Brennnessel?

Hier geht es um die Fasern, mit denen man spinnen kann und um die fertigen gesponnenen Fasern, Weiterverarbeitung

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Beitragvon marled » 05.08.2014, 12:32

Kann ich mir nicht vorstellen, dann die äußere Haut ist hauchdünn und überhaupt nicht faserig, es ist schwierig sie in mehr als mm großen Stückchen in einem abzuziehen.
Die Rinde kann ich nicht von irgendwas ablösen, weil in der Mitte des Stängels ein Hohlraum ist.
Hier gibt es einen Querschnitt vom Lein, das sieht bei meinen Nesseln so ähnlich aus. Bild
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Beitragvon Krimhilde » 06.08.2014, 17:52

Wenn mich nicht alles täuscht, so hat vor ca. 3 Jahren ein Bericht im Lavendelschaf gestanden zum gewinnen von Brennnesselfasern. Da zu diesem Zeitpunkt diese in unserem Garten so prächtig gediehen, habe ich es selbst versucht.
Leider hat es nicht funktioniert. Die Stengel waren schon nach 2 Tagen im Wasser total schmierig und so habe ich es aufgegeben.
Nach diesem Bericht könnte ich es noch einmal versuchen, wenn es wieder trocken wird. Es reizt mich schon. Wenn es besser wird werde ich davon berichten.
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Beitragvon WickedWeaver » 06.08.2014, 19:48

Hab mal im Inhaltsverzeichnis vom Lavendelschaf gestöbert, aber das war die Ausgabe 7 von 2004. Nur, falls wer das ebenfalls sucht ;-)

Viele Grüße,

Marion
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Re: Brennnessel?

Beitragvon Glaskocher » 19.10.2019, 21:23

Hallo Freunde der Nesselfaser!

Fünf Jahre Dornröschenschlaf aufweckend...

Seit einiger Zeit versuche ich, Fasern aus den lokal geernteten Brennneseln zu isolieren. Das klappt inzwischen halbwegs, jedoch ist die geerntete Qualität stark schwankend. Ich bevorzuge bisher die sogenannte "Standröste", um die Fasern vorzubereiten. Das ist allerdings extrem vom Standort und dem Wetter abhängig. Schon wenige Wochen später kann die Faser nahezu verdorben sein, obwohl ich am gleichen Standort nur den nächsten Quadratmeter beerntet habe.

Zu einer brauchbaren Tauröste fehlen mir entsprechende Flächen und an die Wasserröste traue ich mich aus zwei Gründen nicht heran: Sie ist ziemlich "anrüchig" und kann rasch zur Überröstung führen.

Bei der Aufarbeitung werden die getrockneten Stängel erst längs geschlitzt und dann abschnittweise das Holz gebrochen. Sobald ich einen Abschnitt unterhalb eines Knotens gebrochen habe (den breit gedrückten Stängel vom Mark zur Rinde hin brechen) ziehe ich das kürzere Holz von der Rinde ab. Die jetzt überstehende Rinde wird dann zur Spitze des Stängels hin abgezogen. Ein Wiederholen von Holz brechen und Rinde abziehen liefert mehrere Rindenstreifen, die mit ihren Wurzelenden bündig gelegt werden. Wenn der Stängel komplett geschält ist, dann rolle ich das Bündelchen zwischen den Handflächen, um die Rinde quer zu brechen und zu lockern. Die Bündelchen werden nach Qualität (und Länge) sortiert. Der Abfall macht hier mindestens 90% vom Erntegewicht (trocken) aus.

Bei der Aufbereitung der Bündelchen werden sie einzeln (oder 2-3) über den Rücken eines Tafelmessers geschabt. Die Bewegung ähnelt der beim Kräuseln von Geschenkband. Man schabt so lange, bis kaum noch Rindenpulver herunter fällt und die Rindensttreifen sich in feinere Streifchen zerteilt haben. Ich beginne immer am Wurzelende (ca. handbreit höher anfassen) und wiederhole die Operation am anderen Teil (das fertig Geschabte festhaltend). Zuletzt wird kurz über eine Handkarde gekämmt, um Reste Rindenpulver und kurze Fasern zu entfernen. Der Werg in der Handkarde und die ausgeschabten Fasern werden später zu kürzeren Faserqualitäten aufbereitet (kurze Parallelfasern und Werg). Hier bleiben 10-30% vom Gewicht im Staub liegen, der Werrganteil schwankt erheblich je nach Erntequalität.

Ich verspinne die Langfasern und die kurzen Parallelfasern auf selbst gebauten Kreuzspindeln.


Ergänzung um einige Links:
Nettles for Textiles Webseite sehr interessante Webseite
Nettles for Textiles Facebook interessante Gruppe
Foren-Übersicht ‹ Handarbeiten ‹ Nähen ‹ Stoffe ‹ Nessel / Brennessel eher über Stoffbeschaffung
Nettlecraft interessante Anleitung
Wo kriege ich Nesselfasern her? verweist auf...
Nesselfasern leider wenig ergiebig
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