lässt sich auch die Adresse von der Frau rausfinden, irgendwie.
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Beitragvon Beate » 26.05.2006, 10:14

Hallo, Wurm!

Voelleicht finden sich in diesem Buch Hinweise dazu: klick!

Segeltuch und Emballage
Textilien im mittelalterlichen Warentransport auf Nord- und Ostsee.
Von Susanne Möller-Wiering

(ich habe es nicht gelesen, ist mir nur zufällig mal bei der Büchersuche untergekommen)

----

Ein kleines Zelt aus Wollstoff habe ich auf dem Wikingermarkt in Ribe gesehen. :wideeyed:
Beate
 

Beitragvon blackraven » 03.11.2006, 09:58

HILFE !!!!! Ich habe ein grosses Problem mein als inpregnirt gekauften Zelt ist sehr undicht! Ohne Folie geht da nichts. Wir hatten es im Trockenen aufgebaue und dann kann ein millder Fruelingsregen und innen wars so nass wie drausen. Dann mussten wir es leider mit Spray behandel (gab nichts anders bei uns) das hillt zwei mal drei Regentage und seit dem kriegen wie es nicht mehr dicht und es wird immer schlimmen.

Ob man es vorm neubehandeln waschen sollte ?:gruebel:

Ich hoffe Ihr koennt mir eine Tip geben oder ein Inprgniermittel nennen was mir weiter helfen kann.
Bei perodich auftrettenden Tipfehlern,Fragen sie bitte Ihren Duden oder Sprachforscher.

Bild Ei
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Beitragvon Pilz » 04.04.2007, 21:35

Ich will dazu auch noch ein paar Sätze abgeben.

@blackraven

Auch wenn es vielleicht ein wenig zu spät kommt: Eine Universallösung, wie oder womit am besten imprägniert gibt es nicht. Es hängt immer vom Stoff ab. Nicht nur vom Material sondern auch von der Webdichte. Mit Imprägnol habe ich z.B. nur negative Erfahrung gemacht.

@wurm

Wolle, wenn sie denn dicht und dick genug ist, funktioniert schon ohne Imprägniermittel. In der Regel hat man in der Wolle immer noch Reste von Lanolin, welches das Wasser abdrängt. Mein Wollzelt ist im Bau und Versuche haben mir gezeigt, daß es auch schon ohne zusätzliche Imprägnierung dicht ist. Ich habe mir einen sehr dicht gewebten Wollstoff mit guten 400g/qm besorgt und diesen dann bei 95° gewaschen (25% Krumpf, anschließend rund 750g/qm). Wenn die Plane fertig genäht ist, werde ich den nächsten Versuch starten und eine zusätzliche Imprägnierung mit Lanolin aufbringen. Dazu erwärme ich das Lanonlin bis es flüssig ist und rühre es in Isopropylalkohol ein, so daß ich eine spritzfähige Emulsion erhalte.

@steffi241

Die Geschichte mit dem Wachs funktioniert, genauso wie mit harzhaltigen oder ölhaltigen Sachen. Aber gerade bei Wachs möchte ich darauf hinweisen, daß die Dämpfe zum einen sehr ungesund sind und zum anderen sich diese Wachsgase entzünden können und das Zelt in einem riesigen Feuerball vernichtet wird. Dann möchte ich nicht in einem Umkreis von 30m stehen.
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Beitragvon Sleipnir » 05.04.2007, 14:21

Pilz hat geschrieben:Die Geschichte mit dem Wachs funktioniert, genauso wie mit harzhaltigen oder ölhaltigen Sachen. Aber gerade bei Wachs möchte ich darauf hinweisen, daß die Dämpfe zum einen sehr ungesund sind und zum anderen sich diese Wachsgase entzünden können und das Zelt in einem riesigen Feuerball vernichtet wird. Dann möchte ich nicht in einem Umkreis von 30m stehen.


Habe dazu auch schon mal irgendwo im Netzt eine "Fotodokumentation" gesehen, irgendwer wollte sein Wiki-Zelt imprägnieren und das ganze Fotodokumentarisch festhalten. Das letzte Bild der Serie war nur noch ein kohlendes Zeltgerippe :eek:
Mal schauen, ob ich das nochmal finde...

LG Sleip
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Beitragvon Pilz » 05.04.2007, 14:54

Yepp, von dieser Bilderserie hört man des öfteren. Aber toi, toi, toi...
Obwohl ich schon viel riskantes ausprobiert habe, bin ich bisher von solchen Sachen verschont geblieben.

Grüße
Stefan
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