neue Farbeküche soll entstehen

Färben mit Naturprodukten! Wie kommen die Farben aus der Natur in den Stoff?

Moderator: Moderatoren

neue Farbeküche soll entstehen

Beitragvon Tyrleif » 21.03.2018, 10:38

Hallo,
wir sind eine Gruppe von Wickis, die sich auf Handwerken und authentische Darstellung spezialisieren wollen. Und da unsere Damen inzwischen Garne spinnen und auch anfangen Stoffe zu weben, bin ich jetzt verantwortlich dafür, Ihnen einen Platz zum Färben in unserer Werkstatt einzurichten. Damit alles optimal und auch authentisch von statten geht, habe ich aber noch ein paar fragen und hoffe auf euer fachkundiges Wissen.
Ich selbst habe mich zwar ordentlich eingelesen, aber selbst bisher nur als Rührfix beim Färben fungiert.
Der ganze Arbeitsbereich soll so eingerichtet sein, dass man auch leicht und unkompliziert Experimente machen kann.

1. Hatte man im 10.jhd schon Alaun oder wie haben die gebeizt?
2.Wozu dient der Weinsteinrahm?
3. Gab es bei uns damals schon Eisenessig bzw. Kupferessig?
4. Liege ich korrekt in der Annahme, dass man Färben ind Vorbehandlung (Waschen, Beizen,...), Färben und Nachbehandlung(Eisenessig, Fixieren, Waschen,...) aufteilen kann?


Da wir die Ansicht vertreten, dass keine Lebensmittel, sondern eher nur "Abfälle" oder spezielle Pflanzen zum Färben verwendet wurden, wollen wir uns auch erstmal auf diese fokussieren.
Mir fallen da ein:
Ahorn,-Birken-,Eichen,-Haselnuss-, Walnuss- und andere Rinden der damals vorhanenen Bäume.
Krapp, Reseda, Färberwaid, Löwenzahn, diverse Blätter und Hülsen von Früchten und Pflanzen.

Was wisst ihr denn noch an authentischen Farbgebern und welche Farben gaben die?


An Werkzeugen haben wir diverse Töpfe, Hockerkocher, Heizplatten, Glühweinkessel und Feuerstelle. Dazu einen PH-Messer, Thermomether, Rührstäbe, Mullsäckchen und Gefäße zur Aufbewahrung.
Was fehlt noch?


Wir würden unsere Flotten gerne selbst herstellen. Dazu haben wir uns gedacht. den jeweiligen Farbgeber in ein Mullsäckchen stecken, dann einkochen oder ziehen lassen. Die Flotte dann in ein Glas- oder Tongefäß und bei Bedarf ausm Regal ziehen.
1. Kann man Flotten auch als Konzentrat herstellen, durch zugabe von mehr Material?
2. Kann man eine Flotte auch zum Konzentrat einkochen?
3. Wie lang kann man eine Flotte aufbewahren?

Ich weiß viele Fragen und zu jeder wird es noch mehr Antworten geben, aber...

Danke euch schon mal im Vorraus

Tyrleif
Tyrleif
Magd / Knecht
Magd / Knecht
 
Beiträge: 1
Registriert: 21.03.2018, 10:12

Re: neue Farbeküche soll entstehen

Beitragvon Rigana » 02.04.2018, 16:44

Ui, das sind viele Fragen - und viele zeigen mir, dass du noch sehr am Anfang stehst mit der Färberei. Da möchte ich doch einfach mal auf die Flinkhand Seite verweisen http://www.flinkhand.de/index.php?faerbenpflanzen Da werden einige Antworten und auch Rezepte gegeben. Und lese dich doch einfach mal hier in der Färben-Sektion ein. Denn dort gibt es Antworten zu fast all deinen Fragen.

Ebenfalls lohnt die Investition in das ein oder andere Färbebuch...
Ja, die meisten Färbebücher sind modern.
Wie ich sehe, werdet ihr aber auch eine moderne Kochstelle aufbauen und keine "authentische" (sorry... das Wort ist so abgegriffen). Daher schau nach Rezepten für die "authentischen" Farbstoffe.

