Aus welchem Material bestand ein Wappenrock?

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Beitragvon Silvia » 19.05.2012, 07:44

[ot] Lieber Ben, das schreiben über den Account Deiner Frau finde ich ein Unding, einfach weil man nie weiß mit wem man es zu tun hat, wenn sich zwei Leute einen Account "teilen". :-(
Sei so lieb meld Dich bitte an.
Ich fänds schön wenn hier mal wieder mehr Männer mitmischen. :hurrah: [/ot]
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Beitragvon Lex » 19.05.2012, 08:22

Also erstmal vielen, vielen Dank für die reichlichen und umfangreichen Antworten! Es dürften allen vorherigen Fragen bis aufs gründlichste beantwortet sein!

@Carola: Da muss ich mich allerdings nochmal gedanken machen! Ob ich nun ein Waffenrock gebrauche oder nicht. (Bzw. ein Kettenhemd)

@Ben: Unser Wappen hat einen grünen Hintegrund und wird durch einen Weißen Steifen getrennt, auf dem vier Buchenblätter abgebildet sind. Dann wäre die Hauptfarbe grün und ich würde den Waffenrock in grün halten. Richtig?

Mir wirft sich da nochmal ein anderer Gedanke auf! Du sagst, dass ein Wollwappenrock denen bestimmt sei, die einen höheren Rang (Hauptmann) besitzen. Und Leinen für die niederen Ränge. Leinen ist doch eigentlich ein Wertvollerer Stoff, wenn ich mich recht entsinne. Es ist natürlich abhängig von der Verarbeitung und Regionalen Unterschieden, allerdings so im groben müsste es Wertvoller sein als Wolle oder?

Dann würde es doch gerade Umgekehert sein, dass Leinen den höheren Ränge und die Wolle den niederen Rängen zugeordnet wird.
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Beitragvon Mohyra » 19.05.2012, 09:32

Daß das eine wertvoller ist als das andere ist reine Spekulation. Gut, Seide war wirklich wertvoller. Wolle für einen Wappenrock ist insgesamt logischer, da du Wolle gut färben kannst und Leinen eben nicht. Außer du willst einen ausgebleichten (weil Leinen die Farbe eben nur schlecht annimmt und du nicht mehr erreichen kannst), was wieder problematisch ist. Der Wappenrock ist nunmal ein Zeichen des höheren Standes. Selbige konnten sich schöngefärbte Kleidung leisten, die sich durch entsprechend strahlende Farben auszeichnet.
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Beitragvon tina77 » 19.05.2012, 10:33

Es tut mir leid, wenn es auf unbehagen stößt, dass ich mir für diesen Beitrag den Account von meiner Frau geliehen hab, da ich einfach nur "schnell" helfen wollte. Ich werde mich nach diesem hier geschiebenen Beitrag zurückziehen, damit es keine Verwechslungen etc. mehr gibt und mich ggf. zu einem späteren Zeitpunkt selbst einmal registrieren, damit die Männerquote wieder steigt ;)

Mohyra trifft es da sehr gut.
Und auf den Beitrag von Carola werd ich nicht weiter eingehen, weil es nur Endlosdiskussionen geben wird. Es soll sich jeder seine Meinung selbst bilden.

@Lex, ich bin einfach auf dein Vorhaben und die Stellung des einfachen Soldaten eingegangen.
Wolle oder Leinen teurer, es ist alles schwer zu erklären, weil es auch mit sozialem Stand etc. zu tun hat und da sind einfach zu viele Lücken und die Wissenschaft nicht weit genug, dass man für das einfache Volk wirklich richtige Indizien hat, weil sich sehr vieles einfach nur auf die "höhere" Schicht stützt und von dieser abgeleitet ist.
Ich gehe grundsätzlich von normal dick gewebtem Stoff aus nicht der eine dicker und der andere dünner, dass ist Hahnebüchen und kann zu Endlosdiskussionen führen die einfach unangebracht sind.
Ob Wolle oder Leinen teurer war hängt mitunter auch von der Region ab.
Aber um es kruz zu machen, viele einfache Bürger, Bauern was auch immer trugen Leinen. (Diese hatten im Regelfall eben nicht viel Geld) Und Wolle war mitunter ihre "Ausgehgarnitur" Das hat halt auch einfach etwas mit "Massenware" zu tun. Klar war der Leinenstoff in den allermeisten Fällen definitiv nicht gefärbt aber die Anschaffung oder der Besitz zählt hier in diesem Falle.
Und da wir halt eben bei "Massenware" sind. Es wurde meist in größeren Mengen Stoff gekauft und daraus versucht so viel wie irgend möglich herzustellen. Und soweit mir bekannt konnte man mehr Leinen und Seide gewinnen wie Wolle auch wenn diese nicht viel zurücksteht. Und auch das ist wieder Regionsabhängig. Wenn es ein "Hinterlandkaff" ist war, was auch immer, dann wirst Du da mehr Wolle finden. An Handelsstraßen und in der Nähe von größeren Städten sieht es wieder ganz anders aus, dass ist ein Thema da könnte man sich ewig drüber totdiskutieren.

Ich meinte damit nicht, dass Wolle dann den Hauptleuten "bestimmt" sei, sondern es zum Teil als Statussymbol genutzt wurde, aber genauso ein normaler verdienter Soldat einen solchen besitzen kann.
Und im grunde würdest Du als komplett einfacher Soldat der nur mal eben angeheuert hat und vielleicht nur diesen einen Kampf bestreiten will um Geld zu verdienen in deiner Alltagskleidung gehen die um einen Steppwams und um eine Waffe erweitert wurde. Wenn Du Soldat bist, der wie ich schon schrieb seit jahren im Dienste deines Herren stehst, dann solltest Du auch definitiv im Besitz eines Wappenrockes sein. Ob Du Kette trägst oder nicht ist ein anderes Thema, da die Wappenröcke genutzt wurden um Freund von Feind zu unterscheiden. (Hier in Europa spielte die Hitze nämlich keine übermäßig große Rolle)
Weiterhin kann der Wappenrock auch ebenso aus Wolle bestehen eben je nachdem in welcher Gegend du beheimatet bist etc. es sind einfach zu viele Faktoren die da reinspielen um definitiv sagen zu können es muss Wolle oder Leinen sein. Du machst mit beiden nichts verkehrt.
Und wie ich es schon einmal geschrieben hab, würde ich Dir zu Leinen raten aber Du musst da auch nicht auf mich hören.

So in diesem Sinne verabschiede ich mich dann erst einmal und wünsche allen ein schönes WE.
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Beitragvon Lex » 19.05.2012, 16:50

Nocheinmal ein großes Dankeschön an alle Mitdiskutierenden. Jetzt fällt mir keine Frage mehr ein die beantwortet werden müsste. :biggrin:

Ich muss sagen ich bin erst seit kurzem in diesem Forum dabei, aber es gefällt mir jetzt schon sehr gut! ;-)

P.s. Danke Ben das du dich meiner Angenommen hast! Und meine Frage super beantwortet hast.

P.s.s. Sobald meine Gewandung komplet ist stell ich mal ein Foto rein :-)
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Beitragvon Carola » 20.05.2012, 11:17

Ben, entschuldige die deutlichen Worte, aber das, was Du erzählst, entbehrt jeder Grundlage. Ich habe zwar geschrieben, dass ich mich mit dem Rittergedöns nicht auskenne, aber das bezog sich auf Angaben zur Materialstärke bei Helmen, Ringgröße bei Kettenhemden, Knaufformen bei Schwertern etc.
Bei Textilien des Hochmittelalters kenne ich mich aber aus.

Weder sind Bauern hauptsächlich in Leinen herumgelaufen, weil Leinen günstiger war, als Wolle, noch gab es im 13. Jahrhundert so etwas wie eine Uniform für Soldaten. Auch nicht durch Wappen auf irgendwelchen Kleidungsstücken.

Wolle war im Vergleich zu Leinen sogar das günstigere Material, weil Leinen eine bestimmte Bodenbeschaffenheit und ein bestimmtes Klima gebunden ist, während Schafe von Island bis ans Mittelmeer in allen europäischen Klimazonen gehalten werden können und wurden. Außerdem ist die Herstellung von Leinenstoffen erheblich aufwändiger, als von einfachen Wollstoffen (ich rede hier nicht von Tuchen, die sind ein anderes Thema).
Das ist einer der Gründe, weshalb es außerhalb von Kirchenschätzen praktisch kein erhaltenes Stück Oberbekleidung gibt, das aus etwas anderem, als Wolle besteht. Oberbekleidung aus Wolle trug sowohl der Mann von Bernuthsfeld, als auch die Toten in Herjolfnaes (allesamt Bauern). Sogar das Hemd von Skjoldenham, das unter einer Wolltunika getragen wurde, besteht aus Wolle, was darauf schließen lässt, dass sich der Träger kein Leinenhemd leisten konnte (obwohl die Säume seiner Kleidung in einer recht aufwändigen Technik verziert waren). Aus Wolle besteht die Kutte des Hl. Franziskus, dem Ordensgründer der armen Brüder Christi und in der Benediktsregel heißt es die Kleidung der Brüder sei "aus Wolle oder was sonst in der Gegend günstig sei".
Die Behauptung, Wolle sei so etwas, wie "Sonntagskleidung" gewesen, ist damit wohl vom Tisch.

Auch mit den Wappen liegst Du falsch. Wie ich schon geschrieben hatte, entwickeln sich Wappen erst im Laufe des 13. Jahrhunderts und Anfangs gibt es überhaupt keinen Grund, Soldaten mit einem Wappen auszustatten. Stehende Heere gab es nicht. Im Kriegsfall hatten Dörfer, Klöster und Städte eine festgelegte Anzahl von Kämpfern zu stellen und auszustatten. Freund und Feind unterschied man an den Feldzeichen und Bannern der einzelnen Abteilungen. Deshalb war es auch so wichtig, die Fahne zu verteidigen, weil es ohne sie keine Orientierung gab.
Daneben gab es natürlich Burgwachen. Aber die kannten sich untereinander und die zogen auch nicht in den Krieg, brauchten also auch kein Wappen, um einander zu erkennen.
(Übrigens trug auch der Mann aus dem Bockstenmoor, der vermutlich als Steuereintreiber unterwegs war, nur Wollbekleidung ohne jedes Wappen).
Wappenröcke und ihr ziviles Gegenstück, der Surcot waren tatsächlich Statussymbole von Elitekriegern, die sich Pferd und Kettenhemd leisten konnten.

Aber wie gesagt, kenne ich mich bei den Riddärs nicht so aus. Wenn Du andere und bessere Quellen hast, dann her damit! Ich lerne immer gerne dazu. Aber bitte nicht dieses allgemeine "das weiß man doch".
www.igwolf.de
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Versuch es erneut. Scheitere wieder. Scheitere besser.
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