Samitum weben

Weben am Gewichtswebstuhl oder auch am Tischwebrahmen... wie man Stoff webt.

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Beitragvon Mel » 06.08.2006, 17:59

Wow!
Ich bin Gerade auf deinen Bericht gestoßen und finde das echt cool, das du dich an sowas kompliziertem versuchst. Wenn du dann ein vorzeigbares ergebnis hast wäre ein Bild nicht schlecht :wideeyed: , denn ich kann mir das ganze momentan nur sehr vage vorstellen. :gruebel: Aber ich bin in logischen sachen eh nicht so die Leuchte... :blush: zum glück gibt es Webertreffen und so, da habe ich viel bei gelernt.
Gruß

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Beitragvon wurm » 06.08.2006, 18:30

ich mache während der Arbeit auch Fotos.
Aber schließlich ist es momentan mehr ein Experiment, und wie Experimente nunmal so sind, habe ich heute gemerkt daß ich mir manche Vorbereitung hätte sparen können: Zum Beispiel nutzen mir die mit der Nadel eingezählten Modell-Schußfäden beim Einziehen in die Litzen herzlich wenig.
Ich benutze fertig geknüpfte Litzen, durch die ich die Schußfäden einzeln durchziehe. Das ist unnötig kompliziert glaube ich, und hätte ich wie beim Original hauchdünne Seidenfäden, käme ich damit wohl kaum zurecht. Denn auch die Fäden, die nicht in der Litze hängen, müssen ja immer durch das Litzengestell.
Ich glaube es wäre besser, die Kette ordentlich gespannt zu halten, und die Litzen dann einzuknüpfen. Da ja die Grundkette inaktiv ist, wäre das im Ernstfall weniger Arbeit. Bei meinem kleinen 90-Fäden-Modell ist dies natürlich kein Problem. Nur: in originalem Maßstab wäre mein 90-Fäden-Gewebe gerade 1,5 cm breit!

10.8.:
das Aufbäumen ist fertig. Ich mache das immer mal nebenbei, aber wenn ich konzentriert am Stück gearbeitet hätte, wäre der Zeitaufwand etwa um 3 Stunden gewesen, das finde ich sehr wenig. Ein originalgetreu gewebtes Band mit 45 Fäden pro cm würde bei 6 cm breite also 10 Stunden Arbeit zum Aufbäumen kosten.
Die Anzahl der Schußfäden pro cm liegt bei originalen Samitgeweben so zwischen 50 und 150, das ist dann doch heftig. bin gespannt, wie sich jetzt das Weben macht.

11.8.: Ich richte gerade die Tritte ein, und das klappt überhaupt nicht und treibt mich in den Wahnsinn. Da ich eine mögliche Webbreite von einem Meter, aber nur ein Gewebe von 15 cm habe, wabbelt das alles ziemlich herum. Vielleicht muss ich "Führungsfäden" an den Seiten anbringen, die die Litzenstäbe waagerecht halten, wenn das Gewicht der Tritte an ihnen zerrt.
Hattet ihr schonmal schmale Bänder an einem Webstuhl gewebt? ich kann nämlich nur auf Gewebe zurückblicken, die so breit sind wie möglich. Und da kommt die Stabilität von selbst.
P.S. Wie mein Samit am Ende aussehen wird, wurde mir schon klar: Da die Bindungspunkte durch die enorme Anzahl an Hauptkettfäden etc so weit auseinanderliegen (1,5 cm), werden die Schußfäden recht unansehnlich flottieren. Was ich mache, ist quasi eine mikroskopische Vergrößerung eines originalen Gewebes. Durch die weiten Bindungspunkte wird auch der Rand unschön werden, was ich bisher nicht bedacht hatte. Ich muß erstmal recherchieren, wie Webkanten in Samit gemacht wurden, oft schaltet man ja am Rand auf Ripsbindung um. Aber es ist mir egal wie es aussieht, das soll ein Experiment sein und mich auf spätere, möglichst perfekte Werke nur vorbereiten.

11.8., später:
Habe die Tritte nochmal völlig umgebaut: Anstatt sie wie vorgesehen hinten zu befestigen, sind sie jetzt wie bei modernen Webstühlen vorn befestigt. Es gibt jetzt auch keine Quertritte mehr, die haben nicht genug Spielraum. Jetzt wird alles gut klappen.
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Beitragvon wurm » 15.12.2006, 14:21

ich wollte nach längerer Zeit mal von diesem Projekt weiterberichten: Unzählige Webanfänge habe ich verworfen, und lag anfangs auch schon der Theorie nach falsch. Samitum hat 6 verschiedene Fächer, aber es ist nicht so, daß das eine Fach das gegenfach des anderen wäre. Um die Fächer wieder zu schließen, brauche ich also jeweils einen weiteren Tritt, macht 12 Tritte. Das scheint mir irgendwie unnötig kompliziert, 12 Tritte einzurichten, wenn ich nur sechs brauche. Vielleicht hat man die Mit Gewichten beschwert, wäre ökonomischer. Die Hauptkette bindet zwar nicht ab, bildet aber das Muster. Während ich also meine sechs Tritte stupide der Reihe nach durcharbeite, muss man sich für die Muster nur auf die Hauptkette konzentrieren. Die allerdings, ist in den 12 Tritten noch nicht inbegriffen. Hier greift eigentlich der Harnisch ein, den ich bei meinen ersten Versuchen erstmal mit dem Auslesen der Kettfäden von Hand simuliert habe. Solange man nicht mehrere Rapporte webt, ist die Mühe ja dieselbe.
Hmm, ich bin immer noch nicht richtig dahintergestiegen, aber ich denke ich bin jetzt schon viel näher dran.
Wirklich schade, daß man nie so einen Webstuhl gefunden hat, und auch keine Abbildungen. Oder weiß da jemand mehr?
Ich habe im Internet eine Gruppe von Amerikanern gefunden, die Samit nachweben. Am Computergesteuerten Webstuhl allerdings. Leider hatten auch die sich noch nicht an gemusterten Samiten versucht, und der Einzug für ungemusterten ist unendlich leichter, weil man die Hauptkette dann ignorieren kann.
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