Wolle und andere Tierhaare auf der Haut

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Wolle und andere Tierhaare auf der Haut

Beitragvon Ingo » 10.05.2006, 14:11

Erstellt am 10.11.2004 - 15:45

In einigen Threads (z.B. wegen Gambeson und so) kam immer mal wieder die Frage des "Piekens" von Haaren (dazu zählt m.E. auch das Kratzen von Wolle) auf der zarten Haut der MA-Darsteller.

Welche Erfahrungen liegen da bei Euch so vor?
Welche Wollsorten (von welchen Schafrassen oder nach welcher Art der Verarbeitung ) sind als Wollstoff (für Kleidung, incl. Mütze und Socken) angenehm zu tragen (Kaschmir soll ja weich sein, da die Haare sehr biegsam und nicht so hart - aber leider für ein "A"-Mittelalter eher ungeeignet, da sehr teurer Importartikel aus Asien, nur für den "Geldadel" brauchbar ) und welche Wolle sollte lieber gemieden werden um nicht in einen Kratzkrampf zu verfallen?

Noch allen einen schönen Tag


Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon Flinkhand » 10.05.2006, 14:12

Erstellt am 10.11.2004 - 22:26

Hm, die im MA bei uns heimischen Wollsorten "bestechen" wohl alle im wahrsten Sinne des Wortes... ich glaub nicht, daß es zu der Zeit Wolle bei uns gab, die nicht gekratzt hat. Soweit ich weiß waren alle Schafrassen der Zeit ziemlich pieksich in der Wolle - aus der Skuddenwolle aus Düppel z.B. bekommt man niemals irgendwas Flauschiges heraus, wie sehr man sich auch bemüht.

Deshalb war ja auch Merinowolle so extrem teuer. Merinos wurden in Spanien gezüchtet, die Wolle war weicher als die der bei uns heimischen Tiere, und der Export der Schafe aus Spanien heraus war bei Todestrafe verboten. Also auch grunzteurer Exportartikel für unsereins.

Damals waren die Leute halt nicht so pingelig

Viele liebe Grüße,
Zuletzt geändert von Flinkhand am 10.05.2006, 15:35, insgesamt 1-mal geändert.
Claudia,
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Beitragvon Rigana » 10.05.2006, 14:12

Erstellt am 11.11.2004 - 09:39

Vielleicht gewöhnt man sich ja an das kratzige Gefühl Wenn man nix anderes kennt und die einzige Alternative ein leinenes Untergewand ist...

Aber wurden nicht auch viele Gewebe aufgerauht, nachdem sie gewebt wurden? Mir fällt grad das Fachwort nicht ein
Also im Prinzip mit einer Kratzbürste über das glatte Gewebe... Vielleicht sorgte das neben einer wasserunempfindlicheren Verdichtung auch für mehr Flauschigkeit...
Die Bindung des Stoffstücks wird dann natürlich unsichtbar.

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Ingo » 10.05.2006, 14:12

Erstellt am 11.11.2004 - 10:14

Du meinst kardieren ? (mit dem Fruchtstand der Karde - piecksiges Teil einer Distelklette nicht unähnlich, angeordnet in mehreren Reihen neben und untereinander in einem Holzgestell drüber"kämmen" ) - Würde da nicht der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben werden?


Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon N.R.U. » 10.05.2006, 14:13

Luthien hat geschrieben:Erstellt am 11.11.2004

nun mal ein Einwurf einer Unwissenden ... wenn mal Wollstoffe walkt, werden sie doch ganz angenehm zum Tragen (mal da an Loden denk) ... und irgendwie kommt es wohl auch auf die Haut an ... ich liebe meine Schafwollpullis (z.B. aus Irland, Schottland) ... sie sind zwar ein wenig kratzig, aber so schlimm ist as auch wieder nicht ...
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Beitragvon Rigana » 10.05.2006, 14:14

Erstellt am 11.11.2004 - 10:33

@Ingo jo... könnte sein, dass man das auch kardieren nennt Es könnte einen gegenteiligen Effekt haben und noch mehr pieken, aber ich denke, durch diese Trockenverfilzung der Härchen, verfangen sich diese ineinander statt rauszustehen. Ergo: sie pieksen sich gegenseitig und nicht den Träger des Stoffes *g*

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon N.R.U. » 10.05.2006, 14:14

Mithfenien hat geschrieben:Erstellt am 11.11.2004 - 12:14

Huhu!

Aufrauhen meint Ihr, glaube ich... (Fachterminus fällt mir gerade aber auch nicht ein).

Nachzulesen unter Punkt 2.2.2.3 dieser Arbeit über Bronzezeitliche Textilverarbeitung (denk Link hatten wir auch schon hier an anderer Stelle...)

www.isentosamballerer.de/lib/gewandung/text_01.php

Liebe Grüße,
Mith
Flausch-liebende
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Beitragvon N.R.U. » 10.05.2006, 14:14

Avhaline hat geschrieben:Erstellt am 11.11.2004 - 12:41

Huhu,

Punkt eins - man trägt normalerweise die Wolle nicht direkt auf der Haut - hat man auch damals nicht getan. Das Untergewand aus Leinen verringert den direkten Kontakt zur Haut, schützt das Wollgewand vor Schweiß und Schmutz, läßt sich waschen. Deshalb - nie ohne Leinenunterhemd.

Dann zum Kratzen (an den Rändern hat man ja doch ab und an Kontakt zur Wolle) - das ist Gewöhnungssache. Wenn man den ganzen Sommer über an den Wochenenden durchgehend Wolle auf der Haut hat, gewöhnt man sich dran. Ich glaube, daran ist noch kein MA-Darsteller eingegangen....
Manche stellen sich auch künstlich an... wenn man MA macht (spielt... tut so als ob...), dann kratzt halt mal was, die Finger werden schmutzig, man hat dreckige Fingernägel, nasse Füße, stinkt nach Rauch, verbrennt sich die Finger, hat Holzkohle im Gersteneintopf schwimmen... Man mag das - oder man sucht sich ein anderes Hobby. Ernsthaft - wer MA macht, sollte sich halt auch an das Kratzen der Wolle (oder grobem Leinen oder Hanf oder Nessel) gewöhnen - oder es bleiben lassen. Das gehört einfach zum entsprechenden Feeling dazu. Und nach 3 Tagen ungewaschen im gleichen Wollkleid hat man andere Dinge, die einen ärgern

Was die Kratzigkeit der alten Schafrassen angeht: Kommt natürlich auch auf das jeweilige Jahrhundert an. Neben Merino gab es später auch andere nette Rassen, wie z.B. auch das Brillenschaf (gerne auch Seidenschaf genannt), das recht alt ist.
Kashmir ist nicht ganz Mittelaltergeeignet, aber es gibt durchaus auch einheimische Wollqualitäten, die etwas robuster, aber noch immer tragbar sind
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Beitragvon Ingo » 10.05.2006, 14:15

Erstellt am 11.11.2004 - 13:02

Avhaline hat geschrieben:dann kratzt halt mal was, die Finger werden schmutzig, man hat dreckige Fingernägel, nasse Füße, stinkt nach Rauch, verbrennt sich die Finger, hat Holzkohle im Gersteneintopf schwimmen...


Das ist ja mal eine nette Umschreibung des Mittelalters.
Wie heißt es bei Arte: "So habe ich das noch nie gesehen"

Also wie war das jetzt? Der Mann hat die dreckigen Füße im Gersteneintopf und verbrennt sich dabei die nassen Fingernägel - was für ein unhygienisches und gefährliches Hobby haben wir da gewählt.

Also ich glaube ja nicht, dass ich mich von piecksenden Haaren groß aus der Ruhe bringen lasse

Noch ´nen schönen flauschigen Novembertag wünsche ich


Gruß, Ingo
Ingo
 

Beitragvon Beate » 10.05.2006, 14:16

Erstellt am 14.11.2004 - 19:08

Meistens scheuert der Stoff ja nur am Ausschnitt oder am Ärmelsaum (eben da wo eine feste Kante mit der blossen Haut in Berührung kommt). Da könnte man doch den Ausschnitt oder Saum mit Leinen verstürzen (oder ganz luxuriös mit Seide).

Ausserdem gibt es ja noch ganz feinen Wollstoff, guckt mal im Kaufhaus unter Anzugsstoffe...
ähmm... über den Preis sag ich jetzt lieber nichts
Unter der Bezeichung "Cool Wool" gibt es sehr leichte feine Wollstoffe (für den Sommer).

Ob die "A" sind?
Keine Ahnung.
Beate
 

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