Möglichkeiten zur Befestigung von Griffen

Was man nicht kaufen kann, muß man sich eben selber bauen. Hier geht es darum, wie man sich Werkzeuge und Arbeitsgeräte von der Dreule bis zum Gewichtswebstuhl selber bauen kann.

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Möglichkeiten zur Befestigung von Griffen

Beitragvon Ingo » 05.10.2004, 13:26

Ich habe da mal wieder eine Frage:

Bei Recherche im Internet nach bezahlbaren Essmesser, Dolchen und Sax´ fiel mir auf, dass bei einigen Angeboten deutlich zweiteilige Holzgriffe mit Nietung (z.B. hier - irgendwie kommt mir eine Griffnietung bei einer "Winkingersax" fehl am Platze vor) dargestellt werden. Seit wann sind solche Griffe tatsächlich historisch belegt, oder sind dies gar reine moderne Umsetzungen, die nichts mit dem Mittelalter zu tun haben?

Von aufgefundenen zweiteiligen Griffschalen bei Schwertern habe ich schon gelesen, diese waren aber idR mit Leder oder Draht umwickelt und nicht genietet.

Noch einen schönen Tag

Dieser Beitrag wurde am 22.02.2005 - 14:44 von Ingo aktualisiert

Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon N.R.U. » 06.10.2004, 13:54

Wigbert hat geschrieben:Leider kann ich dir da auch nicht mit Belegen weiterhelfen, aber ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass das früher schon so gemacht wurde.

Ich habe mir selbst einen Griff für mein Messer gebastelt und ich muss sagen, dass es wirklich einfach geht, wenn man einen 2-teiligen Holzgriff mit Niete nimmt.

Und ein Stück Metall, dass durch ein gebohrtes Loch gesteckt und evtl. noch ein bisschen platt geklopft wurde, haben die damals garantiert auch hinbekommen.

Werde mich aber mal umhören, ob ich auch nen Beleg dafür finde.
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Beitragvon N.R.U. » 07.10.2004, 09:32

Martin hat geschrieben:Hallo,

so als grobe Orientierung mal aus dem Kopf: Griffzungenmesser (also mit zwei aufgenieteten Griffschalen) kommen im 13. Jahrhundert auf und dominieren dann irgendwann ab dem 14. Jahrhundert.

Bis dahin dominieren die Griffangelmesser, dh. das Messer hat eine Angel, die im Griff festgesteckt ist (wie heute bei Feilen) und dort entweder hält weil sie festgeklemmt ist, festgeklebt ist, oder bis durch den Griff durchgeht und hinten vernietet ist.

Grüße
Martin
http://www.beinschnitzer.de
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Beitragvon Ingo » 07.10.2004, 12:31

Danke Martin,

das würde aber bedeuten, dass Wikinger, Sachsen usw. im FrühMi und Anfang des HoMi nur Griffangelmesser mit einteiligem Griff hatten und ergo die von mir im Netz gefundene Abbildung einer Sax mit genietetem Heft eine nicht zeitgemäße bzw. unkorrekte Replik ist.

Noch einen schönen Tag

Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon N.R.U. » 07.10.2004, 12:39

Alheydis hat geschrieben:Hallo,

hier eine Info:

"Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern dargestellt am Beispiel von archäologischen Funden aus dem weiteren Küstenbereich von Nord- und Ostsee bis zur Mittelgebirgszone"

Holtmann

Kurzer Inhalt
- Fundorte
- Griffkonstruktionen und -verzierungen
- Klingenformen, -längen und -verzierungen
- Messerformen vor 800 n. Chr. usw.

Alheydis


P.S. Hallo Angy, vielen Dank für diesen Link . Ich habe mir erlaubt nach einem mißglückten Versuch die Web-Adresse zu korrigieren.
Liebe Grüße, Ingo

Dieser Beitrag wurde am 07.10.2004 - 14:02 von Ingo aktualisiert
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Beitragvon Ingo » 10.01.2005, 11:57

Auch wenn der folgende Hinweis sich auf eine Waffe bezieht, die auch aug Entfernung verwendet wurde, finde ich den Aspekt der Griffbefestigung doch interessant:

Auf der Seite findet sich eine Beschreibung des römischen Pilum (Wurfspeer). Eine Art ("Zungenpilum" ) wurde schon so befestigt:
"zungenförmig ausgeschmiedete Enden, die in das verbreitete Ende des meist aus Eschenholz gefertigten Schaftes gesteckt und vernietet wurden"

Zumindestens bedeutet dies, dass das genietete Heft schon lange vor dem 13. Jahrhundert "erfunden" wurde, wenn auch nicht bei Messern (?) - die Methode, auf diese Weise Holzgriffe an Eisenwaffen/-werkzeugen zu befestigen also deutlich älter ist.

Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon Ingo » 22.02.2005, 13:41

So, ich habe inzwischen noch etwas gefunden, was auf eine deutlich frühere Niet-Lösung hinweist als hier vermutet wurde:

Das Bild stammt von der Seite:

Lederarbeiten Sonstiges

Das Bild zeigt den Versuch eines Nachbaus eines keltischen (!) Hiebmessers (Latenezeit) mit deutlich vernietetem Griff (wahrscheinlich ursprünglich aus Holz - aber nicht erhalten)

Man/frau wird alt wie eine und lernt immer noch dazu

Gruß, Ingo
Zuletzt geändert von Ingo am 01.05.2006, 20:04, insgesamt 1-mal geändert.
Ingo
 

Beitragvon Jaegoor » 08.08.2005, 11:29

Hallo Ingo!

Noch ein kleiner Tipp. Du findest Messer mit genieteten Griffen auch sehr oft auf Grabplatten dargestellt. Und das schon lange vor 13hundert.
Und das nicht nur bei Messern, auch Dolche findet man.

Gruß Jaegoor

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