20.jpg
flinkhand Derzeit hat Flinkhand
1 Besucher

Kleiner Filzkurs Teil 1

von Cerid Dieterle, Waiblingen 2006

Teil 1 des kleinen Filzkurses




Der "kleine Filzkurs" stammt nicht aus meiner Feder sondern wurde mir von Cerid Dieterle zum Veröffentlichen hier auf den Flinkhand Seiten zur Verfügung gestellt.





Vielen Dank an Cerid für diesen wunderbaren und ausführlichen Artikel!

Am Anfang war das Schaf

schafe2.jpg

Das Schaf ist eines der ältesten Haustiere des Menschen. Es liefert Fleisch, Milch und durch sein Fell ein wertvolles Material für die Herstellung von Kleidung - die Wolle.

Verschiedene Schafrassen liefern verschiedene Wollqualitäten. So ist die Wolle vom Bergschaf zum Beispiel sehr robust und eher rau. Sie eignet sich für das Filzen von Schuhen, Sitzkissen oder stabilen Taschen recht gut.

Am Liebsten filze ich jedoch mit der Wolle vom Merinoschaf. Merinowolle ist sehr fein und weich. Sie hat eine sehr gute Filzeigenschaft.

Filzen ist ein uraltes Handwerk, das bereits in der Steinzeit bekannt war. Leider gibt es kaum Nachweise, weil Wolle in der Erde sehr schnell vergeht. Man vermutet aber, dass Filzen noch lange vor dem Weben bekannt war. Denn zum Filzen benötigt man weder Spindel noch Webrahmen. Nur heißes Wasser und die Bewegung der Wolle ist nötig. Die Seife ist zwar ein sehr nützliches Hilfsmittel, aber für den eigentlichen Filzprozess nicht unbedingt unerlässlich.

Man sollte bedenken, dass Seife für ärmere Menschen früher ein Luxusartikel war, den sich nur die wenigsten leisten konnten.

Die Wolle vom Schaf ist nach dem Scheren erst einmal sehr schmutzig und fettig. Deshalb muss sie gewaschen werden. Dann folgt der Vorgang des Kardierens. Die Wolle wird gekämmt und so von Unreinheiten befreit. Die Fasern werden geordnet und für weitere Arbeitsgänge wie Spinnen oder Filzen vorbereitet. Eine sehr anstrengende Arbeit und es ist unser Glück, dass wir heute schon gewaschene, gefärbte und kardierte Wolle kaufen können. Im Anhang werde ich eine kleine Auswahl von Woll-Lieferanten auflisten.

karde.jpg

Zum Kardieren der Wolle benötigt man zwei Handkarden. Das sind Bürsten mit kleinen geknickten Stahlborsten. Ähnlich wie die, die man im Heimtierladen als Entfilzungsbürste für Hunde- und Katzenfell kaufen kann - nur größer und aus Holz. Man legt etwas gewaschene Wollflocke auf die eine Bürste und zieht mit der anderen Bürste dagegen. Man kann heute Kardiermaschinen kaufen. Die so vorbereitete Wolle kann dann gesponnen oder verfilzt werden.

In der Regel bekommt man die so vorbereitete Wolle im Handel als Kardenband oder kardiert im Vlies.
Mit Vlieswolle kann man zügig arbeiten. Denn das Auslegen der Wolle geht schneller und einfacher.


Ich arbeite aber dennoch gerne mit dem Kardenband. Es ist wohl Geschmacksache und Übungssache, welche Art man bevorzugt. Man kann Wolle vom Kardenband natürlich auch in Wollvliese einarbeiten. Ebenso ist es möglich, unterschiedliche Wollsorten zu mischen. Das Einfilzen von Seidenfasern oder Hundehaaren ist ebenfalls möglich. So sind dem Filzer fast keine Grenzen in der Kreativität gesetzt und es entstehen tolle Mischungen. Es ist immer wieder erstaunlich, was für schöne Objekte entstehen.

Was ist eigentlich Filzen?

Die Haare des Schafes bestehen aus einzelnen Schüppchen. Unter dem Mikroskop sieht das fast aus, wie ein Tannenzapfen. Die Schüppchen liegen flach an. Durch das heiße Wasser, die Seife und Bewegung spreizen sich diese Schüppchen ab und die einzelnen Haare verknoten sich ineinander. Die Wolle verfilzt!


Wer schon einmal einen Wollpullover zu heiß in der Waschmaschine gewaschen hat, der hat den Filzvorgang erlebt. Der Pullover wird hart und geht ein. Filzen heißt also auch immer Schrumpfen. Heutzutage sind die meisten Wollgarne chemisch so ausgerüstet, dass sie nicht verfilzen. So sind unsere Pullover heute geschützt.


Je nach Schafsorte schrumpft ein Filzstück zwischen 30 und 60 %. Das muss man berücksichtigen, wenn man die Wolle zum Filzen auslegt. Vor allem bei passgenauen Stücken wie Schuhe, Hut oder Pulswärmer muss das genau berechnet werden. Man sollte bei solchen Arbeiten mit der jeweiligen Wolle deshalb zuerst ein Probestück filzen und genau ausmessen.

Bei Schuhen zum Beispiel stelle ich meinen Fuß auf ein Blatt Papier und male die Umrisse auf. Dann kopiere ich dieses Blatt um 30 - 40 % größer und habe so eine Schablone für einen Schuh.

Was brauche ich zum Filzen?

01arbeitsmaterial.jpg

Also erst einmal natürlich Schafwolle. Vorzugsweise vom Merinoschaf. Pflanzengefärbte Wolle verwende ich nicht gerne. Sie hat keine so guten Filzeigenschaften. Pflanzengefärbte Wolle eignet sich dafür besonders gut für das Filzen mit der Filznadel.


Heißes Wasser - je heißer, desto besser! Also habe ich immer einen Wasserkocher in der Nähe.


Eine Schüssel für das heiße Seifenwasser. Am besten eine hochwandige Rührschüssel mit nicht zu großem Durchmesser. In so einer Schüssel kühlt das Wasser nicht so schnell ab, wie in einer Schale mit großem Durchmesser.


Seife - es geht JEDE Seife. Allerdings können die Hände bei der Arbeit mit billiger Kernseife sehr leiden. Deshalb arbeite ich immer mit Olivenseife. Das ist für die Hände schonend. Ob Schmier-, Flüssig- oder Blockseife bevorzugt wird ist Geschmacksache. Bei Schmierseife wird ein Esslöffel Seife in einem Liter heißem Wasser aufgelöst. Die Blockseife ist sehr sparsam im Gebrauch.


Handtücher - kann man beim Filzen nie genug haben.


Stabile Plastikfolie als Unterlage. Auf dem Tisch und am Besten auch auf dem Boden.


Zum Besprengen der Wolle mit dem heißen Wasser eine kleine Gießkanne oder eine Ballbrause. Man kann das Wasser auch mit einem kleinen Besen aufspritzen.


Schuhbändel oder stabile Schnur zum Zusammenbinden der Rolle beim Walken.


Bambusrollo (gibt's günstig bei IKEA) oder Anti-Rutsch-Kofferraummatten aus dem Baumarkt. Mit diesen Gummimatten arbeite ich sehr gerne. Sie sind nicht so sperrig wie die Bambusrollos und unterstützen den Filzprozess sehr gut.


Fliegengitter (aus Stoff) oder Gardine zum Sichern der gelegten Wolle - sehr hilfreich beim ersten Anfilzen der Wolle.


Luftpolsterfolie, die so genannte Noppenfolie. Aus ihr schneiden wir unsere Schablonen und auch zum Walken ist sie gut geeignet. Sie ist auch als Unterlage gut geeignet.

Artikel erstellt: 18.03.2007 Author: Flinkhand
Artikel geändert: 18.03.2017 Author: Flinkhand
valid-xhtml valid-css valid-rss get Firefox get phpwcms PageRank Checking Icon