Eisen- und Kupferessig sind mir nicht geläufig. Es gibt Eisen- und Kupfersulfat. Essig kenne ich nur als Fixierer oder Entwickler und selbst da ist der kaum im Einsatz.

Alaun kommt in der Natur vor (ist also keine synthetisch hergestellte Beize), aber ob die im 10. Jh. bei Wikingern eingesetzt wurde, weiß ich nicht. Hier möchte ich verweisen auf Farbanalysen, die bei dem ein oder anderen Textilfund gemacht wurden. Evtl. geben die Aufschluss. Aber: Alaun ist nicht das einzige Beizmittel, wie du schon beim Weinsteinrahm gemerkt hast ;-)

Bei den genutzten Pflanzen schaue dir ebenfalls Farbanalysen an. Der Farbstoff gibt Rückschlüsse auf die evtl. verwendete Pflanze. UND: Keine Rinde von lebenden Bäumen runterpellen! Viele verwechseln Rinde mit Borke...

Ergänzungen zur Färbeküche: Schüsseln, Waage, Wäscheständer zum Trocknen und Abtropfen, Gefäße zum Abwiegen der Beize/Entwickler etc. - was du brauchst, findest du ebenfalls in einem guten Färbebuch!!!

So, ich habe jetzt einige Tipps gegeben, aber du wirst ums selber lesen, probieren und forschen nicht rumkommen. Aber genau dieser Entdeckungsweg macht den Reiz des Färbens aus. Und die Färbeküche wächst mit der Zeit, der Erfahrung und den eigenen Bedürfnissen.

Übrigens: Meine erste "richtige" Färbung war eine Kaltfärbung mit Walnussschalen - weil hier nicht gebeizt wurde, brauchte ich nur die Schalen, Wolle, Wasser und eine Bütte, in der ich die Flotte mit dem Garn stehen lassen konnte . Am Ende dann noch den Wäscheständer. Das wars...

Liebe Grüße
Rigana
Benutzeravatar
Rigana
Moderatorin
Moderatorin
 
Beiträge: 3671
Registriert: 23.12.2005, 20:11
Wohnort: Bad Kreuznach

Re: neue Farbeküche soll entstehen

Beitragvon Tjorven » 14.04.2018, 09:03

Also, ich habe es noch nicht ausprobiert, aber ich glaube "Instant-Flotte" im Glas geht nicht... je nach Wollmenge, die ihr färben wollt, braucht man ja eine ganze Menge Pflanzenmaterial. Nur als Beispiel: die Menge Krapp für 500 g Wolle füllt in gequollen schon locker einen halben Eimer - und dann habe ihr nóch keine Flotte! Bei frischem Material (also nicht getrocknet) kann man von etwa der vierfachen Menge ausgehen (400 g frische Blätter für 100 g Wolle). Außerdem neigen nasse Pflanzenteile logischerweise zum schimmeln - wenn das ganze nicht sowieso irgendwann kippt und eine stinkende Brühe wird. Was man eine Weile lagern kann, ist gebeizte Wolle, dann hat man die bei Bedarf schon fertig zur Hand.

Mal eben schnell geht beim Färben sowieso nicht! Da Wolle temperaturempfindlich ist und man sie tunlichst nicht in heiße Färbebrühe tun sollte, ist mit Abkühlen, Aufheizen, Abkühlen... Ausspülen der Wolle locker ein halber Tag rum. Und man braucht zum Färben jede Menge Wasser, ihr solltet als einen Wasserhahn oder eine Regentonne in der Nähe haben. Rigana hat recht: lest euch erstmal durch die Grundlagen, sucht euch dann erstmal ein oder zwei Rezepte aus und probiert aus. Färben ist schon eine aufwendige Angelegenheit - aber macht süchtig :devil: !
Derjenige, der etwas zerbricht, um herauszufinden, was es ist, hat den Pfad der Weisheit verlassen. J.R.R. Tolkien
Benutzeravatar
Tjorven
Purpurträger/Purpurträgerin
 
Beiträge: 2198
Registriert: 24.12.2005, 12:00
Wohnort: Seesen


Zurück zu Färben

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron