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Der Färbevorgang

Da das Färben im Großen und Ganzen immer nach dem gleichen Schema abläuft, beschreibe ich hier einfach mal grundsätzlich die einzelnen Schritte des Färbevorgangs. Das Färben mit bestimmten Farbstoffen habe ich nochmal in den einzelnen Experimenten beschrieben, aber der gesamte Vorgang ist meist gleich und muß nicht jedesmal neu wiedergegeben werden. Wenn du dich also an das hier beschriebene “Schema F” hältst, kannst du nicht allzuviel verkehrt machen und selbst alles mögliche mal ausprobieren.

Hier beschrieben wird der Färbevorgang für tierische Fasern, also für Wolle und Seide. Wie es bei Leinen, Baumwolle oder anderen pflanzlichen Fasern aussieht, kann ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Außerdem sei angemerkt, daß manche Farbstoffe (insbesondere Indigo) nicht wasserlöslich sind und eine besondere Färbeküpe erfordern.

Es ist auch noch wichtig zu sagen, daß Wolle vor dem Färben unbedingt entfettet werden muß. Rohwolle zum Spinnen enthält ja oft noch einen gewissen Anteil an Lanolin (Wollfett), was dem Spinnen sehr zuträglich, für das Färben aber nicht von Vorteil ist. Wo Fett ist, kann keine Farbe eindringen. Also solltest du die Wolle ggf. vorher nochmal heiß waschen (aber nicht zu viel im Wasser bewegen - Verfilzungsgefahr!).

Die Vorbereitungen

Zunächst brauchst du einen großen emaillierten Topf (Edelstahl geht auch), einen Kochlöffel, eine Küchenwaage, ein paar große Plastikschüsseln, ein paar Tücher und natürlich die Wolle oder Seide, die du färben möchtest. Dazu kommt die Färbepflanze, die du verwenden möchtest. Für manche Färbungen ist ein Thermometer notwendig, das dir die Wassertemperatur zeigt.

Wenn man Pflanzen zum Färben oder für andere Zwecke pflückt, sollte man darauf achten, nicht radikal alle Pflanzen abzuernten sondern noch einige stehen zu lassen, damit sich der Bestand erholen kann und im nächsten Jahr wieder genügend Pflanzen zur Verfügung stehen!


Warnhinweis!

Auch wenn wir hier mit in der Natur vorkommenden Produkten arbeiten, ist nicht jede Pflanze ungefährlich!

Manche Pflanzen enthalten ätherische Öle (z.B. Rainfarn), deren Dämpfe man beim Kochen nicht einatmen sollte, andere verursachen Hautreizungen (z.B. Schöllkraut).

Informiere dich immer vorab über die Risiken beim Kontakt mit einer Pflanze, trage ggf. Handschuhe und atme die Dämpfe nicht exessiv ein!


Das Färbegut (also die Wolle oder Seide) sollte vorher gebeizt werden, damit es die Farbe besser annimmt und dann auch hält. Bevor du das Färbegut naß machst (sei es zum Beizen oder zum Färben), muß es in trockenem Zustand gewogen werden, damit du weißt, wie viel von der Färbepflanze du dazu geben mußt. Das kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Bei vielen Pflanzen geht es im Verhältnis 1 / 1, also 100 Gramm von der Pflanze für 100 Gramm Wolle. Manchmal braucht man aber auch mehr oder weniger, je nach Färbepflanze. Vieles muß man halt einfach mal ausprobieren.

Die Färbepflanze kann meist frisch oder auch getrocknet verwendet werden. Bei getrockneten Pflanzen braucht man nur ca. die Hälfte des Gewicht im Vergleich zur frischen Pflaze, da ja alle Stoffe in gleicher Menge enthalten sind und nur das Wasser der Pflanze entzogen wurde, wodurch sie weniger wiegt und auch weniger Platz im Topf einnimmt, was von Vorteil ist, weil wir ja oft keine riesigen Töpfe haben. Die Pflanze muß natürlich erstmal kleingeschnitten werden, bevor sie in den Topf kommt. Auf jeden Fall ist es auch sinnvoll, die Färbepflanze vorher über Nacht in Wasser einzuweichen. Das kann man schon direkt im Topf machen.

Farbstoffe freisetzen

Um den in der Pflanze enthaltenen Farbstoff am besten freizusetzen, sollten die über Nacht eingeweichte Pflanzen erst mal eine Stunde lang gekocht werden, manche auch bis zu drei Stunden. Einfach auf kleiner Flamme schön vor sich hin köcheln lassen. Es ist immer wieder spannend, welche verschiedenen Gerüche dabei herauskommen - von Kuhstall bis zu frisch gemähtem Gras :o)

Aber Achtung! Manche Pflanzen sind giftig!
Es kann gesundheitsschädigend sein, die Dämpfe von manchen Pflanzen einzuatmen, besonders wenn ätherische Öle beim Kochen freigesetzt werden. Dies gilt z. B. bei Rainfarn. Also bitte nicht die Nase direkt über den Topf halten oder längere Zeit direkt daneben stehen! Wenn in einer Küche gearbeitet wird, ist auch gutes Lüften hilfreich. Den Färbetopf läßt man dann abkühlen und gießt den Inhalt anschließend durch ein Tuch, wobei der “Pflanzenpamps” im Tuch gesammelt und anschließend dort eingebunden wird. Die Flüssigkeit kommt wieder zurück in den Topf. Anschließend kommt auch der im Tuch eingebundene Pflanzenpamps wieder in den Topf.

Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, eine Kontaktfärbung zu machen. Das heißt, daß die Färbepflanze nicht in ein Tuch eingebunden sondern direkt zusammen mit dem Färbegut in den Topf gegeben wird. Das kann Sinn machen, wenn man die Pflanzenkomponenten auch gut wieder von dem Färbegut trennen kann (z.B. Wallnuß- oder Zwiebelschalen). Bei Kleingehäcksteltem macht sich das aber meist nicht so gut, weil man die Stückchen dann nur sehr schwer wieder aus der Wolle oder Seide herauszupfen kann.

Das Färben

Das Färbegut wird erst mal in Wasser getaucht, um es durch und durch naß zu machen (es sei denn, es ist eh noch naß, weil es gerade gebeizt wurde). Dann gibt man es zusammen mit dem Pflanzenpamps in den Topf mit dem Färbewasser. Es ist wichtig, daß das Färbegut im Topf locker schwimmen kann, sonst wird es nicht gleichmäßig gefärbt und bekommt Flecken wie beim Batiken. Ggf. kann man ja auch noch ein bißchen mehr Wasser dazugeben, bis alles schwimmt. Nun wird der Topf erhitzt und alles zusammen eine Stunde lang gekocht. Es muß nicht wie verrückt kochen - normalerweise reicht es, wenn der Siedepunkt knapp erreicht ist und es ein wenig vor sich hin blubbert. Ab und zu sollte man das Färbegut ein wenig bewegen, aber nicht wie verrückt umrühren, weil es sonst verfilzen kann. Nach einer Stunde nimmt man den Topf dann vom Herd (oder auch vom Feuer) und läßt alles zusammen einfach auskühlen. Bei manchen Pflanzen darf das Wasser nicht kochen und muß unter einer bestimmten Temperatur gehalten werden, sonst ändert sich der gewünschte Farbton!

Waschen - spülen - trocknen

Sobald der Inhalt des Färbetopfs ausgekühlt ist, kann man das Färbegut herausholen. Da viele Farbstoffe auf UV-Licht oder auch auf Sauerstoff weiter reagieren, ist es sinnvoll, das Färbegut noch vor dem Waschen und Spülen in die Sonne zum Trocknen zu hängen, damit sich die Farbe weiter entfalten kann. Erst nachdem es in der Sonne getrocknet ist, wird es dann in klarem Wasser ausgespült und anschließend mit ein wenig Wollwaschmittel in einer Schüssel gewaschen. Dann kann man es wieder zum Trocknen aufhängen, und das Werk ist vollbracht.

Entwicklungsbad

Viele Farben kann man noch nuancieren oder auch völlig verändern, indem man nach dem Färben noch weitere Hilfsstoffe hinzufügt. Diese sind in der entsprechenden Sektion nochmal beschrieben. Wenn man mit diesen sogenannten Entwicklern arbeiten möchte, wird zunächst das Waschen, Spülen und Trocknen ausgelassen, der Entwickler direkt in das noch warme Färbebad gegeben und alles zusammen nochmal erhitzt. Dabei ist es wichtig, zunächst das Färbegut aus der Flotte zu nehmen, dann den Enwickler zuzugeben, gut umzurühren und schließlich die Fasern wieder in den Topf zu tun. Ansonsten kann es zu Fleckenbildung kommen! Erst danach wird wie beschrieben fortgefahren.

Zweit- und Drittfärbung

Oft kann man das bereits angesetzte und einmal verwendete Färbebad auch noch für weitere Färbungen verwenden. Die Farben werden dann normalerweise etwas heller, was aber auch sehr schön aussehen kann. Zwiebelschalen zum Beispiel färben erst orange und bei einer Zweitfärbung leuchtend gelb. Also, wenn noch gebeiztet Färbegut vorhanden ist, einfach mal eine Zweit- oder sogar Drittfärbung ausprobieren!

Entsorgung

Die Färbebrühe, die ja auschließlich aus ausgekochten Pflanzen besteht, kann man getrost ins Abwasser geben und die zerkleinerten, ausgekochten Pflanzenreste in der Biomüllltonne oder auf dem Kompost entsorgen. Dies gilt aber nur, wenn keine giftigen Hilfsstoffe in die Färbebrühe gegeben wurden! Wenn mit giftigen Entwicklern gearbeitet wurde, gehört die Brühe in Flaschen gefüllt in den Sondermüll. Bitte ggf. in Apotheken nachfragen, ob sie es einem dort abnehmen.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand