Material für Oberbekleidung

Welche Stoffe werden verwendet, welches Material? Was trug man?

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Material für Oberbekleidung

Beitragvon Flinkhand » 11.05.2006, 19:30

Erstellt am 26.12.2004 - 13:42

Hallo zusammen,

es gibt ja immer wieder die Diskussion um das Material der Oberbekleidung im MA. Auch wenn viele Leute mit Oberkleidung aus Leinen herumlaufen, sagen doch auch einige, daß Oberbekleidung eigentlich grundsätzlich aus Wollstoff bestand, Unterbekleidung hingegen aus Leinen (oder Seide bei den Betuchten).

Nun lese ich gerade "Die deutschen Kaiser" von s. Fischer-Fabian und bin da auf eine interessante Passage über eine Ladung Heiratsgut auf einem Schiff gestoßen, die ich sehr interessant fand. Eigentlich geht es hierbei um die Hochzeit von Otto dem Großen Anno 923, aber da ist ein Zitat von einer "anderen englischen Hochzeit aus späterer Zeit":

S. Fischer-Fabian hat geschrieben:"Alles sollte sein, wie es einer Königin zukommt", heißt es in einer der Schilderung einer anderen "englischen Hochzeit" aus späterer Zeit, (und jetzt folgt eine Aufzählung der Geschenke) ... leinene und seinede Oberkleider ...


Das steht auf Seite 27 in der Taschenbuchausgabe. Nun habe ich trotz Literaturverzeichnis am Ende des Buches nicht herausfinden können, um wessen Schilderung welcher Hochzeit es sich da eigentlich gehandelt hat, weil die Angaben hierzu leider nicht sehr schlüssig sind. Und natürlich handelt es sich um eine königliche Mitgift und nicht um das einfache Volk.

Trotzdem dachte ich, ich könnte die Diskussion hier vielleicht nochmal aufnehmen - und vielleicht hat ja auch noch jemand von Euch irgendwelche Hinweise hierzu gefunden?

Viele liebe Grüße,
Zuletzt geändert von Flinkhand am 11.05.2006, 20:06, insgesamt 1-mal geändert.
Claudia,
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Beitragvon Big-Bonsai » 11.05.2006, 19:31

Erstellt am 26.12.2004 - 13:48

Naja, im Sommer möchte ich nicht unbedingt mit Wollkleidern rumlaufen!
Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Sommerkleid aus Wolle bestand.
Oder eine Schürze.

Oder?

Grüßle
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Beitragvon Knappe » 11.05.2006, 19:31

Erstellt am 26.12.2004 - 15:02

Naja ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es eine unumstößliche regel war, für oberbekleidung wolle zu nehmen. man wird halt genommen haben, was da war und was praktisch und preiswert war.
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Beitragvon N.R.U. » 11.05.2006, 19:32

Naurelen hat geschrieben:Erstellt am 27.12.2004 - 08:15

Moin!

Hmmm... steht nicht sogar in einem der Lehnart-Bücher dass sich Mägde aus Leinen, dass sie als Lohn bekammen, Oberkleider machten?

Da muss ich zuhause mal gucken gehen... ich hab die Bücher leider nicht mit auf Arbeit... +g+
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Beitragvon Beate » 11.05.2006, 19:33

Erstellt am 27.12.2004 - 08:22

Knappe hat geschrieben:...man wird halt genommen haben, was da war und was praktisch und preiswert war.


Und das war nun mal Wolle.

Wolle muss nicht zu warm sein. Man denke nur ma an die Djelabba der Araber, die ist auch aus Wolle und die laufen damit in der Wüste rum.

Big-Bonsai hat geschrieben:Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Sommerkleid aus Wolle bestand. Oder eine Schürze.


Augrabungen in Haithabu: u.a. findet sich da das Fragment einer Schürze aus braunem Wollstoff.
Beate
 

Beitragvon Xia » 11.05.2006, 19:33

Erstellt am 27.12.2004 - 10:27

Guten Morgen,

während der Landesgartenschau in Kehl war unser Verein mit unserem Lager da. 3 Tage hatten wir bei tagsüber fast 35°C verbracht und ich sass zum Fingerloopen am Zaun NEBEN der Feuerstelle, MIT einem dick gefütterten Wollkleid und lies mich brutzeln von der Sonne und vom Feuer. Der Sonnenbrand tut heut noch weh *grins*. Aber: ich habe nicht mehr geschwitzt als mit einem T-Shirt. Wolle als Oberstoff und Leinen als Futter und Unterkleid reguliert das Körperklima und es wird angenehm.

Ausserdem war Wolle damals der billigste Stoff den man kriegen konnte, denn Leinen musste erst lange Verarbeitungsprozesse durchmachen, bis es ein Stück Stoff war und war damit entsprechend teurer. Leinen fällt nicht aus als Stoff für Oberbekleidung, er war eben teuerer wegen der Verarbeitung und dementsprechend konnten sich das nur wohlhabendere Leute leisten.

Na und Seide musste eh erst mal importiert werden und hat lange Wege hinter sich, der Preis macht Seide zum Stoff für die Reichen.

Liebe Grüsse, Xia
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Beitragvon Big-Bonsai » 11.05.2006, 19:34

Erstellt am 27.12.2004 - 14:05

Ich habe leider keine Quellen und auch wenig Ahung, aber konnte sich nicht jeder Bauer ein kleines Leinenfeld anlegen und es im Winter dann verarbeiten? So viel ich weiß, wurde doch sowieso viel lieber Leinflachs gesponnen, als Wolle, die dann aber auch weiterverarbeitet werden musste.
Also war Leinen doch auch nicht soooo das Problem, oder?

Klar hatte man eher Schafe, die dann auch Wolle abwarfen, aber da brauchte man doch auch Decken, Stopfmaterial usw. von. Und das Oberkleid war doch sowies (jedenfalls bei Frauen im späten Hochmittelalter) eine Art "Ausgehkleid", welches man anzog, wenn man von anderen gesehen werden konnte - bsp. einkaufen, Kirchgang (Sonntagskleider erschienen ja erst einige Jahrhunderte später). Zu Hause war eher Unterkleid mit Schürze angesagt, um das Oberkleid nicht zu beschutzen und es abzunutzen.

Und wenn dieses Oberkleid aus Leinen bestand, war das doch eine Art Statusbekleidung. Und Leinen war - wie gesagt - einfach selbst zu machen.

Und nur weil Wolle einfacher in der Verarbeitung ist, heißt es doch nicht, das so gut wie alles aus Wolle stammt... gerade für den Sommer....
Leinen konnte auch selbst hergestellt werden...

Aber Glauben ist nicht Wissen, also: hat jemand Quellen?

Grüßle
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Beitragvon Knappe » 11.05.2006, 19:34

Erstellt am 27.12.2004 - 15:33

naja, dem sei wie ihm wolle, ich hab jetzt meinen mantel aus wollstoff und sonst keine weitere oberbekleidung (tunika ist aus leinen aber in dem sinn keine oberbekleidung).

aber ein wappenrock ist doch eigentlich auch oberbekleidung und trotzdem net zwingend aus wolle, oder?
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Beitragvon Rigana » 11.05.2006, 19:34

Erstellt am 27.12.2004 - 16:24

Bei Leinen gibts ein Problem: Flachs wächst nicht in allen Regionen, aber Schafe können auch noch in klimatisch ungünstiger Umgebung für die Flachspflanzen Gras knabbern. Dann kommt noch hinzu, dass der Flachs neben Fasern allerhöchstens noch Öl liefern kann. Ein Bauer mit wenig Land könnte sich dann schon eher für den Getreideanbau entschieden haben. Ein dritter Grund ist der hohe Nährstoffbedarf der Flachspflanze, weswegen er auf demselben Feld nicht über mehrere Jahre hinweg angebaut werden kann.

Die Verarbeitungsprozesse für Leinen und Wolle sind beide beschwerlich, um so mehr, wenn man wirklich guten Stoff haben will. Darin sehe ich keinen Grund für die Bevorzugung einer Stoffart.
Wolle hält allerdings bei Kälte genauso warm, wie sie bei Hitze klimatisch ausgleichend sein kann. Ein Problem sehe ich eigentlich nur, wenn man als einzigen Wollstoff diese superdicken Mantelstoffe verwendet.

Bedenkt auch, dass es noch andere pflanzliche Faserlieferanten gab: Nesseln und Hanf. Dabei muss ich aber zugeben, dass ich nicht weiß, ab wann diese Pflanzen (v.a. Hanf) in Europa beheimatet waren.
Haare kann man auch noch von anderen Tieren verspinnen (Ziegen, Hunde, Pferde und anderes Getier), ist aber u.U. eine kratzige Sache.

Soviel dazu...

Liebe Grüße,
Rigana
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Beitragvon Beate » 11.05.2006, 19:35

Erstellt am 27.12.2004 - 18:49

Big-Bonsai hat geschrieben:Ich habe leider keine Quellen und auch wenig Ahung, aber konnte sich nicht jeder Bauer ein kleines Leinenfeld anlegen und es im Winter dann verarbeiten?


Dazu muss er aber erst mal ein Feld über haben, auf dem keine Lebensmittel angebaut werden. Also muss der Bauer schon etwas "betuchter" sein. Ich würde sagen: sogar sehr betucht, wenn man mal an die häufigen Missernten etc. denkt.

Und Kleidung aus Wolle kann man das ganze Jahr tragen, Leinen ist nur für den Sommer zu gebrauchen. Da muss man sich erst mal den Luxus einens extra Kleidungsstücks nur für den Sommer leiten können.
Beate
 

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