01.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
2 Besucher

S- und Z-Schärung

Für die größte Verwirrung sorgt bei einem Anfänger normalerweise die Frage nach der Schärrichtung. Da liest man von S-Schärung und Z-Schärung, von s-gestellten oder z-geschärten Brettchen oder findet auf einem Webbrief Pfeile, die nach rechts oder nach links zeigen, so daß man ganz durcheinanderkommt. Damit werden wir jetzt aufräumen. Zunächst einmal stellt sich überhaupt die Frage, was es mit den Buchstaben „S“ unnd „Z“ überhaupt auf sich hat. Sind das Abkürzungen für irgendwelche mysteriösen Fachausdrücke in der Weberei? Nein! Es ist viel einfacher! Die beiden Buchstaben stehen hier nämlich gar nicht wirklich für Buchstaben! Nicht das S wie Siegfried oder das Z wie Zeppelin ist hier gemeint – wichtig ist einzig und allein die Form dieser beiden Symbole! Schauen wir uns die mal genau an:

Damit jedem sofort klar wird, was gemeint ist, sind die beiden Mittelteile der Buchstaben hier rot auf weißem Grund eingezeichnet, die oberen und unteren Teile aber in schwarz auf grau. Uns interessiert ausschließlich der mittlere Teil, der hier in rot eingezeichnet ist. Da sehen wir nämlich genau die Info, die wir benötigen:

s-bild.gif z-bild.gif

Einen Querstrich, der beim „S“ von links oben nach rechts unten verläuft ( \ ) und beim „Z“ von rechts oben nach links unten ( / ).


Kurz gesagt:

S = \ und Z = /


Nun stellt sich natürlich die nächste Frage: Warum brauchen wir diese Angaben? Wozu diese Schrägstriche? Die Antwort ist einfach: Weil man einen Faden von zwei Richtungen aus durch ein Loch eines Brettchens fädeln kann! Oder anders formuliert: Weil man ein Brettchen, durch dessen Löcher man Fäden gezogen hat, in die eine oder andere Richtung klappen kann! Und wer jetzt denkt: „Das ist doch egal“, der irrt sich gewaltig. Denn es macht beim Weben am Ende einen sehr großen Unterschied, wie die Fäden durch die Brettchen verlaufen. Doch dazu später mehr. Erstmal schauen wir uns an, wie wir diese Schrägstriche vom S und Z denn nun auf die Weberei umsetzen.

Die hier unten gezeigten Bilder von S-Schärung und Z-Schärung machen eigentlich von sich aus schon deutlich, was gemeint ist:

Man muß sich die Bilder so vorstellen, als wenn man direkt über der zu beginnenden Webarbeit sitzt und von oben auf die Brettchen schaut. Der blaue Strich ist der Faden, der durch ein Loch dieses Brettchens gezogen wurde; das Brettchen selbst ist als dieses graue langezogene Oval dargestellt, weil man ja von oben auf die Schmalseite schaut. Man kann hier gut sehen, daß bei der S-Schärung der Faden von links oben nach rechts unten ( \ ) durch das Loch im Brettchen verläuft, während bei der Z-Schärung der Fadenverlauf durch das Loch von rechts oben nach links unten ( / ) geht.

Es gibt nur diese beiden Möglichkeiten der Schärung: S oder Z.

Man könnte natürlich auch sagen „von links nach rechts“ oder „von rechts nach links“, aber das kann schnell zu sehr viel Verwirrung führen. Es gibt jede Menge Möglichkeiten, eine Kette zum Brettchenweben zu schären, der eine macht auf der einen Seite seinen ersten Knoten, der andere auf der anderen, der nächste macht einen Endloseinzug. Dazu kommen die vielen unterschiedlichen Brettchenwebstühle oder auch das Arbeiten am Gürtel – und jeder hat sein eigenes System. Aus diesem Grund ist es nicht sinnvoll zu sagen, daß ein Faden in die ein oder andere Richtung durch ein Brettchen gezogen wird, und die Darstellung in Form von Pfeilen ist ebenso irreführend. Schließlich ist nicht gesagt, welches Fadenende dann am Ende der losen Kette sein soll oder am Anfang der Webarbeit (und beim Endloseinzug gibt es gar kein Fadenende vor und hinter jedem Brettchen). Deshalb lassen wir uns nicht ins Bockshorn jagen und schauen nur auf die S- und Z-Schärung in Bezug auf die Webarbeit und die nicht gewebte Kette wie in der Abbildung. So muß es am Ende aussehen. Von wo aus man den Faden durch das Loch gefädelt hat, ist am Ende irrelevant. Wichtig ist nur, daß die Position zu Beginn der Webarbeit stimmt.

S1.gif Z1.gif

Dies beiden Schärrichtungen ermöglichen uns, den Fadenverlauf (oder die "Verdrillrichtung") beim Weben zu manipulieren, so daß Muster entstehen. Wie das funktioniert, ist nicht schwer zu verstehen. Es gibt bei vier möglichen Manipulationen der Brettchen nur zwei Ergebnisse:

1.Bei einer S-Schärung verläuft der Faden bei einer Vorwärtsdrehung von links unten nach rechts oben, also im Z-Verlauf ( / ).

2.Bei einer Z-Schärung verläuft der Faden bei einer Vorwärtsdrehung von rechts unten nach links oben, also im S-Verlauf ( \ ).

3.Bei einer S-Schärung verläuft der Faden bei einer Rückwärtsdrehung von rechts unten nach links oben, also im S-Verlauf ( \ ).

4.Bei einer Z-Schärung verläuft der Faden bei einer Rückwärtsdrehung von links unten nach rechts oben, also im Z-Verlauf ( / ).

Wie man sofort sehen kann, gibt es nur zwei mögliche Ergebnisse bei vier unterschiedlichen Manipulationsarten der Brettchen:

Soll der Faden von rechts nach links verlaufen ( \ ), dreht man ein z-geschärtes Brettchen vorwärts, ein s-geschärtes Brettchen dagegen rückwärts.

Soll der Faden von links nach rechts verlaufen ( / ), dreht man ein s-geschärtes Brettchen vorwärts, ein z-geschärtes Brettchen dagegen rückwärts.

Die logische Schlußfolgerung ist, daß es für das Ergebnis völlig egal ist, ob man ein s-geschärtes Brettchen vorwärts dreht oder ein z-geschärtes Brettchen rückwärts! Ebenso gilt dies natürlich auch im umgekehrten Fall (s-geschärtes Brettchen rückwärts = z-geschärtes Brettchen vorwärts).

z-verlauf.jpg s-verlauf.jpg

Bei z-geschärten Brettchen verläuft der verwebte Kettfaden bei einer Vorwärtsdrehung der Brettchen von rechts unten nach links oben. Der Fadenverlauf ist also “linksläufig”. Bei einer Rückwärtsdrehung hingegen kehrt sich die Verlaufsrichtung um und wird “rechtsläufig”. Die Abbildung hier links zeigt das Schema eines Gewebes bestehend aus sieben z-geschärten Brettchen, die zuerst vier Vierteldrehungen vorwärts und dann vier Vierteldrehungen rückwärts gedreht wurden (zu “lesen” von unten nach oben im Bild, so wie auch gewebt wird). Zur Verdeutlichung habe ich in das Musterschema zwei gelbe Linien eingearbeitet, die die Verlaufsrichtung der Fäden noch einmal verdeutlichen sollen. Auf der Abbildung rechts habe ich einfach die Schärrichtung von Z auf S umgekehrt. Wie man sieht, kommt dabei dann nur Klumps heraus. Deshalb ist es wichtig, auf die korrekte Schärrichtung zu achten!

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon