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Der Endloseinzug

Es gibt unter den Anfängern (und auch ein paar Fortgeschrittenen) immer noch Unverständnis, wenn es um den sogenannten Endloseinzug geht. Dabei ist das Ganze gar nicht schwierig, und das Schären geht so sehr viel schneller von der Hand. Wenn man sich zunächst an Einzugsmuster (Schnurbindung) wagt, dann ist das Schären der Brettchen Loch für Loch einzeln m.E. auch sinnvoll, weil ein ständiger Wechsel der Farben und Kombinationen stattfindet. Man könnte das zwar auch mit dem Endloseinzug realisieren, riskiert aber schnell durcheinanderzukommen.

Nun sind aber in allen anderen Techniken (außer eben bei den Einzugsmustern) immer alle Brettchen in gleicher Farbkombination geschärt, was uns dann doch ganz schnell schon aus Faulheit  zum Endloseinzug übergehen läßt. Wer will eine Stunde oder länger an der Schärung arbeiten, wenn es auch in einer Viertelstunde erledigt werden kann? ;o)

Deshalb erkläre ich hier mit Hilfe von ein paar Fotos, wie es funktioniert. Ich arbeite hier im Beispiel am Webstuhl, aber es geht natürlich auch mit ein paar einfachen Schraubzwingen. Hauptsache man hat zwei feste Punkte, um die man die Fäden wickeln kann.

Wir schären "im Paket"

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Der erste Schritt besteht darin festzustellen, wie viele Brettchen für ein Muster benötigt werden und wie viele für den Rand auf beiden Seiten. Wenn der Rand mehrfarbig und nicht zu breit werden soll, kann man die Randbrettchen auch erstmal einzeln beziehen (so mache ich das). Wenn er aber breiter und vielleicht auch noch einfarbig werden soll, kann man Endloseinzug auch auf die Randbrettchen anwenden. Das würde ich dann aber in zwei Schritten machen (also erst Randbrettchen, dann Musterbrettchen und am Ende alles in die richtige Reihenfolge schieben).

Dieses Beispiel hier befaßt sich jetzt nur mit den Musterbrettchen, also bitte nicht verwirren lassen ;o)

Wir nehmen uns also den kompletten Brettchenstapel für die Musterbrettchen und fädeln durch jedes Loch den Faden in der gewünschten Farbe und Reihenfolge - und zwar durch das gesamte Paket.

Das heißt also beispielsweise für ein Doubleface oder Köper Muster, daß wir jeweils zwei dunkle und zwei helle Fäden nebeneinander im Uhrzeigersinn durch die Löcher ziehen. Man kann dafür auch einen Häkelhaken verwenden, dann ist es leichter, den Faden durch alle Brettchen gleichzeitig zu bekommen.

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Nun werden die vier Enden verknotet und am Webstuhl (bzw. an der Schraubzwinge) befestigt, aber so, daß man sie später wieder lösen kann. Die vier Garnrollen wirft man in einen Eimer oder eine Schüssel - man kann auch vier Gefäße verwenden (für jede Rolle eins), dann verheddert sich das Ganze nicht so leicht.

In der linken Hand (ich bin Rechtshänderin) halte ich nun den Brettchenstapel und ziehe mit der rechten Hand die vier Fäden straff. Nun führe ich den Brettchenstapel um die Bolzen des Webstuhls, bis ich zu der Stelle komme, wo ich später meine Webarbeit mache. Dort löse ich ein Brettchen vom Stapel (es geht immer nur mit dem letzten Brettchen) und ziehe alle anderen Brettchen weiter nach hinten. Ein Brettchen "baumelt" nun an der Kette, und zwar an der Stelle, wo später auch alle anderen Brettchen sein sollen, wenn ich mit der Webarbeit beginnen werde.

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Die restlichen Brettchen führe ich (die Fäden immer unter Spannung haltend) um die Bolzen herum, bis ich wieder an die Stelle komme, wo bereits das erste Brettchen an der Kette "baumelt". Dort löse ich ein weiteres Brettchen aus dem Stapel und wiederhole den Vorgang.

Man muß ein bißchen aufpassen. Mir ist es schon passiert, daß ich in einer Runde vergessen hatte, ein Brettchen aus dem Paket zu lösen, so daß sich am Ende vier "leere" Kettfäden (also ohne Brettchen) zwischen den Brettchen tummelten. Ich hatte auch schon den genialen Fall, daß ich zwei Brettchen in einer Runde gelöst hatte - das war natürlich auch nicht im Sinne des Erfinders .....

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Also immer schön aufpassen und in jeder Runde nicht mehr und nicht weniger als ein Brettchen aus dem Stapel lösen, bis auch das letzte Brettchen seine endgültige Position erreicht hat und der Stapel aufgebraucht ist. Dann wird die Runde mit den Kettfäden ohne Brettchen beendet. Es kann zwischendurch immer mal passieren, daß sich die Fäden durch das Durcheinanderwerfen der Garnrollen hinten ein wenig verheddern und daß man das erstmal wieder aufdröseln muß. Das ist auch kein Problem. Man sollte nur darauf achten, daß dabei die Fäden weiterhin unter Spannung bleiben (ich trete dann einfach mit dem Fuß drauf).

Zum Schluß werden die vier Fäden abgeschnitten und die Enden mit dem Anfang verknotet. (Wir hatten den Knoten am Anfang der Prozedur ja nicht so fest gemacht, daß er sich nicht mehr lösen läßt.) Man muß nur aufpassen, daß dabei die Spannung möglichst gleichmäßig erhalten bleibt.

Das Sortieren

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Wir haben die ganzen Brettchen jetzt zwar schon in der richtigen Höhe zum Weben, aber sie sind natürlich alle noch total durcheinander. Als erstes sollten sie alle wieder zu einem ordentlichen Stapel gepackt und entheddert werden.

Der zweite Schritt besteht dann darin, jedes Brettchen in die richtige Position zu klappen (Schärrichtung) und zu drehen (Ausgangsposition laut Schärbrief). Um bei einem Brettchen die Schärrichtung zu ändern, greift man ein einfach von oben, schafft ein wenig Platz, indem man die anderen Brettchen wie zwei Hälften eines Buches auseinanderklappt, und klappt das Brettchen einmal um (so daß die Löcher, die erst vorne waren nun hinten sind). Das geht immer nur in eine Richtung, entweder von S nach Z oder umgekehrt.

Und das war's auch schon! Nun kann man gleich mit dem Weben beginnen und hat schon viel Zeit gespart.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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