Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Ein recht umfassendes Thema vom Korbflechten über Filet-Netzen. Da aber alles im weitesten Sinn Flechtwerk ist, wird auch all dies hier vertreten sein.

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Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Beitragvon Glaskocher » 05.01.2020, 13:12

Hallo Freunde des Geflochtenen!

Da ich inzwischen drei Arten kenne, einen einfachen Dreierzopf beim Flechten zu halten, frage ich mal, ob Ihr noch mehr kennt.

- "Haarzopfmethode": Man befestigt die drei "Strähnen" an einem festen Punkt* und arbeitet sich von dort aus zu den Enden vor.
* = bei Haaren der Hinterkopf des/r Zopfträgers/erin

- "In die Hand": Der Startknoten liegt in der linken Hand und wird vom Daumen und der Seite des Zeigefingers gehalten. Mit der rechten Hand werden die "Strähnen" übereinander gelegt, während der Zuwachs durch die linke Hand nach unten durchgereicht wird. Der "Arbeitspunkt" liegt immer zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand. Es entsteht ein recht festes Geflecht. Mit dieser Methode sind auch geflochtene Gurte und schwere Seile machbar.

- "Von der Hand weg": Bei etwas steiferem Material (Espartogras*) wird so gearbeitet, daß man das Geflecht nur an den Arbeitsenden hält und das fertig Geflochtene sich vom Flechter weg zu Boden senkt. Mit dieser Technik sind auch so breite Flechtbreiten machbar, die man nicht mehr in einer Hand halten oder kontrollieren kann. Allerdings sollte das Flechtgut eine gewisse Steifigkeit haben, um nicht sofort abzuknicken.
* = ganze Halme oder nach dem Fermentieren geklopfte Halme


Ich persönlich arbeite nahezu ausschließlich "In die Hand". Die Technik wurde mir auf einer Jugendfreizeit empfohlen, als ich aus Sisal-Ballenkordeln ein sehr langes Seil flechten wollte. Die "Haarzopfmethode" wurde dabei recht bald lästig, da ich alle "Naselang" wieder neu anbinden mußte, um den Arbeitsfortschritt zu kompensieren. Die Technik "Von der Hand weg" kommt aus der spanischen Korbflechterei mit Espartogras (aus dem vollen Halm), wobei zuerst breite Bänder geflochten werden, die später spiralig zum Korb zusammen genäht werden.


Mit Tundeln, Fingerloop, Klöppeln und Kumihimo gibt es noch weitere Techniken, um geflochtene Bänder zu machen. Dabei würde ich die ersten Drei im Prinziep zur "Haarzopfmethode" zuordnen und das Kumihimo als "In die Hand"-ähnlich betrachten.
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Re: Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Beitragvon kypert » 05.01.2020, 15:17

Hm, ich flechte wohl von der Hand weg? Ich flechte auch eher breite, lange Sachen mit mindestens 12 Strähnen, gerne um die 40.

Für breite, lange Flechtwerke gibt es ein Hilfsmittel, einen Y-förmigen Stock. Das ist dann wohn eher die "Haarzopfmetode"? Ich find den aber zu umständlich und komme besser ohne zurecht.
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ich habe einen Blog :)
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Re: Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Beitragvon Verry » 05.01.2020, 16:08

Haarzopf oder von der Hand weg. Wobei ich für die Haarzopfmethode mit den Händen nach hinten wandere, ich hänge höchstens alle 50 cm um. Bei dicken Garnen mache ich das einfach im Stehen und/ oder durch den Raum laufend. Problem gelöst ^^ Oder ich nehme meine große Zehe als Anbindepunkt. Hat auch genug Distanz, vor allem wenn man über den anderen Fuß umleitet und dann die Füße immer weiter auseinander nimmt
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Re: Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Beitragvon Glaskocher » 05.01.2020, 16:58

Die Astgabel sieht interessant aus. Allerdings wird man dabei auch alle "Naselang" nachziehen müssen, um eine sinnvolle Arbeitshaltung zu behalten. Sie ist bestimmt nur für recht leichte Geflechte geeignet.


Mit der Technik "In die Hand" habe ich eine Tasche aus Kunstbast geflochten. Das war ein "Französischer Platting"* mit elf Strähnen, der zum Taschenkörper vernäht wurde. Immer OUOUO_** und dann von der anderen Seite das Gleiche. Notwendige Ecken wurden ebenfalls geflochten, um die Tasche zu einer exakten Quaderform nähen zu können. In der Seite ist eine "Treppe" zu sehen, weil ich für jede neue Runde eine Stufe flechten mußte. Der Griff wurde dann im Anschluß geflochten, abgeschnitten und angenäht.
* = Vom Webmuster her eine diagonale Form der Leinwandbindung.

** = Die Notation OUOUO_ ist an die "Hansen-Notation" beim Nadelbinden angelehnt. "O" und "U" sind deshalb selbsterklärend over und under; Der Unterstrich "_" steht dann für "Ablegen".

Ich bevorzuge bei geflochtenen breiten Bändern ungerade Anzahlen, da sich dann der Drall durch das Wenden an den Kanten aufhebt. Bei vier Strähnen und rechts-OU_, links-U_ ziehen beide Kanten im selben Drehsinn am Geflecht und erzeugen einen starken Drall. Dadurch verdreht sich das Geflecht dauernd und läßt sich kaum glätten.


Was mit "In die Hand" möglich ist:
Wenn ich Taue aus dicken PP-Splitfilm-Garnen (Von quaderförmigen Hochdruck-Strohballen) flechte, dann mache ich zuerst fünf gedoppelte Dreier-Zöpfe. Das sind dann ungefähr fingerdicke Teile, die im nächsten Schritt zum Fünfer-Zopf (OO_ für beide Seiten) flechte. Zuerst mache ich knapp einen Meter der Dreierzöpfe, die dann zum Fünferzopf geflochten. Jetzt wird der Fünferzopf zum "Auge" umgebogen und die Anfänge und Enden der Dreierzöpfe parallel gelegt, um dann vorübergehend mit vierfachen Strähnen zu flechten, bis das kürzere Ende verbraucht ist. Dann wird mit dreimal zwei weiter geflochten, bis das erste Garn nur noch 20-30cm lang ist. Wenn alle fünf Dreier so weit sind geht das Fünfer-Flechten weiter, bis der erste Dreier zu kurz wird. Beim Einsetzen von neuen Garnen achte ich darauf, daß immer möglichst nur ein Garn im Zopf ersetzt wird. Für eine Strecke von 20-30cm liegen dann drei Garne in einer Strähne. Tolerierbar ist, wenn in zwei unterschiedlichen Strähnen Garne eingewechselt werden, aber nicht, daß beide der selben Strähne zur selben Zeit dran sind. Dann wieder den Fünferzopf bis zum Ende der Dreier flechten. Zum Abschluß lasse ich die Einzelgarne einfach auslaufen, wobei gelegentlich kürzere Stücke noch angestückelt werden, um den vollen Durchmesser erst 50-60cm vor Schluß aufzugeben. Irgendwann reicht das Material nicht mehr für das Dreierflechten, dann werden fünf Strähnen weiter geflochten, bis zuletzt nur drei Enden übrig sind. Aus dem Längsten wird eine Schlaufe zum Kürzesten gebildet (Überlappung ist wichtig), die kürzer sein muß als der Mittlere. Jetzt im Dreierzopf weiter, bis der Mittlere nur noch mit Tricks durch die Schlaufe geht. FERTIG. Das Tau ist kurz hinter dem Auge fast armdick, ca. 6-8m lang und hält eine Menge aus.
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Re: Flechten, wie haltet Ihr die Arbeit?

Beitragvon Allyfants » 05.01.2020, 17:42

Ich nutze "Von der Hand weg" oder die "Haarzopfmethode".
Ersteres geht auch mit Leder oder Paracord, so stabil muss es also nicht sein.
Bei der Haarzopfmethode gilt für mich wie bei Verry: Alles ist ein Hilfsmittel!
Egal ob mit einer Wäscheklammer oder einer Sicherheitsnadel an die Jeans
(wie im Ferienlager die Freundschaftsbänder geknotet werden)
oder an einer Schlaufe, die dann beliebig an Fuß, Tischbein, Türklinke etc. befestigt wird.

Wer zum Weben einmal durchs Haus läuft, der knotet auch das 5m Band nicht um, nur weil das Wohnzimmer zu klein ist ;-)
Auf Mitbewohner wird dabei jedoch nur selten Rücksicht genommen.

P.S.:
Mit Leder webe ich übrigens am liebsten die "magische Flechtung" mit einem Klappen der Streifen am Rand.
Das gibt bei glattem Leder mit rauer Rückseite tolle Effekte.
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