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Beizen

Beim Färben mit Pflanzenfarben kommt es zunächst darauf an, daß die Fasern die Farbe auch annehmen und anschließend behalten. Sie sollte sich nicht auswaschen und bei direkter Sonneneinstrahlung möglichst nicht (oder nur geringfügig) verblassen. Das kann je nach Material sehr unterschiedlich sein, denn nicht alle textilen Fasern nehmen die Farbe gleich an, und nicht alle Pflanzenfarben sind lichtecht. Am einfachsten nehmen tierische Fasern (also Wolle und Seide) Farbstoffe an, während pflanzliche Fasern (wie Leinen, Baumwolle, Hanf usw.) generell schwieriger mit Pflanzenfarben zu färben sind. Bisher habe ich nur ein paar Erfahrungen mit Wolle und Seide gemacht und kann schon allein deshalb keine schlüssige Aussage zum Färben von pflanzlichen Textilien machen.

Im Gegensatz zu pflanzlichen Fasern haben Tierische eine “schuppige” Oberfläche, deren Strukturaufbau es der Farbe ermöglicht, tief in die Fasern einzudringen. Um diese “Schuppen” für die Farbe zu öffnen, beizt man die Fasern vor dem Färben, d.h. man verwendet chemische Hilsstoffe, die die Oberfläche der Fasern für die Farbe aufnahmefähiger machen. Hierfür verwendet man normalerweise Alaun. Alaun (Kaliumaluminiumsulfat) ist ein ungiftiges, grobkörniges Salz, das man teuer in Apotheken kaufen oder auch günstiger dort beziehen kann, wo es auch Pflanzenfarbstoffe und Weberei- und Spinnereibedarf gibt. Achtung! Auch wenn es nicht wirklich giftig ist, sollte Alaun sowie alle anderen chemischen Hilfstoffe außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden!

Auch wenn Alaun als Alaunstein in der Natur vorkommt, mag es den ein oder anderen vom Mittelalter Begeisterten vielleicht nicht zufriedenstellen, wenn einfach so Alaun gekauft und damit gebeizt wird, obwohl diese Chemikale im Mittelalter bereits gebräuchlich war. Als Alternative kann man auch mit Sauerampfer beizen, wobei man in diesem Fall aber einen Eisentopf haben muß, um die Beizstoffe freizusetzen. Im Endeffekt ist das Ergebnis wohl chemisch gesehen das Gleiche, da die Stoffe vom Sauerampfer mit dem Eisen reagieren und so auch wieder Alaun freigesetzt wird. Welche Mengen hierfür benötigt werden, kann ich aber nicht sagen, da ich es selbst noch nicht ausprobiert habe.

Der Beizvorgang

Als erstes wird die Wolle oder Seide im trockenen Zustand gewogen. Dann braucht man einen großen emaillierten Topf, in den man Wasser füllt und 15% des Gewichts des trockenen Färbeguts an Alaun hinzugibt. Bei 100 Gramm Wolle oder Seide braucht man also ca. 15 Gramm Alaun (umrühren nicht vergessen, sonst setzt sich das Salz am Boden ab). Nun wird erstmal das Färbegut naß gemacht (am besten einfach in eine Schüssel mit Wasser tauchen, damit es auch wirklich patschnaß ist). Das nasse Färbegut kommt nun in den Topf, und alles zusammen wird zum Kochen gebracht. Wichtig ist hier, wie auch beim Färben selbst, daß das Färbegut locker im Wasser schwimmen kann - also nicht zu viel auf einmal in einen zu kleinen Topf geben. Außerdem sollten wir nicht vergessen, daß Wolle keine Temperaturschocks mag. Deshalb macht es Sinn, sie gleich mit ins noch kalte Wasser zu geben und zusammen mit der “Alaunsuppe” zu erhitzen.

Nun läßt man das Färbegut ca. eine Stunde lang vor sich hin köcheln. Es muß nicht bei voller Hitze kochen, sondern es reicht, wenn leichte Bläschen aufsteigen oder die Temperatur knapp unter dem Siedepunkt liegt. Ab und zu sollte das Färbegut vorsichtig mit einem Holzlöffel bewegt werden (aber bitte nicht wild herumrühren, weil die Wolle sonst anfängt zu verfilzen). Dann nimmt man den Topf vom Feuer und läßt ihn (z.B. über Nacht) mit Inhalt auskühlen. Ich stelle ihn immer einfach auf den Balkon, da kann er in Ruhe abkühlen.

Schließlich wird das Färbegut aus dem Topf genommen und gründlich mit Wasser gespült. Jetzt kann es zum Färben verwendet werden. Bei manchen Färbungen ist es sinnvoll, die gebeizte Wolle vor dem Spülen ein paar Tage feucht liegen zu lassen (z.B. bei Krappfärbungen), und erst nach dieser Zeit zu spülen. Das Färbegut muß vorher nicht extra trocknen sondern kann dann sofort weiter verwurstet werden. Sollte inzwischen nicht mit dem Färben begonnen werden können, kann man das gebeizte Färbegut auch noch aufheben und erst später zum Färben verwenden. Es sollte dann aber nicht mehr in der prallen Sonne liegen sondern möglichst dunkel gelagert werden.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
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